Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 19.10.2019 Friedrich Kallmorgen

© Winterberg|Kunst

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ernüchternde Bilanz: Möbel und Einrichtungsgegenstände hatten es bei Koller schwierig

Die Ehre der Uhren



wohl Johannes Aebersold und Werkstatt, Schreibkommode, Bern um 1770/75

wohl Johannes Aebersold und Werkstatt, Schreibkommode, Bern um 1770/75

Die Kundschaft zieht sich zurück. Kollers große Einrichtungsauktion mit Möbeln der besten französischen Qualität hat ihren Status als Großereignis auf dem europäischen Kunstmarkt in diesem Frühjahr etwas eingebüßt. Schon die losbezogene Zuschlagsquote von knapp 40 Prozent lässt diese Züricher Veranstaltung deutlich hinter ihren Schwestern der vergangenen Jahre zurückstehen. Geradezu ernüchternd die Einzelbilanzen: Nur ein einziges Los hat es diesmal jenseits die 100.000er Marke geschafft, und es ist fast bezeichnend, dass es sich dabei ausgerechnet um eine Nachahmung des 19ten Jahrhunderts handelt: Die im Louis XIV-Stil um 1840/70 gefertigte Anrichte mit zum Teil originalen Pietra Dura- und Pietra Paesina-Plaketten des 17ten und 18ten Jahrhunderts wurde bei einem Schätzwert von 150.000 bis 250.000 Franken von einem schon bekannten Kunden aus dem Emirat Qatar auf 175.000 Franken getragen.


Möbel

Die zahlreichen Meisterwerke des 18ten und frühen 19ten Jahrhunderts dagegen, Mathieu Criaerds zwei chinoise Lackeckschränke um 1750 etwa (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR) oder zwei großartige Kommoden mit Blumenschmuck von Hubert Hansen (Taxe 160.000 bis 260.000 SFR) und Jan van Oostenryk (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR), zwei ausgezeichnete Bologneser Kommoden um 1800/20 (Taxe 130.000 bis 230.000 SFR) oder ein wuchtiger Sekretär des Louis XVI von Joseph Baumhauer um 1770 (Taxe 160.000 bis 260.000 SFR), ja sogar die prunkhistoristischen Anrichten nach Originalen André-Charles Boulles aus der Zeit um 1880 für schlappe 400.000 bis 700.000 Franken mussten ihre Heimreise antreten.

So blieb dieser 26. März vor allem ein Schaulaufen der kleinen Preise und jener Meister, die zwischen ihren bedeutenderen Kollegen gelegentlich unterzugehen drohen. Dem Berner Meister Johannes Aebersold und seiner Werkstatt wird eine wuchtig geschwungene Schreibkommode der Zeit um 1770/75 zugeschrieben, die bei 75.000 Franken ihre untere Schätzung bestätigte. Eine schlichte Aufsatzschreibkommode um 1730, wohl aus der Werkstatt seines Berner Kollegen Matthäus Funk, erreichte 24.000 Franken (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR).

Von 12.000 bis 18.000 Franken auf 30.000 Franken kletterte ein kleines, in den Details aber sehr beachtliches Stehtischchen der Pariser Meister Denis Genty und Nicolas Jean Marchand aus der Zeit um 1755. Der große Pierre Roussel scheint für ein Bureau-Plat der Zeit um 1760 verantwortlich zu sein, doch mangels Stempel ist diese Angabe mit Vorsicht zu genießen. Zur unteren Grenze von 50.000 bis 90.000 Franken reichte es immerhin noch. Mit 68.000 Franken blieb ein frühklassizistischer Sekretär Nicolas Petits von etwa 1780 nur unwesentlich unter den Erwartungen hängen (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR).

Den höfischeren Klassizismus des Louis XVI repräsentierte eine Konsole vermutlich von Georges Jacob um 1770/75, die für 45.000 Franken in neue Hände überging (Taxe 45.000 bis 75.000 SFR). Mit Charles Topino beruhigten sich die Formen immer weiter. Der Preiskampf bei Koller legte dagegen etwas zu: 48.000 Franken für ein Paar ovale Gueridons lagen im oberen Taxbereich. Die Beliebtheit dieser Epoche zwischen 1770 und der Jahrhundertwende illustrierten ferner 47.000 Franken, die ein Kunde in ein kleines schlichtes Kommödchen Jean-François Leleus investieren musste (Taxe 38.000 bis 58.000 SFR). Wohl der gebürtige Genfer Jean-Jacques Werner vertrat die Empirezeit mit seinem runden Salontisch für 30.000 Franken recht honorabel (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Für ein extravagantes, wohl wienerisches Arbeitstischchen des Biedermeier in Eiform legte ein Käufer nur 16.000 Franken auf den Tisch (Taxe 18.000 bis 28.000 SFR).

Uhren

Bescheiden auch das Ergebnis bei den Uhren, fanden doch das Gemeinschaftswerk der Entführung der Europa durch Jupiter als Stier von Jean-Joseph de Saint-Germain und einem Uhrwerk des Julien Le Roy II. um 1745/55 (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR) sowie die von Bacchus in Gestalt einer Weinrebe verführte Erigone nach einer Idee Etienne Blavets keine Abnehmer (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Die Ehre der Uhren retteten der Modelleur Robert Osmond und der Uhrmacher Étienne LeNoir II. mit einem vasenartigen Werk von etwa 1760/80 für 90.000 Franken (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR). Mit 40.000 Franken lag auch eine Vasenpendule vermutlich nach einem Entwurf des Meisters Claude Galle um 1800 recht gut (Taxe 38.000 bis 58.000 SFR).

Jean-Joseph de Saint-Germain war ein zweites Mal zur Stelle, als es um eine Carteluhr von etwa 1760 mit bekrönendem Chinesen ging. Hier kamen 26.000 Franken zusammen (Taxe 25.000 bis 45.000 SFR). Eine Lyrapendule mit meeresgrünem Porzellan aus der Manufaktur Sèvres kam auf die unteren anvisierten 45.000 Franken. Unter den dekorativen Stücken darf besonders eine prunkvolle Alabastervase etwa der gleichen Zeit genannt werden, deren betont antikischer Bildhauerschmuck wohl auf den Florentiner Lorenzo Bartolini zurückgeht. Auch hier waren 50.000 Franken ein akzeptables Ergebnis (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR). Zwei Bronzelaternen aus der Mitte des 18ten Jahrhunderts mit Porzellanblumen aus Meißen erreichten mit 45.000 Franken ihre Schätzung nicht ganz.

Porzellan und Silber

Etwas zäh verliefen auch die Versteigerungen von Silber und Porzellan, wobei vor allem letzteres einige schmerzliche Rückgänge hinnehmen musste. So blieb das Prunkstück, eine Meißner Vase um 1747 mit grüner Watteau-Malerei und Pariser Bronzemontierungen aus der Zeit um 1750/55 bei 200.000 bis 300.000 Franken ohne Abnehmer. Auch die Prominenz Zarah Leanders half nichts: Ihr Tafelservice „Flora Danica“ von Royal Copenhagen nach einem Original um 1800 musste ebenfalls zurückreisen (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Eine frühe Meißner Kumme aus weißem Böttgerporzellan mit relieferten Blütenzweigen brachte auf 7.000 Franken (Taxe 7.000 bis 9.000 SFR), ein Koppchen mit Untertasse und dem Wappen der venezianischen Familie Foscari verdoppelte den Schätzpreis auf 10.500 Franken, und der Überraschungssieger wurde eine Obstschale der Züricher Porzellanmanufaktur von 1775 mit großem Blumenbouquet und Streublumen für 11.500 Franken (Taxe 2.200 bis 2.800 SFR).

Die akzeptable Zuschlagsquote knapp vierzig Prozent nach Losen verdankt sich dem Silber. Hier kamen mit 13.000 Franken für ein wohl deutsches Vermeil-Trinkgefäß des 17ten Jahrhunderts in Form eines Pferdes (Taxe 10.000 bis 18.000 SFR), mit 8.000 Franken für einen deutschen Deckelhumpen samt Waldszene mit Putten (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR) und mit 14.500 Franken für eine Ewiglichtampel des Augsburger Meisters Abraham Drentwett IV. aus der Mitte des 18ten Jahrhunderts ein paar gute Preise zustande (Taxe 6.000 bis 10.000 SFR). Von 5.000 bis 10.000 Franken auf 48.000 Franken steigerte sich gar eine teilvergoldete Fußschale mit maurisch-spanischem Einschlag.

Sammlung Gross

Wie anders dagegen die Ergebnisse der „Sammlung eines europäischen Gelehrten“, des 1984 verstorbenen Heidelberger Pharmakologieprofessors Franz Gross und seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Ehefrau! Exemplarisch die 81 Prozent für eine derartige Privatsammlung, die von einem nun 30.000 Franken teueren italienischen Marmorlöwenpaar des frühen 19ten Jahrhunderts (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR) bis hin zu Bernardo Bellottos Dresdner Veduten, von denen die teuerste 26.000 Franken einspielte (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR), alles umfasste, was in die eigenen vier Wände passte, aber die Schwelle zum Musealen nicht überschritt. Möbel bildeten nur einen Schwerpunkt, darunter eine Pariser Louis XIV-Kommode mit reichem Floraldekor und ein feiner venezianischer Ladentisch des 18ten Jahrhunderts für jeweils 24.000 Franken (Taxen 12.000 bis 20.000 und 30.000 bis 50.000 SFR).

Eine zweite Sammelleidenschaft galt der Kleinskulptur insbesondere der Renaissance und des Barock. Ein venezianischer Türklopfer des 16ten Jahrhunderts etwa brachte es auf die obere Taxe von 30.000 Franken. Denselben Betrag schaffte eine Engelsherme um 1600 vielleicht von Niccolò Roccatagliata (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Den Höhepunkt bildete eine Bronzestatuette des Weingottes Bacchus in den etwas plumpen Formen im Süddeutschland des 16ten Jahrhunderts. Einst war sie Bestandteil der Sammlung des Prinzen Christian August von Waldeck, jetzt ging sie für 72.000 Franken in eine neue Sammlung (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Der schwäbischen Spätgotik entstammt ein heiliger Christopherus, den ein Bieter für 26.000 Franken kaufte (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), ein Limosiner Kruzifix des 13ten Jahrhunderts hat jetzt einen Wert von 32.000 Franken (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR).

Die Frage, ob ein Bronzerelief mit der Anbetung der Könige tatsächlich romanisch ist oder lediglich eine jüngere Stilimitation darstellt, hielt die Bieter nicht davon ab, sich um die rund einen Meter breite Platte auf 30.000 Franken hochzuschaukeln (Taxe 5.000 bis 8.000 SFR). Hoch hinaus schoss ein Vermeil-Birnenpokal des Nürnberger Meisters Reinhold Riel um 1670. 28.000 Franken kostete dieses zarte Silberschmiedegewächs schließlich, das nur auf 2.000 bis 4.000 Franken angesetzt war. Die hochpreisigen Skulpturen anderen Sammlungen, etwa eine feine französische Madonna des 14ten Jahrhunderts und eine Elfenbeingruppe mit dem Raub der Proserpina aus dem 17ten Jahrhundert, mussten dagegen die Heimreise antreten (Taxen zwischen 40.000 und 60.000 SFR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



16.04.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 26

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (2)Adressen (1)Berichte (1)Kunstwerke (22)

Veranstaltung vom:


23.03.2009, Kunst und Antiquitäten

Veranstaltung vom:


30.03.2009, Spezialauktion der Sammlung eines europäischen Gelehrten

Bei:


Koller Auktionen AG

Bericht:


Die laszive Erigone

Kunstwerk:

Tiziano Aspetti Umkreis, Türklopfer, Venedig 16. Jahrhundert
Tiziano Aspetti Umkreis, Türklopfer, Venedig 16. Jahrhundert

Kunstwerk:

Niccolò Roccatagliata zugeschrieben, Wandapplike, Venedig um 1600
Niccolò Roccatagliata zugeschrieben, Wandapplike, Venedig um 1600

Kunstwerk:

Bacchus, wohl Süddeutschland, 16. Jahrhundert
Bacchus, wohl Süddeutschland, 16. Jahrhundert

Kunstwerk:

Matthäus Funk Werkstatt zugeschrieben, Aufsatzschreibkommode, Bern um 1730
Matthäus Funk Werkstatt zugeschrieben, Aufsatzschreibkommode, Bern um 1730

Kunstwerk:

Deckelhumpen, Deutschland, um 1700
Deckelhumpen, Deutschland, um 1700







Bacchus, wohl Süddeutschland, 16. Jahrhundert

Bacchus, wohl Süddeutschland, 16. Jahrhundert

Taxe: 15.000 - 25.000 SFR

Zuschlag: 72.000,- SFR

Losnummer: 738

Fußschale

Fußschale

Taxe: 5.000 - 10.000 SFR

Zuschlag: 48.000,- SFR

Losnummer: 1619

Johann Melchior Dinglinger Umkreis oder Atelier, Tabatière, Dresden 18. Jahrhundert

Johann Melchior Dinglinger Umkreis oder Atelier, Tabatière, Dresden 18. Jahrhundert

Taxe: 15.000 - 20.000 SFR

Losnummer: 1592

Trinkgefäß, wohl Deutschland, 17. Jahrhundert

Trinkgefäß, wohl Deutschland, 17. Jahrhundert

Taxe: 10.000 - 18.000 SFR

Zuschlag: 13.000,- SFR

Losnummer: 1502

Anrichte, Paris, um 1840/70

Anrichte, Paris, um 1840/70

Taxe: 150.000 - 250.000 SFR

Zuschlag: 175.000,- SFR

Losnummer: 1315

Corpus Christi, Limoges, 13. Jahrhundert

Corpus Christi, Limoges, 13. Jahrhundert

Taxe: 15.000 - 25.000 SFR

Zuschlag: 32.000,- SFR

Losnummer: 191

Reinhold Riel, Birnpokal, Nürnberg um 1670

Reinhold Riel, Birnpokal, Nürnberg um 1670

Taxe: 2.000 - 4.000 SFR

Zuschlag: 28.000,- SFR

Losnummer: 237

Abraham Drentwett IV, Ewiges Licht, Augsburg um 1750/70

Abraham Drentwett IV, Ewiges Licht, Augsburg um 1750/70

Taxe: 6.000 - 10.000 SFR

Zuschlag: 14.500,- SFR

Losnummer: 1520

 Porzellanmanufaktur Meißen, Laternenpaar mit Porzellanblumen, Paris, 18. Jahrhundert

Porzellanmanufaktur Meißen, Laternenpaar mit Porzellanblumen, Paris, 18. Jahrhundert

Taxe: 50.000 - 90.000 SFR

Zuschlag: 45.000,- SFR

Losnummer: 1088

 Porzellanmanufaktur Meißen, Kumme, Meißen, um 1715/20

Porzellanmanufaktur Meißen, Kumme, Meißen, um 1715/20

Taxe: 7.000 - 9.000 SFR

Zuschlag: 7.000,- SFR

Losnummer: 1702

Tiziano Aspetti Umkreis, Türklopfer, Venedig 16. Jahrhundert

Tiziano Aspetti Umkreis, Türklopfer, Venedig 16. Jahrhundert

Taxe: 20.000 - 30.000 SFR

Zuschlag: 30.000,- SFR

Losnummer: 245

Nicolas Petit, Sekretär, Paris um 1780

Nicolas Petit, Sekretär, Paris um 1780

Taxe: 70.000 - 120.000 SFR

Zuschlag: 68.000,- SFR

Losnummer: 1145




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce