Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 28.11.2018 419. Auktion: Modern

© Van Ham Kunstauktionen

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Museum Kunst Palast skizziert Höhepunkte der einstigen kurfürstlichen Sammlung am Düsseldorfer Fürstenhof

Als Florenz an den Rhein rückte



Jan Frans van Douven, Doppelbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz und Anna Maria Luisa de’ Medici, 1708

Jan Frans van Douven, Doppelbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz und Anna Maria Luisa de’ Medici, 1708

Gleich das erste Gemälde stellt die beiden Hauptakteure vor, um die sich hier alles dreht: Den Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1658-1716), genannt „Jan Wellem“, ein Seitenspross des Hauses Wittelsbach und seine zweite Gemahlin Anna Maria Luisa de’ Medici (1667-1743). Die ebenbürtige Darstellung beider in vollem Ornat Thronenden sticht besonders ins Auge. Die Herrscherin gibt sich in den Farben der Toskana gewandet, den Schoßhund zu Füßen und einen Friedenszweig haltend. Doch er führt den Kommandostab, trägt eine aufwendig drapierte Perücke und umarmt die fast mittig angeordnete Kaiserkrone als Zeichen der Nähe zu deutschen Kaiserhaus. Das Doppelbildnis aus dem Jahre 1708 schuf der niederländische Porträtmaler Jan Frans van Douven.


Der Kunstankäufen zunächst eher zurückhaltende, 1689 verwitwete Kurfürst änderte seine Haltung mit der Ehelichung der florentinischen Prinzessin 1691. Mit dem Einzug von Anna Maria Luisa in das Düsseldorfer Schloss rückte auch Florenz an den Rhein. In kongenialer Kooperation beförderten sie ein kulturelles Engagement und legten damit den Grundstein für die heutige prosperierende Kunstszene in der Rheinmetropole, dessen lange Tradition durch diese Ausstellung endlich publik wird. In den 26 Jahren bis zum Tod Jan Wellems 1716 und der Rückkehr Anna Maria Luisas an den Arno im Folgejahr trug das Paar eine für damalige Verhältnisse an Umfang und Qualität erlesene Kollektion zusammen, auf dessen Kern der heutige Bestand des Düsseldorfer Museums Kunst Palast fußt, aus dem sich die Sonderausstellung nun entwickelt. Anlass dazu boten die diesjährigen Jubiläumsfeiern zum 350sten Geburtstag Jan Wellems, des für Düsseldorf so bedeutsamen volkstümlichen Barockfürsten.

Doch der einst grandiose Bilderschatz von rund 1.000 Gemälden, dazu Münzen, Gipsabdrücke, Statuetten, Medaillen, Preziosen aller Art ist längst in aller Welt zerstreut. Nur noch rund 40 Gemälde befinden sich in hiesigen Beständen. Meisterwerke wie „Venus und Adonis“, von Peter Paul Rubens 1610 ins Bild gesetzt, zählen dazu. Nach der Erbteilung nahm die Witwe 1717 ihren Anteil mit nach Florenz zurück, wo er heute Paläste und Museen bereichert, während Jan Wellems Nachlass aufgrund einer komplexen Erbfolge 1806 nach München gelangte und heute einen gewichtigen Teil der Alten Pinakothek beinhaltet. Wie man hört, sind die Düsseldorfer subtil mit der Prüfung von Restitutionsansprüchen befasst, die wohl eher aus einem wenig ernst zu nehmenden, im Rheinland oft ekstatischen Lokalpatriotismus herrühren.

Die Bedeutung der rund 150 Exponate starken Schau, die trotz zahlreicher Leihgaben aus aller Welt vergleichsweise nur wenige ehemals in Düsseldorf beheimatete Stücke auf Zeit an den Rhein zurückführt, liegt daher auf den Gebieten der Forschung und historischen Aufbereitung. Die Erinnerung an den vergangenen fürstlich-barockkünstlerischen Glanz, seine Entstehung und Facetten werden thematisiert. Sie lassen sich in der Gesamtheit zurückführen auf die schlagkräftige gegenseitige Unterstützung des Paares, die knallhart mit der Verfolgung Herrschaftsinteressen einherging. Denn die opulente Kunstförderung und Sammeltätigkeit war mehr macht- und prestige- als lustbedingt. Sie sollte die politische Anerkennung des Kurfürsten stärken, Kontakte schaffen, Ansprüche untermauern, ja sogar ausweiten; strebte er doch die Erlangung einer Königskrone an. Die ihm beinahe zugefallene armenische Königswürde blieb Jan Wellem dann leider versagt.

Bei Ankäufen schaukelte sich der Ehrgeiz der beiden hoch, wobei besonders die Mediceerin ihr weit reichendes Netzwerk in italienische Adels- und Kirchenkreise nutzte. Doch nicht nur allein 46 Gemälde von Peter Paul Rubens bildeten die qualitative Basis. Neben 21 Arbeiten von Anthonis van Dyck, Hauptwerken von Jan Brueghel d.Ä. sowie Spitzenwerke italienischer Provenienz, darunter solche von Annibale Carracci, Michelangelo, Leonardo da Vinci beförderten den legendären Ruf der Kollektion. Zwischen 1709 bis 1712 ließ das Fürstenpaar neben dem Stadtschloss einen dreiflügeligen Galerieanbau errichten, der nach dem Neuen Schloss Salzdahlum von 1700 früheste selbständige Museumsbau Europas. Hier fanden vornehmlich Bilder mit religiösen Motiven als Propaganda katholischer Glaubensfestigkeit repräsentative Plätze, während sich andere Teile in privaten Kabinetten von Stadtschloss, Sommerresidenz Benrath und Jagdschloss Bensberg verteilten.

In den privaten Gemächern ließen sich die Vorlieben der Kurfürstin ergründen: Meisterstücke der Goldschmiedekunst, Gläser, Juwelen, Silbergerätschaften, kostbare Möbel. Aus dem Palazzo Pitti fanden zwei Bildniskameen mit dem Fürstenpaar ebenso den Weg in die Ausstellung wie ein vom Frankfurter Goldschmied Peter Boy d.Ä. ebenfalls kurz nach 1708 gefertigter Blasebalg aus geprägtem Gold, Email, Leder und Seide. Unabhängig von seiner Gemahlin entfaltete der Kurfürst seine eigenen Sammlungsinteressen, die von Vorlieben für anspielungsreiche, erotische und humorvolle Genreszenen geprägt waren. Darüber hinaus förderten beide das Hofkünstlertum durch Berufung und Bindung von Künstlern an den Düsseldorfer Hof.

Besonderen Schwung entfaltete dieses Engagement mit dem Beginn des Galeriebaus 1709, als im lediglich 8.500 Einwohner starken Ort an der Düssel allein 368 Künstler, Handwerker und Diener vom Architekten über den Uhrmacher, Miniaturenmaler, Edelsteinschleifer bis hin zum Kabinettsmaler für den Hof arbeiteten. Sie alle prägten zusammen mit ihren Familien allein zahlenmäßig die Kleinstadt. Neben dem besonders privilegierten Kabinettsmaler Jan Frans van Douven, der auch die Funktion eines Oberaufsehers in der Galerie sowie die des Kunstagenten wahrnahm und von dem prachtvolle Fürstenbildnisse die Schau bereichern, gehörte Hofstatuarius Gabriel Grupello zu den herausragenden. Seine das Kurfürstenpaar porträtierenden marmornen Monumentalbüsten, die einst den Galeriezugang flankierten, finden sich in der Ausstellung ebenso wie das einst im Giebel des Galeriebaus angebrachte Doppelbildnis des Paares. Aus Basel entliehen wurde eines der Highlights, nämlich der ebenfalls von Grupello um 1710 konzipierte Karussellschlitten des Kurfürstenpaares mit der Göttin Diana als Galionsfigur.

Die Berufung von Künstlern internationaler Reputation nach Düsseldorf stärkte den Ort als Kunstzentrum ersten Ranges. Dazu gehörten Adriaen van der Werff, dessen Gemälde „Huldigung der Künste” als eines von Vieren aus der Münchner Alten Pinakothek entliehen werden konnte, die mit Stillleben vertretene Malerin Rachel Ruysch oder Eglon Hendrik van der Neer. Weiter waren die besten holländischen Feinmaler aus der Zeit um 1700 fast ausschließlich am Düsseldorfer Hof tätig, darunter Herman van der Mijn, Coenrat Roepel, Gerard Hoet, Gerard de Lairesse. Aber auch Werke stilistisch ähnlich ausgerichteter deutscher Maler wie jene von Paul Bril, Hans Rottenhammer oder Adam Elsheimer vervollständigten das Doppelprofil der Kollektion aus Ankäufen und Auftragsarbeiten, niederländisch-deutschen und italienisch-venezianischen Kunstwerken. Viele venezianische Dekorationsmaler und Wandmaler wie Antonio Bellucci, Giovanni Antonio Pellegrini, Domenico Zanetti wurden für Ausstattungen in Schlössern, allen voran Bensberg engagiert, wovon zahlreiche Ölskizzen zu Wand- und Deckendekorationen Zeugnis ablegen.

Eindeutiger Schwerpunkt der Sammeltätigkeit wie auch der Ausstellung sind religiöse Historienwerke, hauptsächlich Mariendarstellungen. Im Zentrum der Schau steht das monumentale, in Düsseldorf beheimatete Gemälde „Die Himmelfahrt Mariens“ von Peter Paul Rubens, das als bedeutendste Hinterlassenschaft der legendären Gemäldegalerie gilt. Das viereinhalb mal drei Meter messende Monumentalwerk ließ sich einfach nicht auf einen Pferdewagen verfrachten, was 1806 den Abtransport nach München verhinderte. Nach zwanzig Zwischenstationen landete es letztendlich im Museum Kunst Palast. Maria erscheint halb getragen, halb aus eigener Kraft in den Himmel aufzusteigen, klassisch in Blau und Rot gewandet. Einzigartig formulierte Rubens die Gestensprache der Hände durch spezielle Haltungen mit dem Ziel, diverse Gefühlsregungen bei den Gläubigen zu wecken.

Nach dem Konzil von Trient 1563 startete die katholische Kirche über den Marienkult eine wirksame Offensive gegen die lutherisch-kalvinistische Revolution. In diesen Kontext fällt das von Rubens zwischen 1616 bis 1618 gemalte Meisterwerk im Typus einer triumphierenden Himmelskönigin. Kurfürst Jan Wellem erwarb es 1711/12 von der katholischen Kirche. Leider wurde die Prunkrahmung 1856/66 zusammen mit einer Gemäldekopie verkauft. Jüngst konnte im Rahmen tiefgründiger Forschungen das zugehörige Retabel in einer belgischen, nahe Brüssel gelegenen Kirche aufgespürt werden. Am Schluss der Ausstellung versetzt eine virtuelle, dreidimensionale Rekonstruktion das Tafelbild in den angestammten Rahmen. Da das Originalretabel nicht nach Düsseldorf transloziert werden kann, träumen nun die Verantwortlichen in Düsseldorf von einer Rekonstruktion des originalen Festgewandes, um der auf 16 zusammengesetzten Eichenbrettern aufgetragenen Darstellung zur vollen Entfaltung seiner Wirkungsmöglichkeit zu verhelfen.

Die Ausstellung „Himmlisch – Herrlich – Höfisch. Peter Paul Rubens, Jan Wellem und Anna Maria Luisa de’ Medici“ ist noch bis zum 11. Januar 2009 zu besichtigen. Das Museum Kunst Palast hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch erschienen, das an der Museumskasse 29,90 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Kunst Palast

Ehrenhof 4-5

DE-40479 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 566 42 100

Telefax:+49 (0211) 566 42 906

E-Mail: info@museum-kunst-palast.de



23.10.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 19

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Berichte (3)Variabilder (13)Im Verkauf - Events (1)

Veranstaltung vom:


20.09.2008, Himmlisch – Herrlich – Höfisch. Peter Paul Rubens, Jan Wellem und Anna Maria Luisa de’ Medici

Bei:


Museum Kunst Palast

Bericht:


Mannheim stellt neueste Erkenntnisse zur Medici-Sippe vor

Bericht:


Kurfürst Johann Wilhelms Bilder gehen in die Verlängerung

Bericht:


100 Jahre Museum Kunst Palast

Variabilder:

Antonio Bellucci zugeschrieben, Minerva, Merkur und Plutus huldigen der Kurfürstin Anna Maria Luisa de’ Medici, nach 1706
Antonio Bellucci zugeschrieben, Minerva, Merkur und Plutus huldigen der Kurfürstin Anna Maria Luisa de’ Medici, nach 1706

Variabilder:

Jan Frans van Douven, Doppelbildnis Johann
 Wilhelm von der Pfalz und Anna Maria Luisa de’ Medici, 1708
Jan Frans van Douven, Doppelbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz und Anna Maria Luisa de’ Medici, 1708

Variabilder:

Johann Friedrich Ardin, Miniaturbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz,
 1712
Johann Friedrich Ardin, Miniaturbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz, 1712

Variabilder:

Düsseldorfer Stadtschloss vom Westen, Bauzustand frühes 18.
 Jahrhundert
Düsseldorfer Stadtschloss vom Westen, Bauzustand frühes 18. Jahrhundert







Antonio Bellucci zugeschrieben, Minerva, Merkur und Plutus huldigen der Kurfürstin Anna Maria Luisa de’ Medici, nach 1706

Antonio Bellucci zugeschrieben, Minerva, Merkur und Plutus huldigen der Kurfürstin Anna Maria Luisa de’ Medici, nach 1706

Johann Friedrich Ardin, Miniaturbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz, 1712

Johann Friedrich Ardin, Miniaturbildnis Johann Wilhelm von der Pfalz, 1712

Düsseldorfer Stadtschloss vom Westen, Bauzustand frühes 18. Jahrhundert

Düsseldorfer Stadtschloss vom Westen, Bauzustand frühes 18. Jahrhundert

Peter Paul Rubens, Venus und Adonis, um 1610

Peter Paul Rubens, Venus und Adonis, um 1610

Peter Paul Rubens, Himmelfahrt Mariae, 1616-1618

Peter Paul Rubens, Himmelfahrt Mariae, 1616-1618

Herman van der Mijn, Venus, Jupiter und Amor, um 1712

Herman van der Mijn, Venus, Jupiter und Amor, um 1712

Gabriel Grupello, Porträtbüste der Kurfürstin Anna Maria Luisa, um 1700

Gabriel Grupello, Porträtbüste der Kurfürstin Anna Maria Luisa, um 1700

Jan Frans van Douven, Reiterbildnis des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, 1703

Jan Frans van Douven, Reiterbildnis des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, 1703

Ignaz Elhafen, Bekehrung des Saulus, um 1700

Ignaz Elhafen, Bekehrung des Saulus, um 1700

Jan Frans van Douven, Das Kurfürstenpaar im spanischen Kostüm bei Tanz, 1695

Jan Frans van Douven, Das Kurfürstenpaar im spanischen Kostüm bei Tanz, 1695

Jan Frans van Douven, Selbstbildnis mit dem Bildnis des Kurfürstenpaares Johann Wilhelm und Anna Maria Luisa, um 1715

Jan Frans van Douven, Selbstbildnis mit dem Bildnis des Kurfürstenpaares Johann Wilhelm und Anna Maria Luisa, um 1715

Gabriel Grupello, Porträtbüste des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, um 1700

Gabriel Grupello, Porträtbüste des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, um 1700




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce