Ergebnisse: Moderne und zeitgenössische Kunst sowie Jugendstil im Wiener Kinsky
Auch nicht bis ganz oben
Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Für keines der Toplose fand das Wiener Auktionshaus Kinsky am 1. und 2. Dezember einen Abnehmer, weder in der modernen und zeitgenössischen Kunst noch beim Jugendstil. Anton Koligs „Ringende“ von 1933, Herbert Boeckls nachexpressionistisches Bildnis des Dominikaners und Kunstförderers Diego Hanns Goetz von 1948, Maria Lassnigs „Spiegelbilder“ aus dem Jahr 1987 waren alle drei mit jeweils 150.000 bis 250.000 Euro bewertet und stehen für 150.000 bis 190.000 Euro auf der Nachverkaufsliste. Auch ein Tafelaufsatz, eine Rauchdose und eine Karaffine für Essig und Öl von Josef Hoffmann zu Bewertungen zwischen 65.000 und 150.000 Euro würden sich also noch sehr über Nachgebote freuen. Entsprechend konnte die Gesamtschätzung von 4,2 bis 6,8 Millionen Euro für diese letzte Auktion des Jahres 2009 nicht erreicht werden. Eine losbezogene Zuschlagsquote von rund 45 Prozent spülte lediglich 2,4 Millionen Euro in die Kassen, aufgeteilt in 670.000 Euro für die Modernen, 1,04 Millionen Euro für die Zeitgenossen und 690.000 Euro für den Jugendstil.
Moderne Kunst
Das Geschehen spielte sich daher vor allem in den mittleren und unteren Preisregionen ab. Hier allerdings gab es manche heftigere Bewegung zu verzeichnen. Die Meister der Moderne, die am 1. Dezember den Anfang machten, starteten denn auch mit einem Paukenschlag: 68.000 Euro erzielten zwei weibliche „Schönheiten“, die der Ungar Cornel M. Spanyik effektvoll vor einem ornamental-floralen Hintergrund aufgestellt hat und in ihrer süßlich-jugendstiligen Gewandung und Haltung selbst wie ein lebendes Ornament auftreten ließ (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Davor schon hatte der Grieche Oumbertos Argyros mit seinem symbolistisch angehauchten Damenportrait eine leichte Steigerung auf 12.200 Euro geschafft (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Doch die Produkte zweier weiterer dieser „Exoten“, Alexander Rothaugs „Meeresnixe“ und Friedrich Königs „Drei Nymphen mit Rehbock“ blieben – in letzterem Fall nicht zum ersten Mal – unveräußert (Taxen je 25.000 bis 40.000 EUR). Vom Oskar Mulley-Fieber, das wenige Tage zuvor Wolfdietrich Hassfurther in seiner Auktion entfacht hatte, konnte auch das Kinsky ein wenig profitieren. Ein Berghof mit steil abfallendem Blick ins Tal des Alpenansichtsmeisters steigerte sich hier jedenfalls von 7.000 bis 12.000 Euro auf 20.000 Euro. Rudolf Kargls tief eingeschneites Dorf „Sankt Anton“ mit einsamer Frau legte ebenfalls auf 7.500 Euro zu (Taxe 2.500 bis 5.000 EUR).
Nicht sicher ist der Zuschlag eines sensiblen Damenportraits von Viktor Tischler für 28.000 Euro. Die Schätzung von mindestens 25.000 Euro wurde dadurch jedenfalls aber erreicht. Josef Dobrowsky, dessen expressionistische Arbeiten erst seit jüngerer Zeit verstärkt auf sich aufmerksam machen, fand auch diesmal eine ganze Reihe von Begeisterten für seine „Heuernte“ aus dem Jahr 1923. Auf 25.000 bis 40.000 Euro schon nicht gering angesetzt, durften sich die Einlieferer schließlich über einen Zuschlag von 54.000 Euro freuen. Hilde Goldschmidt wurde 1897 in Leipzig geboren und studierte in Dresden, verbrachte jedoch die Mitte und den Abend ihres Lebens überwiegend in Kitzbühel, wo sie 1980 starb. Ihre farbflächige Ansicht des Ortes als „Dorf in Berglandschaft“ aus dem Jahr 1975 kam auf gute 23.000 Euro (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR). Maxim Kopf ging den umgekehrten Weg. Der 1892 in Wien Geborene wanderte in die USA aus und verewigte 1941 New York. Seine für 10.000 Euro verkaufte Stadtvedute weist zwar schon Wolkenkratzer auf, doch überwiegt ein Meer auf kleinen Häusern (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).
Künstler anderer Länder hatten, wie auch in den anderen Sparten, wenig zu sagen. Henry Moret immerhin brachte es mit seiner impressionistischen Meereslandschaft von 1901 auf die untere Taxe von 30.000 Euro, Lyonel Feiningers Tuschezeichnung „Hafen II“, entstanden im Januar 1917, erhielt 18.000 Euro (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR). Den Dänen Peder Mork Mønsted zog es 1899 in die Alpenwelt. Dort hielt er Werfen mit Bauernhaus und Blick auf die Berggipfel fest. Die dörfliche Idylle macht sich bei 15.000 Euro davon (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Leo Putz schaffte mit seiner dicht begrünten Uferlandschaft samt später Ehefrau Frieda Bell genau die untere Schätzung von 25.000 Euro, Alexander Koester mit seinen neun violettgrünen Enten im Schilfwasser 17.000 Euro (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR).
Zeitgenössische Kunst
Auch die Zeitgenossen legten einen fulminanten Start hin: 72.000 Euro für Rudolf Hausners „Adam Baumeister“ bedeuteten nicht nur 12.000 Euro mehr als die obere Schätzung, sondern letztendlich auch den höchsten Zuschlagspreis der Auktion. Seine fantastischen Realistenkollegen Karl Hodina und Ernst Fuchs reüssierten gleich darauf mit einer vulkanischen Landschaft in grell bunten Farben bei 18.000 Euro (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR) und der ungeschönten Aufnahme eines weiblichen Geschlechtsorgans unter dem Titel „La découvert“ von 1970 bei 30.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Auch Wolfgang Hutters kleiner wuchernder „Augenhimmel mit den Augenschmetterlingen“ von 1990 schlug sich mit 9.000 Euro gut (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR).
Zwar gab es für die Gegenwartskunst auch danach noch einige weitere hohe Zuschläge, doch blieben diese allesamt unterhalb der Schätzungen. So wurden Hermann Nitschs Schüttbild mit Malhemd für 38.000 Euro und ein 1989 erstellter Bronzeabguss von Fritz Wotrubas „Matzleinsdorfer Relief I“ aus dem Jahr 1955 für 55.000 Euro nur unter Vorbehalt weitergereicht. Eigentlich waren auch 50.000 Euro für Joannis Avramidis’ „Mittlere Dreifigurengruppe“ aus dem Jahr 1980 viel zu wenig – 80.000 bis 100.000 Euro hatten auf dem Etikett gestanden –, doch gab sich der Einlieferer damit offenbar trotzdem zufrieden. Ebenso der Verkäufer von Josef Pillhofers abstrahierter Bronze „Liegender Mann“ aus dem Jahr 1964, die statt mindestens 30.000 Euro lediglich 19.000 Euro kostete. Dafür kletterte Otto Eders „Figurale Komposition I“ aus Holz von 7.000 bis 12.000 Euro auf 16.000 Euro.
Eine gut zwanzigteilige, großteils aus übermalten Selbstbildnissen bestehende Offerte Arnulf Rainers, zur rechten Zeit zur Verfügung gestellt anlässlich seines 80sten Geburtstages, fand zum überwiegenden Teil Abnehmer. Für jeweils 16.000 Euro pickten sich die Bieter daraus „Schrei und Spei“ und „Rotz und Trotz“ von 1972 heraus (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). Ebenfalls 16.000 Euro spielte eine unbetitelte Arbeit Jürgen Messensees ein, die in ihrem Übermalungsgestus stilistisch auf Rainer zumindest verweist (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Max Weilers zurückhaltende, abstrakte Erinnerung „Wie eine Landschaft“ von 1963 setzte sich bei 15.000 Euro durch (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR).
Bei den jüngsten Künstlern setzte sich immer noch Herbert Brandl an erste Stelle; 12.000 Euro schaffte eine unbetitelte Farbverwischung mittlerer Größe von 2000 (Taxe 13.000 bis 20.000 EUR). Danach kam bei 10.000 Euro Gunter Damisch mit seiner abstrakten Farblandschaft „Flammen am Meer“ von 1994/95, auf der sich dann doch eine Figur abzeichnet. Doch während weitere seiner höher bewerteten Arbeiten ebenso scheiterten wie Siegfried Anzinger, Franz West oder Hubert Schmalix, setzten sich mit Peter Sengl und seinem „Teddy und Leopard aus dem Gleichgewicht bringen“ von 2005 sowie Guido Katol und der sadomasochistischen „Maske“ zwei eher unbekannte Künstler bei jeweils taxgerechten 8.000 Euro etwas leichter durch.
Jugendstil
Hatte der Jugendstil schon mit Spanyiks und Oumbertos einige Erfolge gefeiert, so fanden sich auch am 2. Dezember noch zahlreiche Freunde des Kunsthandwerks jener Epoche im Kinsky ein. Den ersten Platz besetzte hier, einigermaßen überraschend, eine jener festlichen Lampen des New Yorkers Louis Comfort Tiffany mit dem schönen Namen „Lily“ aus der Zeit um 1910. 48.000 Euro waren einem Sammler die insgesamt zwölf Glasschirme auf der Seerosenteichnachahmung in Bronze wert (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Rang zwei belegte Michael Powolnys schwarzweiß bemalter „Winter“-Putto mit Kranz aus der Wiener Keramik um 1907/12 bei 35.000 Euro noch etwas unsicher. Denn zur unteren Schätzung fehlten noch 5.000 Euro. Unumstößlich aber waren die 28.000 Euro, die Carl Otto Czeschkas Armband aus der Wiener Werkstätte 1906 erzielte (Taxe 17.000 bis 25.000 EUR). Damit setzte sich das mit stilisierten Ranken verzierte Schmuckstück noch vor die Stücke Hoffmanns, die ja die hohen Ansprüche nicht erfüllten und mit einem als Tischaufsatz gestalteten Kaviarbehälter aus dem Jahr 1910 lediglich bis 24.000 Euro vordrangen (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR).
Czeschkas einziger Konkurrent um den dritten Platz war einer jener üppig vergoldeten, großzügig geschnitzten Spiegelrahmen, die Max Welz in den frühen 1920er Jahren nach Entwürfen Dagobert Peches für die Wiener Werkstätte ausführte. Doch bei 28.000 Euro wurde dieses Stück nur unter Vorbehalt zugewiesen (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR). Bei den Gläsern dominierte wieder eine Reihe von Vasen aus der Klostermühler Firma Lötz Witwe. Ein von Franz Hofstötter für die Pariser Weltausstellung 1900 entworfenes Stück war hier mit 20.000 Euro unter den Jugendstilarbeiten die teuerste (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR), wurde jedoch um 5.000 Euro von einer Richtung Art Déco tendierender Vase oder Schale übertroffen, die sich Josef Hoffmann 1913 im Auftrag des Österreichischen Museum für Kunst und Industrie ausdachte (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR). Fast komplett übernommen wurde eine Serie von Stängelgläsern nach Entwürfen Koloman Mosers und Otto Prutschers für bis zu 13.000 Euro.
Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.