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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Möbel und Einrichtungsgegenstände bei Koller: An der Spitze noch immer gut, doch das Mittelfeld bricht ein wenig weg

Zeitmessung auf Reisen



Reise-Trommeluhr mit Wecker, Augsburg, 16. Jahrhundert

Reise-Trommeluhr mit Wecker, Augsburg, 16. Jahrhundert

Wie die führenden Auktionshäuser im Bereich der bildenden Kunst muss auch Koller in Zürich manche hohen Erwartungen auf dem Gebiet antiker Luxuseinrichtung etwas zurückfahren. Man hatte sich schon darauf eingestellt und für die Möbel und Einrichtungsgegenstände am 18. Juni einige erstklassige Objekte günstiger angesetzt, als vielleicht vor einem Jahr geschehen. Auf der anderen Seite verzichten die Besitzer exzeptioneller Preziosen keineswegs auf ihre Einlieferungen. Beides zahlte sich aus, doch beides musste auch Rückschläge hinnehmen. Die Zuschlagsquote von 44 Prozent sank gegenüber dem Durchschnittsergebnis im Vorjahr um rund 10 Prozentpunkte. Doch kamen auch Resultate zustande, die an beste Zeiten erinnern. Das wichtigste Stück war hier eine prunkvolle „commode en bureau“, die dem 1732 gestorbenen André-Charles Boulle und seinen Söhnen zugeschrieben wird und die Meisterschaft dieser Pariser Hofschreinerei auf ihrer absoluten Spitze dokumentiert. Für den im besten Falle angestrebten Millionenbetrag reichte es nicht, doch kamen immer noch hervorragende 820.000 Franken aus der Hand eines Briten heraus. Die Schätzung hatte bei 700.000 bis 1,2 Millionen Franken gelegen.


Die ungewöhnlich reiche Offerte deutscher Möbel überwiegend des Rokoko um 1750 wurde gemischt aufgenommen. Die untere Grenze von 90.000 bis 120.000 Franken schaffte ein vegetabil geschnitzter, vom „Directeur des Ornements“ Johann August Nahl d.Ä. am Hof in Potsdam entworfener Schrank. Unbekannt ist der Schöpfer einer roten Lackkommode, er wird im Umfeld des preußischen Hofes lediglich vermutet. Dennoch erzielte das mit silbernen Ranken geschmückte Stück gute 115.000 Franken (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR). Den Höchstpreis – und Platz zwei der ganzen Versteigerung – errang eine Folge von sechs gefassten Fauteuils, deren leichter Rokokodekor auf einen Meister im Bereich des Würzburger Residenzbaus verweist: 400.000 Franken bewilligte ein Stammkäufer aus Katar für das glänzende Ensemble (Taxe 250.000 bis 450.000 SFR).

Unveräußert blieben dagegen eine in der Werkstatt Johann Georg Schleunigs oder Johann Schneggs wohl nach Plänen von Johann Christian Hoppenhaupt geschnitzte, vergoldete und stellenweise farbig gefasste Konsole (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR), eine nicht üppige, aber perfekt verarbeitete Aufsatzschreibkommode, die dem Dresdner Johann Christoph Hesse zugeschrieben wird (Taxe 200.000 bis 400.000 SFR), ein Paar Kommoden „à fleurs“ der ursprünglich aus Bayreuth stammenden Ebenisten Johann Friedrich Spindler und Heinrich Wilhelm Spindler (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR) sowie ein Braunschweiger Schrank mit Elfenbeineinlagen um 1720 (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Italienische Möbelkunst war nur am Rande vertreten. Aus dem Barock um 1730 stammt eine Aufsatzschreibkommode wohl römischer Herkunft, die zur unteren Schätzung von 70.000 Franken übernommen wurde. Für eine Folge von vier Fauteuils vermutlich aus der Werkstatt des Turiner Meisters Giuseppe Maria Bonzanigo um 1780 waren 100.000 bis 150.000 Franken zuviel.

Ähnlich ungleich gestaltete sich der Absatz der französischen Produkte. Es gab einige Höhen, so eine virtuose Konsole mit Drachenmotiven, die Jean Bernard Honoré Turreau wohl nach Vorlagen Nicolas Pineaus um 1730 geschnitzt haben könnte. In die komplett vergoldete Arbeit investierte ein deutscher Sammler 140.000 Franken (Taxe 130.000 bis 180.000 SFR). Einer reich mit Blumen dekorierten, dafür umso knapper mit verschlungenen Bronzen belegten Kommode von Pierre Roussel wurde sogar die seltene Ehre einer Wertsteigerung zuteil: Auf 135.000 bis 185.000 Franken angesetzt, hob ein aus dem mittleren Osten das Möbel auf 200.000 Franken, was auch mit Platz drei der Auktion belohnt wurde. Doch einige hoch gehandelte Stücke fanden wieder keinen Abnehmer, so Bernard van Risenburghs II. sparsam, für 150.000 bis 250.000 Franken vielleicht zu sparsam dekorierter Gueridon um 1750 und ein bei 90.000 bis 140.000 Franken schon zum wiederholten Mal angetretenes, chinoises Lackdamenbureau in Schwarz von Mathieu Criaerd um 1760.

Zurückhaltung herrschte vor allem auch im mittleren bis unteren Preissegment, so dass nicht wenige Kommoden und Sekretäre etwa von Etienne Clavel (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR), Brice Péridiez (Taxe 72.000 bis 92.000 SFR), Roger Vandercruse (Taxe 45.000 bis 75.000 SFR), Hubert Hansen (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR) oder Fidelis Schey (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR) und Guillaume Beneman (Taxe 50.000 bis 90.000 SFR) oder eine Sitzgruppe von Jean-Baptiste Boulard (Taxe 65.000 bis 95.000 SFR) – letztere schon im Stil des frühen Klassizismus um 1780/90 – ohne Abnehmer blieben. Eine der wenigen Ausnahmen bildete ein Jean-Pierre Latz aus Köln zugewiesener Sekretär in Kastenform um 1750 für 14.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Im Empire wurde ein von Pierre-Benoît Marcion signiertes Kanapee mit ägyptisierendem Dekor, unter anderem Sphingen an den Armlehnen, mit 18.000 Franken honoriert (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Auch der große Georges Jacob, einer der wichtigsten französischen Kunstschreiner der napoleonischen Ära, wurde lediglich durch einen kleinen Hocker mit Widderköpfen und Hufen geehrt – aber immerhin bei 15.000 Franken leicht über der Schätzung.

Das Geschäft belebte sich etwas, als es um die Möbel des Historismus ging. Eine merkwürdige Feststellung, die man allerdings nicht das erste Mal macht: Die technisch perfekten Nachahmungen der Jahrzehnte um 1900 scheinen kaum weniger gesucht als die Originale, solange die Schätzpreise den Imitationsfaktor einbeziehen. Denn ein Bureau Plat von Edmond Poteau um 1870 für 60.000 Franken (Taxe 45.000 bis 75.000 SFR) oder aus der Firma Gerard um 1860 mit Boulle-Marketerie für 90.000 Franken können mit den Originalen preislich noch nicht mithalten (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR). Umso höher steigen die Preise für originelle Leistungen wie ein Paar Fauteuils um 1870 mit stehenden Löwen als Armlehnen. Das ebenso prunkvolle wie martialische Duo, dessen Entstehung in Indien vermutet wird, ging für 195.000 Franken nach Amerika (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Die Wertschätzung der Eleganz grünen Malachits schlug sich in 80.000 Franken für eine wohl in Russland im Louis XV-Stil entstandene Kaminumrandung nieder (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR).

Die zwischendrin eingestreuten Uhren begannen mit einer Überraschung: Eine Renaissance-Reisetrommeluhr mit Wecker eines unbekannten Augsburger Meisters des 16ten Jahrhunderts konnte ihre Schätzung mit einem Zuschlag bei 70.000 Franken in etwa verdreifachen. Ansonsten aber folgten die Zeitmesser im Allgemeinen dem Trend nach etwas Zurückhaltung. 46.000 und 40.000 Franken jeweils im Rahmen der unteren Schätzung erzielten zwei astronomische Tischuhren, von denen die eine vom Augsburger Jacob Widenmann bezeichnet und 1662 datiert ist, während die andere im Stil des Spätbarock um 1750 von Johann Simon Betzmayr aus Danzig geschaffen wurde.

Das nicht sehr große Angebot an überwiegend französischen Uhren der zweiten Jahrhunderthälfte wurde nicht gut aufgenommen, zurück ins Lager musste etwa eine Standuhr mit Gehäuse von Nicolas Petit und Bronzen wohl von Etienne Martincourt um 1775/80 (Taxe 120.000 bis 200.000 SFR). Kostbarste Tapisserie wurde mit 65.000 Franken eine französische Arbeit der Manufacture d’Aubusson von etwa 1760, die eine Szene aus dem Sagenkreis des antiken Helden Telemach veranschaulicht (Taxe 60.000 bis 100.000 SFR). Unter den überwiegend dekorativen und nur mehr oder weniger funktionalen Bronzen schaffte ein Paar Tänzerinnen nach Modellen Antonio Canovas die obere Taxe von 50.000 Franken.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



29.07.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


16.06.2009, Kunst und Antiquitäten

Bei:


Koller Auktionen AG

Bericht:


Hoppenhaupts Hofkunst

Kunstwerk:

Reise-Trommeluhr mit Wecker, Augsburg, 16. Jahrhundert
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Kunstwerk:

Aufsatzschreibkommode, Rom, um 1730
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Kunstwerk:

Kommode, wohl Berlin/Potsdam, um 1750
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Kunstwerk:

Pierre-Benoît Marcion, Canape, Paris um 1810
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Kunstwerk:

Nach Antonio Canova, Paar Bronzefiguren „Les Danseuses“, Italien
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Kunstwerk:

Georges Jacob, Hocker, Paris um 1800
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Georges Jacob, Hocker, Paris um 1800

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Taxe: 8.000 - 14.000 SFR

Zuschlag: 15.000,- SFR

Losnummer: 1263

Pierre Roussel, Kommode, Frankreich 18. Jahrhundert

Pierre Roussel, Kommode, Frankreich 18. Jahrhundert

Taxe: 135.000 - 185.000 SFR

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Losnummer: 1092

Nach Antonio Canova, Paar Bronzefiguren „Les Danseuses“, Italien

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Taxe: 30.000 - 50.000 SFR

Zuschlag: 50.000,- SFR

Losnummer: 1257

Jacob Widenmann II. zugeschrieben, Astronomische Tischuhr, 1662

Jacob Widenmann II. zugeschrieben, Astronomische Tischuhr, 1662

Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 46.000,- SFR

Losnummer: 1009

6 Fauteuils, Mainfranken, wohl Würzburg um 1740/50

6 Fauteuils, Mainfranken, wohl Würzburg um 1740/50

Taxe: 250.000 - 450.000 SFR

Zuschlag: 400.000,- SFR

Losnummer: 1080a

Jean Bernard Honoré Turreau zugeschrieben, Konsole, Paris um 1730

Jean Bernard Honoré Turreau zugeschrieben, Konsole, Paris um 1730

Taxe: 130.000 - 180.000 SFR

Zuschlag: 140.000,- SFR

Losnummer: 1088

Kaminumrandung, wohl Russland

Kaminumrandung, wohl Russland

Taxe: 70.000 - 120.000 SFR

Zuschlag: 80.000,- SFR

Losnummer: 1350

Johann August Nahl d.Ä., Schrank, Potsdam um 1750/60

Johann August Nahl d.Ä., Schrank, Potsdam um 1750/60

Taxe: 90.000 - 120.000 SFR

Zuschlag: 90.000,- SFR

Losnummer: 1070

Edmond Poteau, Bureau-Plat, Paris um 1870

Edmond Poteau, Bureau-Plat, Paris um 1870

Taxe: 45.000 - 75.000 SFR

Zuschlag: 60.000,- SFR

Losnummer: 1309

Manufacture d’Aubusson, Tapisserie „Telemaque visitant Calypso“, um 1760

Manufacture d’Aubusson, Tapisserie „Telemaque visitant Calypso“, um 1760

Taxe: 60.000 - 100.000 SFR

Zuschlag: 65.000,- SFR

Losnummer: 1102

André-Charles Boulle und seine Söhne, Kommode „en bureau“, Paris nach 1723

André-Charles Boulle und seine Söhne, Kommode „en bureau“, Paris nach 1723

Taxe: 700.000 - 1.200.000 SFR

Zuschlag: 820.000,- SFR

Losnummer: 1083

1 Paar Fauteuils, wohl Rajasthan, Indien um 1870

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Taxe: 90.000 - 140.000 SFR

Zuschlag: 195.000,- SFR

Losnummer: 1342

Johann Simon Betzmayr, Tischuhr, um 1750

Johann Simon Betzmayr, Tischuhr, um 1750

Taxe: 40.000 - 70.000 SFR

Zuschlag: 40.000,- SFR

Losnummer: 1011




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