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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Fotografie bei Bassenge in Berlin

Geschäftstüchtige Barbiere



Wie bekommt man Kunden in seinen Friseursalon, vor allem männliche? Naja, ganz jugendfrei ist die Sache nicht, die sich ein New Yorker Friseur in den 1960er Jahren hat einfallen lassen. Er rahmte die Spiegel, die bieder auf einer Blumentapete hingen, einfach mit Pin-up-Girls aus Illustrierten. So hat er jedenfalls zwei Männer auf seinen chromledernen Sessel sitzen, die eigentlich gar nicht so viel Haarpflege benötigen. So hat es Diane Arbus 1963 gesehen, die ja gerade mit ihren Fotografien des Absonderlichen und Exzentrischen für Aufmerksamkeit sorgte. Ihren „Barber Shop, N.Y.C.“, der posthum 1980 noch einmal in 75 Exemplaren aufgelegt wurde, hatte das Berliner Auktionshaus Bassenge in Angebot. Angesetzt mit 6.000 Euro, waren 5.000 Euro die Grenze dessen, was die Bieter dafür ausgeben wollten. Damit war auch schon fast das Ende der Fahnenstange erreicht. Lediglich Floris Michael Neusüss’ lebensgroßes schattenhaftes Nudogramm einer schwangeren Frau von 1967 schloss mit 7.500 Euro besser ab. Aber auch hier fehlten 500 Euro, um den Schätzpreis zu erreichen.


Dass die Bewertungen nicht besiegelt wurden, konnte man bei der Fotografieauktion am 17. Juni noch häufiger konstatieren. Zwar liegt die losbezogene Zuschlagsquote mit gut 57 Prozent gar nicht so schlecht, aber Steigerungen gab es kaum, und gerade die teuersten Arbeiten mussten wieder ihren Heimweg antreten. Weder Constantin Brancusis wunderbar anmutiges Stillleben einer Orchidee in einer Vase aus den 1920er oder 1930er Jahren (Taxe 15.000 EUR), Walker Evans’ klassische Sicht auf das „Westchester, New York, Farmhouse“ von 1931 (Taxe 20.000 EUR) und Dorothea Langes „General Strike“ von 1934 mit wachendem Polizeiauge (Taxe 8.000 EUR) – beides spätere Abzüge – noch Sean Scullys abgeblätterte Häuserfassaden aus Mexiko von 2001, in denen sich die kompakten Farbblöcke seiner Malerei wiederholen (Taxe 30.000 EUR), fanden ihre Abnehmer.

Auch sonst bröckelte es am amerikanischen Traum. Denn Les Krims demontiert gerne satirisch und hintersinnig den „American Dream“ und fragt spielerisch und lustvoll 1984/85 in seinem bunt inszenierten häuslichen Zimmer, was denn dieser wäre. Als Antwort bietet er unter vielen anderen Dingen drei nackte Frauen an. Dennoch kamen hier nur 1.800 Euro zusammen (Taxe 2.500 EUR). Vielleicht muss man die Wunschvorstellungen des Publikums besser bedienen, wie das Annie Leibovitz geschickt tut. Für das Cover der Hollywood-Ausgabe der Vanity Fair bot sie 2003 die „Alpha List“ der männlichen Filmgrößen auf. Selten hat man Tom Hanks, Tom Cruise, Harrison Ford, Jack Nicholson, Brad Pitt, Edward Norton, Jude Law, Samuel L. Jackson, Don Cheadle, Hugh Grant, Dennis Quaid, Ewan McGregor und Matt Damon so wohl geordnet und in trauter Runde gesehen. Heraussprangen für das Querformat wenigstens die anvisierten 4.000 Euro. Da tat sich Richard Avedon schon schwerer mit seiner unprätentiösen Aufnahme der New Yorker Schriftstellerin Renata Adler von 1969. Er musste einen Abschlag von 1.000 Euro auf 2.000 Euro hinnehmen.

Aufholen konnten dagegen Bernd und Hilla Becher, die dafür einen ihrer Wassertürme aus den 1960er Jahren in Rennen schickten. Das streng mittig platzierte Bauwerk machte sich erst bei 2.200 Euro davon (Taxe 1.000 EUR). Diesen Wert erreichte ebenfalls Henri Cartier-Bressons berückende Aufnahme zweier Jungen im Zirkus aus den 1950er Jahren (Taxe 1.500 EUR). Und auch Otto Steinerts subjektiver Blick auf bizarre Gesteinsformen der Küste in der Bretagne aus den frühen 1960er Jahren legte leicht von 3.000 Euro auf 3.800 Euro zu.

Für weitere Steigerungen musste man dann schon zur Reisefotografie des 19ten Jahrhunderts wechseln. So verdoppelte sich ein Konvolut von 53 Albuminabzügen verschiedenerer Fotografen, die in den 1870er und 1880er Jahren das noch wenig zivilisatorisch berührte Ceylon einfingen, auf 2.500 Euro. Auf 3.500 Euro schossen gar die drei Fotografien, die Walter Bentley Woodbury und James Page von ihren Angestellten und Helfern in Batavia der 1860er Jahre aufnahmen (Taxe 600 EUR). Und einer Carte de visite-Kollektion des Duos Woodbury & Page war gleich darauf ebenfalls Erfolg beschieden. Die elf Portraits vom Stamm der Alfuren auf den Molukken kletterten behänd auf 2.600 Euro (Taxe 900 EUR). Näher an der westlichen Welt orientierte sich James Robertson, dessen Salzpapierabzug des „Imperial Gate of the Seraglio“ in Konstantinopel von 1855 mit 2.200 Euro umworben wurde (Taxe 2.000 EUR). Und auch die Reiseandenken, die wahrscheinlich der Grieche Dimitrios Konstantinou von den Sehenswürdigkeiten seiner Heimat anfertigte, waren bei Bassenge gefragt, so die byzantinische Kirche „Kleine Metropolis“ und das antike Denkmal des Lysikrates in Athen für zusammen 2.200 Euro (Taxe 1.500 EUR).

Da zeigte sich bei Bassenge wieder einmal, dass Spezialbereiche der Fotografie durchaus ihre Liebhaber finden, während das breite Feld des 20sten Jahrhunderts mit weniger Engagement auskommen musste. So spielte William Christenberrys Ziegelwandbemalung mit 5 Cents aus Demopolis im US-Bundesstaat Alabama nur 1.100 Euro ein (Taxe 1.200 EUR), das Eintauchen eines Milchtropfens in einer mit Milch gefüllten Schale, das Harold Edgerton um 1935 in zwei Abbildungen schilderte, 1.800 Euro (Taxe 2.500 EUR), Graciela Iturbides ungeschönter Blick in eine Absteige in Mexiko 1.000 Euro (Taxe 1.200 EUR) und Erwin Raupps malerische Sicht auf drei dünne Birkenstämmchen am Bachlauf von 1901 nur 2.000 Euro (Taxe 2.500 EUR).

Es musste dann noch einmal die Aktfotografie sein, um die Bieter hinter dem Ofen hervorzulocken. Josef Sudek tat dies mit zwei aus Licht und Schatten modellierten Frauengestalten von 1953, die zu 3.600 Euro bezirzten (Taxe 1.800 EUR), und Wilhelm von Gloeden mit einem nackten heranwachsenden Sizilianer bei 1.200 Euro (Taxe 900 EUR). Dann trat aber zum Schluss noch Stanislaw Ignacy Witkiewicz in Erscheinung, der polnische Maler, Zeichner und Kunstfotograf, Dramatiker und Romanautor, Philosoph, Kunsttheoretiker und -kritiker, der heute zu wichtigsten Gestalten der Moderne in Polen zählt. Ihm saß wohl häufiger der Schalk im Nacken, so auch 1932, als er sich und Inka Turowska in skurriler Pose ablichtete. Hier ließen die Käufer nicht locker und hoben den Vintage von 2.000 Euro auf 3.000 Euro.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



15.08.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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17.06.2009, Fotografie

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James Robertson, Imperial Gate of the Seralio, Constantinople, 1855
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Erwin Raupp, Landschaft mit Birken am Bach, 1901
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Wilhelm von Gloeden, Junger männlicher Akt mit Haarkranz, um 1900
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Stanislaw Ignacy Witkiewicz, Stanislaw Witkiewicz und Inka Turowska, 1932

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Wilhelm von Gloeden, Junger männlicher Akt mit Haarkranz, um 1900

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Taxe: 2.500,- EURO

Zuschlag: 2.000,- EURO

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James Robertson, Imperial Gate of the Seralio, Constantinople, 1855

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Taxe: 2.000,- EURO

Zuschlag: 2.200,- EURO

Losnummer: 4264




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