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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne Kunst bei Bassenge in Berlin

Mehr als nur Gerümpel



Hans Meid gehört vielleicht nicht unbedingt zu den wichtigsten und besten Künstlern seiner Zeit, seine impressionistischen Gesellschaftsbilder besitzen nicht die geistige Tiefe eines Max Liebermann oder Lovis Corinth, denen er künstlerisch nahestand. Als rascher, virtuoser Zeichner und Grafiker aber hat der 1883 in Pforzheim geborene Meid seine bleibenden Verdienste und seinen festen Platz in der Kunstgeschichte. Einer, der seine Arbeiten besonders liebte, war der Konstanzer Apotheker, Sammler und Kustos des Rosgartenmuseums Bruno Leiner. Aus dessen Sammlung nun hat das Berliner Auktionshaus Bassenge für die kommende Moderneauktion rund 75 Blätter erhalten, deren Umfang fast einer kleinen Einzelausstellung gleichkommt. Da sind seine spannenden Historiendarstellungen wie „Der arme Lazarus im Haus des Reichen“ von 1917 ebenso zu sehen seine naturnahen Landschaftsaufnahmen, etwa aus dem Berliner Tiergarten. Die ältesten Radierungen und Lithografien stammen aus einer Zeit, als Hans Meid Mitte bis Ende zwanzig und besonders auf weibliche Akte und Liebesszenen spezialisiert war. Später illustrierte er Werke von Autoren wie Hugo von Hofmannsthal, Goethe und Heinrich Mann. Teuer sind die Blätter nicht: Kaum eines liegt über der 1.000 Euro-Marke.


Mit dieser Sammlung als Herzstück startet am 6. Juni Bassenge eine ausgezeichnete Veranstaltung, und man stellt neuerdings erstaunt fest: Die Kataloge von Bassenge werden immer dicker – und besser! Kontinuierlich hat das Berliner Haus in den letzten Jahren seinen Sektor „Moderne und Zeitgenossen“ ausgebaut, nicht zuletzt durch hervorragende Sonderauktionen wie eine Sammlung mit Arbeiten Käthe Kollwitz’. Auch Ernst Barlach gehört für Bassenge zum Standard, diesmal allerdings nicht nur mit mehreren Bronzen wie der „Kußgruppe II“ von 1921 (Taxe 12.000 EUR), sondern auch mit einer ungewöhnlichen „Henkelvase mit Masken XI“, einer roten Steinzeugvase, hergestellt in der Firma Richard Mutz in Wilmersdorf um 1905/06. Hier werden 5.000 Euro erwartet. Auch ohne Lyonel Feininger geht nichts, wenngleich diesmal nur zwei Grafiken zur Verfügung stehen. Bedeutender als der Holzschnitt einer Kirche mit Häusern, Baum und Stern von 1933 (Taxe 2.500 EUR) ist seine Kaltnadelradierung „The Gate“ aus dem Jahr 1912: ein finsteres mittelalterliches Tor, wie Häuser, Menschen, Brücke und Himmel in einer Vielzahl perspektivischer Verzerrungen erschüttert (Taxe 8.000 EUR).

Expressionistische Grafik bildet ohnehin einen Schwerpunkt der Offerte. Mit dabei sind Erich Heckels Holzschnitt „Kinder auf der Bank“ von 1910 (Taxe 18.000 EUR) und Karl Schmidt-Rottluffs „II. Kestner-Mappe: Fischer“ mit sechs Lithografien aus dem Jahr 1923 (Taxe 15.000 EUR). In Oskar Schlemmers Lithografie „Figur nach rechts“ kündigt sich schon 1916 der Spätstil des Künstlers an (Taxe 8.000 EUR). Die künstlerische Entwicklung Emil Noldes lässt sich anhand der von Edvard Munch inspirierten Aquatintaradierung „Act“ aus dem Jahr 1906 (Taxe 9.000 EUR) über das Antlitz seiner Gattin „Frau N“ 1911 (Taxe 10.000 EUR) bis hin zu der spätexpressionistischen, von archaischer Formensprache gekennzeichneten Farblithografie „Weib und Mann“ von 1926 verfolgen (Taxe 8.000 EUR).

Das Hauptstück des Jugendstil dürfte Gustav Klimts teils weiß gehöhte Bleistiftzeichnung eines Kniestücks im Profil nach rechts aus der Zeit um 1916 sein, bewertet mit realistischen 30.000 Euro. Den deutschen Impressionismus vertritt neben Hans Meid am besten Lesser Ury mit dem Ölbild eines holländischen Dorfes am Kanal von 1912 (Taxe 18.000 EUR) und der Kohlezeichnung „Allee im Tiergarten“ aus der Mitte der 1920er Jahre (Taxe 20.000 EUR), begleitet vom Ölbild „Frau mit zwei Kindern unter blühenden Apfelbäumen sitzend“ Philipp Francks um 1905 (Taxe 12.000 EUR).

Das Bauhausjubiläum feiert man vorzugsweise mit László Moholy-Nagys Lithografie „Abstufungen“ aus der Reihe seiner sogenannten Glasarchitektur (Taxe 18.000 EUR). Zu neuem Leben nach der Verheerung erstrahlt Ernst Wilhelm Nays Gouache „Thais und Anna“ aus dem Jahr 1945 (Taxe 28.000 EUR). Da könnte er einige Zeit auf Karl Kunz gewirkt haben, der mit ebensolcher Farbenpracht 1953 ein zivilisatorisches „Gerümpel“ aufeinanderstapelte, 1963 eine „Buona Notte“ wünschte und 1969 ein Frauengemach mit Gardinenstange aufnahm. Der heute fast vergessene Künstler, der 1971 in Frankfurt am Main starb, hatte zu seiner Zeit einen durchaus klangvollen Namen. Trotz großer Formate rangieren die Ölbilder bei nicht mehr als 2.800 Euro.

Ewas schade ist die Tatsache, dass Bassenge eine ganze Reihe hochpreisiger Ölgemälde im Programm hat, die als Ladenhüter im eigenen Haus oder woanders schon seit längerer Zeit herumgeistern. Die Preise wurden indes kaum gesenkt, was die Abgabechancen kaum erhöht. Dazu gehören: Alexander Kanoldts „Stillleben mit Fensterblick“ von etwa 1938, Ende 2006 bei Karl & Faber an 38.000 bis 45.000 Euro, dann noch einmal vor einem halben Jahr bei Van Ham an 40.000 bis 48.000 Euro gescheitert und jetzt schon wieder für 40.000 Euro im Angebot. Dann George Grosz’ Aquarell eines schwarzen Arbeiters, entstanden um 1934 wenige Monate nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten. Im November 2008 im Dorotheum Wien für 32.000 Euro angeboten, stehen jetzt 30.000 Euro auf dem Etikett. Ferner Hermann Max Pechsteins „Chrysandeen“ aus dem Jahr 1937, im Frühjahr letzten Jahres bei Nagel für 35.000 Euro, jetzt für leicht reduzierte 30.000 Euro. Auch William Wauers Tempera und Gouache „Universum“ von 1918 (Taxe 5.000 EUR) und Karl Hofers „Drei Akte im Wald“ von 1944 sieht man keineswegs zum ersten Mal (Taxe 30.000 EUR).

Doch versöhnt einen dafür das reiche Angebot an Neuigkeiten aus der zweiten Künstlerreihe. Der 1943 in Majdanek ermordete Otto Freundlich, in seinen späten Jahren Schöpfer zahlreicher bunter Farbflächenmuster, bestand 1924 eine „Gleichgewichtsprobe“, ein Aquarell mit dunkelbraunen, rotbraunen und grauen Horizontal- und Vertikalstreifen (Taxe 4.000 EUR). Vielfältig beeinflusst ist Johannes Walter-Kurau in seinem sitzenden Männerakt: Die Haltung erinnert an Auguste Rodins „Denker“, die Farbigkeit an die Fauves, die scharfe Konturgebundenheit an die Künstler des Dresdner Expressionismus. Letztere hatte er persönlich kennengelernt, bevor er 1917, als das Gemälde vermutlich entstand, nach Berlin ging (Taxe 7.000 EUR). Hannah Höchs künstlerische Wandlungsfähigkeit demonstrieren zwei Arbeiten: Der Neuen Sachlichkeit erwies sie 1937 mit einem Blumenstillleben ihre Referenz (Taxe 3.500 EUR), das abstrakte Spätwerk repräsentiert das Ölbild „Auf hellem Grund“ von 1965, dem Jahr, in dem sie an die Akademie der Künste in Berlin berufen wurde (Taxe 12.000 EUR).

Hans Reichels suggestive Mischtechnik „Fische“ in grünen und blauen Farben erinnert deutlich an Paul Klee – kein Wunder, hatten sich die beiden Künstler doch 1919, ein Jahr vor der Entstehung des Bildes, kennengelernt (Taxe 20.000 EUR). Einige Künstler betätigten sich als Collagisten, so Albert Mueller, der sonst eher gegenständlich arbeitete, um 1914 durch Aufeinanderkleben verschiedener Tonpapiere (Taxe 3.000 EUR) und Reinhold Koehler mit den zwei wohl zusammengehörigen Arbeiten „Décollage in Schwarz“ und „Décollage in Rot“ aus der Zeit um 1958 (Taxen je 4.500 EUR). Als Bühnenbildner für eine Aufführung der „Tanzlegende“ Gottfried Kellers unter Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin betätigte sich August Lange-Brock um 1926 in Form von sieben bunten Entwurfscollagen (Taxe 4.500 EUR).

Viele Künstler gingen den umgekehrten Weg. Hans Spiegel etwa zeigte sich um 1919 in einer kubistischen Komposition mit Figuren ganz von den avantgardistischen Tendenzen seiner Stuttgarter Akademiekollegen erfasst (Taxe 6.000 EUR), rund zehn Jahre später findet seine Darstellung dreier Ruderer zur Figürlichkeit zurück. Die düstere Farbigkeit ist allerdings beibehalten (Taxe 12.000 EUR). Wie diese beiden stammen noch mehrere Arbeiten aus der renommierten Sammlung Rolf Deyhle, die sich vornehmlich deutscher Kunst der Zwischenkriegszeit widmete. Ein Teil ihres Paul Kleinschmidt-Bestandes war bereits vor einem halben Jahr bei Bassenge versteigert worden, jetzt kommen drei weitere Ölbilder des Außenseiterexpressionisten zum Aufruf: Zwei Schauspielerinnen bei der Toilette von 1924 und eine weitere Bühnenschönheit in der Garderobe 1941 sollen jeweils 35.000 Euro kosten, für ein 1930 datiertes Stillleben mit Kaffeekanne, Blumen und Gebäck werden 20.000 Euro erwartet. Die selbe Provenienz besitzen Adolf Fleischmanns „Abstrahierte Tiere“ von etwa 1930 (Taxe 12.000 EUR).

Leicht könnte man vergessen, dass diese Auktion auch die Zeitgenossen noch umfasst. Da ist Bassenge allerdings nicht so stark. Johannes Grützke tritt hier mit einem großformatigen Blatt aus der symbolbehafteten Serie „Im Watt“ von 1978 auf (Taxe 6.000 EUR). Auch Französisches ist eher selten, äußert sich aber doch in einer Reihe schöner Grafiken. Henri de Toulouse-Lautrecs dunkelolivgrüne Farblithografie „Miss May Belfort saluant“ von 1895 (Taxe 8.000 EUR) und die farbigen Aufnahmen gut gekleideter Gesellschaftsdamen Jacques Villons, wie in einer Aquatintaradierung aus dem Jahr 1903 (Taxe 8.000 EUR) oder die vier Kaltnadelradierungen desselben Motivs „Lily“ von 1905 (Taxe 9.500 EUR), sind in ihrer künstlerischen Auffassung durchaus ähnlich. Und dem französischen Kunstkreis darf man wohl auch Pablo Picasso zurechnen, dessen Dutzend Blätter mit der 1958 entstandenen Lithografie „Buste au corsage à carreaux“ an der Spitze bei bis zu 45.000 Euro liegen.

Die Auktion beginnt am 6. Juni um 10 Uhr den günstigen Arbeiten in dem Abschnitt „Moderne Kunst II“, um 15 Uhr folgen die Hauptwerke von „Moderne Kunst I“. Die Vorbesichtigung findet bis zum 2. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr im Haus am Lützowplatz 9 statt, dort am 3. Juni von 10 bis 17 Uhr nur für auswärtige Besucher. Der Katalog ist im Internet unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



02.06.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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 Sitzende Frau, 1905
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Ernst Barlach, Kussgruppe II, 1921

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Wilhelm Morgner, Männerkopf mit Schildmütze (Krankenhauskasper), um 1910

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Taxe: 3.000,- EURO

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Taxe: 18.000,- EURO

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Johannes Walter-Kurau, Sitzender Männerakt, vor 1917

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Taxe: 7.000,- EURO

Zuschlag: 5.500,- EURO

Losnummer: 7353

Henri de Toulouse-Lautrec, Miss May Belfort saluant, 1895

Henri de Toulouse-Lautrec, Miss May Belfort saluant, 1895

Taxe: 8.000,- EURO

Losnummer: 7332

Ernst Barlach, Henkelvase mit Masken XI, um 1905/06

Ernst Barlach, Henkelvase mit Masken XI, um 1905/06

Taxe: 5.000,- EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 7009

Lesser Ury, Allee im Tiergarten, um 1925

Lesser Ury, Allee im Tiergarten, um 1925

Taxe: 20.000,- EURO

Zuschlag: 43.000,- EURO

Losnummer: 7334

Gustav Klimt, Kniestück im Profil nach rechts, um 1916

Gustav Klimt, Kniestück im Profil nach rechts, um 1916

Taxe: 30.000,- EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

Losnummer: 7113

Emil Orlik, Dorfklatsch in Dalmatien, um 1913

Emil Orlik, Dorfklatsch in Dalmatien, um 1913

Taxe: 900,- EURO

Zuschlag: 1.400,- EURO

Losnummer: 7268

Emil Orlik, Sitzende Frau, 1905

Emil Orlik, Sitzende Frau, 1905

Taxe: 1.200,- EURO

Zuschlag: 1.700,- EURO

Losnummer: 7271

Emil Orlik, Japanische Kinder als Zuschauer bei einem Umzug, 1902

Emil Orlik, Japanische Kinder als Zuschauer bei einem Umzug, 1902

Taxe: 1.200,- EURO

Zuschlag: 1.400,- EURO

Losnummer: 7272




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