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50 Jahre Brasilia: Anspruch und Wirklichkeit einer Hauptstadt aus der Retorte

Poesie in Stahlbeton



Brasilia – Außenministerium, Palácio Itamaraty

Brasilia – Außenministerium, Palácio Itamaraty

Brasilia um 17 Uhr nachmittags – Feierabend. Tausende von Büroangestellten strömen aus allen Himmelsrichtungen zum zentralen Omnibusbahnhof der brasilianischen Hauptstadt. Innerhalb kürzester Zeit sind sie in einer Armada von gelben, roten oder blauen Omnibussen verschwunden. Über 8000 Busse sind in Brasilia registriert. Das Heer der Regierungsmitarbeiter wird Abend für Abend über ein Netz von Stadtautobahnen in die teils weit entfernten Satellitenstädte transportiert. Einen ersten Überblick über die Ausdehnung der Retortenstadt im brasilianischen Niemandsland verschafft man sich am besten von der Aussichtsplattform des ebenso futuristischen wie bedenklich angerosteten Fernsehturms. Die auf einem Hochplateau gelegene Kapitale Brasiliens feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Was aber ist aus den ambitionierten Plänen des Stadtplaner- und Architektenduos Lúcio Costa und Oscar Niemeyer nach einem halben Jahrhundert geworden? Wie hat sich die in nur vier Jahren förmlich aus dem Boden gestampfte Metropole entwickelt? Wie sieht ihre Zukunft aus?


Wer nach Brasilia kommt, hat eine weite Anreise hinter sich: Fast 900 Kilometer ist die Stadt von der Wirtschaftsmetropole São Paulo und rund 1000 Kilometer von der alten Hauptstadt Rio de Janeiro entfernt. Zu weit eigentlich für Abgeordnete und Regierungsbeamte, Botschaftspersonal und Diplomaten, um den Pulsschlag einer Nation zu verspüren, die das Klischee von Samba und Karneval längst abgestreift hat, um sich zur führenden Wirtschafts- und Technologiemacht eines ganzen Kontinents zu mausern. Schon 1891 war die Verlagerung der Hauptstadt ins Landesinnere in der Verfassung festgeschrieben worden. Doch die Umsetzung dieses Beschlusses dauerte bis weit ins 20. Jahrhundert. Unter Juscelino Kubitschek (1902-1976), dem letzten demokratisch gewählten Präsidenten Brasiliens vor den langen und bitteren Jahren der Militärdiktatur, sollte der Plan gelingen. 1956 beauftragte Kubitschek Costa und Niemeyer mit dem Bau der Stadt. Bereits vier Jahre später wurde der staunenden Weltöffentlichkeit die gebaute Vision einer aus weißem Beton geformten idealen Hauptstadt präsentiert.

In Brasilia konzentriert sich die ebenso organische wie poetische Formensprache des mittlerweile 102jährigen Oscar Niemeyer wie an keinem anderen Ort. Mit dem Auftrag, hypermoderne Parlamentsgebäude und Ministerien, einen Präsidentenpalast, Museen, Theater, Bibliotheken, Plätze und Denkmäler zu errichten, hatte Niemeyer eines der größten städtebaulichen Projekte des 20. Jahrhunderts an Land gezogen. Für ihn erfüllte sich der Traum jedes Architekten: ohne Gängelung seitens des Bauherren eine Utopie Wirklichkeit werden zu lassen.

Der Grundriss der Stadt wird oft mit der Form eines Flugzeugs verglichen. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, die Gliederung Brasilias macht er gut deutlich. Sozusagen im Cockpit befindet sich die Praça dos Três Poderes, der Platz der drei Gewalten, mit dem Kongressgebäude, dem Präsidentenpalast und dem Obersten Gerichtshof. Entlang der stark befahrenen Hauptachse, um im Bilde zu bleiben: dem Rumpf des Flugzeugs, reihen sich die blockartig errichteten Ministerien, das Nationaltheater, die Kathedrale und die Museen aneinander. Und im Heck bildet die mit Erinnerungsstücken vollgestopfte monumental-kitschige Gedenk- und Grabstätte für Präsident Kubitschek den weihevollen Abschluss einer bis ins Detail durchgeplanten Stadt vom Reißbrett.

Die Tragflächen aber sind den Funktionen Wohnen, Versorgung, Einkaufen, Sport und Freizeit vorbehalten. In sogenannten Superquadras, autonomen Einheiten aus mehreren Wohnblocks, Schulen und Einkaufszentren, sollte sich laut Lúcio Costas Masterplan quirliges städtisches Leben entwickeln. Einfache Arbeiter sollten neben Ministerialbeamten, Busfahrer neben Diplomaten wohnen. Doch was ist aus den einst fortschrittlichen Ideen geworden? Die ursprünglich für 600.000 Einwohner geplante Stadt hat sich zu einem ausufernden Siedlungsbrei mit 2,5 Millionen Einwohnern aufgeblasen. Im Ballungsraum sind es sogar 3,5 Millionen. Und wie alle anderen brasilianischen Großstädte ist Brasilia von sozialer und residenzieller Segregation geprägt. Die Euphorie der Anfangsjahre ist längst verblasst.

2001 bekannte Oscar Niemeyer in einem Interview: „Dieses Experiment war nicht erfolgreich.“ Fürwahr eine Stadt zum Flanieren ist Brasilia nicht. Ohne Auto steht man hier auf verlorenem Posten. Und wahre Urbanität kommt angesichts der großen Entfernungen und überbreiten Straßen kaum auf. Was dennoch bleibt, sind die mittlerweile zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten spektakulären öffentlichen Gebäude entlang der Hauptachse. Oscar Niemeyers strahlend weiße Moderne unter dem offenen Himmel Brasiliens mit ihren luftig-leichten Säulenkonstruktionen, den kühn geschwungenen Rampen und den UFO-artigen Kuppeln gehört nach wie vor zum Feinsten, was die Architektur des vergangenen Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Buchtipp Alan Weintraub, Alan Hess: „Oscar Niemeyer – Bauten für die Öffentlichkeit“ Deutsche Verlagsanstalt (DVA), München 2009 368 Seiten, 425 Farbabbildungen, 89,95 Euro oder 149 Franken



15.01.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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