Gestern Abend bei Sotheby’s in London: Alberto Giacomettis „Homme qui marche I“ ist das teuerste Kunstwerk auf Auktionen
Er hat es geschafft. Alberto Giacometti hat Pablo Picasso vom Thron als teuerster Künstler bei Auktionen gestoßen – wenn auch nur knapp. Aber das ist schon etwas. Gestern Abend war seine lebensgroße Bronzefigur „Homme qui marche I“ von 1961 der Star der Auktion „Impressionist & Modern Art“ bei Sotheby’s in London. Hier erfüllte die ausgemergelte Gestalt nicht nur das Soll der Schätzung von schon respektablen 12 bis 18 Millionen Pfund. Acht Minuten nach ihrem Auftritt und einem hitzigen Gefecht zuletzt zwischen zehn Interessenten schritt sie zudem bei stolzen 58 Millionen Pfund aus dem Auktionssaal. Mit dem Aufgeld zahlte ein ungenannter Telefonbieter 65.001.250 Pfund, was nach dem Umrechnungskurs von Sotheby’s 104.327.006 Dollar ausmacht und damit über den 104.168.000 Dollar liegt, die das Auktionshaus im Mai 2004 für Picassos „Garçon à la Pipe“ in New York einstreichen konnte.
Das Ergebnis freut vor allem die Commerzbank, die die überlängte Figur mit ihrem existenzialistischen Wesenszug bei Sotheby’s eingeliefert hat. Mit der Übernahme der Dresdner Bank ging der Lebzeitenguss in ihre Sammlung über und wurde nun für gemeinnützige Stiftungen sowie deutsche Museen zu Geld gemacht. Der Dresdner Bank gehörte Giacomettis „Schreitender Mann“ seit 1980 und stand in der Konferenzetage des Frankfurter Bankhochhauses. Auch insgesamt verlief die Versteigerung für Sotheby’s äußerst erfolgreich. So verdoppelte Gustav Klimts 1913 gemalte „Kirche in Cassone“ ihre Schätzung auf 24 Millionen Pfund, Paul Cézannes Stillleben „Pichet et fruits sur une table“ übertraf mit 10,5 Millionen Pfund die untere Schätzung um 500.000 Pfund, und mit einem Umsatz von knapp 147 Millionen Pfund wurde das höchste Ergebnis in der Geschichte des Auktionsplatzes London erzielt.