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Langen Foundation würdigt den Beitrag von Jean Dubuffet zur Kunst des 20ten Jahrhunderts

Radikale Attacken gegen Konventionen



Jene, die sich erst nach Ausübung erlernter Brotberufe dem künstlerischen Schaffen widmen, bereichern die Kunstgeschichte augenfällig um individuelle, innovative Positionen. Ein Mehr an Sicherheit, größerer Überblick, reiferes, differenziertes Denken in Verbindung mit einem ausgeprägten Maß an Lebenserfahrung lässt sie völlig anders in eine freie kreative Tätigkeit starten, als dies bei jungen Akademieabsolventen möglich scheint. Vom Juristen Wassily Kandinsky bis zum Architekten Rupprecht Geiger gibt es deren Beispiele manche, unter denen sich auch der Franzose Jean Dubuffet befindet.


Der 1901 in Le Havre geborene Sohn einer Weinhändlerfamilie beginnt zwar nach dem Abitur 1918 das Studium der Malerei in Paris, doch rasch gibt er auf. Nach Militärdienst, Einstieg ins Familienunternehmen, Familiengründung widmet er sich ab 1933 erneut der künstlerischen Arbeit. Mit der Vernichtung aller Werke endet diese Phase schon 1935. Um Zerstreuung zu finden, greift er im Jahr 1942 als 41jähriger im besetzten Paris erneut zu Farbe und Pinsel. Der dritte Anlauf gelingt. Besser vorbereitet als zuvor geht er an den Start und eilt davon. „Personnage au bicorne (Gestalt mit Zweispitz)“ aus dem Jahr 1943 steht am Beginn der Ausstellung, die die Langen Foundation in der Raketenstation Hombroich bei Neuss dem großen Vertreter der Art Brut widmet. Lebhaft, unakademisch, recht naiv mutet die simple Figur an. Im Verhältnis zur Bildfläche scheint sie zu groß proportioniert. Mit dem Finger wurde der mehrschichtige dicke Farbauftrag aufgebracht.

An Zeichnungen oder Kritzeleien von Kindern erinnern die frühen Porträts, mit denen Jean Dubuffet bekannt wurde. Zwei Jahre später entsteht das „Paar in Grau, Ultramarin und Karminrot“, dessen Naivität gleichfalls beabsichtigt ist. Es sind Attacken gegen das Menschenbild. Dubuffet stellt mit der ihm eigenen Bildsprache bewusst bisherige Wertevorstellungen in Frage. Nicht allein naiv anmutende Kinderzeichnungen inspirieren ihn. Begeistern kann er sich auch für Arbeiten Geisteskranker. Es sind Werke außerhalb des institutionellen Kunstkontextes, ihre Schöpfer ohne elementare Bildung und Kenntnis des kulturellen Milieus. Deren fruchtbare Unbefangenheit des Banalen nutzt Dubuffet für seine Breitseite gegen die offizielle Kultur und Zwänge der Normalität. Dafür prägt er den Begriff „Art Brut“, also rohe Kunst, den er aber nie mit seinen eigenen Werken in Verbindung bringt. Ab 1945 legt er eine große Sammlung von Art Brut-Werken an und organisiert Ausstellungen. 1972 stiftet er sie der Stadt Lausanne.

Schnell avanciert Jean Dubuffet zum Geheimtipp in intellektuellen Sammlerkreisen; viele Verkäufe gehen einher mit wütenden Verunglimpfungen. Zwar stellt er mit seiner primitivistischen Farbfigurenauffassung in Paris keine Ausnahmeerscheinung dar, doch überwindet kein Zweiter Konventionen so radikal. Rasant verläuft nun seine Entwicklung, bricht sich das Verlangen nach Reinheit, individueller Authentizität Bahn. Die Bilder werden kräftiger, Oberflächen dicker und teeriger, in die effektvoll Sgraffiti gekratzt sind. Bildfremde Substanzen finden Verwendung: Teer, Gips, Sand, Kalk, Kohlenstaub, sogar Alufolie, wie die „Parade de rides (Faltenparade)“ des Jahres 1959/60 zeigt. Schockierendes verhilft er mittels kreativer Energie zu einer erfrischend neuen Ästhetik. Die Wahrnehmung verändert sich. Dubuffet oszilliert zwischen Gegenstand und Abstraktion. Er erschließt unbekannte malerische Landschaften mit bizarren Gestalten. Dunkel, bedrohlich bäumen sie sich aus der Asche der Vergangenheit. Rasch wechselnde, von deutlichen Brüchen in Materialien und Stile geprägte Abschnitte durchziehen das von Experten in 38 Phasen gegliederte Œuvre.

Nach den radikalen Angriffen auf die Aktmalerei und abstrakten krustigen Pastenbildern nimmt Jean Dubuffet die Gegenwart in den Blick. Anspielungen auf Großstadtreklame, Verkehr, Autos, Passanten, Slogans erscheinen in grellen Tönen und schnellen Rhythmen, die in ihrer Ausformulierung eng mit der Pop Art und Comicsprache korrespondieren. Die Farben sind hell und heiter. Der vergnügt ergötzliche, zuweilen ironisch heitere Maler ohne tierischen Ernst entfaltet sich zur Hochform. Wie puzzleartig verschlungene Netze legen sich schwarze Linien über die Bildflächen. Sie bilden Zellen aus roten, blauen und weißen Farbgründen, die – teils staffiert – eine einheitliche Ausstrahlung bewirken.

Die Ausdehnung dieser Strukturen ins Skulpturale liegt nahe. „La Bocage (Maquette) (Heckenlandschaft)“ nennt Dubuffet die übermannsgroße Plastik, die 1971 im Düsseldorfer Garten des Industriellenpaares Viktor und Marianne Langen Aufstellung findet – seine erste von Privatsammlern erworbene Plastik. Gewölbte, verzerrte Mauern mit Einbuchtungen und geschwungenen Teilen tragen anspielend auf die Masse des Blattwerkes eine bewegte Haube – eine Fantasie zwischen Natur und Architektur. Die „Groupe de quatre arbres“, die kurz danach vor der Chase Manhattan Bank angekauft wird, gehört heute zu New Yorks Wahrzeichen. Als einziger europäischer Avantgardekünstler kann sich Dubuffet nach 1950 in der Kunstszene Amerikas fest etablieren, niemand genießt mehr Aufmerksamkeit und übt stärkeren Einfluss auf jüngere aus.

Eng gestalten sich formale wie technische Zusammenklänge mit Werken Jackson Pollocks oder Willem de Koonings. Die Geistesverwandtschaft zu Interessensgebieten, Gedankengängen sowie Arbeiten der 1965 aufgelösten Münchener Malergruppe SPUR oder zu den sensiblen Oberflächen informeller Malerei der 1950er Jahre sind unübersehbar. Vielen gilt seine grobe, raue Straßenkunst als zu ordinär, verkennen das innewohnende Potential einer neuen künstlerischen Sprache, für die Dubuffet heute steht. Inzwischen ist die Verschränkung von High und Low längst gang und gäbe. Seine Werke werden mit Millionenbeträgen gehandelt. Trotz fortwährender Polarisierung findet die herausgehobene Meisterschaft seiner künstlerischen Beiträge Anerkennung.

Das Sammlerpaar Langen erkennt früh sein Potential. Sie tragen eine der größten Dubuffet-Kollektionen überhaupt zusammen. Ihre 13 Werke bilden den Ausgangspunkt der konzentrierten Retrospektive aus 47 Exponaten. Sie gipfelt in teils großen Bildflächen, wo sich völlig disparate Motivfragmente, Muster, Schraffuren, reine Farbflächen in einem verwirrend vielgestaltigen Nebeneinander begegnen. „Le cours des choses (Der Lauf der Dinge)“ ist das dem Centre Pompidou entliehene Prunkstück der Schau. Über acht Meter lang und fast drei Meter hoch setzt das 1983 am Ende des künstlerischen Schaffes entstandene Werk einen grandiosen Schlussakkord in den minimalistischen, hellen White Cubes von Tadao Ando, die für die Schau wie geschaffen scheinen.

Dünne blaue und dicke rote Linien auf weißem Grund mögen Willkür vortäuschen, verdichten sind aber bei genauem Hinsehen zu Figuren und Gesichtern. Sie verweisen darauf, wie konsequent und stringent durchorganisiert der Künstler plant. Je ordentlicher das Atelier, desto mehr Zeit zum Arbeiten lautet seine Devise. Zuletzt malte er in sechseinhalb Monaten in rasendem Tempo 210 „Non-lieux“-Gemälde. Am 1. Dezember 1984 beendet Jean Dubuffet seine Tätigkeit als Maler, um seine Biografie „Ein Leben im Laufschritt“ zu verfassen. Auch nach deren Vollendung bleibt er konsequent und scheidet am 12. Mai 1985 im Freitod aus dem Leben.

Die Ausstellung „Jean Dubuffet – Ein Leben im Laufschritt“ ist noch bis zum 24. Mai 2009 in der Langen Foundation in Neuss zu besichtigen. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 7,50 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Hirmer Verlag erschienen, der an der Museumskasse 25 Euro kostet.

Kontakt:

Langen Foundation

Raketenstation Hombroich 1

DE-41472 Neuss

Telefax:+49 (02182) 570 110

Telefon:+49 (02182) 570 10

E-Mail: info@langenfoundation.de



13.02.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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