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Weimar feiert den 90sten Geburtstag des Bauhauses

Vom vorausdenkenden Laboratorium zur Kultmarke



Peter Keler, Wiege, 1922

Peter Keler, Wiege, 1922

Die Wiege des Bauhauses steht in Weimar. Peter Keler schuf das schnittige wie funktionale Möbel 1922. Die Konstruktion aus Kreisen, Dreiecken und Rechtecken steht derzeit im Neuen Museum der Klassikerstadt Weimar als einprägsames Symbol für die Geburt der innovativen Lehranstalt ebendort vor 90 Jahren. Am 1. April 1919 nahm sie den Betrieb auf. Wenige Wochen zuvor, am 9. November 1918, verlässt der letzte regierende Monarch die Stadt. Die erste Deutsche Nationalversammlung kommt am 6. Februar 1919 im Deutschen Nationaltheater zusammen und verabschiedet hier am 13. Juli die Weimarer Verfassung, bevor sie Ende August wieder nach Berlin zurückkehrt – was für eine bewegte Zeit.


Am 1. April 1919 übernimmt der Architekt Walter Gropius laut Anstellungsvertrag als Gründungsdirektor „die Leitung der Hochschule für bildende Kunst einschließlich der ehemaligen Kunstgewerbeschule“ für ein Jahressalär von 10.000 Mark. Der fusionierten Institution verleiht er den pogrammatischen Namen „Staatliches Bauhaus Weimar“. Damit vollendet sich allerdings nur eine lang zuvor eingesetzte Entwicklung: Harry Graf Kessler, kenntnisreicher wie kulturbeflissener Mäzen, hatte Jahre zuvor den Belgier Henry van de Velde nach Weimar vermittelt. Nach Darmstädter Vorbild verschaffte er dem vorhandenen Gewerbe verkaufsfördernde ästhetische Impulse; 1907 etablierte er die private Kunstgewerbeschule. Van de Velde gelang es, den regionalen Betrieben über private Entwurfstätigkeit Aufträge in der Höhe von mehreren Millionen Reichsmark zu vermitteln und seine Schule privat zu finanzieren. 1917 verließ er die bereits zum Treffpunkt für Avantgarde gewordene beschauliche Stadt, nicht ohne sich für den Berliner Architekten Walter Gropius als Nachfolger zu engagieren.

Nun herrscht Aufbruchstimmung nach Erstem Weltkrieg und Revolution. Sofort beruft der neue Direktor Spitzenkräfte der Avantgarde: Johannes Itten, Lyonel Feininger und Gerhard Marcks sind die ersten. 1920 folgen Paul Klee und Georg Muche, 1921 kommt Oskar Schlemmer, im Folgejahr Wassily Kandinsky und 1924 László Moholy-Nagy – ein multikultureller, heterogener Lehrkörper, genauso wie die Studentenschaft. Dies ist die Voraussetzung für unkonventionelles Denken, Verschmelzung von Vorstellungen, Experimentieren, die das Fundament für alle kommenden Verkaufsschlager und Weltklassiker der Designgeschichte bilden werden.

Zuerst noch expressionistisch geprägt, kristallisieren sich nach und nach die stilistischen Merkmale heraus, die den sogenannten variantenreichen Bauhausstil kennzeichnen: Formale Reduktion, Funktionalität, Optionen einer sozial animierten Multiplizität. Es ist eine radikale Absage an verkrustete historistische Schnörkelhaftigkeit und altbackene Gediegenheit, eine Hinwendung zur Technik, Ökonomie, Rationalität und zur Maschine. Nach dem Vorbild mittelalterlicher Kathedralbauhütten bleibt das Handwerk das Fundament des Neuen, das Design und Kunst zu einem Ganzen vereint.

Zunächst gibt es Spannungen: Zentrale Figur ist der Formfinder Johannes Itten, der Herr des obligatorischen halbjährigen Vorkurses. Der kahl geschorene Sonderling exerziert in einer Art Selbsterkundung Materialübungen und Formfindungen, bevor anschließend in der Werklehre ein Künstler und ein Handwerker gemeinsam unterrichten. Der kultisch geneigte Itten war Gegenspieler des fortschritt- und technikfreundlichen, Amerika hingewandten und großstadtorientierten Gropius’. 1923 schon überredet er Itten zum Verlassen der Schule, und nun beginnt die völlige Hinwendung zur konkret-konstruktiven Moderne.

Das Gesamtkunstwerk steht im Fokus gemeinsamer Lehre und Produktionen. In Zusammenarbeit mit der heimischen Industrie werden die technischen Möglichkeiten ausgereizt, wie beispielsweise beim Freischwinger von Marcel Breuer oder der Leuchte von Wilhelm Wagenfeld. Die Ergebnisse der Revolutionierung des Designs äußern sich in klaren geometrischen Grundformen, perfekten Proportionen, schlichten, aber geschmackvollen Gegenstände. Die Malerei löst ihre Strukturen in dynamische Farben und Formen auf. All dies sowie die völlig unorthodoxen Lebensweisen, Ansichten und Aktivitäten der Bauhausangehörigen sind dem konservativen Weimar ein Gräuel. Eine restriktivere Politik erzwingt letztendlich den Weggang des Bauhauses bis Ende März 1925. Am 14. Oktober 1925 eröffnet es neu in Dessau und hat sich zuvor die Eigentumsrechte aller in Weimar entstandenen Werkstattarbeiten gesichert. Die in ihrer Klarheit, Offenheit und Funktionalität überzeugenden Lehr- und Wohnbauten in der anhaltischen Stadt entwickeln rasch internationale Strahlkraft, in dessen Schatten die Basis der Weimarer Jahre zu verblassen droht.

Jetzt scheint es umgekehrt. Mit einer hochkarätigen fünfteiligen Ausstellungskette beleuchtet die Klassik-Stiftung unter dem Titel „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ tragende Ideen der Kunsthandwerk und Technik vereinenden Designschmiede und ihre Wirkungsgeschichte als bedeutendster Exportartikel deutscher Kunst des 20sten Jahrhunderts. Nicht verschwiegen werden soll, dass zahlreiche Satellitenausstellungen in den umliegenden Städten, allen voran in Jena, Erfurt und Apolda, den Beitrag der gesamten Region in all ihren Verästellungen darlegen, an denen viele Firmen, Industriebetriebe und Werkstätten ihren Anteil besitzen.

In Weimar haben sich Lehrer wie Schüler des Bauhauses von den Klassikern anregen lassen. Schillers Ideen zur kreativen Erziehung des Menschen spielten für die Didaktik des Bauhauses eine wichtige Rolle. Aber auch Goethes Farbenlehre war für Farbgestaltungen insbesondere auf dem Gebiet der Architektur von maßgeblicher Relevanz. Die „Weiße Moderne“ hat es so, wie oft suggeriert, nie gegeben. Walter Gropius war fasziniert von Goethes universalem Denken. Die Bedeutung der Farbenlehre und Morphologie Goethes für frühe Bauhaus-Objekte sind Thema eines Kapitels im Goethe-Nationalmuseum.

In wirksam gelungenen Korrespondenzen stehen sich hier erlesene Arbeiten der freien Künste sowie theoretischen Überlegungen der Genres Malerei, Skulptur, Grafik und Fotografie gegenüber, die in ihrer Vielschichtigkeit die Hinwendung zum Konstruktivismus und zu neuer Figürlichkeit offenbaren. Paul Klees „Maibild“ aus dem Jahr 1925 ist dazu erstmals seit 20 Jahren vom New Yorker Metropolitan Museum of Art ausgeliehen. Farbkreise, -skalen und -übungen von Johannes Itten, Johann Wolfgang von Goethe und vielen weiteren bedeutenden Künstlern bewegen sich ebenso auf den Pfaden der Bedeutungssuche von Farbtönen, darunter Werke von Josef Albers, Gerhard Marcks, Lyonel Feininger, Georg Muche, Lothar Schreyer, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky.

Im Leben der Bauhäusler waren Experimentieren und Geselligkeit wichtige Bestandteile des Lebens. Dieser Bereich steht im Schiller-Museum im Fokus. Spiel, Fest und Bühne bergen darüber hinaus fantasievolle Visionen und Utopien. Zu sehen sind Bühnenwerke von Lothar Schreyer, Beispiele von Schülerarbeiten zum „Mechanischen Ballett“ und zur Marionettenbühne, Bühnenwerke Oskar Schlemmers oder Wassily Kandinskys sowie utopische Bühneprojekte von László Moholy-Nagy oder Konzeptionen für Theaterräume von Walter Gropius und Andor Weininger.

Das größte Ausstellungssegment befindet sich im Neuen Museum. Im gesamten Haus widmet man sich Saal für Saal den einzelnen Bauhaus-Werkstätten von frühen, noch sehr expressiven Stücken, die sich allmählich zu modernen, noch heute gefragten Formen wandeln. Die Glasmalereiwerkstatt glänzt mit Ittens „Turm des Feuers“, umgeben von einzigartigen Gitterbildern Albers’. Von Gerhard Marcks gestaltete Köpfe und Kacheln bereichern die Präsentation der Keramikwerkstatt, während in der Metallwerkstatt neben Wilhelm Wagenfelds Leuchten und Mokkamaschinen die ebenso glitzernden kugel- und halbkreisförmigen Teekannen aus Bronze von Marianne Brandt faszinieren. Wandbehänge von Gunta Stölzl dominieren die Textilwerkstatt, während es in der Bildhauereiklasse und Typografiewerksstatt wesentlich freier und zu Beginn noch expressiver zugeht.

Zu den prägendsten Werkstätten des Bauhauses gehört die Tischlerei, die neben den weltbekanten Latten- und Stahlrohrmöbeln Breuers und Ludwig Mies van der Rohes auch den von Stölzl und Breuer gemeinsam im Jahr 1923 kreierten „Afrikanischen Stuhl“ als Höhepunkt bietet, der erstmals vom Berliner Bauhaus-Archiv ausgeliehen wurde. Bei einigen Werkstätten wird offensichtlich, wie sehr man sich recht früh um serielle Fertigung bemühte. Die Wandmalereiwerkstatt mit Entwürfen von Peter Keler, Alfred Arndt und Hinnerk Scheper leitet zum Haus am Horn über, dem 1923 nach Ideen von Georg Muche als Muster- und Versuchsbau im Rahmen der Baushaus-Ausstellung errichteten frühesten Exempel der Bauhaus-Architektur. Dieses größte Exponat umfasst einen mittigen atriumartigen Zentralraum. Um dieses erhöhte Segment gruppieren sich die übrigen Zimmer. 1998/99 konnte das technisch wie materialmäßig wegweisende Objekt auf seinen Originalzustand zurückgeführt und dabei teilweise die ursprünglichen Farbfassungen und die Lichtkonzeption rekonstruiert werden. Hier werden hier neben Plänen zum Haus selber weitere Architekturentwürfe von Bauhäuslern gezeigt.

Als zentraler Informationsort dient das eigentliche Bauhaus-Museum am Theaterplatz, wo neben einem begehbaren Bild-Panorama ein Film in die geschichtlichen Konstellationen einführt. Nicht Bestandteil der Ausstellung, aber ebenfalls lohnend ist der Besuch des 1904 bis 1911 von Henry van de Velde entworfenen Hauptgebäudes der Hochschule. Noch heute birgt es vielfältige Zeugnisse des Staatlichen Bauhauses. Anlässlich der ersten großen Bauhaus-Ausstellung 1923 schuf Herbert Bayer im Nebentreppenhaus drei Wandgemälde. In Grundfarben gehaltene Kompositionen aus Dreieck, Quadrat und Kreis umreißen die Farb- und Formenlehre der Anstalt. Heute sind die rekonstruierten Gemälde die Corporate Identity der hier nun ansässigen Architekturfakultät der Bauhaus-Universität Weimar. Als erstes realisiertes Gesamtkunstwerk des Bauhauses gilt das 1923/24 von Walter Gropius entworfene und den schuleigenen Werkstätten ausgeführte Direktorenzimmer. Um 1998/99 rekonstruiert, vermittelt es heute wieder eindrucksvoll das seinerzeit revolutionäre und bis heute wegweisende Gesamtkonzept, dessen gestalterische Ausformung funktional genauestens durchdacht und ästhetisch einnehmend formuliert ist.

Fast 1.200 Exponate umfasst die Megaschau zum nicht ganz runden Bauhaus-Jubiläum, ein gewaltiges, aber angemessenes Ereignis für das kleine Weimar. Man sollte Zeit und Muße mitbringen, um alle Teile instruktiv zu bewältigen. Wer sich allerdings nicht nur den hier im Mittelpunkt stehenden Anfängen bis 1925 widmen, sondern die gesamte Entwicklung bis zur erzwungenen Auflösung 1933 verfolgen möchte, für den bietet sich die alle zeitlichen Abschnitte umfassende Gesamtschau „Modell Bauhaus“ an, die ab dem 20. Juli im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist.

Die Ausstellung „Das Bauhaus kommt aus Weimar“ ist noch bis zum 5. Juli in Weimar zu sehen. Geöffnet ist an allen Ausstellungsorten täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 15 Euro für alle Stationen, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der an den Museumskassen 35 Euro kostet.

  • Bauhaus-Museum, Am Theaterplatz, 99423 Weimar
  • Neues Museum Weimar, Weimarplatz 5, 99423 Weimar
  • Schiller-Museum, Schillerstraße 12, 99423 Weimar
  • Goethe-Nationalmuseum, Frauenplan 1, 99423 Weimar
  • Haus am Horn, Am Horn, 99423 Weimar

    Besucherinformation:
    Telefon +49 (0) 3642 - 545 401

  • Kontakt:

    Bauhaus-Museum

    Am Theaterplatz

    DE-99423 Weimar

    Telefon:+49 (03643) 545 961

    Telefax:+49 (03643) 41 98 16

    E-Mail: info@klassik-stiftung.de

    www.das-bauhaus-kommt.de



    19.06.2009

    Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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    Die Bauhaus-Universität in Weimar

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    Plakat für die Bauhaus-Ausstellung 1923

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    Georg Muche, Haus am Horn, Weimar 1923

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    Direktorenzimmer Walter Gropius’ in der Bauhaus-Universität

    Direktorenzimmer Walter Gropius’ in der Bauhaus-Universität

    Wandmalerei von Herbert Bayer in der Bauhaus-Universität

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    Bauhaus-Museum mit dem Goethe- und Schiller-Denkmal

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