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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne Kunst im Wiener Dorotheum. Die Italiener machen sich stark

Es wird ja doch nichts!



Zunehmend interessanter werden die Moderneauktionen des Wiener Dorotheums vor allem für Freunde der italienischen Kunst. Ein Gutteil der rund achtzig Losnummern am 26. November widmet sich den Werken von Künstlern der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts südlich der Alpen. Auch einige der Hauptlose kommen von ihnen. Da ist unter anderem eines der umstrittenen Spätwerke Giorgio de Chiricos zu haben, „Cavallo e zebra in riva al mare“ aus dem Jahr 1963, das sich nicht um figürliche Korrektheit schert und in seinem seltsam klassizistischen Ton auch wenig Rücksicht auf parallele Zeitströmungen nimmt. 130.000 bis 180.000 Euro soll die Leinwand kosten. Zwei weitere späte Pferdebilder des Meisters im barocken Gestus, „Cavallo e cavaliere“ und „Battaglia“ um 1950, rangieren je zwischen 55.000 und 80.000 Euro. Die zweite bedeutende Strömung Italiens neben der Pittura metafisica, zu deren Hauptvertreter de Chirico zählt, ist der Futurismus. Giacomo Balla verließ aber recht bald diese revolutionären Bahnen. Seine Komposition „Balfiore“ aus den frühen 1920er Jahren, in der sich zackige und gerundete Formen ornamental überschneiden, ist allerdings recht nahe an der wichtigsten Schaffenszeit des Meisters dran (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR).


Ein weiteres Hauptwerk der Auktion ist Massimo Campiglis „Anfiteatro“ aus dem Jahr 1957. Sichtlich war der Künstler von altägyptischer Kunst sowie etruskisch-römischer Malerei beeindruckt, die er nicht zuletzt im Pariser Louvre mit eigenen Augen studieren durfte. Geradezu archaisch wirkt seine Wiedergabe des antiken Theaters mit übereinander gestaffelten, wie an einer Perlenkette aufgereihten Besuchertribünen (Taxe 130.000 bis 180.000 EUR). Ein ähnliches Werk ist die „Donna al balcone“, die Campigli bereits 1930 auf ein Hochformat bannte (Taxe 75.000 bis 100.000 EUR). Ein beachtliches Beispiel des endenden Impressionismus ist Carlo Erbas „Caffè concerto“ aus den Jahren 1913/14. Fast alle Figuren sind lediglich angeschnitten, der Betrachter sitzt an einem Tisch mit den Besuchern, die zwanglos ihre Unterhaltungen fortsetzen oder dem Tanz der jungen Frau im Mittelgrund zuschauen (Taxe 65.000 bis 85.000 EUR). Weiter geht es mit Amedeo Modiglianis etwas unsicherer, neoklassizistischer Bleistiftzeichnung einer sitzenden nackten Frau von 1916 für 50.000 bis 70.000 Euro. René Paresce ergänzt die italo-französische Abteilung mit einem bunten Blumenstillleben, aufgeteilt in drei Vasen, aus dem Jahr 1920 für 22.000 bis 26.000 Euro.

Giacomo Manzù kennt man vor allem durch seine blockhaften, bisweilen lustigen Kardinäle. Gelegentlich präsentiert er sich jedoch auch als Meister durchaus erotischer Frauenakte. Die frühe Bronze „Donna che regge la calza“ stammt von 1937 und war ein Jahr später auf der Biennale in Venedig zu bewundern. Sie ist ein charakteristisches Werk auf der Schwelle zwischen klassizistischer Glätte und moderner Fragmentierung und Versehrtheit. Dem entspricht auch, dass das Gesicht der Frau weitgehend unkenntlich bleibt (Taxe 38.000 bis 48.000 EUR). Zwischen Design und Kunst vagieren die Bronzemöbel Diego Giacomettis. Preislich tendieren sie eher zu letzterer: 90.000 bis 110.000 Euro soll sein Vierstützengestell mit Vögeln und Fröschen für eine runde Glasplatte aus dem Jahr 1970 kosten.

Den Höchstpreis erwartet das Dorotheum aber wohl doch für einen Nichtitaliener. Dabei stellt Gustav Klimt diesmal eine echte Rarität, denn der große Maler und Zeichner ist diesmal mit einer bildhauerischen Arbeit vertreten. Sein 1913/14 aus Kalkstein gefertigter Kopf ist eher die Andeutung eines solchen, denn vollendet hat Klimt die Skulptur offenbar nicht. Andere ähnliche Arbeiten hat er mit dem Hinweis: „Es wird ja doch nichts!“ nachweislich zerstört. Seinen Schätzpreis verrät der Kopf allerdings nicht. Als weiterer Bildhauer hat Henri Laurens einen gewichtigen Auftritt. 1937 entstand für den Pavillon der Manufaktur Sèvres auf der Weltausstellung in Paris und als Teil einer großen Reihe von Terrakottareliefs das Diptychon „La Terre et l’Eau“, das zwei weibliche Akte als Personifikationen der beiden Elemente in die Fläche band. In ihren gerundeten Formen kündigen die Reliefs bereits den Spätstil des Meisters an, der zu den wichtigsten Vertretern des Kubismus zählte (Taxe 100.000 bis 140.000 EUR). Hoch bewertet ist auch eine Arbeit von Chaïm Soutine. Doch der Stadtlandschaftsausschnitt „Maison aux environs de Paris“ von 1918 war bereits im Mai 2007 beim Dorotheum zu Gast und scheiterte damals an 370.000 bis 390.000 Euro. Nun ist der Preis auf 220.000 bis 280.000 Euro reduziert.

Nicht allzu häufig auf dem Markt sind Arbeiten des Architekten, Designers, Malers und noch in vielen anderen Metiers beheimateten Herbert Bayer. Als Maler stand er den Surrealisten nahe, wie sein in einer Fensterarchitektur eingebundenes „Segelschiff“ aus den Jahren 1935/38 erweist. Auch dieses Bild scheiterte im November 2007 beim Kinsky schon einmal an 50.000 bis 80.000 Euro. Nun tritt es für 45.000 bis 60.000 Euro noch mal an. In Elberfeld 1904 geboren und in Österreich beheimatet war der Expressionist Werner Berg. „Weggabelung“ von 1958 und ein heimeliges „Winterstillleben“ des Jahres 1947 erwarb der deutsche Einlieferer direkt beim Künstler. Mit Schätzungen zwischen 50.000 und 90.000 Euro formuliert das Auktionshaus hohe Ansprüche.

Eher untypisch für Alfons Walde ist ein „Wegkreuz“ um 1920. Keine schneebedeckten Berge unter stahlblauem Himmel sind hier zu sehen, sondern ein kleiner Ausschnitt, der im Vordergrund symmetrisch angeordnet ein Kruzifix und im Hintergrund eine grüne Wiese zeigt. Farblich dominieren Grün und Blau, die fast zu einer flächenhaften Einheit verschwimmen: Der Weg in die Abstraktion ist von hier aus nicht mehr weit. Wie Waldes „Granatenwerfer“ von 1919 belegt, gehörte die Verspannung von Fläche und Figur in seinen jungen Jahren zum künstlerischen Credo. Beide Bilder stammen aus Familienbesitz und waren als Leihgaben zeitweise im Museum Kitzbühel ausgestellt. Ihr Wert wird zwischen 70.000 und 100.000 Euro beziffert. Ins Jahr 1920 datiert Oskar Kokoschkas flottes Bleistiftportrait von „Freund Norbert Wien“ (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die deutsche Kunst erschöpft sich recht rasch in impressionistischen und expressionistischen Positionen. Immerhin stellt aber Max Liebermann hier mit einer Impression „Aus dem Grunewald“ von 1912 bei 180.000 bis 240.000 Euro eines der Toplose. Das effektvolle Collagieren verschiedener Motive, die Otto Dix zu eindrücklichen Parabeln auf das besinnungslose Stadtleben der 1920er Jahren verarbeitet, zeigt auch eine undatierte Zeichnung von 1921 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Zwei Zeichnungen warf Ernst Ludwig Kirchner zu unbekannter Zeit auf ein Blatt Papier. Vorne ist ein Paar in einer Landschaft zu sehen, auf der Rückseite ein Frauenakt wohl in einem Interieur. Hier liegt der Schätzpreis bei 50.000 bis 70.000 Euro. Und Alexej von Jawlenskys Strichgesicht „Große Meditation“ von 1937, das mit 25,1 auf 17,5 Zentimeter gar nicht so groß ausfällt, liegt bei marktüblichen 38.000 bis 42.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 26. November um 18 Uhr. Die Vorbesichtigung der Objekte ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr möglich. Der Katalog ist in Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



23.11.2009

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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