Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 14.09.2019 Auktion 14. September 2019

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Ausgewählte Werke bei Grisebach

Schad gegen Molzahn



Max Liebermann, Strandleben, 1916

Max Liebermann, Strandleben, 1916

Internationales Flair umhaucht die Fasanenstraße im edlen Berliner Westen am 28. November: Mit Grisebachs „Ausgewählten Werken“ erreicht die lange Reihe der deutschen Herbstauktionen wieder ihren Höhepunkt. Freilich hält die Villa ihren dauernden Lieblingen stets die Treue: Die Veranstaltung gerät erneut zu einer Paradevorstellung der deutschen Kunst des späten 19ten und 20sten Jahrhunderts, insbesondere der Expressionisten und der Zeitgenossen. Nur eine Handvoll Künstler aus anderen Ländern hat sich in die 86 Losnummern verirrt, und zwischen den 1930er und den 1960er Jahren ist eine auffallende Lücke zu konstatieren. Was die Preise betrifft, so scheinen die endlosen Litaneien von Krise und Wegbruch der Käuferschicht wenig Eindruck zu machen. Zum Teil sehr moderat im Mittelfeld, stellt man vor allem an Spitzenwerke von Spitzenkünstlern hohe Anforderungen und gibt einigen Außenseitern eine Chance, hebt Besonderes hervor und lässt Gängiges, Durchschnittliches im Rahmen dessen, was der Markt bisher vorgegeben hat.


Grisebachs Stammgast Adolph von Menzel macht wie üblich den Anfang, nicht allein mit einer seiner zahllosen Kohle- und Bleistiftzeichnungen, einem Portrait des altehrwürdigen Kasseler Lithografen und Malers Justus Krauskopf von 1866 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR), sondern auch mit dem Aquarell der „Tochter des Justizministers Maercker“ beim Blättern in einem Buch. Es bezeugt, in welch hohe Kreise der junge Menzel bereits 1848 eingedrungen war (Taxe 90.000 bis 150.000 EUR). Es folgen die deutschen Impressionisten, zunächst Lesser Ury mit einer glitschigen Straßenszene in „Berlin bei Nacht“, 1889 ausnahmsweise in Öl festgehalten (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), und Grisebachs Dauerbrenner Max Liebermann. Jetzt werden zwei Leinwände offeriert, die in ihrer Ausarbeitung zwischen Ölstudie und fertigem Gemälde changieren. Die mit 180.000 bis 240.000 Euro günstigere „Karre in den Dünen“ aus dem Jahr 1913 erscheint sogar noch weiter ausgereift und ist zudem größer als seine schemenhaft dargestellten Spaziergänger im „Strandleben“ von 1916. Dies trägt trotzdem die höhere Schätzung von 500.000 bis 700.000 Euro.

Grisebachs fast schon obligatorischer Sonderkatalog widmet sich Lovis Corinth aus Anlass seines 150sten Geburtstags am 21. Juli 1858. Angeboten wird ein Dutzend Arbeiten überwiegend aus der Spätzeit des 1925 gestorbenen Künstlers, für die bekanntlich eine expressiv-abstrakte Unrast charakteristisch ist und die seiner vielseitigen künstlerischen Entwicklung eine bemerkenswerte Facette hinzufügt. Beispiele sind sein Aquarell eines Straußes Gartenwicken aus dem Jahr 1923 (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR) oder sein 1922 entstandenes Selbstportrait am Walchensee in Öl, der auch Gegenstand zweier trotz aller Skizzenhaftigkeit vollgültigen Seeblicke im „Junimond“ 1920 und in einer glitzernden „Mondnacht“ 1924 ist (Taxen je 400.000 bis 600.000 EUR). Die vorhergehende, von opulenter Körperlichkeit und kraftstrotzender Diesseitigkeit gekennzeichnete Schaffensperiode vertritt ein „Weiblicher Halbakt am Fenster“ von 1908 mit einer brünetten Schönheit inmitten weißer Umhänge und Gardinen (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Zwischen beiden Phasen steht 1915 ein „Flieder in Vase“, der ebenfalls die Neigung des Künstlers zu starken Weißakzenten dokumentiert (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Das „Dreigestirn“ des deutschen Impressionismus macht Max Slevogt mit seiner 1929 datierten Herbstlandschaft bei Neukastel mit Blick auf Ilbesheim komplett (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR).

Zum Zuge kommen ferner traditionell die Worpsweder Künstler. Drei Gemälde stammen von Paula Modersohn-Becker, von denen ihr märchenhaft schillernder „Blühender Apfelbaum II“ aus dem Jahr 1901 (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) und die „Bäuerin mit Kind und Säugling zwischen Birkenstämmen“ um 1904 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR) unverwechselbar die zwischen Naivität und psychologischer Feinfühligkeit vagierende Eigenart der sensiblen Künstlerin zeigen. Fast brutal dagegen der rasende Strich auf Heinrich Vogelers „Barkenhoff in der Sonne“ von 1923. Er scheint Ausdruck für die zunehmende Unlust des Künstlers, der einst zum Kern der Worpsweder Gruppe gehörte, das trügerische Glück dieser Scheinidylle aber nicht auf Dauer ertrug und sein liebliches Domizil wenig später verlassen sollte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Als impressionistischer Liebermann-Nachfolger ist Emil Nolde in seinem Ölbild „Wassermühlen Rüttebüllkoog“ zu studieren: Die Landschaft ist nur durch den engeren Pinselstrich als Werk des späteren Expressionisten zu erkennen (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Besser kennt man Nolde aufgrund seiner späteren Blumen-, Landschafts- und Menschenaquarelle, von denen Grisebach fünf Stück zwischen 40.000 und 200.000 Euro im Angebot hat. Teuerste Expressionistin ist diesmal Gabriele Münter, die sich im „Stillleben im Kreis“ 1911 vorsichtig den Möglichkeiten einer kubistisch oder abstrakt neu gesehenen Welt annähert (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Dazu treten zwei ihrer flächig gemalten Landschaften aus der bayrischen Voralpengegend für bis zu 150.000 Euro.

Als spektakulärer darf aber Ernst Ludwig Kirchners „Kokottenkopf in Federhut“ gelten, handelt es sich bei der Nahsicht doch um eine vierfarbige Lithografie aus Kirchners besten Jahren 1909/10, von der nur noch vier weitere Abzüge bekannt sind, davon je einer in Museen in München und in Ulm. Anspruchsvolle 300.000 bis 350.000 Euro schließen an die höchsten Preise an, die bisher für solche grafischen Blätter gezahlt wurden. Der Glanzzeit des Expressionismus sind Hermann Max Pechsteins „Sonnenblumen“ 1931 bereits entschwunden, doch die Erinnerung daran bleibt in der betonten Nähe, der haptischen Gegenständlichkeit und der kraftvollen Farbigkeit immer noch wach. Das Ölgemälde zählt zum Besten, was man aus dieser Zeit Pechsteins kriegen kann (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR). Georg Tapperts groß ins fast quadratische Bildformat eingepresste zwei „Köpfe (Freundinnen)“ stammt dann wieder aus bester Expressionistenzeit von 1909 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Bedeutendes leistete jene Generation aber auch in der Zeichnung. Zu den Bekanntesten und heute Beliebtesten darin gehört George Grosz, der mit giftiger Kritik 1927 eine „Illustre Gesellschaft“ aufs Papier bannte und mit Aquarellfarben das Hässliche der verbrauchten Frau oder des lüsternen Mannes noch betonte (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Dicht drängt sich Alles in seiner etwas reicher aquarellierten „Barszene, New York“ von etwa 1935, als Grosz bereits aus Deutschland geflohen war, um sich in der neuen Heimat allmählich zu mäßigen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Stark auch die apokalyptische Szene, die Ludwig Meidner 1915/16 in Tusche zeichnete. Dargestellt ist die überstürzte Flucht der Menschen aus einer brennenden Stadt, die aber auch Raum für schöne Momente wie den Schutz einer Mutter für ihre Familie lässt (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). In gleicher Technik fing Conrad Felixmüller 1922 die sinnlose Welt eines Mannes „Vor der Kneipe – Arbeitslos“ ein (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Auch Werner Heldts wilder „Aufruhr 1848“, gezeichnet 1948 im Gedenken am die März-Revolution hundert Jahre zuvor, ist mehr von gesellschaftspolitischen, denn von menschlich existenziellen Implikationen geprägt (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Johannes Molzahn ist der erste Abstrakte bei Grisebach. „Pulsender Stern“ von 1919 und „Zum Thema Fluggestaltung“ von 1921 sind nur zum Schein an Zwecke gebunden, in Wahrheit aber Feste der Farben, die für sich genossen werden wollen (Taxen je 40.000 bis 60.000 EUR). Auf Molzahn folgte freilich erst einmal das genaue Gegenteil, die präzise Darstellung eines „Hochwalds“ 1936 aus der Hand des Neusachlichen Christian Schad, die frappierend an Caspar David Friedrich erinnert und außerdem auf der gleichnamigen Erzählung des österreichischen Schriftstellers Adalbert Stifter basiert. Das Gemälde, das 1978 direkt vom Künstler an eine Privatsammlung gelangte, markiert aber auch dessen Flucht in die innere Emigration während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Auf Molzahns Weg folgen erst 1947 wieder Willi Baumeister mit einer „Hellen Bewegung 3“ schwebender Formen und einem ein Jahr jüngeren „Kleinen Duo“ (Taxe je zwischen 80.000 bis 120.000 EUR), Imi Knoebel mit der vertikal strukturierten Streifendispersion „38 s 0,9 w 0,2“ von 1967 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), Günther Uecker 1984 mit einem schwingenden Nagelbild „Gespaltenes Feld“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), und – jetzt schon 1995 – Emil Schumacher, dessen informelle „Ceres“ zumindest im goldgelben Untergrund an die Göttin des Ackerbaus und Sommers erinnert (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Die 1960er Jahre beginnen mit einem der wenigen, aber zumindest wohl bekanntesten Ausländer: Pablo Picassos Tuschezeichnung „Picador et Femmes“ entstand 1960 und lebt vor allem vom Reiz zwischen Hell und Dunkel, den Picasso bei Rembrandt lernte (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR). Ansonsten dominieren die heute um die siebzig Jahre alten Granden der deutschen Kunst, so Georg Baselitz’, unter dessen drei Werken vor allem ein „Roter Vogel“ von 1971/72 hervorragt – wenn auch mit dem Kopf nach unten – (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR), und Markus Lüpertz, dem 1973 ein „Arrangement für eine Mütze“ in Grün und Braun einfiel (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR), sowie schließlich Gerhard Richter, der sich 2006 in seinem kleinformatigen „Cut“ mit der Nummer 896-5 an seine abstrakten Bilder der 1980er Jahre erinnert (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Früh verstorben ist Joseph Beuys, der 1981 nach dem verheerenden Erdbeben in Süditalien auf Einlandung Lucio Amelios die Aktionsplastik „Vestito Terremoto“ schuf. In der ritualhaften Arbeit thematisierte Beuys die zerstörerische Macht, wie auch das kreative Potential des Bebens. Die Relikte davon – mehrere Teile zerschnittener Herrenoberbekleidung, Papierstreifen mit einem Elektrokardiogramm Amelios und eine Dokumentarfotografie – gibt es für 80.000 bis 120.000 Euro.

Die jüngste Kunst aus Deutschland ist etwas ausgedünnt, hat nur noch Eberhard Havekosts „National Geographic“ von 2003 zu bieten, die sich als Weltbezwinger über dem Wolkenmeer sehr amerikanisch gebiert (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Dafür macht sich das internationale Parkett stark, unter anderem mit Wim Delvoyes ornamental mit dem Louis Vuitton-Logo tätowierter Schweinhaut „Painting“ von 2004 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und einer fotografischen Kostprobe aus Matthew Barneys filmischem Schaffen unter dem Titel „Cremaster 4: The Loughton Candidate“ von 1994 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Francis Alÿs thematisiert in seiner Kunst die Fabeln, Mythen und Kuriositäten seiner Wahlheimat Mexiko. Bei einem kleinen Gemälde liefert er die Deutung in Form eines beigehefteten Zeitungsausschnittes mit. Er berichtet von einem Mann, der mit der Macht seines Geistes Eisenstangen verbiegen kann (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).

Die Skulptur bietet wenig Überraschendes. Ernst Barlach beeindruckt eigentlich weniger durch die einige Jahre nach seinem Tod 1938 gegossene Bronze „Der Flötenspieler“ von 1936 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) als vielmehr durch den derben „Kopf einer russischen Bäuerin mit Kopftuch“ als Tuschezeichnung von 1907 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Etwas ausgefallener ist Ewald Matarés „Schreitender (Torso)“, ein Unikat aus Eschenholz mit der Datierung 1926. Der Künstler hatte sich erst wenige Jahre zuvor überhaupt der Bildhauerei zugewandt und sollte später vor allem durch seine Tierplastiken und religiösen Kunstwerke Aufmerksamkeit erregen (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Karl Hartung abstrahiert in seiner Bronze „Kore“ von 1953 noch mehr, so dass von der Frauengestalt nur noch eine zur Leibesmitte verschlankte Säulenform übrigbleibt (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Die neueste Zeit kommt wieder mit zwei Balanceakten George Rickeys für bis zu 150.000 Euro zum Zuge.

Die Auktion beginnt am 28. November um 17 Uhr. Die Vorbesichtigung findet vom 22. bis 25. November täglich von 10 bis 18:30 Uhr, am 26. November von 10 bis 17 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.villa-grisebach.de einsehbar.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



21.11.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bei:


Grisebach

Bericht:


Kokotten zum Spitzenpreis

Kunstwerk:

Max
 Liebermann, Strandleben, 1916
Max Liebermann, Strandleben, 1916

Kunstwerk:

Lovis Corinth, Walchensee, Mondnacht, 1924
Lovis Corinth, Walchensee, Mondnacht, 1924

Kunstwerk:

Lovis Corinth, Selbstporträt am Walchensee, 1922
Lovis Corinth, Selbstporträt am Walchensee, 1922







Lovis Corinth, Selbstporträt am Walchensee, 1922

Lovis Corinth, Selbstporträt am Walchensee, 1922

Taxe: 400.000 - 600.000 EURO

Zuschlag: 360.000,- EURO

Losnummer: 24

Lovis Corinth, Walchensee, Mondnacht, 1924

Lovis Corinth, Walchensee, Mondnacht, 1924

Taxe: 400.000 - 600.000 EURO

Zuschlag: 450.000,- EURO

Losnummer: 29




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce