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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Stuttgarter Galerie Valentien zieht in ein neues Domizil und lässt einen Teil ihrer Bestände von Irene Lehr versteigern

Mit Schlemmer fing es an



Die erste Ausstellung in den neuen Stuttgarter Galerieräumen stand unter keinem guten Stern und war zugleich ein rühmliches Beispiel für den Mut der Kunst: 1933 stellte die Galerie Valentien, die gerade erst aus der Königstraße in die Räumlichkeiten im Stuttgarter Königsbau umgezogen war, den von den Nationalsozialisten bereits verfemten Oskar Schlemmer aus. Erst kurz zuvor war der „Kunstbolschewist“ Schlemmer mit seinen Werken aus dem Württembergischen Kunstverein herausgedrängt worden. Drei Jahre später zählten unter anderem Willi Baumeister, Max Ackermann und Rudolf Schlichter zu den Gästen einer Ausstellungseröffnung von Walter Wörn bei Valentien, wieder zwei Jahre später wurde der mit Ausstellungsverbot belegte HAP Grieshaber unter dem Tarntitel „Arabische Volksbücher, griechische Volksmalerei“ gezeigt. Ein Bombenangriff zerstörte 1944 die Galerieräume, notdürftig wurden sie wiedereingerichtet, einer der ersten Kunden war der als amerikanischer Kunstoffizier zurückgekehrte Heinz Berggruen, der Care-Pakete gegen Blätter Paul Klees eintauschte.


Ruhig gegenüber diesen stürmischen Anfängen liest sich die Geschichte der Galerie während der letzten sechzig Jahre. Zunächst auf französische Künstler wie Pablo Picasso, Marc Chagall, Georges Braque und Joan Miró spezialisiert, traten in den späten 1960er wieder vermehrt deutsche und österreichische Künstler hinzu: Horst Antes und Alfred Hrdlicka etwa oder Fritz Genkinger und Moritz Baumgartl. 1996 verließ man den Königsbau und zog in die Gellertstraße um, in einen großzügigen Villenbau von Paul Bonatz mit weitläufigem Garten, in dem seither ein kleiner Skulpturenpark entstand. Weiterhin blieb das Angebot international, mit Höhepunkten wie einer Ausstellung von circa vierzig Bronzen aus dem Nachlass Aristide Maillols 1980 oder der engen Zusammenarbeit mit Piero Dorazio seit 1998 bis zu seinem Tod sieben Jahre später.

Nun steht erneut ein Umzug bevor. Im Frühjahr 2010 soll der Betrieb in den neuen Räumen im vornehmen Stuttgarter Gänseheideviertel aufgenommen werden. Sie werden auf etwa 160 Quadratmeter begrenzt sein, der Skulpturengarten ist passé, und so muss auch ein Teil der umfangreichen Lagerbestände noch rasch unter die Leute gebracht werden. Dem anspruchsvollen, nicht immer ganz gängigen Programm entsprechend, hat sich Freerk C. Valentien eine echte Expertin für moderne und zeitgenössische Künstler aller Couleur und Güte ausgesucht: Der Berliner Auktionatorin Irene Lehr wurde angetragen, die rund dreihundert Werke am 19. September in einem großen Festzelt im Skulpturengarten der Galerie weiterzuvermitteln.

Das Angebot liest sich wie ein Querschnitt durch die südwestdeutsche Moderne. Viele der Namen haben schon den Gründer Fritz C. Valentien beehrt. So ist etwa Walter Wörn mit von der Partie und schickt etwa sein Pastell „Figurengruppe mit Pferd“ um 1935 für 900 Euro in den Auktionsring. Von Max Ackermann gibt es eine Reihe von Menschendarstellungen in Kohle aus den 1920er Jahren für nicht mehr als 600 Euro sowie ein größeres Ölgemälde der frühen abstrakten Phase von 1929 unter dem Titel „Horizontales Formspiel“. Hier müssen schon 10.000 Euro aufgewendet werden. Auch Otto Dix rechnete immer zum Repertoire, der Schwerpunkt liegt auf mehr oder weniger schönen weiblichen Akten der 1920er und 1930er Jahre für bis zu 4.000 Euro. Dazu treten Spätwerke wie das Aquarell „Gärtnerei in St. Cyr“ von 1958 (Taxe 10.000 EUR).

Der 1889 geborene Rudolf Bauer erweist sich in seinem um 1915 entstandenen Pastell eines „Furios kämpfenden Soldaten“ über Kohle und Tusche als ernstzunehmender Anhänger des vitalistischen Expressionismus. 750 Euro sollten als Schnäppchen durchgehen, ebenso wie 800 Euro für ein flächig kubistisches Stillleben des 1904 geborenen Maximilian Debus, der gegen 1930, der Entstehungszeit des Aquarells, zeitweise an der Itten-Schule in Berlin lehrte. Einen Höhepunkt stellt das Werk Willi Baumeisters dar. Aus seiner frühen Schaffenszeit stammt die Öltempera „Im Bad (Zwei weibliche Akte)“ von 1912; da zählte der Stuttgarter gerade 23 Jahre und bewegte sich noch in symbolistisch-expressionistischen Formen (Taxe 20.000 EUR). Wegen ihrer archaischen Zeichenhaftigkeit charakteristischer sind seine späteren Arbeiten wie die gezeichnete „Szene aus Gilgamesch“ von etwa 1943 (Taxe 5.000 EUR) oder die in Öl gemalten „Afrikanischen Geister mit Blau“ von 1949 (Taxe 40.000 EUR).

Karl Hubbuch setzt die Reihe der Künstler aus dem südwestdeutschen Raum fort. 1927 zeigt er eine junge Dirigentin in Aquarell und Gouache bei der Arbeit (Taxe 9.000 EUR), 1958 in der aquarellierten Radierung „Alles zur selben Stunde“ eine aus den Fugen geratene Welt (Taxe 300 EUR). Zu ihm treten Franz Xaver Fuhr mit einer burschikosen Darstellung der „London Tower Bridge“ von circa 1960 (Taxe 6.000 EUR), Manfred Henninger mit aquarellierten italienischen Landschaften bis zu 750 Euro und dem „Stillleben mit Kaktus“ in Öl auf Leinwand von 1967 für 1.000 Euro oder Jakob Bräckle mit einer stillen „Winterlichen Landschaft“ von 1934 für 1.000 Euro. Das setzt sich auch in jüngerer Zeit fort mit Horst Antes und seinem vierteiligen grünen „Gesicht 2“ in Aquatec auf Leinwand von 1969 (Taxe 12.000 EUR) sowie drei seiner abstrakten Kompositionen aus jüngerer Zeit, darunter die Andeutung eines „Hauses“ von 1991 (Taxe 6.000 EUR).

Seit Adolf Hölzel war die Abstraktion in Stuttgart stark vertreten. Adolf Fleischmann gehörte zu den Schülern des großen Meisters, seine Collage „Crescendo“ aus farbigen Papieren repräsentiert 1951 bereits das Spätwerk (Taxe 5.000 EUR). Theodor Werner studierte ebenfalls an der Stuttgarter Akademie und etablierte sich nach dem Krieg als einer der wichtigsten Abstrakten in Deutschland. Ein typisches Werk ist die „Komposition XXIV/58“ aus verschiedenen Farbflächenfragmenten auf grünem Grund (Taxe 9.000 EUR). Wilhelm Imkamps Spätwerk repräsentieren die abstrakten Dichtungen „Im Zigeunerlager“ von 1969 und „Schaukel Nr. 63“ von 1963 (Taxen 3.000 und 3.500 EUR). Der Übervater aller deutschen Abstrakten nach dem Zweiten Weltkrieg aber war Ernst Wilhelm Nay. Auch er hat seinen Auftritt, „Scheiben“ nennt sich eine zarte Aquarellarbeit von 1956, deren namensgebende Strukturen an einigen Stellen des Blattes sich zu tiefer Fülle verdichten (Taxe 15.000 EUR).

Zum reichen Skulpturenangebot zählen Klassiker wie Ernst Barlachs Kleinbronze „Lesende Mönche II (Die Buchleser)“ von 1921 (Taxe 10.000 EUR), William Wauers „Umschlingung“ von 1920 (Taxe 7.000 EUR), Otto Herbert Hajeks kleine, bunt bemalte, geometrische Plastiken „Zeichen Engelsburg 80“ und „Römisches Zeichen III“ für jeweils 900 Euro sowie Theo Siegles Portraitkopf Max Slevogts aus dessen Todesjahr 1932 (Taxe 1.500 EUR). Für einen Skulpturenpark erweisen sich allerdings Allen Jones’ „Yellow Figure“ aus Stahl von 1996 (Taxe 3.000 EUR), Ludwig Kaspers nur in zwei Exemplaren bekannte Bronze „Aufrecht Kniende“ von 1943 (Taxe 15.000 EUR) und Fritz Klimschs Brunnenfigur einer „Ruhenden“ aus Treuchtlinger Marmor von 1909/10 als geeigneter (Taxe 40.000 EUR). Gar auf Übermannshöhe bringen es zwei geschweißte Bronzestelen Michael Croissants von 1988 und 1992 jeweils unter dem Titel „Figur“ (Taxen je 15.000 EUR). Auch jüngere Kolleginnen sind da: Susanne Knorr mit einer kompakten „Aufstehenden“ von 1985 (Taxe 4.000 EUR) und einige eingewickelte Personen, die Maria Lehnen über mehrere Jahre hinweg in ihrer Serie „Idol“ verkörpern ließ (Taxen je 4.000 EUR).

Ausländische Künstler vertreten vor allem die jüngere Kunstgeschichte. Im gängigen Programm rangieren Eduardo Chillidas Radierung „Argi VI“ von 1988 (Taxe 2.600 EUR) und Paul Delvaux’ Farblithografie „Der Garten“ aus dem Jahr 1971 (Taxe 4.000 EUR). Ausnahmen sind der Niederländer Jan Wiegers, dessen rotes Haus mit blühenden Bäumen gemäßigt expressionistische Einfachheit repräsentiert (Taxe 6.000 EUR) und die Straßburgerin Hilla von Rebay, die Solomon R. Guggenheim zum Aufbau einer Kunstsammlung animierte und in New York Gründungsdirektorin des Guggenheim-Museum war. Dass sie auch künstlerisch tätig war, machen ihre beiden Papiercollagen „Paar mit Hund“ und „Blonde Lady“ für jeweils 900 Euro deutlich.

Mit der auf den 20. Juli 1944 bezogenen Reihe „Wie ein Totentanz“, bestehend aus 53 Radierungen, bietet die Auktion Alfred Hrdlickas umfangreichsten Grafikzyklus an (Taxe 16.000 EUR), außerdem ein großes Pastell „Werkskizze“ des Österreichers, den die Galerie erst im vergangenen Jahr aus Anlass seines 80sten Geburtstages hat hochleben lassen, aus dem Jahr 1966 (Taxe 20.000 EUR). Natürlich ist auch Piero Dorazio bei Valentien noch zu haben: Die leuchtend bunten Streifenbilder „Attack“ von 1999 und „Bonalux IV“ von 2001 sollen 18.000 Euro und 12.000 Euro kosten. Und Oskar Schlemmer, mit dem Alles anfing, grüßt mit seiner Lithografie „Figur H 2 (Figur von der Seite)“ aus der ersten Bauhaus-Mappe von 1921/22 herüber (Taxe 3.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 19. September um 11 Uhr. Bis zum 17. September können die Objekte täglich von 10 bis 19 Uhr in der Galerie Valentien besichtigt werden. Der Katalog ist im Internet unter www.lehr-kunstauktionen.de einsehbar.

Galerie Valentien
Gellertstraße 6
D-70184 Stuttgart
Telefon: +49 (0)711 – 24 62 42
Telefon: +49 (0)711 – 24 62 41

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



12.09.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Ernst Barlach, Lesende Mönche II (Die Buchleser), 1921
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Ernst Barlach, Lesende Mönche II (Die Buchleser), 1921

Ernst Barlach, Lesende Mönche II (Die Buchleser), 1921

Taxe: 10.000,- EURO

Zuschlag: 13.000,- EURO

Losnummer: 36




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