Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 28.11.2019 114. Auktion: Gemälde Alter und Neuerer Meister, Rahmen. Primavera - Aquarelle des Biedermeier von Franz Blaschek. Portraitminiaturen

© Galerie Bassenge Berlin

Anzeige

spring swing, 2012 / Heinz Mack

spring swing, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Portraits

Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Das Neue Museum ist nach seiner Wiedereröffnung im Oktober die am meisten frequentierte Attraktion unter den Berliner Ausstellungshäusern

Opulentes Schatzhaus mit Wunden der Zeit



Beterfigur des Königs Amenemhet III., Ägypten, um 1850 v. Chr.

Beterfigur des Königs Amenemhet III., Ägypten, um 1850 v. Chr.

Überlange Schlangen vor dem Ticketcontainer und flanierende Besucherströme stehen als sichtbarster Ausdruck für Berlins neues Glanzstück. Mit der Wiedereröffnung des Neuen Museums sind nun erstmals seit 70 Jahren alle fünf Ausstellungshäuser der Museumsinsel wieder zugänglich. Ein bedeutender, wenn nicht der bedeutendste Schritt zur Tilgung aller kriegsbedingten Verwüstungen bei den Staatlichen Museen Berlin ist damit abgeschlossen. Schaut man sich die Fotografien der teils katastrophal zerstörten Ruine an, muss es bei aller berechtigter Kritik als Wunder erscheinen, was hier in den letzten zehn Jahren geleistet wurde.


Der aus Thüringen stämmige Architekt Friedrich August Stüler (1800-1865) erstellt die Pläne des zwischen 1841 und 1850 neben Karl Friedrich Schinkels „Altem Museum“ errichteten Neubaus. Sukzessive werden in der Folge die einzelnen Bereiche eingerichtet. Zunächst ziehen die Ägyptische Abteilung und das Kupferstichkabinett, bis 1859 alle weiteren Sammlungen ein. Das Haupttreppenhaus wird erst im Todesjahr Stülers abgeschlossen und dient seitdem als Hauptzugang. In den Folgejahren gruppiert sich direkt angrenzend ein Ensemble weiterer Museen von Weltrang, die Nationalgalerie (heute Alte Nationalgalerie), das Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) und das erst 1930 eröffnete Pergamonmuseum. Nur neun Jahre, zwischen 1930 bis zur kriegsbedingten Schließung 1939 sind alle fünf Institute allgemein zugänglich. Erst jetzt wurde dieser Zustand wieder erreicht.

Friedrich August Stüler kreiert mit dem Neuen Museum eine einzigartige Architektur. Technisch äußerst innovativ und konstruiert als Leichtbau mit hohlen Ziegeltöpfen für die Gewölbe, zierlichen Eisensäulen, Mosaik- und Parkettfußböden aus Fertigteilen, gruppieren sich in dem längsrechteckigen Baukörper die über einen Rundganges erschließbaren Ausstellungssäle um zwei Innenhöfe, zwischen denen die zentrale Prachttreppe liegt. Im Fokus der Ausstattung steht zudem die sinnliche Wirkung der Exponate. Die Säle weisen eine überbordend prachtvolle Ausgestaltung mit Wandgemälden, Illustrationen, Stuckaturen und Raumdekorationen auf. Im Rahmen freier Interpretationen kommt ihnen die Aufgabe zu, Vorstellungen eines Ideals zu entwickeln. Dieser poetische Sinn verkörpert die Apotheose des romantischen Geistes. Im Zuge von Erweiterungen erfolgt die Überdachung des nördlichen ägyptischen und südlichen griechischen Innenhofes.

Wie geht man heute mit den Resten jener Pracht um? Zu DDR-Zeiten war das Neue Museum Jahrzehnte der Witterung ausgesetzt. Man entschied sich spät zum originalgetreuen Wiederaufbau der zerbombten Ruine. 1989 ist Beginn. Nach der Wiedervereinigung setzen nicht nur Debatten über die Form des Wiederaufbaus ein. Das Projekt gerät nun in die Fänge administrativer Richtlinien demokratischer Bauherrn. Einen ersten Wettbewerb kann 1993 der Mailänder Architekt Giorgio Grassi für sich entscheiden. In einem zweiten Wettbewerb gelingt es 1997 dem Londoner Architekten David Chipperfield, die zwischen einer radikalen Neukonzeption und restaurativen Lösung pendelnden Ideen in seinem prämierten Siegerentwurf zusammenzuführen. Er sieht eine angepasste, ergänzende Wiederherstellung verlorener Teile in zeitgemäßer Sprache in Verbindung mit einer nutzbaren archäologischen Sicherung und Konservierung des vorhandenen Bestandes vor. In dieser Weise wird das Neue Museum seit 2003 realisiert.

Schon von außen führt das Miteinander aus konsequenter Neuerung und originalgetreuer Rekonstruktion zu Kompromissen. Die Front des nordwestlichen Neubautraktes am Kupfergraben bewahrt zwar die ursprüngliche Achsialität samt Durchfensterung, wie sie der erhaltene Südteil zeigt. Doch trotz farblicher Korrespondenz des ungeschlämmten Ziegelsteins offenbaren Horizontalbänder und fehlendes Abschlussgesims die andere Entstehungszeit. Der ebenfalls neu aufgemauerte, unverputzte Südkuppelturm enthält in viel zu modernistisch streng ausgeschnittenen Nischen die originalen Attikastatuen. Wenn man schon angleicht, dann muss man es auch mit Gespür tun.

Wie im Inneren auf den immer noch imposant wie überbordend opulent ausstaffierten Altbestand technoid-kühle Strukturen treffen, zeigt sich bereits kurz nach dem Eintritt. Zwischen zwei Löwen, 1875 geschaffene Repliken jener an der römischen Kapitolstreppe aufgestellten Originale, führt der Weg über die monumentale Treppenanlage in die Obergeschosse. Abweisend schroff erscheinen die zwischen rohen Ziegelwänden eingepressten, unter viel zu dominanter Balkendecke aufgebauten rohen Betonsegmente der Treppenläufe samt massiger Wangen. In direkter Gegenüberstellung begegnen sich Alt und Neu. Unzerstörte Säle und solche mit belassenen Narben, Farbresten, rußgeschwärzten Säulen und Wänden stoßen auf völlig minimalistisch-funktional gehaltene Zonen. Folglich musste für jeden einzelnen Saal ein eigenes Konzept erstellt werden.

Zwei fulminante Kollektionen fanden nun den Weg zurück in ihr einstiges Stammhaus, die Ägyptische und die der Vor- und Frühgeschichte. Auf vier Ebenen verteilen sich insgesamt 9.000 Objekte auf 8.000 Quadratmetern – eine erschlagende Zahl. Herzstück bilden die erlesenen Werke der Ägyptischen Sammlung inklusive der Papyrussammlung, deren Anzahl mit 2.500 Stücken allerdings jenen 5.700 Objekten aus dem Museum für Vor- und Frühgeschichte unterliegt. Hinzu kommen bedeutende Exponate aus der Antikensammlung.

Zum berühmtesten Kunstwerk, der Nofretete, gelangt der Besucher über einen speziellen Parcours, der sinnigerweise Kontinuität und Wandel des skulpturalen Menschenbildes in Ägypten visualisiert. Vorbei an dem Porträt der Königin Teje, durch Skulpturen- und Amara-Säle führt der Weg in den sakral anmutenden Nordkuppelsaal. Mittig unter dem Lichtauge des hohen Kassettengewölbes des Oktogons steht die Büste perfekt ausgeleuchtet in einer vier Meter hohen Vitrine aus Panzerglas. Ihr Blick folgt der Enfilade bauzeitlich erhaltener Säle bis in den neu überformten Südkuppelsaal mit der spätrömischen, in Alexandria gefundenen Kolossalstatue des Sonnengottes Helios.

Nofretetes Blick folgend, schreitet der Besucher durch den exzellent erhaltenen Niobidensaal mit der Papyrussammlung und weiter durch den mittigen Bacchussaal mit der anmutigen antiken Bronzestatue des Xantener Knaben in den römischen Saal. Die erhalte Ausstattung mit Nischen, Nachahmungen römischer Säulen oder Gemälden römischer Landschaften und Städte bietet einen idealen Hintergrund für die römischen Skulpturen. Deutlich wie nirgends sonst gelingt hier der beabsichtigte Dialog der Exponate mit der vorhandenen Museumsarchitektur, deren sinnliches Erlebnis und einprägsame Vermittlung von keinem anderen Medium geleistet werden kann.

Besonders zu erwähnen sind diese Korrespondenzen im Ägyptischen Hof. Zwischen den Pfeilern der aufgeständerten Podestarchitektur bietet sich ein atemberaubender Austausch zwischen den Denkmälern der Archäologie und den Fragmenten aus Grabkammern oder Tempeln mit den großformatigen Wandbildern eines vielteilig angelegten Zyklus’, darunter die Ansichten von Karnak, Edfu, Philae und Abu Simbel. Erleichternd kommt hinzu, dass das Ägyptische Museum auf eine Chronologie verzichtet. Thematische Zusammenhänge wie der meroitische Goldschatz aus dem antiken Sudan, die Grabkammern der Metjen, Merib und des Manofer sowie auf der untersten Ebene der künftigen archäologischen Promenade die Kultur der Alltagswelt, das Leben im Nildelta oder die Welt des Jenseits verkörpern eine schlüssige Struktur.

Der Rundgang des Museums für Vor- und Frühgeschichte gibt sich dagegen chronologisch. Er beginnt in der Keimzelle des Museums, dem bestens erhaltenen „Vaterländischen Saal“ des Hochparterres. Vor den grandiosen Wand- und Deckendekorationen wird die 180jährige Sammlungsgeschichte mit dem ersten, aus der königlichen Kunstkammer stammenden Inventar Nr. 1, einer bronzezeitlichen Urne, in Erinnerung gerufen. Ältester Fund ist ein 700.000 Jahre alter Faustkeil aus der Altsteinzeit. Rund 3.000 Stücke des Museums werden noch völkerrechtswidrig in Russland festgehalten, worauf die Beschriftungen explizit hinweisen wie beispielsweise bei den Schätzen des Priamos im angrenzenden Troja-Saal. Viele der von Heinrich Schliemann ausgegrabenen Kostbarkeiten sind daher nur in Kopien zugegen.

Im ersten Obergeschoss führt der Weg vorbei an Zeugnissen aus römischen Provinzen, die beispielsweise die Keramikproduktion, Heeresbewaffnung oder das Alltagsleben andeuten und mit Sarkophagen, Urnen, Statuen Gegenstände aus der Welt der Götter und Toten enthalten, in den „Modernen Saal“. Hier wartet mit dem wieder aufgestellten Abguss von Lorenzo Ghibertis Paradiestür aus dem Baptisterium des Domes zu Florenz ein weiteres Highlight. Deren Szenen aus dem Alten Testament leiten in das Thema über, das sich anschließend der Ausbreitung des Christentums widmet.

In der Fortsetzung des zweiten Obergeschosses geben sich die Säle niedriger und die Ausstattung schlichter. Holzkastenvitrinen und -podeste der größtenteils temporären Präsentation vermitteln einen Werkstattcharakter. Das Aufeinandertreffen von Menschenlinien wird am Beispiel der Skelettfunde des Neandertalers aus Le Moustier und des frühen Homo Sapiens aus Combe Capelle arrangiert. Vorbei an Tonfiguren, Silbergefäßen, Waffen und Schmuck gelangt man in den einst für Schatzfunde konzipierten kapellenartigen Südwestsaal. Mitten im Rund unter der Sternendecke steht ideal inszeniert der berühmte bronzezeitliche „Berliner Goldhut“. Auf 3.000 Jahre wird die dreiviertel Meter hohe Zeremonialbedeckung geschätzt. Auf 20 Etagen zeigt das papierdünne Stück ein Kalendersystem, das über Mondfinsternisse oder Jahreszeiten Auskunft gibt.

Auf dem Rückweg schreitet der von Eindrücken überfrachtete Besucher durch den einst vom Kupferstichkabinett genutzten „Roten Saal“. Hier ist man wieder bei den Anfängen. Nicht nur Wand- und Deckengestaltung zeigen sich original bauzeitlich. In der Präsentationsart des 19ten Jahrhunderts gefüllte Originalvitrinen vervollständigen den authentischen Eindruck der Erbauungszeit.

Das für 212 Millionen Euro wieder entstandene Neue Museum, einst der modernste Museumsbau der Welt, ist heute Schatzschatulle und Exponat zugleich. Vor diesem Hintergrund bietet das Haus eine einmalige Wanderung durch die Kunst- und Kulturwelt der Jahrtausende, erlaubt tiefgründiges Studieren und Vergleichen unterschiedlichster Strömungen des Denkens, Handelns und Fühlens. Als herausragendes Universalmuseum führt es in unermesslichem Reichtum ästhetische Ausdrucksformen vor Augen. Der Besucher kann den Alltag hinter sich lassen, sich erfreuen und nachdenken und er wird auf Schritt und Tritt immer wieder an die Weisheit erinnert: Ars aeterna, vita brevis.

Das Neue Museum hat täglich zwischen 10 und 18 Uhr, donnerstags bis samstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Eröffnung sind mehrere Führer und Publikationen erschienen, die an der Museumskasse erhältlich sind.

Kontakt:

Neues Museum

Bodestrasse 1-3

DE-10178 Berlin

Telefon:+49 (030) 266 42 42 42

Telefax:+49 (030) 266 42 22 90

www.neues-museum.de



18.02.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 37

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4  •  5

Adressen (1)Berichte (10)Variabilder (26)

Bei:


Staatliche Museen zu Berlin

Bericht:


Schlüsselübergabe in Berlins Neuem Museum

Bericht:


Volksbegehren gegen Neubau auf der Berliner Museumsinsel

Bericht:


Weitere Millionen für die Museumsinsel

Bericht:


Berlin eröffnet neuen Zugang zur Museumsinsel

Bericht:


Deutschlands beste Bauten in Frankfurt

Bericht:


Mies van der Rohe-Preis für das Neue Museum in Berlin

Bericht:


Deutscher Architekturpreis für David Chipperfield

Bericht:


500.000ste Besucherin der Amarna-Ausstellung in Berlin







Kopf der Teje, Neues Reich, 18. Dynastie, 1388-1351 v. Chr.

Kopf der Teje, Neues Reich, 18. Dynastie, 1388-1351 v. Chr.

Gewölbe im Mittelalterlichen Saal

Gewölbe im Mittelalterlichen Saal

Studiensammlung mit historischen Vitrinen und Präsentation im Stil des 19. Jahrhunderts

Studiensammlung mit historischen Vitrinen und Präsentation im Stil des 19. Jahrhunderts

Raum „Prolog“ im Neuen Museum

Raum „Prolog“ im Neuen Museum

Wandbilder im Ägyptischen Hof, Ebene1

Wandbilder im Ägyptischen Hof, Ebene1

Neues Museum Berlin im November 1943

Neues Museum Berlin im November 1943

Römische Kolossalstatuen aus Ägypten, Isis-Fortuna (?) und Helios, spätes 2. Jahrhundert n. Chr.

Römische Kolossalstatuen aus Ägypten, Isis-Fortuna (?) und Helios, spätes 2. Jahrhundert n. Chr.

Raum „Reise ins Jenseits“ – Ägyptischer Hof

Raum „Reise ins Jenseits“ – Ägyptischer Hof

Skelett eines Elches, um 10.700 v. Chr.

Skelett eines Elches, um 10.700 v. Chr.

Nordkuppelsaal mit der Büste der Königin Nofretete, Ägypten, um 1340 v. Chr.

Nordkuppelsaal mit der Büste der Königin Nofretete, Ägypten, um 1340 v. Chr.

Raum „Schliemanns Troja“

Raum „Schliemanns Troja“

Westfassade des Neuen Museums auf der Museumsinsel Berlin, 1985

Westfassade des Neuen Museums auf der Museumsinsel Berlin, 1985

Luftbild der Museumsinsel in Berlin, 1985

Luftbild der Museumsinsel in Berlin, 1985




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce