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Klassische Moderne im Dorotheum Wien

Frauen für die Kunst



Gustav Klimt, Bildnis eines Mädchens mit entblößter Brust, um 1916

Gustav Klimt, Bildnis eines Mädchens mit entblößter Brust, um 1916

Lüstern, schmachtend, lasziv, flott, sportlich, sinnlich, anrüchig, selbstbewusst – so oder so ähnlich schauen oder schauen auch gelegentlich nicht, bewegen, sitzen, stehen und vor allem sind ihrem Wesen nach die Frauen der Moderne-Auktion im Wiener Dorotheum am 25. November. Und von denen gibt es einige. Gustav Klimt schickt gleich drei entsprechende Zeichnungen ins Rennen, darunter eine Frau mit zurückgeneigtem Kopf und geschlossenen Augen von etwa 1913 für sein Gemälde „Die Jungfrau“ (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und sein den Betrachter geradeaus, fast fordernd anblickendes Mädchen mit entblößter Brust, einer Maria lactans gleich, um 1916 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Fast ein wenig schnippisch wendet sich Kees van Dongens „Femme blonde“ vom Betrachter ab, derweil der lose aufgelegte Schleier ihre ganze Vorderfront entblößt (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Wildes Durcheinander herrscht bei Fernand Léger. Seine „Étude pour ‚Les Plongeurs’“ von 1941 mit mehreren ineinander verschlungenen Menschenleibern verrät sofort, dass es dem französischen Künstler vorrangig um ein formal-kompositorisches Problem zu tun ist (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR).


Manche der Damen sind nicht zum ersten Mal zugegen, so die beiden Sportsfreundinnen von Emil Nolde, der seinen stehenden Frauenakt im Profil nach links 1912 die Arme ausstrecken lässt (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), und Karl Hofer, dessen Bodybuilderakt mit erhobenen Armen aus dem Jahr 1954 schon seit Jahren durch die Auktionshäuser der deutschsprachigen Länder tingelt und jetzt auf 25.000 bis 35.000 Euro gesunken ist. Oskar Kokoschka, dessen Hauptwerk diesmal eigentlich das Kinderbildnis „Davis Children“ von 1958 ist (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR), verzichtet 1936 auf nähere Angaben seines blauen Farbstifts und überlässt uns einen weiblichen Torso, der an den Unterschenkeln und überm Hals einfach aufhört (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Lasziv, nur mit einem engen Mieder bekleidet, gibt sich Lotte Schmalhausen, George Grosz’ Schwägerin, in einer Zeichnung des Meisters aus dem Jahr 1929: Lustige Verwandtschaftsverhältnisse treten da zutage (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR). Muss auch nicht jeder so mürrisch dasitzen wie der schwarze Arbeiter, den Grosz circa 1934 in Brooklyn traf und sogleich in einem schönen, satten Aquarell festhielt (Taxe 30.000 bis 32.000 EUR).

Sogar mancher männliche Akt hat sich in die Offerte verirrt, an erster Stelle Koloman Mosers springenden Jüngling, der sich als allegorische Darstellung auf den Frühling freut. Vor fünf Jahren erst war das um 1900 unter sichtbarem Einfluss Ferdinand Hodlers entstandene Ölbild bei Christie’s in London für 60.000 Pfund verkauft worden, jetzt werden 90.000 bis 130.000 Euro erwartet. Selbst Ludwig van Beethoven muss nackt posieren: Georg Kolbe stellte den Komponisten in seinem vierten Entwurf für das Frankfurter Bronzedenkmal zwischen zwei Begleitfiguren dar, vielleicht seinen Musen. Wann das vorliegende Exemplar gegossen wurde, ist nicht ganz klar, vermutlich in den 1950er Jahren, also posthum (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Männliche Akte in Bronze stellen auch Marino Marini und Arturo Martini zur Verfügung. Ersterer einen „Piccolo Satiro“ im Laufschritt, gegossen 1926/27 als Unikat, der Ältere von beiden einen „Torso di giovanetto“ aus der Zeit um 1929 (Taxen je 20.000 bis 30.000 EUR). Vorwiegend männliche Akte gestaltete auch Anton Kolig, so in Zeichnungen für bis zu 6.000 Euro. Bei seinen „Geschwistern“ aus dem Jahr 1936 allerdings sind Mann und Frau dagegen paritätisch besetzt und vollständig angekleidet. Obwohl die Dargestellten sehr erwachsen wirken, handelt es sich um den zwölfjährigen Eberhard und die vierzehnjährige Irmgard Brüning (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Doch zum Glück hält das Dorotheum auch noch einige andere Motive bereit. Reich ist doch beispielsweise die Natur. Sie bietet von Klimts ewigem Schüler und Rivalen Egon Schiele einen Baum im Vorfrühling, der noch in der Dürre des Winters steht, aber schon die keimende Kraft der kommenden Jahreszeit erahnen lässt. Der etwa 18jährige angehende Meister zeichnete diese Studie um 1908 mit zarten Bleistiftstrichen und einigen wenigen Farbakzenten (Taxe 34.000 bis 45.000 EUR). Daneben schickt freilich auch Schiele eine Frau in sitzender Haltung mit betont schwarzen Haaren aus dem Jahr 1909 zur Auktion (Taxe 38.000 bis 45.000 EUR). Rudolf Wacker kommt mit der stillen Landschaft „Fischerhütte am Untersee“ aus dem Jahr 1925 bei 18.000 bis 23.000 Euro zum Zuge. Leo Putz entsendet gar eines der Hauptlose der ganzen Auktion, seine 1924 datierte „Regatta“ mit zwei Damen im Vorder- und einer Gesellschaft im Hintergrund, die sich in gepflegter Unterhaltung an einem schönen Strand ergehen. 180.000 bis 250.000 Euro sind für das Gemälde veranschlagt, das vor einem Jahr im selben Haus noch 250.000 bis 320.000 Euro kosten sollte.

Für die Stilllebenkunst stehen Alexej von Jawlenskys zwei blauen Blumenvasen und eine Enzianschale, eine späte Erinnerung von 1936 an seine expressionistische Glanzzeit der 1910er Jahre. Gegen Ende seines Lebens war der Künstler bereits von schwerer Arthritis gezeichnet und konnte – wie hier – nur mehr auf winzigen Formaten „meditieren“. Vorliegendes Ölbild gehört zu einer ganzen Serie ähnlicher Arbeiten (Taxe 85.000 bis 95.000 EUR). Ferner Josef Dobrowsky mit einem blauen Krug samt bunten Blumen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Dobrowsky, dessen Preise in den vergangenen Jahren kräftig angezogen haben, steht allerdings auch mit einer 1942 datierten Winterlandschaft bereit, die die Dürre der kriegerischen Entstehungszeit einfängt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). In ein kubistisches Brechungs- und Flächensystem spannt Fritz Kronenberg 1932 ein modern eingerichtetes Interieur ein, in dem sich unter anderem ein Tisch mit Fransendecke, Kannen, Vasen und Früchte finden. 25.000 bis 35.000 Euro sollten allein schon wegen des überlebensgroßen Formats von vier Metern Höhe zu erreichen sein. Paul Klee bereichert das Angebot um eine fantasievolle Pinselzeichnung aus dem Jahr 1932 unter dem Titel „Moorleute“ (Taxe 55.000 bis 75.000 EUR).

An abstrakter Kunst ist die Offerte nicht sehr groß. Auch Max Ernst meint immerhin noch einen Wald, als er seine dementsprechend französisch betitelte Ölstudie auf Papier bannte. Sogar die unter- oder aufgehende Sonne hinter den grünen Farbschlieren ist zu erahnen (Taxe 90.000 bis 100.000 EUR). Dezidiert ungegenständlich sind endlich die „Six espaces distincts“ von Sophie Taeuber-Arp aus dem Jahr 1939 im geometrisch-konstruktiven Gestus (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Traditionell stark im Dorotheum vertreten ist die italienische Moderne. Hier findet sich auch das eigentliche Hauptlos der Auktion, zwar nicht dem Schätzpreis von 170.000 bis 250.000 Euro nach, aber schon der Platzierung auf dem Titel des Katalogs. Die pittura metafisica des italienischen Kunstneuerers Giorgio de Chirico ist in Form der „Piazza d’Italia“ in ihrer ganzen Unverwechselbarkeit zu erleben, als dämonische, schlaglichtartig beleuchtete, surreale Architekturkomposition, in der der Mensch – hier in Form zweier Herren – völlig verloren erscheint und sich trotz einer Fülle an Motiven bedrückende Leere breit macht. Allerdings handelt es sich bei dem Gemälde um ein Spätwerk aus dem Jahr 1960, als der Künstler bereits die Summe seines langen Schaffens zu ziehen begann.

In Chiricos Fahrwasser bewegte sich Felice Casorati, was man auch seinen 1946 gemalten rätselhaften „Due teste e carte da gioco“ anmerkt (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Daneben stehen ein schönes Stillleben Osvaldo Licinis aus dem Jahr 1921 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), die Historienkomposition „Studio d’una cavalcata“ Aligi Sassus von 1941 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und eine leere „Strada in curva (Paesaggio)“ von Ottone Rosai um 1950 (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR). Frankreich hält vor allem Georges Rouault dagegen, von dem es das besonders schöne, weil noch zwischen Expressionismus und glasfensterartiger Meditationskunst stehende Exemplar eines „Clown tragique“ von 1911 gibt (Taxe 90.000 bis 100.000 EUR). Der Wahlfranzose Victor Brauner steuert ein von einer Schlange durchzogenes Kopfgebilde unter dem Titel „Devenir non devenant“ aus dem Jahr 1943 bei (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Obwohl allenthalben eigentlich der zeitgenössischen Kunst zugerechnet, rangieren auch die Wiener Phantastischen Realisten ob ihrer betonten Gegenständlichkeit unter Klassischer Moderne. Hauptvertreter ist Rudolf Hausner mit seinem Selbstbildnismotiv „David“ am Billardtisch aus dem Jahr 1987 (Taxe 68.000 bis 90.000 EUR), sekundiert von einer unbewohnten Traumlandschaft Karl Hodinas (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 25. November um 18 Uhr. Die Vorbesichtigung findet noch bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



19.11.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 90.000 - 130.000 EURO

Zuschlag: 320.000,- EURO

Losnummer: 9




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