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In Aschaffenburg, wo Ernst Ludwig Kirchner 1880 geboren wurde, wird die „Brücke“ gefeiert

Expressionismus mit Lokalbezug



Ernst Ludwig Kirchner, Knabe mit Vogel, 1918

Ernst Ludwig Kirchner, Knabe mit Vogel, 1918

Man hatte so seine Vorbehalte: „Keinesfalls dürfte m.E. die Ausstellung als ‚Kunstvereins-Ausstellung’ angekündigt werden“, schrieb der Vorsitzende des Oldenburger Kunstvereins Freiherr von Bothmer den jungen Malern Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, die darum gebeten hatten, im Herbst 1908 eine Ausstellung ihrer Werke in den Räumen des Vereins im Augusteum vornehmen zu dürfen. Bothmer hatte „die durchaus ablehnende Haltung der Mitglieder“ im Rücken, und auch der breiten Masse war das Eindringen des allzu Modernen in ihre Provinz nicht recht geheuer. Ihr Schaffen habe „ein gar zu fremdartiges Gesicht, das den harmlosen Besucher manchmal direkt zu vexieren scheint“, schrieb der Oldenburger Jurist Ernst Beyersdorff in einer Ausstellungsbesprechung. „Selbst in einer großen Stadt würden die Dangaster auf viel Mißverstehen und gleichgültiges Achselzucken gestoßen sein.“ Bezeichnenderweise gehörte der Kritiker bald selbst zu den passiven Mitgliedern und großen Förderern der Künstlergruppe „Brücke“.


Ein Jahrhundert später macht sich über den Rang der „Brücke“-Künstler niemand mehr Gedanken. Dem Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte war das Jubiläum – die erste Ausstellung der „Brücke“ in der damaligen Landeshauptstadt – bereits im vergangenen Jahr eine Schau wert, die jetzt in die Kunsthalle Jesuitenkirche nach Aschaffenburg umgezogen ist. Den doppelten Anlass für diesen Ortswechsel liefert Ernst Ludwig Kirchner: In der unterfränkischen Mainstadt wurde er 1880 geboren, und vor siebzig Jahren, im Juni 1938, setzte der Künstler in Davos seinem Leben selbst ein Ende. Für die schlüssig inszenierte Überblicksschau wurde die Konzeption ein wenig modifiziert, ein Teil der rund 120 Ausstellungsobjekte – meist Grafiken und Aquarelle sowie einige Gemälde – ist nur in Aschaffenburg zu sehen.

Eine größere Rolle spielt etwa die Frankenreise, die Erich Heckel und Fritz Bleyl 1905 unternahmen. Besonders Bleyl, der zu den Gründungsmitgliedern der „Brücke“ gehörte, jedoch bereits nach kurzer Zeit den Weg des sicheren Broterwerbs ging und sich als Zeichenlehrer und Architekt im sächsischen Freiberg niederließ, ist hier mit einigen schönen Grafiken zu bewundern. Heckels Gewogenheit den vielseitigen fränkischen Landschaftsansichten gegenüber blieb auch später aktuell. Noch in den frühen 1920er Jahren schuf er ein großes Ölgemälde, das eine recht wirklichkeitsgetreue, von expressionistischer Verzerrung fast gänzlich freie Vedute auf das malerische Würzburg bietet.

Höhepunkt der Schau ist jedoch einmal mehr die kleine Abteilung mit Bildern vor allem aus den mittleren Schaffensjahren Ernst Ludwig Kirchners. Noch zu Lebzeiten des Künstlers wurde sein „Knabe mit Vogel“ vom Landesmuseum in Oldenburg angekauft. Es gehört zu jenen innigen Werken, die Kirchner am Ende des Ersten Weltkrieges, das mit dem Tiefpunkt seiner zerrütteten Gesundheit zusammenfiel, 1918 schuf. Die nationalsozialistische Barbarei ließ das Ölgemälde als „entartete Kunst“ entfernen, für einen hohen Millionenbetrag ist es inzwischen wieder in die Obhut des Museums zurückgekehrt. Gegenüber hängt der „Möwenjäger“, ein ulkiges Stück Natur- und Jagdkunde, das Kirchner noch während des Bestehens der „Brücke“ 1912 schuf. Ein Jahr später löste sich die Künstlergruppe auf.

Ein kleines Schmankerl gibt es zum Schluss des Rundganges: Hoch oben auf der Empore der einstigen Klosterkirche versteckt finden sich zwei Künstler, die heute fast niemand mehr kennt, die sich aber sichtlich von den reisenden Meistern Heckel und Schmidt-Rottluff haben beeinflussen lassen: Emma Ritter und Franz Nölken. Letzterer, 1884 in Hamburg geboren, gehörte zum Kreis um Karl Ernst Osthaus und Christian Rohlfs, knüpfte Kontakte zu Emil Nolde und Schmidt-Rottluff und traf in Berlin mit Julius Meier-Graefe zusammen. Seine Präsenz blitzt in der „Brücke“ nur in den Jahren 1909 bis 1911 auf, dann verlieren sich seine Spuren. Die wichtigsten Anregungen, etwa für seine „Badenden Frauen“ von 1916“, empfing er allerdings bei Henri Matisse in Paris. Emma Ritters leuchtendes „Stillleben“ mit Äpfeln und Tongefäßen auf einer bunt gemusterten Tischdecke entstand 1912, dem letzten Jahr ihrer regelmäßigen Besuche mit Schmidt-Rottluff in Dangast. Wie dieses Ölgemälde zeigen auch ihre Holzschnitte eine äußerst flächige Gestaltung, in der sich die einstige Corinth-Schülerin von ihren impressionistischen Wurzeln gelöst hatte.

Die Ausstellung „Expressionismus – Auftakt zur Moderne in der Natur“ ist bis zum 1. März zu sehen. Die Kunsthalle Jesuitenkirche ist dienstags von 14 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Der Katalog kostet 24,90 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Jesuitenkirche

Pfaffengasse 26

DE-63739 Aschaffenburg

Telefax:+49 (06021) 58 11 46

Telefon:+49 (06021) 21 86 98

E-Mail: kunsthalle-jesuitenkirche@aschaffenburg.de



22.01.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Otto Mueller, Mädchen auf dem Kanapee, 1922
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Ernst Ludwig Kirchner, Baumgrenze, 1918
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Otto Mueller, Sechs Mädchen am Strand, 1913
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Otto Mueller, Mädchen auf dem Kanapee, 1922

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Ernst Ludwig Kirchner, Baumgrenze, 1918

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Ernst Ludwig Kirchner, Möwenjäger, 1912

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Ernst Ludwig Kirchner, Wanderzirkus, um 1920

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