Im Schlepptau der Art Cologne haben der Kölner Bildhauer und Kurator Eiko Sabela sowie der Berliner Künstler und Kurator Edmund Piper vor vier Jahren die „Tease Art Fair“ ins Leben gerufen, die sich als programmatische bis experimentelle Plattform für junge zeitgenössische Künstler und Galeristen versteht. Als „kuratierte Entdeckermesse“ will sie sich nicht nur an das privat kunst- und kaufinteressierte Publikum, sondern vor allem an Kuratoren und Ausstellungsmacher wenden. Seither steht ihr das neoklassizistische Gebäude der ehemaligen Eisenbahndirektion am Rheinufer in Köln zur Verfügung. Ein Glück für alle Beteiligten, dass das Gebäude noch keinen anderen Verwendungszweck gefunden hat. In 80 Räumen unterschiedlicher Größe, sowie im Konferenzraum als auch im Außenraum, gab es am vergangenen Wochenende zeitgenössische Kunst, wohin das Auge sah.
Diese Art der Präsentation, gedacht für Sammler, Kunstvermittler und vor allem für junge Leute mit schmalem Geldbeutel, ließ viel Spielraum für den individuellen Genuss. Dass man manchen Raum fluchtartig wieder verlässt, weil man an der Kunst abprallt oder gar von ihr verprellt wird, nimmt man bei dieser Kunstshow gerne in Kauf. Pola Brändle aus Berlin-Kreuzberg verblüfft mit einer großformatigen Décollage, die bei genauem Hinschauen das Portrait der Künstlerin offenbart und unverkäuflich ist. Es ist, so sagt sie, der „eyecatcher“ jeder ihrer Ausstellungen und aus diesem Grunde möchte sie dieses Werk nicht missen. Dabei hat sie genügend Eyecatcher mitgebracht. Décollagen und Collagen auf beweglichen Holzteilen oder Glasflächen, die sich verschieben lassen und somit ständig neue Blickwinkel ermöglichen.
Kollegin Ulrike Stolte häkelt Objekte, die in Rot oder Weiß auf schwarzem Untergrund ruhen und den Raum zu erobern suchen. Thomas Ruffer ist Fotograf und kommt, wie die meisten der hier anwesenden Künstler und die wenigen Galerien, aus Berlin. Ruffer zeigt seine unbearbeiteten Fotografien zur „Blauen Stunde“, aufgenommen in Berlin. Seine Arbeiten bestehen aus vorbeihuschendem Licht und manchmal identifizierbarer Architektur, im Farbenspiel zwischen Blau und einem klaren Gelbgold. Diese fotografischen Impressionen gibt es schon ab 100 Euro aufwärts bis zu 2.000 Euro. Matthias Seidel verbirgt sich hinter dem Galerienamen dr. julius /ap und rühmt sich, Berlins einzige Galerie für Konstruktive und Konkrete Kunst zu sein. Sein Anliegen ist es, zwischen Kunst und Architektur zu vermitteln. Edgar Diehl studierte bei Raimer Jochims in Frankfurt und lebt und arbeitet in Wiesbaden. Er faltet Aluminium, gestaltet mit farbigen Streifen, die immer neue Raumebenen sichtbar machen. Sie kosten zwischen 400 und 3800 Euro. „Shumbamatsu“ nennt er sie. Warum, das kann selbst Google nicht beantworten.
Michaela Hofmann-Göttlicher stammt aus Krems in Niederösterreich und kommt eigentlich aus der textilen Bildgestaltung. Sie entwickelt formal streng zarte, filigrane Objekte aus Papier oder aber aus Bleistiftabfall. In der Struktur können sie auch verspielt auftreten. Für 6.800 Euro konnte man auch einen umgestürzten Keramikroboter von Frank Sanderink begutachten, der wahrscheinlich umgestürzt ist, weil er die Kunst im Nachbarraum nicht mehr sehen konnte. Vergnügt wurde man allerdings bei der Betrachtung der Objekte von Christian Weber aus Nürnberg, der sie zwar nur fotografisch abgebildet hatte, aber glaubhaft versichert, dass es diese Objekte gibt: Ein Handrührgerät, an das ein Mikrofon angeschlossen ist. Ein Globus, verbunden mit einer Maus oder eine Sprühdose mit Ohrstöpseln. Über Preise hatte der Künstler allerdings noch nicht nachgedacht. Viel Malerei, viel Objekt, wenig Foto, Kunst von 20 bis 5.000 Euro gab es auf der „Tease Art Fair“. Verzichtbar oder nicht? Darüber und über Qualität entscheidet nicht nur der Betrachter.