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Das Bank Austria Kunstforum in Wien breitet opulent die Alltagskultur des Essens und Trinkens aus und rückt speziell die „weibliche Note“ in den Mittelpunkt

Ein Genuss für Mund und Augen



Ein Stillleben: Von einem erhöhten Standpunkt aus gesehen fällt der Blick auf einen Tisch mit weißer Decke. Auf dem Tuch, dessen akkurate Bügelfalten harte Schatten werfen, befinden sich wenige Gegenstände – eine weiße Schale mit dunklen Kirschen zwischen einem roten und einem gelben Apfel. Auf den ersten Blick zeigt Maria Lassnigs „Stillleben mit rotem Selbstportrait“ aus dem Jahr 1969 ein konventionelles Arrangement. Irritierend sind jedoch die beiden Gestänge, die sich an der Längsseite des Tisches in die Platte bohren. Sie halten ein rotes, lippenförmiges Objekt. Allein der Titel verrät, dass es sich hierbei um ein Selbstbildnis der Künstlerin handeln soll. In ihrem verschlüsselten Portrait reduziert Maria Lassnig die Frau auf den Mund, ein Körperorgan, das passend zum Früchtestillleben mit der Nahrungsaufnahme assoziiert wird und ebenso als Symbol für Liebe, Begehren und Erotik steht. Der Mund als Schwelle zur Welt, durch den der Atem, die Sprache und die Nahrung hinein- und hinausgehen, als Sitz des Geschmacksinns, ist das ursprünglichste Organ der Erfahrung. In Maria Lassnigs Stillleben wird er als solcher zum metaphorischen Instrument, das der Spannung zwischen der Anverwandlung des Außen und der Veräußerung des Inneren Ausdruck verleiht.


Mit der Wärme, Geborgenheit und häuslicher Intimität, die gemeinhin mit dem Sujet Stillleben verbunden werden, hat Maria Lassnigs Gemälde nichts mehr gemein. Gerade deshalb eignet sich das Bild exemplarisch als Entree für eine Ausstellung, mit der das Bank Austria Kunstforum der Verknüpfung von Kunst und Leben in der Darstellung von Essen und Trinken nachgeht. In der Gegenüberstellung von 90 Werken, darunter zahlreiche exquisite Leihgaben aus verschiedenen Epochen, thematisiert die Schau die gewandelte Alltagskultur des Essens und Trinkens vom 16ten Jahrhundert bis heute.

Gegliedert in sechs verschiedene Erzählstränge, beleuchtet die Ausstellung die Anfänge des Stilllebens, dessen Wurzeln im religiösen Bereich liegen, wie Joos van Cleves um 1515 entstandene Darstellung der Heiligen Familie beispielhaft veranschaulicht. Ausgehend von Giuseppe Arcimboldos Capricci und Pieter Aertsens Küchenstücken wird die simultane Entstehung des Stilllebens südlich und nördlich der Alpen in der zweiten Hälfte des 16ten Jahrhunderts nachvollzogen: die Entwicklung vom Beiwerk der oftmals religiösen Bilderzählung hin zu einer autonomen Bildgattung, die sich auf die illusionistische Darstellung alltäglicher Dinge konzentriert.

Die Ausstellung verfolgt dann die Blüte des Genres im 17ten Jahrhunderts in ganz Europa, mit einem Schwerpunkt auf den „hyper-realistischen“ Stillleben des „Goldenen Zeitalters“ der Niederlande. Neben einem streng komponierten Prunkstillleben von Willem Kalf aus dem Jahr 1660 oder dem 1634 gemalten Bild eines kostbar gedeckten Tisches von Willem Claesz Heda präsentiert die Schau Entdeckungen, wie eine besonders schöne Hochzeitsallegorie aus dem Jahr 1607 der wenig bekannten flämischen Malerin Clara Peeters.

Der „nature morte“, der dem Stillleben innewohnenden Ambivalenz von Leben und Tod, die schon in seiner französischen Bezeichnung anklingt, widmet die Kuratorin der Ausstellung Heike Eipeldauer einen weiteren thematischen Akzent. Mit Jagdstillleben von Sebastian Stoskopff und Jan Weenix spürt sie einem Stilllebentypus nach, der ganz im Zeichen der Vergänglichkeitsobsession im Barock entsteht und mit zahlreichen Werken aktueller Künstlerinnen und Künstler, etwa der packenden Videoarbeit „A Little Death“ Sam Taylor-Woods von 2002 und Zoe Leonards zusammengenähten Fruchtschalen, eine zeitgenössische Fortführung findet.

Auch dem Thema „Stillleben als malerisches Experimentierfeld“ geht die Schau mit Beispielen aus mehreren Jahrhunderten nach. Dazu gehören die monumentalen, bühnenhaften Inszenierungen von Birne und Apfel des Frankfurter Malers Justus Juncker von 1765, das dunkel und geheimnisvoll glühende Gemälde des holländischen Stilllebenmalers Willem Kalf, zwei Stillleben mit Früchten von Paul Cézanne und Pablo Picassos Gemälde „Töpfe und Zitronen“ des Jahres 1907, dem das Sujet als Vorwand zur Untersuchung der Mehransichtigkeit der Objekte und des fragmentierten Bildraumes dient. Im selben Raum finden sich Ende der 1930er Jahre entstandene Stillleben von Georges Braque und Fernand Léger, zwei asketisch anmutende Gemälde von Giorgio Morandi und ein „Semmelbild“ des italienischen Wegbereiters der Konzeptkunst Piero Manzoni, ein „Achrome“ um 1962.

Mit besonderer Aufmerksamkeit untersucht die Kuratorin den sonst selten beachteten Aspekt des weiblich besetzten Raumes im Stillleben. Dass die Geschichte der Stilllebenmalerei auch als Geschichte der Produktion und Rezeption von Künstlerinnen interpretiert werden kann, wird anhand selten gezeigter Werke veranschaulicht. Ein frühes Beispiel ist „Die weiße Suppenschüssel“ von 1791 der französischen Künstlerin Anne Vallayer-Coster. Dichte Dampfschwaden entströmen dem geöffneten Gefäß, und das scheinbar banale Sujet wird zur malerischen Tour de force – zur Darstellung flüssiger Materie. Vallayer-Costers Stellung als Künstlerin, die mit 26 Jahren als eine von nur vier Malerinnen in die Académie Royale aufgenommen wurde, war eine für die Zeit vergleichsweise privilegierte. Allein dem niederen Rang des Stilllebens in der akademischen Gattungshierarchie war es zu verdanken, dass Studentinnen in diesem Fach schon kurz nach der Gründung der französischen Akademie im Jahre 1648 akzeptiert wurden, während man Frauen das Aktstudium, also die Voraussetzung für die Ausbildung in der Historienmalerei verbot.

Auch für die Malerinnen des Impressionismus, der ab den 1870er Jahren die verkrusteten Strukturen des Kunstbetriebs für Frauen aufbrach, bildete die geschlechtspezifische häusliche Lebenswelt das naheliegende Terrain künstlerischer Produktion. Berthe Morisot wählte das bürgerliche Interieur des Ferienhauses in Jersey als Rahmen, um ihr Augenmerk ganz auf die Schilderung des Atmosphärischen aus Licht und Farbe zu lenken.

Mit der Parole „Das Private ist politisch“ sollte die Frauenbewegung der 1970er Jahre darauf insistieren, dass alles Private immer auch eine gesellschaftliche Dimension hat. Ehe, Geburt und die Betreuung der Kinder als zentrale Stationen eines „normalen“ weiblichen Lebens wurden in ihrer gesellschaftlichen Funktion untersucht. Martha Roslers Video „Semotics of the kitchen“ von 1975 antwortet in diesem Sinne auf die populären Repräsentationen von Frauen in der Küche und analysiert, wie das Visuelle an der Konstruktion von Geschlechterdifferenzen beteiligt ist. In ihrem Video demonstriert die Künstlerin in alphabetischer Reihenfolge verschiedene Küchengegenstände. Im Durchlaufen des semiotischen Inventars werden ihre Gesten immer aggressiver, die Küchengeräte verändern sich zu gefährlichen Waffen, die sie als Instrumente häuslicher Unterdrückung enthüllen.

Erfreulich an diesem gelungenen Überblick über ein beliebtes Genre, der durch zahlreiche subtile Bezüge neue Zugänge eröffnet, ist auch der relativ hohe Anteil an Künstlerinnen. Es bleibt zu hoffen, dass dem Kunstforum auch in der Zukunft ein adäquater Ort für die Präsentation seiner Ausstellungen zur Verfügung steht. Denn beim Verkauf der Immobilie auf der Freyung durch die italienische Mutterbank Uni Credit wird die Schließung befürchtet. Auf die für diesen Herbst geplante Frida Kahlo-Retrospektive, die erste umfassende Ausstellung der mexikanischen Künstlerin in Österreich, darf man gespannt sein.

Die Ausstellung „Augenschmaus – Vom Essen im Stillleben“ ist bis zum 30. Mai zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum hat täglich von 10 bis 19 Uhr, am Freitag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Der Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at

Startseite: www.kunstforumwien.at



03.04.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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