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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Christie’s erleidet mit seiner ersten Zeitgenossenauktion seit Ausbruch der Finanzkrise einen ersten Dämpfer

Entgleist



Es scheint nun doch den Kunstmarkt erreicht zu haben, dieses Gespenst namens Finanzkrise, von dem man hoffte und doch nicht glaubte, es werde die fröhlich florierende Kunst der Welt mit ihrer hässlichen Verlegenheit, der zurückhaltenden Besorgnis und peinlichen Geldnot verschonen. Doch die beiden großen Auktionshäuser, schon in früheren Zeiten Indikatoren für Aufstieg und Fall eines milliardenschweren Geschäfts, bekamen die Auswirkungen am vergangenen Wochenende deutlich zu spüren. „Unser Gesamtergebnis konnte nicht den unteren Schätzwert erreichen“, musste die Europa-Chefin für zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s in London, Cheyenne Westphal, am vergangenen Samstag resümieren, wenngleich sie sich mit dem Ergebnis dennoch zufrieden gab. Das gleiche hörte man von ihrer Christie’s-Kollegin Pilar Ordovás über deren „Post-War & Contemporary Art“. Doch war hier gestern Abend der Einbruch dramatischer. Einer Schätzpreisgesamtsumme von 57 Millionen Pfund stand ein Bruttozuschlagsergebnis von gerade einmal 32 Millionen Pfund gegenüber. Dauerbrenner wie Andy Warhol und Damien Hirst, Jeff Koons und Francis Bacon, Ed Ruscha und Gerhard Richter wurden gemieden, als hätte es ihre Erfolge nie gegeben. Infolgedessen auch keine Rekorde, keine neuen Spitzenpreise, keine Sensationen – und eine losbezogene Zuschlagsquote von gerade einmal 55 Prozent.


„In the region of 12 £ million“ hatte es geheißen für Lucio Fontanas wild durchstochene schwarze Mondlandschaft „Concetto spaziale, la fine di Dio“, doch das eiförmige schwarze Gebilde von 1963 erreichte nur 8 Millionen Pfund. Und wurde dennoch zugeschlagen – vermutlich verlustreich für das Auktionshaus, das nicht nur für dieses Werk eine Gewinngarantie abgegeben hatte. Zum Teil deutlich unterhalb der Schätzungen blieben auch andere Spitzenstücke. Nur 1,6 Millionen Pfund gab es für eine Landschaft mit „Red House“ von Peter Doig aus den mittleren 1990ern (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP), Andy Warhol, von dem ohnehin nur drei von sechs Arbeiten übernommen wurden, erlöste mit seiner verdoppelten Marilyn Monroe in Schwarzweiß von 1962 lediglich 3,3 Millionen statt mindestens 4,5 Millionen Pfund. Den Vogel dürfte Anish Kapoor abgeschossen haben: 500.000 bis 700.000 Pfund standen auf dem Etikett für seinen kristallin-gülden schimmernden Alabasterblock von 1997, doch schon für 200.000 Pfund bekam ein Interessent dieses Schnäppchen zugewiesen. In fünf Jahren dürfte er es gewinnbringend wieder veräußern können. Selbst die Jüngsten traf es: Der 1973 geborene New Yorker Maler Banks Violette blieb mit einem mysteriösen, fahnenartigen Emblem aus dem Jahr 2000 bereits an 30.000 Pfund hängen (Taxe 50.000 bis 70.000 GBP).

Francis Bacons „Portrait of Henrietta Moraes“ fand bei 5,5 bis 7,5 Millionen Pfund keinen Abnehmer, Jeff Koons’ wie geleckt schimmernder Holzwaggon „Jim Beam-Log Car“ aus dem Jahr 1986 entgleiste bei 700.000 bis 900.000 Pfund. Mit 4,8 Millionen Pfund lag Lucian Freuds Portrait des Kollegen, Mentors und Freundes Francis Bacon noch ganz gut. Das quadratische Ölbild stammt aus den Jahren 1956/57, blieb jedoch unvollendet, weil Bacon plötzlich alle Sitzungen stornierte und seinem Lebengefährten Peter Lacy nach Marokko hinterhereilte (Taxe 5 bis 7 Millionen GBP). Auch Freuds altmeisterliches Bildnis eines lesenden Mädchens aus dem frühen Jahr 1952 behauptete sich bei 1,9 Millionen Pfund ganz anständig (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Zum gleichen Preis war sein ebenso intimes Portrait der Tochter Susie von 1989/90 angeboten, doch hier biss niemand an. Die untere Taxe von 2,8 Millionen Pfund tangierte Richard Prince mit seiner freilich auch recht vorsichtig angesetzten „Dude Ranch Nurse #2“ aus den Jahren 2002/03. Willem de Koonings 1986 geschaffenes Rotstreifenmuster mit gelben, grünen und violetten Ergänzungen „Untitled XVIII“ kam auf 2,4 Millionen Pfund (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP).

Regelrecht bemerkenswert war das fast gänzliche Versagen der deutschen Granden. Gerhard Richters abstraktes Bild „Claudius“ von 1986 sollte rund 6 Millionen Pfund erreichen, der Einlieferer hatte es im Mai 2001 für 1,7 Millionen Dollar erworben, auch nicht gerade während eines Booms. Seine Entscheidung zur Ausbezahlung der Rendite fiel jetzt ein Vierteljahr zu spät. Das gleiche Schicksal ereilte Richters 1984 datierte Abstraktion unter dem Titel „Kerzenschein“ für 2 bis 3 Millionen Pfund sowie zwei Arbeiten namens „Mehl in der Wurst“ und „Die Schmiede“ von Sigmar Polke, die – wenngleich in Öl gemalt – freilich mit 300.000 bis 600.000 Pfund auch nicht besonders günstig angesetzt waren. Einzig Anselm Reyles silberne Knitterfalten-PVC von 2004 setzte sich zu taxgerechten 110.000 Pfund ab.

Weniger desaströs verlief der Verkauf der fernöstlichen Künstler. Takashi Murakamis Vermarktungsstrategie mit peppigen Marken und hohem Wiedererkennungswert scheint auch in Krisenzeiten aufzugehen, 350.000 Pfund schaffte sein zwei mal zwei Meter großes Acrylbild „Close encounters of the third kind“ von 2002 (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP). Zeng Fanzhis unbetiteltes Maskenbildnis mit Spiegelbild steigerte sich sogar von 120.000 bis 180.000 auf 240.000 Pfund. Hiroshi Sugimoto hatte mit seiner Fotografie der „Anne Boleyn“ von 1999 Erfolg bei erwarteten 80.000 Pfund, Misserfolg für seine fast dunkelschwarze „Red Sea“ (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Kunst aus dem Iran scheint derzeit auch noch zu gehen. Jedenfalls schlossen schwarzen und bunten, 1982 gemalten Hieroglyphen „Harvest of Harmony“ des 1937 geborenen, in Paris lebenden Charles-Hossein Zenderoudi bei 180.000 Pfund gut ab (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP), gefolgt von Farhad Moshiris glitzernden Kitschschränkchen „Golden Glove Super Deluxe“ von 2003 bei 120.000 Pfund (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Jeweils 95.000 Pfund brachten James Turrell weißer Wandabschnitt in der Rauminstallation „Jadito White“ von 1967 und Cady Nolands soziopolitische und medienkritische Malerei „Patty Hearse“ von 1989 (Taxen je 100.000 bis 150.000 EUR). Einer der wenigen weiteren Maler, die ihren Schätzpreis übertreffen konnten, heißt Leon Kossoff. Sein neoexpressionistisches „Red Brick School Building, Willesden, Spring“ aus dem Jahr 1981 kletterte von 180.000 bis 250.000 auf 280.000 Pfund – nicht gerade sagenhaft, aber immerhin nur 40.000 unter dem alten Rekord.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



20.10.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


19.10.2008, Post War And Contemporary Art Evening Sale

Bei:


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