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Sammlung Huizinga: Geschichte der Erschließung von Bezugsquellen

Erst hatte ich eine kleine Sammlung. Dann hatte die Sammlung mich.



„Huizinga ist mir schon Anfang der 80er Jahre als Sammler aufgefallen. Bewusst war er auf der Suche nach bestimmten Blättern. Dabei zeigte er ein enormes Wissen über das lithographische Werk von Picasso", charakterisiert der Galerist Heinz Hachmeister aus Münster den Grafiksammler Gert Huizinga, dessen Sammlung seit September einen neuen und endgültigen Aufbewahrungsort im Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster gefunden hat.


Er sei kein Typ gewesen, der kunsthistorische Forschungen im Zusammenhang mit Picasso betreibt. „Aber er war unschlagbar, wenn es darum geht, Quellen aufzutun.“ Und in der Tat: die Geschichte der Sammlung Huizinga ist eine Geschichte der zufälligen und doch gezielten Erschließung der Produktions-„Quellen“ des lithographischen Werkes Pablo Picassos.

Vom Architekten, Baumeister oder Millionär zum Graphik-Designer

Eigentlich wollte Huizinga, geboren am 7. August 1927, „Architekt, Baumeister oder Millionär“ werden. Der Vater war Ostfriese, die Mutter stammte aus Versmold bei Warendorf. Die spätere Sammelleidenschaft Huizingas entsprang nicht dem Elternhaus in Lengerich, wo der Vater Einkaufsprokurist bei einem Verpackungsmaschinenhersteller war. Der heranwachsende Spross zeigte zum Leidwesen der Eltern künstlerische Ambitionen: als Kind sei er mit einem Blatt Papier und einem Stift für Stunden ruhig zu stellen gewesen, soll seine Mutter später gesagt haben. Dann kam der Krieg: 1943 wurde Huizinga Luftwaffenhelfer, seinen 18. Geburtstag verbrachte er in Gefangenschaft. Erste Landschaftszeichnungen und Skizzen entstanden in dieser Zeit in der Umgebung von Marseille.

Die ersten Tausch- und Sammelobjekte

Mit dem Ziel freier Künstler zu werden, bewarb sich Gert Huizinga nach der Rückkehr aus dem Krieg ohne das Wissen seiner Eltern an der Hamburger Kunstakademie. Angenommen konnte er sich im Wintersemester 1947 ohne weitere Prüfungen immatrikulierten. Bald waren die Weichen in Richtung Grafik gestellt. Nach einigen Umwegen befand sich der 20jährige dort, wo er hin wollte: In der Klasse von Prof. Tietze, der Grafik zusammen mit grafischer Technik lehrte. Im Grundkurs traf er auf Paul Wunderlich, den späteren Hauptvertreter des „Phantastischen Realismus“. „Nach dem Krieg haben wir beide zusammen mit unserem damaligen Lehrer, einem Herrn Prüfer aus Leipzig, die grafischen Techniken in Hamburg wieder aufgebaut. Wunderlich und ich durften dann auch schon mal einige Blätter drucken“, berichtet der Sammler aus seiner Studienzeit. Diese kostbaren Erzeugnisse waren die ersten Tauschobjekte der befreundeten Nachwuchsgrafiker.

Wunderlich erhielt 1951 einen Lehrauftrag für grafische Technik in Hamburg. Huizinga kehrte nach Lengerich zurück. Lengerich war in dieser Zeit ein Zentrum für die Verpackungsindustrie. Die Firma Bischof & Klein stellte Kleinverpackungen und Papiersäcke her. Und im Lauf der Zeit entwickelte sich die Branche des Verpackungsdesigns. Was also lag näher als in Lengerich ein Grafik-Büro aufzumachen? Ganz im Sinne des Vaters: „Die Kunst ernährt den Mann“, beschreibt der Sammler seine ersten Schritte in die Selbständigkeit. Doch die freie Kunst ließ ihn nicht los: „Jede Mark, die mir zur Verfügung stand, habe ich nicht in die Wohnungseinrichtung, sondern in Schnäppchen auf den Kunstmarkt gesteckt. Wenn es etwas von großen Künstlern und Kollegen zu ergattern gab, interessierte mich das“, erinnert sich der Sammler und Stifter.

Deutsche Expressionisten oder Picasso?

Huizinga interessierte sich zunächst für die deutschen Expressionisten. Die ersten Blätter, die er kaufte, waren Grafiken von Gerhard Marcks und Horst Janssen. Sowie es das Budget erlaubte, kamen Werke von Christian Rohlfs, Marc Chagall und des spanischen Surrealisten Jean Miró hinzu. Seinen ersten Picasso, einen Linolschnitt, erwarb Huizinga in der Galerie Clasing in Münster. Schnell lernten Huizinga und seine Frau Jutta, die er 1962 geheiratet hat und die seine Sammelleidenschaft unterstützte, die richtigen Quellen kennen. Die Spezialisierung auf Picasso-Lithografien ist auf eine Kette glücklicher Zufälle zurückzuführen.

Anfang der 1960er Jahre hatte Huizingas späterer Schwiegervater Friedrich-Wilhelm Sellschopp im Yachthafen von Nizza sein Schiff „Fatima“ liegen. Daneben lag die „Meuta“. Man kam ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass eine Verbindung zu einer Galerie bestand, die zum Hôtel Majestic gehörte und von Mme. de Glasier geleitet wurde, die wiederum befreundet war mit Marie-Thérèse Walter, einer Lebensgefährtin von Pablo Picasso und Mutter der gemeinsamen Tochter Maja. Auf den Hinweis des „Schwiegervaters“, der Freund der Tochter interessiere sich für Grafik, kam der Kontakt zu Marie-Thérèse Walter zustande. Um in den Besitz der finanziellen Mittel für einen Hauskauf zu kommen, beabsichtigte sie, sich von einigen Arbeiten ihres berühmten Lebensgefährten zu trennen. Da sie mit Kunsthändlern schlechte Erfahrungen gemacht hatte, war sie zunächst sehr vorsichtig. Nach einigen Gesprächen war das Eis gebrochen und Huizinga auf dem Weg nach Paris. Die erste wichtige Bezugsquelle war erschlossen.

Die Quelle „Marie-Thérèse Walter“

Zur Disposition stand ein Konvolut von vier Mappen, deren Inhalt ihn faszinierte: „Da war das Schönste von Picasso drin, was ich überhaupt gesehen hatte“, erinnerte sich der Sammler. Es handelte sich um Blätter, die zum Teil noch nicht veröffentlich waren, darunter Fragmente der in Münster ausgestellten Stierserie, aber auch Selbstporträts. Die freundschaftliche Verbindung zum Hause Walter war geschaffen und sollte sich im Lauf der Jahre weiter ausbauen. Bald folgte ein Gegenbesuch in Lengerich. Huizinga zeigte einige Aquarelle, die er selbst an der Côte d’Azur gemacht hatte. Sie mochte die Bilder und es kam zum ersten Tausch: zwei echte Huizinga gegen einen Picasso. Die Blätter, die Huizinga in der Folge von der ehemaligen Lebensgefährtin Picassos erwarb, wurden von ihr mit „Collection Marie-Thérèse Walter“ signiert. Im Laufe weiterer Begegnungen und Erwerbungen begann sich Huizinga für Werkgruppen zu interessieren, die im Unterschied zur Serie geschlossene Einheiten eines Werkes bildeten und den Arbeitsprozess Picassos nachvollziehbar machen.

Die Quelle „Fernand Mourlot“

1976 kam es zu einer weiteren wichtigen Begegnung: Huizinga besuchte das Atelier von Fernand Mourlot. In dieser Pariser Werkstatt hatte sich Picasso die lithografische Technik erschlossen. Hier experimentierte und druckte er wesentliche Teile seines grafischen Werks. Auf Mourlots Sternradpressen entstanden zwischen 1944 und 1950 über 200 Blätter mit teilweise handschriftlichen Anmerkungen. Durch die Nähe zu den authentischen Produktionsstätten Picassos wurde für Huizinga die Individualität des Einzelblattes immer entscheidender. Nicht die Signatur des Auflagendruckblattes, sondern die Korrekturen und Anmerkungen des Künstlers und Lithografen, sowie lithografische Zwischenergebnisse und Abnahmesignaturen fanden sein Interesse. In den Folgejahren fuhr Huizinga wiederholt nach Paris, hat Kontakte geknüpft, sich in der Szene umgetan und den Werkkatalog von Mourlot studiert. Eine wichtige Rolle bei dem Aufbau der Sammlung spielte dabei die Galerie Berggrün.

Bald kam es zum ersten Besuch von Mourlot in Lengerich. Inzwischen war die Sammlung Huizinga auf über 100 Blätter angewachsen, die teilweise nie auf dem Markt erschienen waren. „Nach den ersten Zusammentreffen mit Mourlot war mir klar: Jetzt musst du Picassos lithografisches Werk so vollständig wie nur eben möglich haben“, beschreibt Huizinga seine beginnende Sammelleidenschaft in den späten 1970er Jahren. An die interessantesten und zum Teil unveröffentlichten Blätter war Huizinga über Mourlot gekommen. Ihm hatte er allerdings das Versprechen geben müssen, nie ein Blatt in den Handel zu geben oder anderweitig zu verkaufen.

Die Idee einer Stiftungsgründung

„Erst hatte ich eine kleine Sammlung. Dann hatte die Sammlung mich.“ Der Umfang der Sammlung wurde bald zum Problem. Das sprichwörtliche „unter dem Bett und auf den Schränken“ stimmte für eine lange Zeit, gab Huizinga anlässlich der Museumseröffnung in Münster zu. Es stellten sich aber zunehmend Sicherheits- und Erhaltungsfragen. Zwischenzeitlich gab es einige „anonyme“ Ausstellungen in verschiedenen deutschen Städten, eine davon in Münster. 1993 wurde die Sammlung in der Stuttgarter Staatsgalerie ausgestellt. Stuttgart hätte die Sammlung gern behalten, aber das Sammlerehepaar entschied sich, die nun über 700 Blätter umfassende Picasso-Sammlung in der Nähe ihres Heimatortes zu behalten. Bald darauf entstand die Idee, die Sammlung mit Hilfe einer Stiftung zu präsentieren und dadurch die Einheit zu sichern. So entstand in der Folge das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster.



25.10.2000

Quelle/Autor:Verena Voigt

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