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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Moderne und zeitgenössische Kunst der zweiten Reihe in der Villa Grisebach

Viele kleine Knoebels



Max Liebermann, Junge mit zwei Reiteseln am Meer, um 1900

Max Liebermann, Junge mit zwei Reiteseln am Meer, um 1900

Wichtiger Bestandteil der Versteigerungsrunde mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Grisebach ist immer das breit gefächerte Angebot am Tag nach der Abendauktion mit den „Ausgewählten Werken“. So spielten auch die rund 250 Werke am 6. Juni in Berlin noch über 3,8 Millionen Euro ein bei einer Zuschlagsquote nach Losen von stattlichen 84 Prozent, die sich mit dem Nachverkauf noch auf 90 Prozent erhöhen ließ. Und einige großartige Einzelergebnisse konnten auch noch verbucht werden. Das beste erzielte ziemlich zu Beginn ein Schweizer Künstler, Adolf Dietrich, einer der vielleicht prägnantesten Vertreter des „Stils der Wahrheit“, der als unmittelbarer Vorläufer einer neusachlichen Kunst seinen besonderen Platz in der Kunstgeschichte einnimmt. Auf 40.000 bis 60.000 Euro waren seine beiden Bildnisse von Vater und Mutter aus dem Jahr 1905 angesetzt. Mit einem Zuschlagspreis von 128.000 Euro konnte diese Schätzung mehr als verdoppelt werden.


Auf gewohnt hohem Niveau bewegte sich das gefällig-unprätentiöse Angebot des deutschen Impressionismus, etwa mit Walter Leistikows Kiefernschonung im Frühabendlicht für 27.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und Max Liebermanns „Junge mit zwei Reiteseln am Meer“ von circa 1900 zur unteren Taxe von 40.000 Euro. Ein duftiges Oasenbildnis Wilhelm Kuhnerts von 1891 wurde mit 10.000 Euro eher moderat übernommen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Umso größer war die Begeisterung für einen von ihm aufgenommenen Löwen, die sich schließlich in stattlichen 25.000 Euro niederschlug (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Lesser Ury, sonst meist mehrfach bei Grisebach, hatte diesmal nur ein Ölbild mit einem „Fußsteg am Landwehrkanal“ in Berlin um 1910/20 im Gepäck, um das sich die Bieter bis auf 42.000 Euro hinaufstritten (Taxen 25.000 bis 30.000 EUR).

Je nach künstlerischem Rang und Grad der Ausformulierung brachten es die zum Teil farbigen Zeichnungen deutscher Expressionisten wie Erich Heckel, August Macke oder Hermann Max Pechstein auf bis zu 23.000 Euro. Für Otto Muellers seltene Farblithografie „Zigeunerin mit Kind vor dem Planwagen“ aus den Jahren 1926/27 durfte es dagegen schon einmal 35.000 Euro (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) und für Ernst Ludwig Kirchners Taunuslandschaft mit Brücke von 1916, ebenfalls der höheren Schätzung entsprechend, 40.000 Euro sein. Den Höchstpreis räumte mit 62.000 Euro allerdings Oskar Kokoschkas aquarelliertes Blumenstillleben von 1962 ab – erstaunlicherweise, hatte doch der Schätzpreis für derartige Arbeiten im späten Werk des Österreichers bei durchaus marktüblichen 30.000 bis 40.000 Euro gelegen. Christian Rohlfs’ melancholische Landschaften der späten Jahre wie ein „Berg im Schnee“ von 1935 wurden mit bis zu 35.000 Euro gehandelt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

In den Mittelpunkt der Auktion waren ein paar Gemälde Karl Hofers gerückt. Für den ersten Rang vorgesehen war eigentlich seine fröhliche Aufbruchstimmung tanzender Menschen „Im Neubau“ 1947, und sie stellte immerhin ihre untere Schätzung von 90.000 Euro ein. Doch an die Spitze der insgesamt siebenteiligen Offerte setzte sich schließlich eine Gruppe von fünf Menschen „Auf der Treppe“, ein Jahr später als das kahle Interieur entstanden und keineswegs mehr so vordergründig freundlich gestaltet. Das hochformatige Gemälde, das bereits im Jahr seiner Entstehung auf einer Ausstellung anlässlich des 70sten Geburtstages des Künstlers zu sehen gewesen war, verdoppelte seine untere Taxe auf 100.000 Euro.

Auch Außenseiter hatten Erfolg, so Mela Muter mit einem sitzenden Frauenakt in Strümpfen von 1922 für 34.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) oder Oskar Moll, dessen kubistisch flächige „Bewaldete Landschaft mit Badenden“ aus dem Jahr 1937 von 15.000 bis 20.000 Euro auf 28.000 Euro kletterte. 34.000 Euro schaffte sogar sein „Stillleben mit Blumenstrauß, Kanne und Pfeife“, mit dem der gebürtige Schlesier bereits 1922 eine moderne, vor allem von französischen Künstlern wie Henri Matisse beeinflusste Formensprache eingeschlagen hatte (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). 48.000 Euro wiederum bestätigten das hohe Niveau auch kleinerer Arbeiten wie hier eines Blumenstilllebens um 1915 des französischen Expressionisten Maurice de Vlaminck (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Allmählich begann sich auch die Abstraktion bemerkbar zu machen. Sie starte bei Grisebach etwa mit Wassily Kandinskys Mappe „Klänge“, die er zwischen 1907 und 1912 mit 12 Farb- und 44 Schwarzweißholzschnitten anreicherte und im Münchner Verlag Piper & Co. in insgesamt 345 Exemplaren herausgab, oder Josef Albers’ in Gouache gezeichnetem „Violinschlüssel G“ von 1932/35 in verschiedenen Graustufen für jeweils 20.000 Euro (Taxen je 20.000 bis 30.000 EUR). Doch voll zum Durchbruch gelangte sie erst in der zweiten Jahrhunderthälfte, so mit Almir da Silva Mavigniers „Neun Quadraten“ auf dem einem Ölbild von 1959 für 16.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR) und Bernard Schultzes Collage „Tabuskri-5“ in seinen wuchernden Formen der frühen 1960er Jahre für 17.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Die ganz großen Fische wurden hier nicht mehr gefangen, mit Walter Stöhrers Mischtechnik „Zerträumte Körper – Hommage à R.D. Brinkmann“ von 1981 für 23.000 Euro war die Obergrenze zunächst einmal erreicht (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Erst am Ende der Auktion belebte sich das Geschäft wieder ein wenig, so vor allem mit Imi Knoebel. Sein „Face B“, ein Mittelding zwischen Plastik und Malerei von 2003, ging für 37.000 Euro über die Bühne (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), die vier kleinen Farbtafeln „DIN XIV C1-C4“ aus dem Jahr 1995 brachten es auf 53.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), und sogar erst bei 58.000 Euro schlug der Hammer im Kampf um sein „Flesh Color“ von 1993 aufs Pult (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) – da waren einige Knoebel-Fans am Werk. Einigermaßen mithalten konnte da nur Anselm Reyles schwarze Farbspritzer über zerknitterter Goldfolie auf einer unbetitelten orangeroten Leinwand des Jahres 2004 für 30.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Jeweils 18.000 Euro spielten Frank Nitsches graue Flächenkonstruktion „BHB-7-2003“ von 2003 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), Eberhard Havekosts verwischte „Reflexion“ mit Tischtennisplatte von 1999 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und Norbert Biskys erotisch angehauchter Jüngling auf dem Ölbild „Die Fahne ist niemals gefallen“ von 2001 ein (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Die Skulpturen beschränkten sich vornehmlich auf die klassizistischen Menschenbilder der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts. Eine Überraschung bot hier Heinrich Kirchner mit seiner etwa lebensgroßen „Sitzenden“ aus den Jahren 1935/37 für unerwartete 29.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Bei den Zeitgenossen sind Waldemar Grzimeks schwer lastende Bronze „Stürzender“ von 1962 für 11.500 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR), Michael Croissants gänzlich zur geometrischen Form abstrahierter „Kopf“ von 1986 für 15.000 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR) und Daniel Spoerris bildhaftes „Tableau piège“ von 1972 für 21.000 Euro zu nennen (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).

Noch höher lag die losbezogene Zuschlagsquote beim Abschluss der Auktionsserie, den Schätzwerten bis 3.000 Euro unter der Überschrift „Third Floor“. Samt Nachverkauf kamen hier gut 94 Prozent zusammen, der Umsatz lag bei brutto 672.000 Euro. Das meiste spielte sich im Rahmen der preislichen Erwartungen ab. Allein drei Menschenbildnisse rissen nach oben aus. Als erster trat Lovis Corinth auf den Plan. 1920/21 fertigte er mit Kaltnadel und Aquatinta ein Selbstbildnis an, dessen Probedruck nun auf 7.000 Euro kletterte. Noch besser schnitt Max Kaus’ Portrait seiner ernsten und grüblerischen Ehefrau Turu in liegendem Zustand ab. Das Aquarell von 1948 erreichte 11.000 Euro, genauso wie Georges Rouaults nachdenkliches „Autoportrait III“, eine Lithografie von 1926 (Taxen je zwischen 2.000 und 3.000 EUR).

Auch die sechs Studien Richard Müllers zur Totenmaske Napoleons von 1906 hatten es mehreren Sammlern angetan. Sie verzehnfachten den Wert des Blattes auf 6.000 Euro. Im zeitgenössischen Bereich reüssierte eine aquarellierte Farbspielerei Herbert Brandls bei 4.500 Euro (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR), George Condos ulkiges „red Portrait“ von 1983 bei 4.200 Euro, Richard Hamiltons Farbserigrafie „Advertisment“ mit der dreifachen Nennung seines Vornamens bei 5.100 Euro (Taxen je 3.000 EUR), Maurizio Nannuccis Neonleuchtobjekt „Minding Meanings Mining Mind Matter“ von 1988 bei 5.500 Euro und aus der Nachkriegskunst Fritz Winters kompakte Farbblöcke von 1960 bei 5.200 Euro (Taxen je 2.500 bis 3.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



04.08.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Zuschlag: 40.000,- EURO

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Taxe: 35.000 - 45.000 EURO

Zuschlag: 35.000,- EURO

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Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 27.000,- EURO

Losnummer: 118




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