Kult des Künstlers: Wettstreit zwischen Brentano und Schinkel  |  | Karl Friedrich Schinkel, Schloß am Strom, 1820 | |
Ein Wettstreit war Ausgangspunkt für ein großes Werk romantischer Malerei: Clemens Brentano warf im Jahr 1815 seinem Freund Karl Friedrich Schinkel gegenüber die alte Frage auf, welcher Gattung der Vorrang gebühre: der Malerei oder der Dichtung. Brentano, der große Novellist des frühen 19ten Jahrhunderts, wusste eine Erzählung so kunstvoll zu erzählen und auszuschmücken, dass er sich bereits als Sieger sah. Schinkel aber, nicht minder versierter Maler als genialer Architekt, gelang es in seinem Gemälde „Schloß am Strom“ 1820, diese Erzählung so überzeitlich stimmungsvoll und doch erzählerisch spannend in Szene zu setzen, dass man sich als Betrachter noch heute in ein gemaltes Gedicht versetzt fühlt. Vorausgegangen waren eine Skizze und zwei großformatige Zeichnungen. Wer letztlich den Sieg davontrug, ist nicht überliefert, einen Abbruch trat dieser Wettstreit der seit 1811 bestehenden Freundschaft freilich nicht. Brentano, der kurzzeitig sogar Architektur bei Schinkel studierte, widmete diesem die Figur des Architekten „Bonascopa“ in einer autobiografischen Erzählung und schrieb das Gedicht „An Schinkel“, in dem er die Erfindungskraft des Malers und Baumeisters pries. Schinkel wiederum zeichnete mehrere Illustrationen zu Brentanos Werken.
Brentano und Schinkel, die zu den prägenden Geistern im Berlin des zweiten Jahrzehnts des 19ten Jahrhunderts gehörten, stehen nun im Mittelpunkt einer Ausstellung, mit dem die Alte Nationalgalerie einen weiteren Beitrag zur Reihe „Kult des Künstlers“ der Staatlichen Museen zu Berlin mit insgesamt zehn Ausstellungen im Herbst 2008 leistet. Zu sehen sind etwa siebzig Exponate zur Freundschaft und zum Umfeld dieser in Romantik wie Frührealismus, Ideal und Wirklichkeit gleichermaßen verankerten Künstler, darunter Gemälde, Zeichnungen und Bühnenentwürfe Schinkels sowie Briefe, Manuskripte und Publikationen Brentanos. So stehen Schinkels Bühnenbilder zu Mozarts „Zauberflöte“ illustrativen Zeichnungen Brentanos, etwa zu seinem Märchen „Gockel, Hinkel und Gackeleia“, gegenüber. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Goethe-Museum, Freies Deutsches Hochstift, und dem Berliner Kupferstichkabinett.
Die Ausstellung „Karl Friedrich Schinkel und Clemens Brentano – Wettstreit der Künstlerfreunde“ läuft vom 9. Oktober bis zum 11. Januar 2009. Geöffnet ist die Alte Nationalgalerie dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Es erscheint ein Katalog.
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