Luka Fineisen im Kunstmuseum Stuttgart  |  | Luka Fineisen, Flutung, 2008 | |
„Mich interessiert das Spannungsfeld zwischen Flüchtigkeit und Dauer, die Struktur eines Materials und dessen Potenzial zur Veränderung“, äußert sich Luka Fineisen zu ihrem Schaffen. Und auch die aktuelle Installation der 1974 in Offenburg geborenen „Bildhauerin“ im Kunstmuseum Stuttgart ist mehr durch Flüchtiges und Wandel, statt durch Beständigkeit und Dauer geprägt. Für die Ausstellungsreihe „Frischzelle“ hat sie die Rauminstallation „Flutung“ als scheinbare monumentale Schaumwelle entworfen: Eine über hundert Quadratmeter große Zellophanlandschaft begräbt die letzten, ins Untergeschoss führenden Treppenstufen unter sich. Nur eine schmale Passage bleibt dem Besucher, um an den gewaltigen Zellophanmassen vorbei in das untere Ausstellungsgeschoss zu gelangen. In dem filigranen Material bricht sich das Licht, die harte Oberfläche der Skulptur wirkt transparent wie ein Eisblock. „Es interessiert mich, wenn honigfarbenes Gießharz so aussieht, als würde es süß schmecken“, erklärt Luka Fineisen, „wenn Tageslicht für einen Moment etwas Ewiges bekommt oder wenn zehn Tonnen Pfannkuchenteig etwas Asketisches ausstrahlen.“
Nach einem dreijährigen Kunststudium am US-amerikanischen Memphis College of Art kehrte Luka Fineisen 1999 nach Deutschland zurück. An der Kunstakademie Düsseldorf setzte sie ihre Ausbildung bei Irmin Kamp und Fritz Schwegler fort. Hier entwickelte Fineisen ihre außergewöhnlichen Skulpturen, die durch ihre scheinbare Belebtheit und feine Struktur faszinieren und oft auf die jeweilige Ausstellungssituation zugeschnitten sind. So ließ sie 2003 für eine Präsentation im Museum Folkwang in Essen kontinuierlich Schaum aus den Öffnungen der Sheddächer quellen. Ein anderes Mal verwandelte sie einen Lastenaufzug, den sie mit Strohballen füllte, in einen riesigen Tresor mit überdimensionalen Goldbarren. In der Kunstakademie Düsseldorf füllte Fineisen 2005 ein sich über den gesamten Raum erstreckendes Becken mit einer an Pfannkuchenteig erinnernden Flüssigkeit, die von aufsteigenden Luftblasen belebt wurde. Neben visuellen und akustischen Reizen wurde bei dieser Arbeit auch der Geruchssinn des Betrachters angeregt.
Die Ausstellung „Frischzelle_09: Luka Fineisen“ läuft vom 11. Oktober bis zum 14. Dezember. Das Kunstmuseum Stuttgart hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6,5 Euro. Das Katalogheft zur Ausstellung kostet 5 Euro.
Kunstmuseum Stuttgart
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