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Moderne Kunst bei Lempertz in Köln

Frau bewacht Jüngling



Da wankt die Erde, wackeln die Kirchtürme, erglühen die Dächer, erblitzt der Himmel von Gewitterblau zu Feuergelb – und vorne ein Menschenpaar, eng einander geschmiegt, die Frau mehr den Mann schützend als umgekehrt, und doch in einer Ruhe, als könne auch der Weltuntergang, der sich hinter ihnen und vor uns abspielt, sie nicht berühren. Conrad Felixmüller, der Schöpfer dieses apokalyptischen Gemäldes, traf vielleicht den Nerv seiner Zeit, als er, kaum zwanzig Jahre alt, es unter dem Titel „Klotzsche. Spät-Sommer-Bild“ 1918 erstmals in Düsseldorf ausstellte. Bereits zwei Jahre zuvor war dieselbe Leinwand in der Berliner Galerie Sturm ausgestellt, denn auf der Rückseite befindet sich sein Portrait des Dresdner Malers und Grafikers Arthur Rudolf. Der junge Künstler schlug sich schnell auf die richtige, auf die „moderne“ Seite, und wenngleich sein Name heute keinen Weltruhm genießt, so gehört er doch zu den festen Größen in der Malerei des deutschen Expressionismus zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg. Dieses Doppelgemälde führt am 6. Dezember immerhin die Moderne-Auktion des Kölner Versteigerers Lempertz an, versehen mit einer Taxe von 180.000 bis 220.000 Euro.


Nach der abgesagten Auktion des Nachlasses von Oskar Schlemmer konzentriert man sich in Köln nun auf die rund 420 Losnummern, die einmal mehr einen Querschnitt vor allem durch die deutsche Kunst der ersten Jahrhunderthälfte bieten. Gleichermaßen durch Malerei und Grafik beeindruckt der Expressionismus. So sendet Felixmüller außerdem zehn Grafiken der späten 1910er bis 1920er Jahre, von denen besonders das „Essende Ehepaar“ von 1918 (Taxe 2.000 EUR) und der 1922 als „dritter Probedruck/3“ bezeichnete Holzschnitt „Aiette“ für 5.000 bis 6.000 Euro eine Hervorhebung verdienen. Hauptexponent ist Emil Nolde, von dem nicht nur fünf seiner beliebten und mit bis zu 180.000 Euro hochbezahlten Aquarelle zur Verfügung stehen, sondern auch Grafiken der der frühen und mittleren Schaffensperiode, darunter seine Folge von zehn Märchenholzschnitten, die 1906 im Selbstverlag Alsen in Berlin herauskamen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Eine ganz eigene Formensprache pflegte der jüdische Künstler Felix Nussbaum. Fast naiv und dabei doch auf der Höhe der Zeit wirkt ein Straßenmotiv aus der westfälischen Stadt Bad Rothenfelde 1928, das in seiner einfachen Realistik heute kaum anders gemalt werden müsste (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Sujet und Hintergrund verschmelzen auf Hans Purrmanns „Gladiolen und Kapuzinerkresse in Henkelvase“ von 1926 zusammen (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Im „Stillleben mit Kapuzinerkresse“ tritt der Hintergrund zugunsten der bunten Blumen 1951 deutlich zurück (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Südländisch heiter wird es mit Purrmanns Ansicht des Hafens von Porto d’Ischia um 1924 (Taxe 70.000 bis 80.000 EUR). Weitere Stilllebenmaler der 1920er Jahre von geringerer Bekanntheit, aber durchaus von Rang sind Ludwig Ernst Ronig, dessen Stillleben mit Flasche und Tau 1928 bereits der Neuen Sachlichkeit verpflichtet ist (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), und Anton Räderscheidt, der zwei Jahre zuvor einen Tulpenstrauß auf weißer Tischdecke und vor pechschwarzem Hintergrund etwas schief ins Bild stellt, dabei aber ebenfalls eine altmeisterliche Genauigkeit walten lässt (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Der deutsche Impressionismus gehört einmal mehr Max Liebermann. Ein vollwertiges Gemälde ist seine „Tuchwalke in Florenz“, auf dem sich ein schwerfälliges Pferd in einem alten Gemäuer an einer überholten Technik abmüht. Das Motiv entdeckte der Künstler 1893 auf einer Reise durch Italien, es fügt sich nahtlos an seine Arbeiterdarstellungen der 1870er und 1880er Jahre (Taxe 120.000 EUR). In den späten 1920er Jahren hielt er es mit der heimatlichen Umgebung in Berlin, und so sammelte er auch wieder einmal ein paar Impressionen von Spaziergängern und schicken Automobilen auf der großen Seestraße in Wannsee (Taxe 220.000 bis 250.000 EUR). Besonders interessant, weil so selten, ist eine relativ frühe Arbeit Karl Hofers. Ein bisschen Expressionismus, ein bisschen Symbolismus, vor allem aber der spanische Altmeister El Greco, mit dem Hofer nach der Rückkehr von seiner zweiten Indienreise durch Julius Meier-Graefe bekannt gemacht worden war, scheinen das Ölgemälde der Beweinung Christi aus dem Jahr 1912 beeinflusst zu haben (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Einer der Hauptverantwortlichen der Kölner Künstlergruppe „die progressiven“ war in den 1920er Jahren Franz Wilhelm Seiwert. 1929 beteiligte er sich an der Ausstellung „Raum und Wandbild“ und gestaltete dafür vier Leinwände, die nach eigener Auskunft „die kollektive Verbundenheit der Welt“ und die „masse mensch“ darstellen sollten. Trotzdem konnte er sie nicht loswerden, so dass er sie in handlichere Häppchen schnitt. Das einzige heute nachweisbare Stück ist eine 112 mal 81 Zentimeter große Farbflächenkomposition, die er nach der Ausstellung um neunzig Grad drehte und um einzelne Figuren und Architekturdetails bereicherte (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Sein Kollege Heinrich Hoerle zeigt sich um 1922 in einem Stillleben mit Glas und Zitrone in intensiver Farbigkeit vom Kubismus beeinflusst (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). 1921 malte Auguste Herbin noch recht haptisch eine große braune Tonkanne aus der Nähe (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Sein belgischer Zeitgenosse René Magritte ist mit einer abstrakt-flächigen „Composition with Railway Signals“ aus dem Jahr 1923 vertreten, die noch nichts von den späteren Traumbildern verrät (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Allen anderen als Abstrakter voraus geht ein heute weitgehend Vergessener: Rudolf Bauers unbetiteltes Meer aus Formen und Farben, das entfernt an Luftballons oder Pflanzliches, gelegentlich ein Auge oder Architektonisches erinnert, entstand bereits in den Jahren 1915/17 und war sogar in der Galerie Sturm in Berlin ausgestellt. Dennoch werden nur 18.000 bis 22.000 Euro erwartet. Wassily Kandinskys Tuschfederzeichnung mit einigen spartanischen Strichen in der wesenlosen Landschaft von 1932 rechnet dagegen bereits auf 20.000 bis 25.000 Euro. Otto Freundlich ergänzt mit einer vertikal zweigeteilten Farbflächenkomposition in Blau und Gelb von 1935 (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Max Ernst nannte eine späte surreale Komposition 1967 „Nocturne I (Lueurs dans la nuit)“. Zu sehen ist über einer zarten Hügellandschaft „Loplop“, Ernsts vogelartiges Privatphantom, das den Künstler durch viele seiner späten Arbeiten begleitete (Taxe 130.000 bis 150.000 EUR). Bereits um 1916 hatte Wilhelm Kohlhoff eine städtische „Landschaft bei Mondschein“ gemalt, auf der der Mond allerdings mehr eine bedrohliche als bergende Haltung einnimmt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Das Auktionsangebot ist zugleich international. Den Postimpressionismus beschicken Georges Lemmen mit einer Ansicht von Sainte Marie in Brüssel 1908 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Hippolyte Petitjean mit seinem Punkteaquarell „Les Meules“ mit Arbeitern auf dem Feld (Taxe 15.000 EUR) und Jean-Baptiste Armand Guillaumin mit seiner still daliegenden „Barque à Agay“ an der Côte d’Azur, wo der Künstler zwischen 1889 und 1923 fast jedes Jahr zu Besuch war, so auch um 1900 (Taxe 55.000 bis 65.000 EUR). Aus Pablo Picassos reicher Druckgrafik sind seine Aquatintaradierung „Faune dévoilant une dormeuse (Jupiter et Antiope, d’après Rembrandt)“ aus der Suite Vollard von 1936 (Taxe 75.000 bis 80.000 EUR) sowie der späte farbige Linolschnitt „Le vieux roi“ von 1963 hervorzuheben (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Der Sammlung Albert Tacke im westfälischen Rheine entstammen vier Gemälde des Österreichers Alfons Walde, von denen besonders seine Winteransicht „Büchlach und Wilder Kaiser bei Kitzbühel“ als erstklassiges Werk zu gelten hat. Es ist dementsprechend mit durchaus realistischen 150.000 Euro veranschlagt. „Letztes Leuchten“, „Einsame Hausung“ und „Frühling in Tirol“ – diesmal ohne strahlende Winterpracht – können mit hohen fünfstelligen Beträgen rechnen.

Marc Chagall, auf jeder Auktion mit einem Stapel Grafiken vertreten, kommt hier zudem mit einem Aquarell über Tusche zum Aufruf, das 1981 ein beliebtes Motiv des Greises zeigt: einen Juden, der unter dem Schutz eines weißen Engels die Thorarolle und damit das wichtigste Schriftstück seiner Glaubensgemeinschaft aus einem brennenden Dorf rettet. Graugelbe Rauchschwaden ziehen derweil über seinen Kopf hinweg (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Bernard Buffets ewige Tristesse der 1960er und 1970er wird auch durch seinen Clown vor blauem Grund 1978 nicht aufgehellt (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). 1908 in Argentinien geboren, schloss sich Leonor Fini vor allem den westeuropäischen Surrealisten an, mit denen gemeinsam sie bereits 1936 in London und New York ausstellte. Ihr Gemälde „L’alcôve“ von 1942 zeigt die Künstlerin selbst als Wächterin über den Schlaf eines androgyn wirkenden Jünglings, der neben ihr im Bett liegt. Die makellose Schönheit, mit der die beiden nackten Schönheiten gemalt sind, erinnert an altmeisterliche Kunst, die Fini sehr schätzte und genau studierte (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR).

Die Skulpturenofferte bringt überwiegend Werke bekannter Künstler, so Alexander Archipenkos kubistisch aufgespaltete, stehende Frau unter dem Titel „Portuguese“, die als einer von zwölf bekannten Exemplaren noch zu Lebzeiten ihres Schöpfers nach dem Modell von 1916 in Bronze gegossen wurde (Taxe 130.000 bis 150.000 EUR), Ernst Barlachs Lebzeitguss eines der sechs Exemplare der alten „Kupplerin“ aus dem Jahr 1920 (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) sowie die perfektionierten Frauenleiber Fritz Klimschs und Georg Kolbes unter Titeln wie „Sommertag“ und „Beatrix“ zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Bei Milly Stegers Holzskulptur eines knienden Mädchens mit Krug von etwa 1930 geht es neoklassizistisch zu (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR).

In die Abstraktion überführt Étienne Béöthy das Skuplturale, etwa mit seinen verspielten Farbrelief „Objet metaplastique“ von 1938 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder der aufsteigenden Bronzeschlaufe „Dominant Sept Accord (Opus 81)“ aus dem selben Jahr (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Etwas ausgefallener ist auch Marino Marinis „Small Juggler“, einer von sieben Güssen aus dem beginnenden Spätwerk des Italieners 1953. Die feine Statuette von 45 Zentimetern Höhe ist außerdem durch eine geritzte Patina und partielle Bemalung entschwert und aufgelockert (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR). Als eines der jüngsten Ensembles der Auktion gibt es zwei sternförmig gestaltete Kaminböcke für 30.000 bis 35.000 Euro, die Diego Giacometti um 1984 in Bronze goss. Ein bisschen gehobenes Design darf also auch sein.

Die Auktion beginnt am 6. Dezember um 10:30 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.lempertz.com einsehbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



05.12.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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