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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunsthandwerk bei Lempertz in Köln

Mistjob



Abraham Seuter, Groteskenkanne mit Hausmalerdekor, Meißen, um 1719/20

Abraham Seuter, Groteskenkanne mit Hausmalerdekor, Meißen, um 1719/20

Grimmig schaut er, fast böse, der bärtige Krieger, unter seinem schirmbewehrten Helm hindurch. Ist ja auch kein Traumjob, den ganzen Tag auf einer kleinen Muschel zu hocken und einen Fisch in den Händen zu halten. Aber die Herren in Meißen wollten es nun einmal so. Also muss der Mann, der im Katalog als Chinese bezeichnet wird, als bauchiges Gefäß herhalten, derweil das genannte Tier als Ausguss der Henkelkanne dient. Versüßt wird ihm das Dasein allenfalls durch eine junge Bacchantin, die auf seinem Rücken sitzt und als Henkel fungiert. Das Porzellanstück ist ein herrliches Beispiel für künstlerische Originalität und handwerkliche Qualität der Meißner Porzellanmanufaktur schon während der ersten Jahre ihres Bestehens. Modelliert wurde die Kanne um 1719/20 von unbekannter Hand, die figürliche und ornamentale Goldbemalung schuf wenig später eine Augsburger Werkstatt; Abraham Seuter kommt am ehesten in Frage. Das Kölner Auktionshaus Lempertz bietet sie am 12. Mai in einer separaten Veranstaltung für Porzellan und Keramik an, derweil das übrige Kunsthandwerk erst zwei Tage später an die Reihe kommt. 50.000 bis 100.000 Euro werden für den bärtigen Herrn erwartet.


Porzellan und Keramik

Reich ist die Auswahl vor allem an chinoisen Gebrauchsgeschirren der frühen Meißner Jahre. Waren nicht die Seuters in Augsburg bei der Bemalung am Werk, so konnte es auch Johann Gregorius Höroldt oder einer seiner zahlreichen Epigonen sein wie auf einem dreiteiligen Vasensatz um 1740, über deren dunkelblauem Grund sich die großen Figurenszenen ausbreiten. Deren Üppigkeit und die Seltenheit der Stücke bedingen die anspruchsvolle Schätzung von 90.000 bis 120.000 Euro. In der Art Christian Friedrich Herolds sind die Scharzlotmalereien auf einer Kanne um 1730/35 gestaltet. Deren eigentliches Kennzeichen ist allerdings der farbenkräftige Fond, den der Katalog als „tomatenrot“ beschreibt (Taxe 14.000 bis 15.000 EUR). Wieder ein anderer Maler, Johann Ehrenfried Stadler, könnte bei der Bemalung einer Augustus-Rex-Deckelvase der späten 1720er Jahre Pate gestanden haben, hier in einer Kartusche auf gelbem Fond (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Philipp Ernst Schindler wird der Dekor auf einer kleinen, zeltförmigen Tabakdose zugeschrieben. Ihr Stil zeigt den Abschwung der europaweiten Chinamode: Deutlich haben nun, gegen Mitte des Jahrhunderts, Einheimische in den beschaulichen Landschaften Platz genommen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Johann Joachim Kändlers Entwürfe vermisst man diesmal beinahe ganz, zu nennen ist seine Standfigur eines Goldschmieds um 1750 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Doch auch das Modell wohl von Johann Gottlieb Kirchner für eine große Parzenuhr um 1727 kann künstlerisch und technisch bestehen (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Bereits in die zweite Hälfte des 18ten Jahrhunderts datiert ein Paar Schwäne. Wohl könnte hier Kändlers Ideenreichtum, der sich auch in zahllosen Tierplastiken niederschlug, nachgewirkt haben (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).

Nach Meißen haben einige klassizistische Arbeiten der Königlichen Porzellanmanufaktur zu Berlin ihren Auftritt, etwa ein hübsches Tête à tête des ausgehenden 18ten Jahrhunderts mit Silhouettenportraits (Taxe 7.000 bis 7.500 EUR). Aber auch eine groteske Teekanne mit Insekten und Menschenköpfen als Ausguss und Handhabe der thüringischen Porzellanmanufaktur in Volkstedt von etwa 1765/70 erfreut das Auge des Sammlers (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR). Dann kommt noch eine Reihe von Fayencen aus unterschiedlichen Sammlung mit zum Teil lustigen Gefäßen wie einem Straßburger Schreibzeug des 18ten Jahrhunderts in Schildkrötenform (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR), einem Paar Trauben, das Paul Anton Hannong 1751 wohl als Jagdservice für den Kölner Kurfürsten Clemens August fertigte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), oder einem fetten Truthahn als Deckelterrine französischer Herkunft um 1800 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Silber

Zwei Tage später macht das Silber den Anfang. Unter den teureren Stücken überwiegen Arbeiten des 17ten Jahrhunderts wie zwei Danziger Deckelkannen der Landsleute und Zeitgenossen Christian Pichgiel I. (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und Peter Rohde III. um 1689/99 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder ein ebensolches Exemplar ihres Königsberger Kollegen Peter Andreas Händel um 1671/85 mit einer südlichen Ruinenlandschaft samt Paar (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Etwas älter sind die Arbeiten aus Nürnberg. Sie zeigen noch deutlich den strengen, ornamental festeren Stil der Renaissance: ein Deckelhumpen mit Ananasbuckeln der Zeit um 1600 von Wolf Zapf (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), ein Deckelpokal mit gravierten Darstellungen der beiden heiligen Bischöfe Norbert und Friedrich von Heinrich Mack um 1616/26 (Taxe 20.000 bis 24.000 EUR) und Peter Wibers bewegt konturierter Akeleipokal von circa 1609/29 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

Aus späteren Zeiten und anderen Regionen sind ein Rokokoteekessel samt Rechaud des Londoner Meisters Paul de Lamerie um 1729/30 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und ein 1882 datierter Historismusdeckelhumpen von Eduard Föhr aus Stuttgart zu nennen, über dessen Wandung 39 Münzen mit Bildnissen deutscher Fürsten verstreut sind (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). 2.000 Euro soll das dreiteilige Kaffeeservice No. 80 in Birnenform von Georg Jensen einspielen, das er sich 1915 erdachte und nach 1945 nochmals auflegte. Später gelangt noch ein üppig vergoldeter und mit Bergkristallen geschmückter Rokokorahmen wohl von Johann Melchior Dinglinger zum Aufruf, der ein Miniaturbildnis von Christian Ludwig II. von Mecklenburg-Schwerin birgt. Erst im Mai 2007 fand die Arbeit bei Lempertz für 60.000 Euro einen Abnehmer. Nun steht sie erneut für 20.000 bis 30.000 Euro wieder zu Gebot.

Möbel und Einrichtungsgegenstände

Der dritten großen Abteilung der Auktion, der Möbelkunst, ist eine nicht genannte Privatsammlung vorgeschaltet, die eine Fülle unterschiedlicher Kostbarkeiten beisteuert. So zunächst eine prächtige, diamantgeschmückte Präsentationsdose, die Carl Helfried Barbé anfangs des 19ten Jahrhunderts wohl im Auftrag des russischen Zaren für König Friedrich Wilhelm II. von Preußen als Geschenk anfertigte. Darauf verweisen die Initialen „FW“ auf dem Deckel. Der aus dem pfälzischen Frankenthal stammende Barbé machte sich als Goldschmied seit 1799 in St. Petersburg einen Namen (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Die etwa gleichzeitig entfaltete Goldschmiedekunst des Genfer Meisters Louis Galopin zeigt eine ebenfalls diamantbesetzte Tabatiere in Ovalform. Ihr eigentlicher Blickfang sind allerdings die feinen Naturwiedergaben auf allen Seiten (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Bedeutendstes Möbelstück der Sammlung ist ein prunkvoller, über und über mit Blumenintarsien verzierter Kabinettschrank des niederländischen Rokoko (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Allerdings dürften zwei englische Kabinette des späten 17ten Jahrhunderts mit chinesischen Kästen auf reich geschnitzten und vergoldeten Holzgestellen zwischen 9.000 und 15.000 Euro eher unterbewertet sein.

Die eigentlichen Hauptlose kommen aber dann doch aus der Zusammenstellung unterschiedlicher Provenienzen. Charakteristisch für die Mainzer Schreinerkunst um 1720/30 ist der heterogene, etwas unproportionierte Aufbau eines Aufsatzschreibschranks mit kraftvoll geschwungenen Fußvoluten. Er lässt sich mit einem Entwurf Johann Heyds aus dem Jahr 1724 in Verbindung bringen (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR). Außen eher unscheinbar, enthüllt ein mitteldeutscher Kabinettschrank des frühen 18ten Jahrhunderts nach Öffnung seiner Türen eine bunte Auskleidung auf blauem Fond. Zudem besitzen die unterschiedlich farbigen Einlegearbeiten, teils als Blumensträuße oder -girlanden gestaltet, eine außerordentliche Feinheit (Taxe 55.000 bis 65.000 EUR). Später macht Mainz noch einmal von sich reden durch eine wuchtige Schreibkommode des ausgehenden Barock um 1760/70 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) und durch ein frühklassizistisches Zylinderbüro in betont kantigen Formen (Taxe 38.000 bis 45.000 EUR). Beider Schöpfer sind unbekannt.

Aus Paris treffen Jean-Baptiste Tuarts kleiner Stehtisch des Transition um 1760 für 22.000 bis 25.000 Euro und vor allem Pierre Roussels blumengeschmückte Rokokokommode für 40.000 bis 60.000 Euro ein. Stücke dieser Herkunft und Qualität sind selten auf dem deutschen Auktionsmarkt. Doch dürfte es sich bei Roussels Kommode und diejenige handeln, die im März 2007 bei Nagel von 6.000 Euro auf 145.000 Euro schoss. Die Deutschen halten allerdings noch einmal dagegen: Dem Berliner Hoftischler Schilansky wird eine kraftvoll bombierte Kommode der Zeit um 1755 zugewiesen, deren Gegenstück früher im Schloss Monbijou und heute im Neuen Palais zu Potsdam steht. Sie soll 90.000 bis 100.000 Euro kosten. Den Übergang ins 19te Jahrhundert bewerkstelligen ein Kasseler Empire-Tisch, angeblich vom Hof Jérôme Bonapartes stammend (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und ein bunt dekorierter Schreibschrank aus Süddeutschland für 40.000 bis 45.000 Euro, der seine Inspiration aus dem Historismus nicht verleugnen kann.

Die Auktion beginnt am 12. Mai um 14 Uhr mit dem Porzellan und der Keramik. Am 14. Mai stehen ab 11 Uhr die übrigen Stücke des Kunsthandwerks aus dem Programm. Die Vorbesichtigung läuft vom 7. bis zum 11. bzw. 12. Mai täglich von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17:30 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 10 bis 15 Uhr.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



06.05.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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