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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Die neue Ausgabe der Art Cologne versucht Zeichensetzungen in der Krise

Konzentration auf das Wesentliche



Frischer Chef, sinkende Wirtschaftskraft, andere Perspektiven. Daniel Hug war sich nicht zu schade, aus Los Angeles an den Rhein zu wechseln, um die Ärmel hoch zu krempeln und die Art Cologne auf Vordermann zu bringen. Der Schweizer mit US-Pass, Galerist und Enkel des Bauhaus-Pioniers László Moholy-Nagy nutzt die ökonomische Krise zur Erneuerung des Dinosauriers unter den Kunstmessen. Schluss damit, dem Neuen auf Teufel komm raus mehr verpflichtet zu sein als der Wohlgestalt. Der Besucher spürt schnell: Weniger Lifestyle, keine Spekulanten, mehr Qualität sind angesagt. In einer Zeit ohne ökonomische Zudringlichkeiten gewinnt die Einsicht an Gewicht, dass Schönheit und Erkenntnis nicht dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterliegen.


Keine Kunstmesse besitzt so starke Wurzeln, ein derart vielseitiges künstlerisches Umfeld in einer Gegend, in der Kunstgeschichte geschrieben wurde, wie die Art Cologne. Man denke etwa an die Klassische Moderne, die Nachkriegskunst bis hinein in 1970er und 1980er Jahre, die in Köln und am Rhein ihre wichtigste Heimstatt hatten. Viele Galerien, die der Kunstmesse in den vergangenen Jahren fernblieben, konnten für die diesjährige Ausgabe gewonnen werden: Nach fünf Jahren ist die Galerie Annely Juda aus London zurückgekehrt, und seit 2002 ist auch Michael Werner wieder dabei. Michael Janssen oder Alexander Ochs aus Berlin ließen sich ebenso wie der Düsseldorfer Hans Mayer zu einer Teilnehme überreden, ferner ist Bruno Grosetti aus Mailand wieder mit von der Partie. Dennoch kommt man an den Glanz und die Internationalität der Art Basel nicht heran. Die Schweizer Galeristen halten sich nicht zuletzt wegen höheren Abgaben in Deutschland fast vollständig zurück, genauso vermisst man wichtige amerikanische und französische Aussteller, was auch mit der Terminüberschneidung zur Art Brussels zusammenhängt.

Die Art Cologne kann den Anspruch erheben, eine stark in der Region verortete Messe mit internationaler Ausstrahlung zu sein. Man bemüht aber auch nicht mehr den Vergleich zu der einige Jahre jüngeren Baseler Schwester. Das Art Forum Berlin wird von den Kölner Messeleitern zudem nicht als Konkurrenz empfunden, wie eigens auf der Eröffnungspressekonferenz betont wurde. Etliche Galerien seien aus der Hauptstadt wieder ins Rheinland zurückgekehrt, weil dort „zu vieles im Argen liegt“. Heuer gibt sich die Ausgabe konzentriert in einer Messehalle auf zwei Etagen. Die Ausstellerzahl stieg in diesem Jahr leicht um 30 auf 180 Teilnehmer, was aber nicht auf Kosten der Qualität ging. Daniel Hug gelang es in seiner ersten eigenverantworteten Schau vielmehr, das künstlerische Niveau zu heben und noch homogener zu gestalten. Als Manko bleibt immer noch das Gebäude selbst. Zwar muss man nicht mehr durch hässliche Hallenschluchten zum Eingang durchdringen, doch noch immer legt sich die dunkle und schwere, brutalistische Betonarchitektur der 1970er Jahre wie ein Sargdeckel über die Schönheit des Geschehens.

So ist im Untergeschoss der Halle 11 direkt am neuen Haupteingang Süd die klassische Moderne versammelt, gediegen mit Teppichboden, während im Obergeschoss die zeitgenössische Kunst in einer mehr fabrikhallenartigen Atmosphäre angesiedelt wurde. Frisch, jung und schräg zu bleiben, übernimmt dabei der Bereich „Open Space“. Auffallend im klassischen Sektor ist die Vielfalt in der preislichen Ausdifferenzierung. So bietet die Galerie Koch aus Hannover 28 Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner zu Preisen zwischen 5.000 Euro und 105.000 Euro an. Teuerstes Werk am Stand ist für 200.000 Euro Pablo Picassos Tuschfederzeichnung auf Papier „Mousquetaire contemplant un nu“ aus dem Jahr 1971. Sie ist umgeben von exzellenten Papierarbeiten Lyonel Feiningers, Gabriele Münters und Emil Noldes, dessen anmutiges kleinformatiges Blumenaquarell 64.000 Euro verlangt.

Insgesamt lässt sich ein Hang zum „kleinen Format“ feststellen, was wohl auch auf die Wirtschaftskrise und die Zurückhaltung der Kunden zurückzuführen ist. So leitet bei der Kölner Galerie Klaus Benden die aus diesem Jahr stammende Serie „On the Road“ von Martin Noël ein. Die mit Grafit und Acryl auf Postkarten aufgetragenen abstrakten Bilder kosten je 850 Euro, während großformatige Arbeiten mit Acryl auf Holz für 12.000 bis 22.000 Euro zu haben sind. Viele farbig bewegte Pop Art-Arbeiten zeichnen diesen Stand aus, insbesondere von Tom Wesselmann, dessen größte Arbeit 450.000 Euro kostet. Neben vielen Drucken Andy Warhols findet sich auch eine Version seiner Suppendosen der Marke „Campbell’s“ in einer kleinen Gemäldefassung, für die man 285.000 Euro zahlen muss.

Bei Hubertus Melsheimer gibt es eine grandiose Soloschau des berühmten italienischen „Vasenmalers“ Giorgio Morandi. Seine Werke sind allerdings diesmal Radierungen und umfassen auch Landschaften, die aus der Sammlung eines Kunstliebhabers stammen und nun für 10.000 bis 60.000 Euro abgegeben werden. In der Koje kann man zudem eine „Aktdarstellung in der Landschaft bei Avignon“ von Oskar Kokoschka bewundern, die mit 450.000 Euro gelistet ist. Rainer Ludorff wartet gleich nebenan mit dem noch nie öffentlich ausgestellten „Purpurklang“ von Ernst Wilhelm Nay auf. Für das großformatige abstrakte Ölgemälde des berühmten deutschen Nachkriegsmeisters müssen etwas über 500.000 Euro einkalkuliert werden. Rückkehrer Hans Mayer dürfte dieses Jahr besonders Golffans anlocken, die auch Kunstsammler sind. Claes Oldenburgs gemeinsam mit Coosje van Bruggen kreierte Plastik „Golf/Typhoon“ aus dem Jahre 1986, eine 160 Zentimeter hohe bemalte Bronze, die einen Bündel Golfschläger in einem Netz zeigt, verlangt 260.000 Euro. Ein eigener großer Raum widmet der Düsseldorfer Galerist den Minimalisten Carl Andre, Robert Longo und Sol LeWitt, deren zu einer Einheit verschmolzene Ansammlung von Werken zwischen 85.000 Euro bis 270.000 Euro pendeln.

Auch Dietmar Löhrl setzt auf das kleine Format und bietet fünf Miniaturen Blinky Palermos an. Die Folienprägedrucke veranschlagt er mit je 10.500 Euro. Star des Standes ist ein großformatiges, abstraktes Gemälde, das Gerhard Richter 1986 schuf und nun mit 1,1 Millionen Euro kostet. Weniger bekannt dürfte der Künstler Gil Shachar sein, von dem ein schlafender, seitlich auf einem Kissen ruhender männlicher Kopf in hyperrealistischer Manier aus Epoxydharz und Wachs für 12.000 Euro stammt. Parallel zur Eröffnung des Emil Schumacher Museums in Hagen Anfang August hat Hans Strelow seinen Fokus diesmal auf Emil Schumacher gesetzt, dessen Gemälde mit bis zu 130.000 Euro beziffert sind. Wilfried Utermann ergänzt den Reigen informeller Gemälde um Arbeiten Fritz Winters bis zu 190.000 Euro.

Paul Schönewald offeriert zwei Gemälde von Karin Kneffel, darunter auch ein seltenes Feuerbild aus dem Jahr 1993 für 14.400 Euro, das mal keine für die Künstlerin typischen prallen Früchte zeigt. In einer Vitrine sind einige „Idole“ von Katharina Fritsch aufgestellt, darunter „Betende Hände“ in einer 16er Auflage zu 17.000 Euro, Marien- und Nikolausfiguren für je 12.000 Euro. Hingucker an der Standecke von Michael Werner ist Judith, eine überlebensgroße weibliche partiell bemalte Bronzebüste von Markus Lüpertz zu 110.000 Euro. Dahinter an der Wand hängt Sigmar Polkes grandioses abstraktes Gemälde aus Silbersulfat, -jodid, -nitrat und -bromid auf Nessel, das 570.000 Euro wert ist.

Die Galerie Thomas aus München hat dieses Jahr ihre edle Koje ganz dem Thema „Farbklänge“ gewidmet. Hier kann der Besucher schwelgen in Farben und Kompositionen von Rupprecht Geiger, Victor Vasarely, Gotthard Graubner, Otto Piene, Sam Francis und Adolf Fleischmann. Inmitten alledem stehen die „Dancers“, eine Bronzeplastik Fernando Boteros, die für 485.000 Euro angepriesen wird. Die Preise der anderen Werke am Stand bewegen sich zwischen 9.000 Euro für Yaacov Agams optische Täuschungen bis hin zu 600.000 Euro für eine Arbeit Willi Baumeisters. Vor seiner geräumigen Präsentation hat der Düsseldorfer Galerist Klaus Schwarzer ein Mobile von Alexander Calder aus dem Jahr 1969 aufgestellt. „Red and blue on black and white“ wirbt mit 1,2 Millionen Euro um einen Käufer. Daneben zeichnen „Arbre“, eine auf Holz aufgetragene Ölarbeit mit Collage von Max Ernst für 195.000 Euro, oder das aus der Sammlung Ida Bienert stammende Ölbild „Rosa“ von Paul Klee für 480.000 Euro das Angebot aus.

Dorothea van der Koelen hat ihren Stand wieder mit konzeptuellen und konkreten Arbeiten französischer Künstler wie François Morellet und Michel Verjux bestückt. Daniel Burens in die Dreidimensionalität erweiterte Streifenkomposition „Triangles pour deux fenetres“ rangiert bei 75.000 Euro. Otmar Neher widmet dieses Jahr eine eigene Koje neun konstruktivistischen Holztafelreliefs des niederländischen, von Piet Mondrian inspirierten Künstlers Ad Dekkers. Die durch mathematische Berechnungen konzipierten aufgesetzten und vertieften Holzsegmente reduzieren sich in ihrer Farbigkeit bis hin zu einem reinen Weiß, das aus Licht- und Schattenwirkungen lebt. Sie sind nur zusammen verkäuflich und kosten 340.000 Euro.

Bei der Hamburger Galerie Levy hält der Alltag Einzug, wenn der Nouveau Réalist Daniel Spoerri seine „Fallenbilder“ an die Wand hängt. Eine Assemblage eines gedeckten, gerade verlassenen Tisches mit Essens- und Geschirrresten ist mit 56.000 Euro ausgepreist, während „Tribulum“ eine eigenartige, surrealistische Wagenkonstruktion darstellt, für die man 75.000 Euro hinlegen muss. Heiner Hachmeister präsentiert eine größere Auswahl von Bildern Le Corbusiers, die sich zwischen 24.000 und 68.000 Euro bewegen. Ihm gegenüber stellt der Münsteraner Galerist großformatige Ölbilder des jungen Akademieabsolventen Christoph Worringer, die in realistischer Malweise Menschen in unterschiedlichen Situationen zeigen und zwischen 3.600 und 28.000 Euro angesetzt sind.

Die junge Kunst spielt sich aber hauptsächlich in der oberen Halle 11.3 ab. Hier gruppieren sich um den Open Space die jüngeren Galerien. Bernhard Knaus konzentriert sich diesmal auf Daniele Buetti, dessen zwei Leuchtkastenarbeiten aus perforierten Fotografien von Schönheitsmodels je 16.000 Euro in großer und 12.500 Euro in kleiner Ausführung kosten. Daniel Buchholz preist Isa Genzkens Trash-Skulptur „Umbrella“ mit einem durch einen Regenschirm behüteten Menschenpaar von 2008 für 140.000 Euro an. Ernst Hilger stellt das dieses Jahr entstande Video „Sentry (Kit Carson, Colorado)“ von John Gerrard aus, in der eine Kamera eine tätige Erdölpumpe umkreist (Preis 55.000 EUR). Ferner finden sich an dem Stand des Wiener Galeristen großformatige Fotografien von Brian McKee, die Einblicke in das kriegszerstörte Afghanistan des Jahres 2003 vermitteln (Preis 7.700 EUR).

Bei den Münchner Galeristinnen Six Friedrich und Lisa Ungar steht ein großformatiges Werk Imi Knoebels aus Öl und Acryl im Mittelpunkt. „Rot/Weiß“ aus dem Jahr 1991 ist mit 120.000 Euro. Daneben finden sich interessante Positionen wie ein abstraktes Spraygemälde Peter Zimmermanns in abgetönten, organischen Formen für 35.000 Euro, neue Arbeiten von Ralf Ziervogel, darunter ein 24teiliges Konvolut kombinierter Sprayzeichnungen zu 44.000 Euro, ein Ensemble aus Zeichnungen und Plastiken der 31jährigen Künstlerin Elke Härtel, deren Preise sich um 7.500 Euro und 18.000 Euro bewegen. Ihre Frankfurter Kollegin Bärbel Grässlin wartet mit einem abstrakten Kaviarbild Georg Herolds von 2009 auf. Da Herold jedes einzelne Kaviarkorn nummeriert, summiert sich der Preis auf 50.000 Euro.

Der Kölner Galerist Thomas Zander hat sich für den Open Space-Sektor entschieden. Hier stellt er Mark Thompsons Video „Immersion“ vor. Das 25.000 Euro teure Opus zeigt einen Bienenscharm, der den Kopf des Filmenden komplett einhüllt. Bei Nusser & Baumgart strahlen extrem farbig gefasste Leuchtboxen mit digital bearbeiteten Schriftzeichen von den Wänden. Die an das Reklameflimmern von Las Vegas erinnernden Werke von Pietro Sanguineti kosten 3.200 Euro. Am Stand der L.A. Galerie kommt dem Besucher eine lebensgroße weibliche Kunstfigur entgegen, die ihm einen Totenschädel entgegen streckt. Der Chinese Liu Ding schuf 2006/07 „A Girl holding a Skull on a Kidney“ (Preis 55.000 EUR). Sabine Knust präsentiert ein wandfüllendes Triptychon der Jahre 1986/87 aus der Serie „Kontinentalkern“ von Katharina Sieverding für 120.000 Euro, während die Innsbrucker Galerie Thoman als Eyecatcher eine Installation von John Armleder zeigt: „Sunny Side up“ aus dem Jahr 2008 besteht aus einem Acrylbild mit davor platzierten alten Holzliegestuhl, ein Ensemble für 120.000 Euro ohne Mehrwertsteuer.

Die 43. Art Cologne findet auf dem Gelände der Messe Köln in der Halle 11 statt. Sie hat vom 22. bis zum 26. April täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 20 Euro, ermäßigt 14 Euro, die Abendkarte ab 17 Uhr ebenfalls 14 Euro. Die Zweitageskarte kostet wie der Katalog 30 Euro.

Kontakt:

KölnMesse GmbH

Messeplatz 1

DE-50679 Köln

Telefax:+49 (0221) 821 2574

Telefon:+49 (0221) 8210

E-Mail: info@koelnmesse.de



22.04.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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