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Alte Meister im Wiener Dorotheum

Fünf Frauen und ein Hund



Frans Francken II, Der Mensch in der Entscheidung zwischen Tugenden und Lastern, 1635

Frans Francken II, Der Mensch in der Entscheidung zwischen Tugenden und Lastern, 1635

So also geht’s zu, wenn der Mensch sich für das Laster entscheidet: Der Teufeloberchef sitzt am Eingang zur Hölle breitbeinig auf einem Drachen mit grimmiger Miene, zerzausten Haaren und Spinnen, die als Schmuck von seinen Ohren herabhängen, links und rechts umjubelt von fanfarenden Männern und tanzenden Weibern, musizierenden Satyrn und Dienern, die Affen und heidnische Amorbuben zu Königen erheben. Doch o weh, der Tod eilt schon mit fliegenden Gewändern herbei, den Speer gezückt, gezielt auf die Feiernden, derweil Chronos sie auf das Ende der Zeit weist. Kleine Putten ringsum halten die Symbole der Vergänglichkeit empor: Totenköpfe und Blumensträuße, Öllampen und Heu, ein anderer bläst die Seifenblasen in die Luft. Über diesem Desaster menschlicher Eitelkeiten, naturgemäß in der oberen Bildzone, zeigt der Maler Frans Francken II die Alternativen auf. Sie sind erwartungsgemäß langweiliger als das bunte Treiben darunter, führen aber zum längerfristigen Glück: ins Himmelreich nämlich, in dem musizierende Engel überirdische Freuden andeuten. Der Mensch, symbolisiert durch einen jungen Mann im Pilgerhabitus, muss sich entscheiden: für das Gute, dargestellt durch die Tugenden von Glaube, Liebe und Hoffnung, flankiert von den antiken Helden Herkules und Minerva, oder für das Böse, das ihn in Form von Fortuna und Venus zu verbotener Liebeslust, Völlerei und andern Verwerflichkeiten zu verführen versucht. Auf über zwei Metern breitet der Antwerpener Barockkünstler dieses Panorama aus. Im Wiener Dorotheum, das seine Frühjahrsauktionswoche am 21. April mit den Alten Meistern zum Höhepunkt führt, wird das gut dokumentierte, aber noch immer nicht vollständig gedeutete Gemälde für 400.000 bis 500.000 Euro angeboten.


Das Angebot umfasst knapp hundert Losnummern und wird großteils von Frauen bestimmt. Eine „alte Krähe“ nannte Albrecht Dürer seine Ehefrau Agnes, doch wird man die Spannungen in dieser über dreißig Jahre hinweg währenden Ehe nicht nur dem resoluten, geschäftstüchtigen Wesen dieser Xanthippe, sondern wohl auch dem Meister selbst zuschreiben müssen, der etwa aus seinen Vorlieben in Liebesdingen, auch zum eigenen Geschlecht hin, gegenüber Vertrauten keinen Hehl machte. Auf der Farbzeichnung, die ein unbekannter Kopist im 16ten Jahrhundert nach einem Original Dürers wohl von 1520 schuf, sieht Agnes Dürer in der Tat energisch genug aus, um sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Gleich fünf Frauen, eine Herrin mit vier Zofen, ferner einen Hund und einen Papagei hat Lavinia Fontana auf einer großen Leinwand verewigt. Das leider etwas beschädigte Gemälde ist das meisterhafte Werk einer der wenigen Künstlerinnen der Hochrenaissance. Es wird in Fontanas römische Periode zwischen 1603 und 1614 datiert (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Eine stämmige Bauersfrau ist einer der Blickfänge in einer Landschaft mit Reisenden auf einer Waldstraße Jan Breughels d.J. Sie reitet etwas ungelenk auf einem Esel am Betrachter vorbei. Das Gemälde wird in die 1640er Jahre datiert, als sich der Maler von seinem übermächtigen Vater allmählich zu lösen begann (Taxe 65.000 bis 75.000 EUR).

Im biblischen Geschehen spielte die Jüdin Esther eine bedeutende Rolle. Mehrmals erschien sie unberufen vor ihrem Gemahl, König Ashasver, und setzte dadurch ihr Leben aufs Spiel. Doch jedes Mal senkte sich des Königs Szepter als Zeichen seiner Gnade. Alessandro Varotari hat einen dieser Momente, in denen die schöne Dame vor dem Thron erscheint, in Lebensgröße, mit sparsamer, dafür umso gewaltigerer Beschränkung auf die wichtigen Figuren ins Bild gesetzt. Mit seiner über drei Meter breiten Komposition offenbart sich der 1588 in Padua geborene Meister als relativ rückständig, vergleicht man die Schöpfungen seiner berühmteren Kollegen zur gleichen Zeit (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Als Allegorien der Stärke und des Friedens dienen zwei junge Frauen auf einem Gemälde des römischen Barockmeisters Ciro Ferri (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Auf einem Stoff des italienischen Dichters Torquato Tasso basiert eine kraftvolle Arbeit Giovanni Francesco Barbieris, genannt Il Guercino. Die junge Armida versucht soeben, sich mit einem Pfeil selbst zu entleiben, doch der ritterliche Rinaldo hält sie im letzten Augenblick von dieser Untat ab. 1664 entstanden, markiert die Leinwand zwei Jahre vor dem Tod des Künstlers den Abschluss seiner profanen Malerei und bereichert die Kenntnis seines Spätwerks. Mit 400.000 bis 600.000 Euro ist es entsprechend hoch veranschlagt.

Natürlich steht auch die Muttergottes im Fokus der Gemälde, so als Objekt der Anbetung durch den heiligen Felix von Cantalice, umgeben von Engeln, auf einem kühlen barockklassizistischen Gemälde Giovanni Odazzis um 1720 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) sowie als Objekt der Verehrung durch den Betrachter selbst auf einer Holztafel Francesco Verlas aus Vicenza, der zu den umbrischen Nachfolgern des bedeutenden Pietro Perugino gehörte (Taxe 60.000 bis 65.000 EUR). Um jene Zeit schuf der sogenannte Meister der Madonna von Schleißheim die Anbetung des Kindes, ebenfalls von Engeln umgeben. Der deutsche Name, dem Unbekannten verliehen nach einem Werk im Schloss bei München, täuscht darüber hinweg, dass er in der Toskana tätig war (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Noch älter als diese Holztafeln ist lediglich eine kleine Kreuzigungsszene aus dem Umkreis des Sienesen Pietro Lorenzetti (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Neben all den helden- und tugendhaften Frauen haben es die Männer gelegentlich etwas schwer. Der heilige Sebastian taugte noch zur Verbindung idealer Schönheit mit redlicher Gesinnung, wie ihn Guido Reni und seine Werkstatt gegen 1610 lebensgroß, von der Hüfte an abwärts allerdings angeschnitten auf die Leinwand brachten (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Fast ein wenig lasziv räkelt sich dagegen der trunkene Noah auf einem Gemälde von Guido Cagnacci, dessen technische Brillanz nicht zuletzt in der Verkürzung des halb schräg im Bild liegenden Körpers zu sehen ist. 80.000 bis 120.000 Euro könnten bei dieser Neuentdeckung zu wenig sein. Beim Anblick eines bärtigen Mannes mit schwarzem Barett aus der Hand Giovanni Girolamo Savoldos weiß man auch nicht so recht, was man von Herrn halten soll. Der Portraitist hat sein Modell in halbdunkles Licht getaucht und lässt ihn aus den Augenwinkeln, etwas geheimnisvoll und von oben herab auf den Betrachter schauen (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR).

Ein beliebtes Thema der italienischen Barockmalerei war die Bekehrung Pauli. Die vielleicht berühmteste Komposition hinterließ Caravaggio in Santa Maria del Popolo in Rom. Weniger prägnant, monumental und transzendent als jene, eher vielleicht am möglichen Geschehen selbst orientiert, setzte der Neapolitaner Andrea di Lione die Szene ins Bild: Der vom Pferd Gefallene ist relativ klein am vorderen Bildrand dargestellt, wie er bewusstlos und mit einer Kopfwunde von seinen Begleitern versorgt wird (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Die Geißelung Christi gab den Malern Anlass zur Wiedergabe heftiger Bewegungsabläufe und psychischer Extremzustände. Jacopo Negretti, bekannter als Palma il Giovane, nutzte sie für ein starkes Interieurstück, das sich fast ausschließlich auf die verschiedenen Figuren und den Gegensatz zwischen dem ruhig leidenden Christus und den entfesselten Folterknechten konzentriert (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Ähnlich, wenngleich in der Figurenkomposition wesentlich dichter, verhält es sich bei der Marter des heiligen Bartholomäus aus der Hand des Palma-Zeitgenossen Camillo Procaccini (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR).

Reine Männerwelten zeigen uns der deutschstämmige Renaissancemaler Joseph Heintz d.J. mit einer Regatta auf dem Canal Grande in seiner Wahlheimat Venedig (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR) und der venezianische Spätbarockmaler Antonio Maria Marini auf zwei zusammengehörigen Gemälden, die mit impulsiver Verve und zum Teil kühnen Perspektivverschiebungen eine Seeschlacht in einer engen Bucht sowie die Versammlung von Truppen vor einer Stadt präsentieren. Früher unter anderem Francesco Guardi zugeschrieben, gelten die monumentalen Pendants heute als Meisterwerke des weniger bekannten Marini und sollen jeweils 150.000 bis 200.000 Euro kosten. Etwa zeitgleich mit Marinis Schlachtenbildern entstanden zwei flüchtig hingestrichelte Capriccios Michele Marieschis, die den Frieden ländlichen Lebens beschwören (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR).

Wer bisher die Namen großer niederländischer Künstler abgesehen von Frans Francken unter den Toplosen vermisst, wird auch jetzt nicht mehr getröstet werden. Seinen Italienschwerpunkt baut das Dorotheum auch bei dieser Auktion gut aus. Selbst die teuersten Stillleben kommen aus dem Süden: Giuseppe Reccos prächtiger Strauß aus Tulpen, Rosen, Pfingstrosen, Anemonen und anderen Blumen und ein großer Tisch mit sauber aufgeteilten Früchten aus der Hand eines unbekannten Meisters, dem Bernardo Strozzi lediglich eine weibliche Figur zur Seite stellte, für jeweils 80.000 bis 120.000 Euro. Erst dahinter rangiert Jan Fyt mit einem Jagdstillleben für 50.000 bis 70.000 Euro.

Wie bei den großen Auktionen in London und New York machen sich am Ausgang der „Altmeisterzeit“ in der zweiten Hälfte des 18ten Jahrhunderts die Engländer mehr und mehr bemerkbar. Nathaniel Hone portraitierte 1771 seinen Sohn Horace als Hirtenknabe David mit einem Lamm über den Schultern und verband damit die Psychologie einer biblisch-historische Figur mit dem Wesen eines unmittelbar präsenten Menschen (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Allan Ramsay steht ihm mit dem ruhigen Portrait einer jungen Dame zur Seite (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Daneben beeindruckt Lorenzo Tiepolo mit zwei en grisaille gemalten Szenen aus römischer Geschichte und Kultur vielleicht aus dem Jahr 1758 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 21. April um 17 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Katalog ist unter www.dorotheum.com einsehbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



13.04.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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