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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Klein, aber fein heißt jetzt das Motto für die Impressionisten und Moderne bei Sotheby’s in London

Wo sind die Künstler dahin...



Ernst Ludwig Kirchner, Straßenszene, 1913

Ernst Ludwig Kirchner, Straßenszene, 1913

Nanu, wo sind die ganzen Bilder hin? Gerade einmal dreißig Lose haben sich zur „großen“ Abendauktion impressionistischer und moderner Kunst bei Sotheby’s in London versammelt, kaum die Hälfte dessen, was noch vor einem Jahr die Gier nach neuen Superlativen befriedigen durfte. Nachdem sich ja in jüngster Vergangenheit herausgestellt, dass die breite Masse, nicht aber die exklusive Spitze durch Finanznot und Geldklemme gekappt wurde – hat sich auch das Londoner Auktionshaus auf eine neue Strategie eingestellt und alles, was nicht wirklich wichtig ist, in die Tagesauktion verbannt? Nein, auch da herrscht vergleichsweise Ebbe. Bleibt nur eine Schlussfolgerung: Was noch in den großen Herbstauktionen, als die Krise längst im Gange und in aller Munde war, nicht ans Tageslicht trat, schlägt jetzt voll durch: die potentiellen Einlieferer hüten sich wenn irgend möglich, ihre kostbare Ware jetzt verscherbeln lassen zu müssen, und sparen sich ihre Zimelien lieber für bessere Zeiten auf. Statt Flut herrscht jetzt Ebbe, statt Opulenz nüchterne Sachlichkeit.


Die Künstlernamen sind weitgehend die selben geblieben, kaum einer der Großen des späten 19ten und frühen 20ten Jahrhunderts fehlt. Den Beginn macht der Expressionismus aus den deutschsprachigen Ländern, darunter drei Portraits und eine Landschaftszeichnung Egon Schieles von 1910 und 1915 für bis zu 600.000 Pfund sowie ein weiteres Blatt seines Lehrers Gustav Klimt, das ein Brustbild einer Dame im rauschenden Festkleid wiedergibt – später durfte sie vom 1945 verbrannten Gemälde „Freundinnen II“ auf den Betrachter herabblicken (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Sodann erfreut uns ein seltener Gast auf den Londoner Abendauktionen, Oskar Kokoschka. Der weilte 1929 in Istanbul und malte dort die erste Fassung einer großen Gesamtschau über diese damals schon reizvolle Mittelmeermetropole. Das in neoimpressionistischer Buntheit leuchtende Bild gehörte in den 1930er Jahre dem jüdischen Unternehmer und Sammler Oskar Federer, wurde ihm 1939 zusammen mit rund hundert anderen erlesenen Kunstwerken von den Nazis weggenommen und vor zwei Jahren den Erben restituiert. Die erhoffen sich jetzt 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund.

Höhepunkt dieser Abteilung ist allerdings eine der seltenen Straßenszenen Ernst Ludwig Kirchners. Mit ihrer Taxe von 5 bis 7 Millionen Pfund wird sie nicht ganz in die Fußstapfen ihrer auch künstlerisch bedeutenderen Schwester treten, die im Juni 2006 bei Christie’s in New York 34 Millionen Dollar erzielt hat. Dennoch wird für die 1913 datierte Berlin-Impression, die 1997 im selben Auktionshaus um 1,8 Millionen Pfund über die Bühne ging, eine erhebliche Wertsteigerung erwartet. Daneben rangieren Hermann Max Pechsteins farbenprächtige „Gladiolen“ aus dem Jahr 1918 bei 350.000 bis 450.000 Pfund und August Mackes „Junge mit Buch und Spielsachen“ von 1912 bei 450.000 bis 650.000 Pfund. Wertvollste Skulptur der Deutschen ist mit 250.000 bis 350.000 Pfund Ernst Barlachs „Rächer“ von 1914 in einem Bronzeguss von 1939.

Die französische der Frühmoderne besticht gleichermaßen durch Plastik und Malerei. Bei letzterer geben sich Alfred Sisleys impressionistische „Village de Champagne au Coucher du Soleil – Avril“ von 1885 sowie Pierre Bonnards dampfendes Motorboot „Remorqueur, Pont sur la Seine“ vom Jahrhundertende für jeweils nicht mehr als 450.000 Pfund viel bescheidener als noch vor einem Jahr. Camille Pissarros Spitzenwerke sind teurer, etwa die lichtgleißende Gartenlandschaft „Le Jardin de Maubuisson, Pontoise“ aus dem Jahr 1881 für angesetzte 2 bis 3 Millionen Pfund. 3,5 bis 4,5 Millionen Pfund waren auch für Edgar Degas’ Pastelle mit Balletttänzerinnen, wie sie seine um 1901 hinterrücks beobachteten „Danseuses au foyer“ vorstellen, keine Seltenheit – bislang.

Noch höhere Erwartungen – die höchsten des Abends – werden in Degas’ „Petite Danseuse de quatorze ans“ gesetzt. Die mit echten Stoffen bekleidete, im Haar durch eine Schleife verzierte Bronzedemoiselle wurde vom Künstler bereits um 1880 in Wachs geformt, doch gegossen erst 1922 – fünf Jahre nach seinem Tod. Derzeitiger Besitzer Sir John Madejski, der das gut einen Meter hohe Stück vor fünf Jahren für 4,5 Millionen Pfund erworben hatte, hofft jetzt auf einen Erlös von 9 bis 12 Millionen Pfund. Degas zur Seite steht als Bildhauer Auguste Rodins, dessen „Bürger von Calais“ aus dem Jahr 1885 zwischen 1969 und 1977 in zwölf Exemplaren en miniature neu aufgelegt wurden. Vorliegendes Exemplar für 550.000 bis 750.000 Pfund entstand 1973.

Die darauffolgende Pariser Malergeneration strebt fast durchweg nach Millionenwerten. André Derain schickt die fauvistische Landschaft „Environs de Collioure“ von 1905 für 1,4 bis 1,8 Millionen Pfund, Amedeo Modigliani eines seiner starren, karyatidenhaften Figurenbildnisse von 1913 für 6 bis 8 Millionen Pfund ins Rennen, das ebenfalls erst vor zwei Jahren in die gegenwärtigen Besitzerhände geraten war. Eine 1952/53 datierte Arbeit Fernand Légers, „Partie de Campagne“ genannt und in der für das Spätwerk des Meisters charakteristischen Kombination von Farbflächen und schwarzer Zeichnung gehalten, rangiert bei 4 bis 6 Millionen Pfund. Offenbar die Sprache verschlagen hat es Pablo Picassos „Tête d’homme Barbu“ von 1965, er bleibt der einzige Vertreter seines Schöpfers auf dieser Auktion (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP). Bescheiden gibt sich auch Francis Picabia: 450.000 bis 650.000 Pfund soll seine kubo-surreale Komposition „Lunis“ aus den Jahren 1929/30 kosten, in der es von Andeutungen und freilich nicht ganz kitschfreien Schönheiten aus Mensch und Natur nur so wimmelt.

Geradezu putzig sind die Preise der Tagesauktionen. Jenseits der 100.000 Pfund finden sich nur Wenige wie etwa Georges Braques Stillleben „Le Jambon“ aus dem Jahr 1940 (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP), Irma Sterns „Cape Homesteads“ von 1934 (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP) oder ein hübsches, gefälliges Blumenstillleben Kees van Dongens für 120.000 bis 150.000 Pfund. Fündig werden Raritätenjäger bei Henri Edmond Cross’ märchenhaft schillernder „Lavandière“, einem 1895/96 erstaunlich früh entstandenen Beispiel des beginnenden Pointillismus (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP), seinem rund vier Jahre jüngeren „Quay de Passy“ (Taxe 220.000 bis 300.000 GBP) oder Louis Anquetins derbem Sittengemälde „Au Moulin Rouge“ aus der Zeit um 1893 (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Auch Liebhaber deutscher Künstler kommen noch einmal auf ihre Kosten. Sie werden unter anderem von Max Liebermanns Blick in den Nutzgarten am Wannsee von etwa 1920 (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP), einer Merzzeichnung aus Kurt Schwitters’ früher Collage-Phase 1920 (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP) und – im Niedrigpreissektor von nicht mehr als 15.000 Pfund – von Erich Heckels hübschem Aquarell einer Hafenmole 1929 bedient. Lovis Corinth steuert einen fast in seine Farben zerfallenden Blumenstrauß in einem Bronzekübel von 1923 bei (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP), Max Slevogt eine herbstliche Gartenszene von 1901 (Taxe 30.000 bis 40.000 GBP), und selbst wenn Arnold Topp 1918 nur den „Brandenburgischen Roland vor den Neustädtischen Rathaus“ abbildet, meint man, eine kosmische Landschaft vor sich zu haben (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP).

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1A 2AA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84



28.01.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Henri Edmond Cross, Quai de Passy, um 1899
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Ernst Ludwig Kirchner, Pantomime Reimann 3, um 1913
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Gustav Klimt, Brustbild einer Dame von vorne, 1917

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Henri Le Sidaner, Le quai vert, Bruges, um 1930

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Taxe: 20.000 - 30.000 GBP

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August Macke, Junge mit Buch und Spielsachen, 1912

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Henri Edmond Cross, Quai de Passy, um 1899

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Amedeo Modigliani, Cariatide, 1913

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