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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ketterers „Kleine“ mit großen Ergebnissen

Die Stunde des Otto Griebel



Geschunden, vernichtet, verbrannt ist das Werk des Otto Griebel im Laufe der Jahrzehnte, der 1972 noch recht angesehen in Dresden starb. Heute ist er weitgehend vergessen. Einst wurde der 1895 geborene Maler gleichauf mit Otto Dix und George Grosz genannt, galt als einer der wichtigsten Vertreter der zunächst von Dada beeinflussten, dann in einem kühl-sachlichen Stil die Welt und Gesellschaft erfassenden Künstler der 1920er Jahre. Doch die Nazi-Zeit, während derer seine Werke als „entartet“ beschlagnahmt und zerstört wurden, dann die Bombardierung Dresdens 1945, die das Meiste noch Vorhandene ebenfalls vernichtete, machten dem bedeutendsten Teil seines Werkes weitgehend den Garaus. Das Münchner Auktionshaus Ketterer kannte diese Hintergründe, als es jetzt das 1924 datierte Aquarell „Zwei Frauen“ anbot, das mit seiner nüchternen, ungeschönten Darstellung zweier nicht gerade einnehmender Akte einen kleinen Zufallsrest jener großen Kunst präsentierte. Entsprechend war der Schätzpreis von 30.000 bis 40.000 Euro der höchste des Tages. Doch damit rechnete wohl niemand: Bis auf 130.000 Euro steigerten sich Telefon- und Saalbieter hinauf, bis die große Interessentenschar sich schließlich einem griechischen Sammler geschlagen geben musste. Auktionsweltrekord für Griebel, versteht sich von selbst.


„Besser hätte der Saisonauftakt nicht sein können“, kommentierte Auktionator Robert Ketterer den erfolgreichen Abgang von über vierhundert der fast siebenhundert angebotenen Losnummern am 23. und 24. April. Er hatte Recht: Nicht nur diese gute Zuschlagsquote von rund sechzig Prozent, auch das Bruttogesamtergebnis von rund 2,3 Millionen Euro für die moderne und zeitgenössischen Kunst sowie die Einzelzuschläge lagen deutlich über denen des Vorjahres. Beste Voraussetzungen also für die große Juni-Auktion; denn die aktuelle Versteigerung war erst die „kleine“ Auktion mit Schätzpreisen selten über 20.000 Euro.

Moderne Kunst

Doch Otto Griebel blieb bei den Modernen, die sich zu gut 62 Prozent davonmachten, nicht der einzige, dessen Stunde an diesem milden Münchner Freitag schlug. Erich Buchholz, als Jahrgang 1891 fast gleichaltrig mit Griebel und wie dieser 1972 gestorben, hatte ebenfalls in den 1920er Jahren seine große Zeit. 1921 richtete ihm die Berliner Galerie Sturm seine erste Einzelausstellung aus. Ein Jahr darauf entstand sein in den Farben Schwarz, Rot, Gold gefasstes Holzrelief „Schwarzer Winkel mit Goldkreis“, das meisterhaft die konstruktivistischen Flächenkompositionen und ihre mitunter luxuriöse Farbausstattung des Meisters verdeutlicht. Auf 15.000 bis 20.000 Euro angesetzt, wurde es schließlich erst bei 58.000 Euro zugeschlagen. Zukünftig wird es mit Griebel in derselben Sammlung vereint sein.

Im Übrigen wurde sich meist an den überwiegend moderaten Einschätzungen des Hauses orientiert. Ausnahmen bildeten Arnold Balwés Ölbild „Curling auf dem Chiemsee“ um 1930 für 11.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), ein plastisch mit Kreide gezeichnetes Frauenbildnis Ludwig Meidners aus dem Jahr 1920 für 15.000 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), Richard Müllers in heutigen Zeiten vielleicht etwas fragwürdiger, fotorealistischer Kinderakt eines liegenden Mädchens von 1924 für 22.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR) und Salvador Dalís elfteilige Kaltnadelradierfolge „Hippies“ von 1969 /70 für 13.000 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Der Architekt Paul Goesch wurde posthum für sein bemerkenswertes malerisches Werk geehrt. Einst als Regierungsbaumeister in Berlin tätig, wandte er sich spätestens in den 1920er Jahren ganz seiner Passion zu, wurde jedoch bald nervenkrank. 1940 ermordeten ihn die Nazis während ihres Euthanasieprogramms. Das naive Aquarell „Der Himmelschor“ versiebenfachte seinen Wert auf 15.000 Euro.

Als kleine Delikatessen konnten sich eine späte Farbflächenstruktur aus Walter Dexels letzten Lebensjahren um 1970/71 (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR) und Paul Kuhfuss’ rasche und etwas unheimliche Impression „Straßencafé in Italien“ von 1929 auf jeweils 8.000 Euro verbessern (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Josef Scharl bewies sein schon häufiger Überraschungspotential durch eine stürmische See von 1936 und das Bildnis eines Arztes von 1942, zwei in ihrer betont flächigen Farbgestaltung charakteristische Ölbilder des Meisters, die auf 10.000 Euro und 16.500 Euro gehoben wurden (Taxen 2.800 bis 3.400 EUR und 5.000 bis 7.000 EUR). Und auch zwei strenge figurale Kompositionen Gottfried Brockmanns erwiesen sich als gefragt: Ein in abendliches Grau gehülltes Kücheninterieur von 1932 kletterte von 1.500 bis 2.000 Euro auf 2.800 Euro, und 3.200 Euro erreichte von gleicher Basis aus ein maschinistisch geometrisierter „Mann in Halbfigur nach rechts“ von 1924/25.

Als Werke bekannter Expressionisten waren Hermann Max Pechsteins etwas gefällige Tuschpinselzeichnung „Mädchen mit aufgestützten Kopf“ von 1918 für 19.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), Christian Rohlfs’ Wassertempera „Rote Cannas“ wohl von 1936 für 21.000 Euro, Karl Schmidt-Rottluffs Pinselskizze „Stehender weiblicher Akt“ aus den frühen 1910er Jahren für 14.000 Euro (Taxen je 14.000 bis 18.000 EUR) und die beiden Holzschnitte „Sturm“ und Verzweiflung“ des Jahres 1906 von Emil Nolde bei 3.500 Euro und 2.800 Euro dagegen weniger überraschend (Taxen 4.000 bis 6.000 EUR und 1.400 bis 1.800 EUR). Sein etwas ausgebleichtes Aquarell einer Frau im Profil nach rechts um 1910 wurde gar nicht übernommen (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Walter Gramattés Mondlandschaft mit einem Somnambulen von 1921 erreichte mit 6.100 Euro die obere Schätzung ebenso wie Franz Heckendorfs farbintensives „Haus im Geltow bei Portsdam“ von 1919 die seine mit 9.000 Euro.

Erfreulich war der Zuschlag einer Serie von Aquarellen Eduard Bargheers für bis zu 4.000 Euro großteils oberhalb der Taxen. Sein Ölbild „In der Oase“ aus den 1960er Jahren blieb indes schon bei 6.000 Euro mindestens 1.000 Euro unterhalb der Erwartungen stecken. Aus der Sammlung des langjährigen Leiters der Graphischen Sammlung in München Bernhard Degenhart (1907-1999) gelangten sechs Zeichnungen italienischer Künstler zur Auktion. Sie übertrafen sämtlich die Erwartungen, zwei surreale Tuschen Osvaldo Licinis unter dem Titel „Amalasunta“ von 1951 setzten sich mit 9.500 Euro und 8.500 Euro an die Spitze (Taxen je 4.000 bis 6.000 EUR). Fritz Schirrmachers Pastell eines karikierten Manns aus der Kanzlei von 1922 überzeugte das Publikum bei 2.200 Euro (Taxe 700 bis 900 EUR) ebenso die Arbeiten einiger Frauen: Annot Jacobis Ölgemälde „Der Neger von Toulouse“ aus dem Jahr 1926 zur oberen Taxe von 2.400 Euro, Annemarie Jacobs Gouache einer kantigen Fabriklandschaft bei 1.600 Euro (Taxe 600 bis 800 EUR) und Ida Kerkovius’ schwebende Abstraktion „Auf Violett“ um 1960 bei 2.200 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Teuerste Skulptur wurde Ernst Barlachs Stuckgruppe „Das Wiedersehen (Christus und Thomas)“ aus dem Jahr 1926 für 40.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Die beiden Bronzen „Der Hornbläser“ von 1930 in einem Guss von 1978 (Taxe 24.000 bis 28.000 EUR) und „Vergnügtes Einbein“ von 1934 in einem posthumem Guss blieben indes ohne ausreichende Gebote (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Die Holzskulptur eines männlichen Torsos von Karl Opfermann, auch er ein Opfer von Nationalsozialismus und Bombenkrieg, aus dem Jahr 1923 erreichte die obere Schätzung von 8.000 Euro. Der 1927 früh verstorbene Tscheche Otto Gutfreund musste mit seinem posthumen Guss des kubistischen „Cellospielers“ von 1912/13 leichte Einbußen von 500 Euro auf 5.500 Euro hinnehmen.

Zeitgenössische Kunst

Die Zeitgenossen erregten weniger Aufsehen. Hier war der Topzuschlag, Andy Warhols Farbserigrafie „Mick Jagger“ von 1975 bei 26.000 Euro, an einen Berliner Kunden vergleichsweise konventionell (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Dicht dahinter, von gleicher Basis aus, landete Horst Janssens Bleistiftzeichnung „Pique Dame“ von 1963. Hier hat wohl die filigrane, wie eine Wolke sich über das Blatt legende Zeichentechnik die Sammler gereizt. 25.000 Euro kamen zusammen. Wieder einen Tausenderschritt weniger, und man war bei Walter Stöhrers rasanter Schmiererei „Cut up IV“ aus dem Jahr 1970 (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). In die Reihe der etablierten Künstler gehören ferner Fritz Winter, dessen schwebende Formen „Vor Grau und Grün“ aus dem Jahr 1954 bei 13.000 Euro landeten (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), Antoni Tàpies mit der zarten Farbzeichnung „Peu de tinta“ von 1982 für 17.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder auch der junge Norbert Bisky, hier wieder mit einem seiner blonden Sportjungs unterm Titel „Vorwärts den Blick“ aus dem Jahr 2001 für tax- und marktgerechte 12.000 Euro.

Ein „Kleines Fest“ ließ der deutsche Informelle Karl Fred Dahmen 1955 in Öl auf Sackleinen steigen: 10.000 Euro waren der Lohn (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Sein Düsseldorfer Kollege Peter Brüning steuerte eine seiner kartografischen Zeichnungen aus Tusche und farbigen Kreiden von 1965 zur unteren Schätzung von 4.000 Euro bei. Dem Geburtsjahr 1890 nach eigentlich noch der Moderne zuzuordnen, fand sich Carl Buchheister mit seiner „Komposition Eli“ aus dem Jahr 1958 dennoch bei der Gegenwartskunst. Machte nichts, das Ölrelief, das mit seinen wenigen Lichtstrukturen auf schwarzem Grund an die spirituelle Malerei der 1920er Jahre gemahnt, erzielte trotzdem 7.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Dazu trat diesmal der Schwabe Heinz Schanz mit dunklen Farbwolken der 1960er Jahre für 2.800 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Auch Paul Jenkins setzte 1963 ganz auf den Wert der Farbe, als er sein flüchtiges Aquarell „Phenomena Querbound I“ in fließenden Farbüberlagerungen schuf. 5.000 Euro wurden jetzt dafür bewilligt (Taxe 1.500 bis 1.800 EUR).

Beinahe mathematisch abstrakt wurde es mit den fünf Positionen aus den 1960er und 1970er Jahren der im vergangenen verstorbenen Hanne Darboven. Sie wurden alle bei guten Preisen bis zu 4.300 Euro übernommen. Gegen den Primat der Abstraktion stellte sich als einer der ersten in den 1960er Jahren Dieter Krieg. Bei seinem wohl frühesten erhaltenen Gemälde aus dem Jahr 1965 scheint langsam das Gegenständliche wieder durchbrechen zu wollen. Für 9.500 Euro fand es einen Liebhaber (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Darauf folgten die „Jungen Wilden“, darunter Luciano Castelli, der nicht gerade für seine Prüderie bekannt ist. Diesmal erregten aber nicht seine aufreizenden Frauenakte die Lust der Bieter, sondern zwei nackte Männer von 1983 schlugen mit ihren rot leuchtenden Penissen unter dem Titel „Die Sonne macht geil“ 5.500 Euro los (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Desgleichen liebt die jüngste Kunst die Figuration, so die gestapelten Autos in Jeremy Dickinsons Ölgemälde „Junkyard Stack with De Soto Firefly“ von 2000 für 2.500 Euro oder das hinter einer milchigen Plexiglasscheibe verschwommene Portrait in Stephan Kaluzas „Spiegeldistanz“ von 2001 für 2.000 Euro jeweils zur unteren Taxe.

Nägel und rote Ölfarbe spachtelte und schlug der Franzose Bernard Aubertin 1961 als „Tableau clou 61 – Aubertin’s red“ auf eine Holzplatte. 6.400 Euro waren jetzt der Lohn für dieses sperrige Objekt (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Die Zugkraft der klassischen Skulptur bewies dagegen Erich Hauser mit seiner schnittigen Edelstahlplastik „10/93“, die ihren Wert auf 12.000 Euro verdoppelte. Ferner setzte sich die altbewährte „Stele“ Christa von Schnitzlers in Form einer ausgedünnten Menschengestalt aus den 1970er Jahren mit 4.300 Euro gut ab (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Feiern konnte schließlich auch die Gruppe ZERO: Mehrere Spiegel- und Lichtobjekte sowie Zeichnungen Heinz Macks und Adolf Luthers gingen für bis zu 14.000 Euro in neue Hände über.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



06.05.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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