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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Irene Lehr legt in Berlin mit der modernen und zeitgenössischen Kunst wieder zu

Im Aufwärtstrend



Wie mit dem Markt insgesamt, so geht es auch mit den Ergebnissen bei Irene Lehr wieder spürbar aufwärts. Nach einem Abschwung von über 1 Million Euro im Mai 2008 über 900.000 Euro im nachfolgenden Oktober, 750.000 Euro im Mai 2009 und 605.000 Euro wiederum im letzten Herbst hat ihr Berliner Auktionshaus in diesem Frühjahr wieder über 900.000 Euro netto umgesetzt. Vier von fünf Werken wechselten am 24. April den Besitzer: Traumhafte 83 Prozent also für ein Auktionshaus, das vor allem mit kleinen Preziosen moderner und zeitgenössischer Kunst auf sich aufmerksam macht. Bemerkenswert ist denn auch die hohe Anzahl jener Lose, die ihre Schätzpreise deutlich steigern konnten. Eine gemäßigt expressionistische neapolitanische Küstenlandschaft Franz Domscheits etwa mit Blick auf den Vesuv 1915 verfünffachte ihren Wert auf 5.000 Euro. In die erste Reihe der Preisliste stieß Curt Querner mit seinem 1953 datierten Aquarellportrait „Bauer Rehn“ vor: Von 7.000 Euro auf 20.000 Euro schoss es in die Höhe. Sechsmal höher als die Taxe lagen die 5.400 Euro, die Herbert Kitzels nachdenklich dasitzender „Pierrot“ aus den mittleren 1950er Jahren für sich beanspruchte. Ein 1965 immerhin in hundert Exemplaren aufgelegtes Multiple aus Gitterdraht des Konkreten François Morellet vollführte einen ähnlichen Preissprung von 600 Euro auf ebenfalls 5.400 Euro.


Vor allem die Zwischenkriegszeit profitierte von Irene Lehrs Engagement. Rudolf Auslegers kubistisches „Atelier 3“ aus dem Jahr 1927 für 4.000 Euro (Taxe 5.000 EUR), Dorothea Maetzel-Johannsens flüchtiger „Kater Fips mit Gummibaum“ von 1924 für 4.200 Euro (Taxe 3.000 EUR), Kurt Scheeles geometrisierte Komposition „Vogelflug“, im Jahr der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 unter Gefahren geschaffen, für 5.200 Euro (Taxe 2.500 EUR) und Hermann Teubers Stillleben mit Tabak um 1926 im beginnenden Stil der Neuen Sachlichkeit für taxgerechte 4.000 Euro repräsentieren eine breite Masse qualitätvoller, wenngleich nicht exzeptioneller Werke, deren Wert mit vierstelligen Preisen angemessen bedacht wurde. Erich Lindenau ist ganz in der kühlen Malweise angekommen und gab einen grünen Wiesenstrauß von 1941 für 1.500 Euro ab (Taxe 1.800 EUR). Auch Carl Grossberg ist Exponent dieses Stils, der seine technoide Lithografie „Kesselhausstützen“ von 1929 erst bei 2.400 Euro losließ (Taxe 1.800 EUR). Paul Kuhfuss war mit acht Gemälden vertreten, die alle ihren Abnehmer fanden, etwa das dichte Aquarell „Tiroler auf der Straße in Zirl“ von 1926 bei 1.000 Euro (Taxe 600 EUR) oder die ruhiger komponierte Dünenlandschaft unter wolkigem Himmel von 1934 bei 1.100 Euro (Taxe 1.000 EUR).

Besonders erfreulich sind die 9.000 Euro für Otto Langes um 1917 abgezogenen Farbholzschnitt „Lesende bei Kerzenschein“. Der Dresdner Expressionist hat sich in der jüngeren Vergangenheit doch einen festen Platz als beachtenswerter Grafiker erobert (Taxe 4.000 EUR). Max Schwimmer übte sich derweil in Leipzig in diesem Stil und brachte das nun 1.300 Euro teuere Aquarell „Ziegelei in Weinheim“ mit Sogwirkung zu Wege (Taxe 1.000 EUR). Robert Emil Stübners noch impressionistisch aufgefasste Theaterszene „Scaramouche und Blondelaine“ um 1927 tanzte bei 4.000 Euro aus dem Saal (Taxe 2.000 EUR). Dora Hitz schloss sich mit ihrem bunten Sommerblumenstrauß bei 3.400 Euro an (Taxe 2.000 EUR). Teuerstes Los jener Zeit und der ganzen Auktion wurde Wilhelm Rudolphs Ölbild „Mädchen mit Ballon“, das erstmals 1925 auf der Sommerausstellung der Künstlervereinigung Dresden gezeigt wurde. Der heute, trotz seiner langen Lebenszeit von 1889 bis 1982, weitgehend in den Hintergrund getretene Künstler wurde nun noch einmal mit 26.000 Euro geehrt (Taxe 10.000 EUR).

Franz Lenk reüssierte mit einem technisch wie kompositorisch aalglatten, gerade dadurch aber ungemein zerbrechlich wirkenden „Dorf mit drei weißen Wolken“ aus dem Jahr 1928 bei stattlichen 15.000 Euro (Taxe 8.000 EUR). Wenig ist von der russischstämmigen Künstlerin Elena Liessner-Blomberg bekannt. Umso begehrter war ihr kubistisches Stillleben mit Flasche von 1920/21 aus ihrer Moskauer Studienzeit, an dem sie nach eigenem Zeugnis mehrere Monate „mit dem Spachtel und viel Hingabe“ arbeitete: Es kam auf 21.000 Euro (Taxe 9.000 EUR). Schwerer hatten es indes die bedeutenderen Meister mit kleineren Gelegenheitsarbeiten: Erich Heckels Aquarell eines Schlangenbeschwörers im Varieté von 1920 kam erst im Nachverkauf auf 7.000 Euro (Taxe 10.000 EUR), Bernhard Kretzschmars Aquarell „Das Konzert (In der Loge)“ um 1924 musste ganz die Heimreise antreten (Taxe 14.000 EUR). Karl Schmidt-Rottluffs spätes Tuscheaquarell „Buddleja-Blüten“ ging es mit einem Zuschlag bei 24.000 Euro deutlich besser (Taxe 15.000 EUR).

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Kunst aus dem deutschsprachigen Raum nach 1945 beiderseits des Eisernen Vorhangs, diesseits und jenseits der Abstraktion. Das Gegenstandslose vertrat Hans Bischoffshausen mit seinem geheimnisvollen „Glücksspiel Nr. IV“ aus dem Jahr 1956 für taxgerechte 8.000 Euro, Fred Thieler führte sie bei 15.000 Euro für seine rasante Farbexplosion „Zersplitternd“ von 1957 an (Taxe 9.000 EUR), und Gerhard Wittners schloss sie „75/76“ mit zwei kaum wahrnehmbaren Rechtecken auf weißer Leinwand für 3.400 Euro minimalistisch bei Lehr ab (Taxe 1.000 EUR). Bernd Berner gestaltete 1966 einen ovalen Flächenraum mit filigranen schwarzen Einsprengseln auf dem weißen Grund. Er kam auf 1.400 Euro (Taxe 900 EUR). Besonders gefragt in dieser Rubrik war wieder Lehrs Hausgast Hermann Glöckner: Sämtliche Offerten wurden vergeben, mit Höhepunkten in der Grafik wie den Vorzeichnungen der „Drei Phasen. Faltungen in der Fläche“ von 1977 für 9.000 Euro und den „10 Handdrucken“ von 1963/71 für 6.000 Euro (Taxen je 5.000 EUR). Eine hübsche abstrakte Komposition schwebender Formen Rolf Cavaels von 1950 mit Anklängen an die Malerei Willi Baumeisters verbesserte sich von 1.800 Euro auf 4.600 Euro.

Auch Peter Brüning brachte es eigentlich als Abstrakter zur Ruhm. Umso erstaunlicher seine Pop Art-artige „Straßenszene“ mit Fußgängern, eine Acrylmalerei über einer Offsetlithografie, aus dem Jahr 1966. Es war die Zeit, in der Brüning sich von seiner gestischen Ausdrucksweise löste, doch ist er bereits vier Jahre später gestorben. 3.800 Euro kostete die bemerkenswerte Arbeit (Taxe 1.800 EUR). Auf 3.500 Euro verdoppelte sich der Wert einer abstrakten Komposition in Blau mit einer Kreuzformation von Paul Kallos aus dem Jahr 1956. Wilhelm Imkamps „Landschaft mit Vollmond“ aus dem Jahr 1957 nimmt zwischen den künstlerischen Polen eine Mittlerstellung ein: Deutlich ist das Gestirn am Himmel zu erkennen und beleuchtet pflanzenartige Strukturen im Vordergrund. 3.300 Euro waren der Lohn (Taxe 2.000 EUR). Der DDR-Künstler Carl Lohse vertrat die neoexpressionistische Richtung der Nachkriegszeit: „Draußen kocht die See“ aus dem Jahr 1958 ist ein Beispiel seiner betont malerischen Kunst. Es kostete nur 6.000 Euro (Taxe 8.000 EUR), ebenso wie Markus Lüpertz’ um 1967mächtig ins Bild gesetzte „Lokomotive“ (Taxe 7.000 EUR).

Paul Wilhelm riskierte um 1947 einen ungeschönten Blick auf die zerstörte Dresdner Neustadt. Das Breitformat spielte 5.400 Euro ein (Taxe 5.000 EUR). Gegen Kriegsende hatte schon Rudolf Schlichter einen „apokalyptischen“ Blick auf die Wirklichkeit gerichtet. Seine surreale Vision einer nackten Frau inmitten eines Totenreiches wurde in 10.000 Euro Wirklichkeit (Taxe 6.000 EUR). Auf westdeutscher Seite nahm Horst Janssen als gegenständlicher Zeichner eine führende Stellung ein. Aus dem reichen Angebot stachen ein Plakatentwurf für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg von 1968 für 7.000 Euro (Taxe 3.000 EUR) und das Traktat über die Herstellung einer Radierung „Hokusai’s Spaziergang“ von 1971/72 für 8.000 Euro heraus (Taxe 9.500 EUR). Als nicht ganz so gefragt erwiesen sich die Papiercollagen Hannah Höchs: „Am Leuchtturm – Kinderspielplatz“ von 1962 fand schon für 8.000 Euro einen Abnehmer, eine abstrahierte Landschaftskomposition blieb gar unveräußert, und die Mischtechnik „Spaziergang zu dritt“ aus dem Jahr 1950 ging für 8.500 Euro weg (Taxen je 10.000 EUR).

Ihre Position behauptete Irene Lehr auch mithilfe der jüngeren Meister. Frank Badur überzeugte mit einem konkreten Diagonalstreifenbild in Schwarz, Weiß und Grün aus dem Jahr 1972 zu 2.600 Euro (Taxe 1.000 EUR), Otto Greis’ Spätwerk „Äolischer Winter“, 1985 als Teil einer ganzen Reihe heller, lichter Abstraktionen entstanden, brachte es auf 5.500 Euro (Taxe 4.000 EUR), und Alois Mosbachers figurativer, wilder „Kopf vor Landschaft“ von 1983 auf 6.500 Euro (Taxe 5.000 EUR). In Sigrid Kopfermanns „Mistral IV“ von 1996 scheint der Wind durch die Farbfelder geströmt zu sein. Er hob zudem die Schätzung von 1.200 Euro auf 2.400 Euro. Für einen Altmeister der Gegenwart wie Georg Baselitz waren 12.000 Euro für eine 1978 umgedreht auf den Karton gemischte „Blaue Flasche“ ebenfalls kein Problem: Sie wurden punktgenau getroffen.

Bernhard Heisigs neoexpressive Ölgemälde „Gewieher“ und „Als ich versuchte Puppen zu malen“, entstanden 1995 und 1998, setzten sich mit 24.000 Euro und 20.000 Euro mit an die Spitze, wenn auch die jeweils angesetzten 25.000 Euro unterboten wurden. Willi Sittes „Diskutierendes Paar“ in klassizistischen Bahnen von 1952 bestätigte sich mit 6.500 Euro. Und als zwei der wenigen Ausländer hatten Antoni Tàpies ein informelles „Diptychon“ in Schwarz und Erdfarben von 1988 für 13.000 Euro (Taxe 10.000 EUR) und Simon Raab eine quirlig-bunte Leinwand „Don’t be Koi“ aus dem Jahr 2001 im Gepäck. Hier verdoppelte sich der Preis auf 16.000 Euro.

Die wenigen zwischen die Gemälde und Grafiken eingestreuten Skulpturen waren sowohl von der Materialwahl Bronze und der Beschäftigung mit der menschlichen Gestalt überwiegend klassischer Natur: Fritz Klimschs „Hockende“ von 1926 für 4.400 Euro (Taxe 5.000 EUR), Fritz Cremers „O Deutschland, bleiche Mutter II“ von 1961 für 6.000 Euro (Taxe 5.000 EUR), auch noch Harald Metzkes’ szenische Gruppe „Komödie“ von 1992 für 5.000 Euro (Taxe 7.000 EUR) und A.R. Pencks Strichmännchen „Standart T (x) I“ von 1994 für 9.300 Euro (Taxe 8.000 EUR). Ferdinand Spindel bürstete als einer der Wenigen gegen den Strich: Er formte 1971 ein Relief, indem er grauschwarzen Schaumstoff in einen Holzkasten presste und mit Plexiglas verschloss. Mit einem Gebot von 4.200 Euro zog ihn ein Sammler etwas aus seiner weitgehenden Vergessenheit (Taxe 1.500 EUR). Renée Sintenis’ laufender Elefant von 1954 schaffte die 20.000 Euro-Marke dagegen nicht.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



12.05.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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