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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Zeitgenössische Kunst im Dorotheum Wien

Hoch gepokert



Wie schon mit der Moderne, so erlebte das Wiener Dorotheum am 26. November auch mit der zeitgenössischen Kunst eine Versteigerung, in der sich die allgemeine Finanzkrise auf die großen Auktionshäuser in aller Welt niederzuschlagen schien. Schon die Zuschlagsquote von 41,5 Prozent nach Losen konnte das Ergebnis von vor einem Jahr, auf dem Höhepunkt des Kunstbooms, lange nicht erreichen, über siebzig Lose mehr spülten 2 Millionen Euro weniger in die Kassen als damals. Hochpreisige Werke, um die vor wenigen Monaten eine reiche Käuferschar vermutlich noch heftig gerungen hätte, blieben jetzt unveräußert liegen, etwa ein arachisch gemaltes und geritztes Pferd Marino Marinis von 1955 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), Tom Wesselmanns Ölstudie für „Nude Painting Print“ von 1979 (Taxe 150.000 bis 160.000 EUR), und vor allem das Hauptlos der Auktion, Cindy Shermans Farbfoto „Ohne Titel # 226“, in dem sich die amerikanische Künstlerin 1990 als anämische englische Landfrau stilisiert (Taxe 220.000 bis 270.000 EUR). Joseph Beuys’ unfertig wirkendes Pflockkreuz aus Bronze, 1952 schon ein Zeichen für seine Loslösung vom übermächtigen Vorbild und Lehrer Ewald Mataré, wurde vor einem Jahr bei Ketterer um 125.000 Euro verkauft. Jetzt wanderte eines der Exemplare für 150.000 bis 180.000 Euro zurück ins Depot.


Wie zum Trotz hatte das Wiener Auktionshaus allerdings auch teilweise ungewöhnliche hohe Schätzungen veranschlagt. So mussten Stars wie Lucio Fontana schwere Einbußen hinnehmen. Seine in eine unbehandelte Leinwand gelochte Figur aus dem Jahr 1960 blieb bereits an 170.000 Euro hängen (Taxe 220.000 bis 300.000 EUR). Selbst Giacomo Manzù, für dessen Bronze „Grande Cardinale Seduto“ von 1963/64 erstmals ein niedriger sechsstelliger Schätzpreis notiert worden war, ging schon für 110.000 Euro über die Bühne (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). 90.000 Euro für Piero Dorazios buntes Streifenbild „Momento continuo“ von 1963 und lagen am unteren Ende der Taxe.

Überhaupt gingen die italienischen Abstrakten noch mit am besten. Emilio Vedovas wüster Farbenrausch vornehmlich in schwarzen und gelben Pinselstrichen aus dem Jahr 1960 landete in der Mitte von 40.000 bis 60.000 Euro, 40.000 und 45.000 Euro im guten Schätzpreisbereich erzielten zwei minimalistische Emailmalereien in Blau und Rot auf reliefierter Leinwand von Agostino Bonalumi aus den 1970er Jahren, und Mario Schifanos 1988 wild gemaltes Rezept „Segreto di eterna giovinezza“ erzielte hier mit 75.000 Euro einen der höchsten Preise (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR). Mimmo Rotellas Plakatabriss „Il monello“ mit Charlie Chaplins Film „The Kid“ von 2001 gab sich mit 40.000 Euro zufrieden (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Eine der größten Überraschungen wurde eine dreiteilige Arbeit des 1924 in Kroatien geborenen Julije Knifer, in der er immer dieselbe Form in Schwarz auf weißem Grund über die Leinwand mäandern lässt. Das in der Breite insgesamt 360 Zentimeter messende Werk, das seinen Schöpfer als einen der wichtigsten Vertreter des französischen Minimalismus erweist, wurde von 25.000 bis 35.000 Euro schließlich auf 60.000 Euro gehoben und einem anonymen Telefonbieter zugewiesen. Materialintensive Wege in der abstrakten Kunst ging der Spanier Antoni Tàpies 1972 in „Oreille“, wo er unter anderem Sand und Wachs verwendete und fast ein kleines Strandbild schuf. Es wechselte bei 80.000 Euro den Besitzer (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR).

Von der alten österreichischen Garde blieb zunächst Arnulf Rainer als Aufrechter stehen. 75.000 Euro erzielte sein „Kopf“ aus den frühen 1960er Jahren, der zu den ersten bedeutenden Übermalungen seiner Karriere gehört (Taxe 60.000 bis 100.000 EUR). Dann Hermann Nitsch, dessen „Schüttbild 17“ vom April 1984 in roter Farbe und mit einem kleinen Loch auf der fast drei Meter breiten Leinwand zur unteren Taxe von 40.000 Euro veräußert wurde. Der im kommenden Jahr achtzigjährige Wolfgang Hollegha konnte sogar eine satte Wertsteigerung verbuchen: Auf 30.000 Euro verdoppelte sich der Preis für eine um 1980 entstandene Komposition in warmen Farbtönen, die in Öl bunt gemalt die Wirkung eines Aquarells besitzt. Schöne Ergebnisse von bis zu 24.000 Euro erzielten auch drei der vier gläsernen Maskenköpfe von Kiki Kogelnik aus den letzten Lebensjahren der 1997 verstorbenen Künstlerin.

Die neoexpressive, stark sexuell konnotierte Malerei Otto Muehls in „Liebespaar“ von 1980 und „Papyrus Porno“ aus der sogenannten „ägyptischen Phase“ des Meisters 1984 wurde mit 40.000 und 75.000 Euro im unteren Schätzpreisbereich honoriert. Franz West reüssierte mit weiß gegipsten Namensschild „Joham“ von 1980 bei 19.000 Euro (Taxe 16.000 bis 22.000 EUR), bei 32.000 Euro wurde sein früher Gipstisch auf drei Füßen übernommen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Franz Grabmayr steuerte eine dicht mit Farbe aufgespachtelte Landschaft von 1982 bei 15.000 Euro bei (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR), und Christian Ludwig Attersee seinen stürmischen „Zimmertau“ von 1988 bei 14.000 Euro (Taxe 15.000 bis 22.000 EUR). Der 1997 in Wien gestorbene Martin Kippenberger hatte dagegen weder mit seinem „Abendessen im Exil“ von 1978 (Taxe 70.000 bis 130.000 EUR) noch mit dem Spiegelobjekt „Mary Wigman“ von 1987 Erfolg (Taxe 60.000 bis 100.000 EUR).

Schwach lief ohnehin die deutsche Gegenwartskunst. A.R. Penck brachte nur 30.000 Euro für seine Strichmännchen auf bunten Farbflecken „Standart“ von 1986 nach Hause (Taxe 34.000 bis 40.000 EUR), eine abstrakte Kreuzwegstation Markus Lüpertz’ 36.000 Euro ebenfalls leicht unterhalb der Erwartungen. Zur Taxe von 55.000 Euro ging Imi Knoebels „Schlachtenbild“ mit zuckenden Lichtblitzen auf schwarzem Grund vorüber, ebenso wie Günther Förgs ruhige Farbflächenmalerei in Grün und Schwarz bei 20.000 Euro. Heinz Macks serielle und gestapelte Weißreihungen auf schwarzen Grund kamen auf 13.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Von Jörg Immendorffs 13 Einsendungen wurde nur eine einzige Grafik für 2.200 Euro übernommen (Taxe 2.300 bis 2.500 EUR). Seine Bronzen wie „Affenbaum“ von 1989 blieben liegen (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Auch Sigmar Polkes unbetiteltes Rasterbild von 1994 fiel bei zu anspruchsvollen 130.000 bis 140.000 Euro durch.

Keine Probleme hatte dagegen Andy Warhol. Der amerikanische Pop Art-Künstler schaffte auch im Dorotheum – wie in vielen anderen deutschsprachigen Auktionshäusern – einen hohen Zuschlag bei 65.000 Euro für seine Farbserigrafie von „Marilyn Monroe“ aus dem Jahr 1967 (Taxe 50.000 bis 55.000 EUR), 17.000 Euro kostete seine Tapisserie „Flowers“ in einer Edition von Modern Master Tapistries (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR). Die computergrafikartigen Kompositionen Victor Vasarelys erfreuten sich ebenfalls gewohnter Beliebtheit. Die bunten, mittig vorgewölbten Punkte „Lynt“ von 1974 kosteten 45.000 Euro (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR), den unteren Schätzpreis von 60.000 Euro streifte sein von Violett und Grau dominiertes perspektivisch angelegtes Ölbild „Cago“ aus dem Jahr 1973. Schwindelig kann es einem auch bei Yayoi Kusamas roten Punkten in „Crowd of Stars“ von 1992 werden. Der Preis lag angemessen bei 30.000 Euro.

Damien Hirsts Monoprint „Red Butterfly“ von 2008 und sein Farbklecksbild „In a spin, the action of the world on things“ von 2002 fanden jeweils zur unteren Schätzung von 24.000 Euro und 40.000 Euro neue Freunde. Mit 50.000 Euro musste sich dagegen Jim Dines zweiteiliges Herz auf blauweißem Grund zufrieden geben (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR). Nach Shermans Scheitern wurde Helmut Newton der teuerste Fotograf: Seine Schwarzweißaufnahme einer superreich wirkenden „Woman entering the Ennis-Brown House by Frank Lloyd Wright“, die freilich 1990 in Los Angeles nackt posiert, setzte sich bei 24.000 Euro ab (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR). Vanessa Beecroft schloss sich mit einem Foto erschöpfter Modells einer ihrer Standperfomances bei 8.000 Euro an (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), Candida Höfer folgte mit ihrem klaren Blick in das Wiener Parlament bei 5.000 Euro (Taxe 5.000 bis 5.500 EUR), und für Plamen Dejanoffs Hochglanzfotografie aus seiner Serie „Alle Autos, die zu mir passen würden“ gab es ebenfalls die unteren anvisierten 10.000 Euro.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



10.12.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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