Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 22.02.2020 Auktion 22. Februar 2020: Norddeutsche Kunst - Dekorative Kunst

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Enten am Wehr / Alexander Koester

Enten am Wehr / Alexander Koester
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Zeitgenossen bei Christie’s in New York: Eine außergewöhnliche Sammlung, fünf Rekorde und ein erstarkter Markt

Johns’ ironisches Symbol



Ein Glück für Christie’s, dass es unter den Nachkommen Michael Crichtons Streit um dessen Erbe gegeben hat. Sonst wäre die exzeptionelle Kunstsammlung des fünf Mal verheirateten und 2008 gestorbenen Bestsellerautors vielleicht nicht im Kunstmarkt gelandet. Nun konnte Christie’s im Rahmen seiner Auktionsrunde „Post-War & Contemporary Art“ dessen Zusammenstellung amerikanischer Kunst ab den 1960er Jahren, vor allem der Pop Art, wieder unter den Mann bringen. Dass es bei der Schätzpreissumme von rund 50 bis 75 Millionen Dollar nicht bleiben würde, war von vornherein recht klar und wurde während der Auktion eindrucksvoll bestätigt. Denn Crichton hatte die Urheber seiner Schätze persönlich gekannt, war vielen von ihnen freundschaftlich verbunden und oft der erste Besitzer der Werke, was die Käufer gerne honorieren. So kamen schon allein für die 31 Positionen der Abendauktion am 11. Mai brutto rund 93,3 Millionen Dollar zusammen, tags darauf folgten nochmals knapp 10 Millionen Dollar für weitere 47 Arbeiten und machten das Crichton-Erbe zur bisher bestverkauften Zeitgenossensammlung im Auktionsgeschäft.


Und Michael Crichton hatte seine Lieblinge. Einer von ihnen war Jasper Johns, dem er 1977 anlässlich einer Retrospektive im New Yorker Whitney Museum den Katalog schrieb und mehr Platz als allen anderen Künstlern in seiner Sammlung einräumte. In den 1960 Jahren hatte sich Johns mit der amerikanischen Flagge, dem Hauptsymbol nationaler Identität, intensiv beschäftigt und vor allem in der Behandlung der Oberfläche seiner Bilder deren affirmative Aussage doch immer ironisch unterlaufen. 1973 erwarb Crichton seine in Enkaustik ausgeführte Version der „Flag“ direkt beim Künstler und wies ihr einen Ehrenplatz oberhalb des Kaminsimses in seinem Schlafzimmer zu. Mit soviel Bedeutung aufgeladen, blieb es nicht bei den veranschlagten 10 bis 15 Millionen Dollar. Der Hammer fiel erst bei 25,5 Millionen Dollar zugunsten der Avery Galleries aus Pennsylvania, die mit Aufgeld dann 28,6 Millionen Dollar auf den Tisch legen mussten. Das ist neuer Auktionsrekord für Johns, der auch mit seiner hochkant gestellten und verdoppelten Version des Sternenbanners als Siebdruck von 1973 mit 700.000 Dollar ebenso reüssierte (Taxe 300.000 bis 400.000 USD) wie mit der Monotypie einer Pinselansammlung in einer Kaffeedose unter dem Titel „Savarin“ von 1982 bei 1,1 Millionen Dollar (Taxe 250.000 bis 350.00 USD) oder der grau gestrichenen Leinwand „Study for a Painting“ mit angehängtem Bindfaden von 2002 bei 4,7 Millionen Dollar (Taxe 3 bis 5 Millionen USD).

Ein weiterer Favorit Crichtons war Robert Rauschenberg. Dessen Hochformat „Trapeze“, in dem er 1964 verschiedene Motive der älteren Kunstgeschichte wie Rubens’ Venus vor dem Spiegel sowie Ereignisse der aktuellen Geschichte collageartig verarbeite, ging für 5,6 Millionen Dollar an die Gagosian Gallery (Taxe 5 bis 7 Millionen USD), sein zweiteiliges, fast abstraktes „Studio Painting“ von 1960/61, als klassisches Combine Painting mit vor die Leinwand gehängtem Sack, kletterte sogar auf 9,8 Millionen Dollar (Taxe 6 bis 9 Millionen USD). Den Reigen der Pop Art ergänzten noch Andy Warhol mit einer seiner vielen Versionen des Antlitzes Maos in Blautönen von 1973 bei 2,05 Millionen Dollar (Taxe 700.000 bis 900.000 USD) und vor allem noch Roy Lichtenstein, bei dem schon das frühe, 1968 mit Tusche gemalte, traurige „Girl in Water“ seine Schätzung auf 1,6 Millionen Dollar verdoppelte. Es folgten noch die kubistisch ironisierten „Figures in Landscape“ aus dem Jahr 1977 bei 3,8 Millionen Dollar (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen USD) und in der Tagesauktion die „Two Apples“ von 1972 in knackigem Rot, die bei Crichton passend über dem Kamin im Esszimmer platziert waren und nun auf 1,9 Millionen Dollar stiegen (Taxe 400.000 bis 600.000 USD).

Plastisches aus der Pop Art war etwa mit Jeff Koons vertreten. Seine kleine silbern glänzende Stahlskulptur „Jim Beam – Model A Ford Pick-Up Truck“ brachte 500.000 Dollar ein (Taxe 350.000 bis 450.000 USD), das opulente, aus Spiegeln zusammengesetzte Stillleben „Vase of Flowers“ von 1988 verdoppelte seine Erwartung dann auf 2 Millionen Dollar. Eine Steigerung auf 800.000 Dollar gelang auch Claes Oldenburg mit seinem tropfenden Eis am Stiel „Alphabet/Good Humor Edition Model“, in das er 1975 noch gleich die Buchstabenfolge integrierte (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Doch Michael Crichton liebte es manchmal auch etwas ruhiger und minimalistischer, was etwa Frank Stellas Farbquadrat „Honduras Lottery Co. (Smaller Version)“ um 1962 für 580.000 Dollar (Taxe 300.000 bis 400.000 USD) und Agnes Martins duftig leichte, blauweiße Streifenkomposition „Untiteld #14 „ von 1996 für 1,25 Millionen Dollar bewiesen (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen USD).

In den späten 1990er Jahren wurde Michael Crichton dann auf Pablo Picasso aufmerksam und integrierte ihn in seine Sammlung. Im zeitgenössischen Umfeld vielleicht nicht ganz so passend aufgehoben, erzielten dessen Werke zwar gute Preise, schossen aber nicht über die Taxen, so die späte, flott gemalte Leinwand „Femme et fillettes“ von 1961 mit 5,8 Millionen Dollar und die frühe kompakte „Femme à la robe rose“ von 1917 mit 4 Millionen Dollar (Taxen je 5,5 bis 7,5 Millionen USD). Einzig Picassos kubistische Zeichnung „Tête d’homme“ von 1912 wurde mit 1,2 Millionen Dollar etwas heftiger umworben (Taxe 700.000 bis 1.000.000 USD).

Die Fotokunst stand nicht so sehr in Crichtons Fokus. Legte er sich fotografische Bilder zu, dann wegen des amerikanischen Themas, etwa den mit dem Lasso schwingenden Cowboy von Richard Prince aus dem Jahr 2003, der bei guten 500.000 Dollar davonhüpfte (Taxe 150.000 bis 250.000 USD), oder die bunte, quirlige Chicagoer Börse von Andreas Gursky aus dem Jahr 1997 für jetzt taxgerechte 750.000 Dollar. Spitzenreiter in der mittleren Generation der 50jährigen wurde Mark Tansey, der in seinem monochrom blau gehaltenen, scheinbar fotorealistischen Gemälde „Push/Pull“ von 2003 eine Sphinx und eine Pyramide raffiniert zu einer Gletscherspalte verzerrt. Mit 2,8 Millionen Dollar wurde auch hier ein neuer Spitzpreis gewährt (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen USD). Ihm folgten in der Tagesauktion etwa noch Robert Gobers Verpackung „Cat Litter“ von 1990, eine Reminiszenz an Warhols „Skulpturen“, bei 160.000 Dollar (Taxe 60.000 bis 80.000 USD) oder Tom Friedmans Materialspielerei in dem runden bunten Murmelbild von 2002 bei 80.000 Dollar (Taxe 20.000 bis 30.000 USD).

Zusammen mit den 48 Positionen der regulären Hauptauktion setze Christie’s am 11. Mai insgesamt knapp 232 Millionen Dollar um und hat damit die Bilanz von knapp 94 Millionen Dollar der Vorjahresauktion wieder ganz schön in die Höhe schrauben können. Wie es sich auch beim Konkurrenten Sotheby’s zeigte, hat der Markt für zeitgenössische Kunst nach der eineinhalbjährigen Flaute wieder erstaunlich schnell Tritt gefasst und honoriert gute Werke mit guten Preisen. Und der Handel engagiert sich auch wieder kräftig, etwa bei Andy Warhols Diptychon „Silver Liz“ von 1963, das die New Yorker Galerie L+M Arts bei 16,3 Millionen Dollar übernommen haben soll (Taxe 10 bis 15 Millionen USD), oder bei Roy Lichtensteins vielgestaltiger Reminiszenz an eigene Werke „Untitled Composition“ von 1978 bei 9 Millionen USD (Taxe 4,5 bis 6,5 Millionen USD).

John Berggruen, ältester Sohn des Sammlers und Galeristen Heinz Berggruen sowie selbst Kunsthändler in San Francisco, verhalf dann Sam Francis zu einem neuen Auktionsrekord. Er ersteigerte die wundervoll filigrane, wie wirkmächtige Leinwand „Middle Blue“ aus dem Jahr 1957 für 5,6 Millionen Dollar (Taxe 3 bis 5 Millionen USD). Dazwischen platzierte sich ebenfalls in Blau Yves Kleins Anthropometrie „Le Buffle (ANT 93)“, für die sich 1960/61 ein nackter Frauenkörper auf dem Bogen Papier wälzte, bei 11 Millionen Dollar im Rahmen der Schätzungen von privater Seite. In die Liste der Top Ten des Abends schaffte es noch Jean-Michel Basquiat mit seinem fratzenhaften „Self Portrait as a Heel“ von 1982 bei taxgerechten 5,2 Millionen Dollar und sein Mentor Warhol mit einem poppigen, verdoppelten „Self-Portrait“ von 1964 zur unteren Schätzung bei 5 Millionen Dollar.

Christopher Wools großes Schriftbild, die blau lackierte Aluminiumtafel „Blue Fool“ aus dem Jahr 1990, übersprang den alten Rekordpreis von 1,6 Millionen Dollar und erklomm nun 4,4 Millionen Dollar (Taxe 1,5 bis 2 Millionen USD). Als neue Rekordhalterin gesellte sich dann noch Lee Bontecou zu ihnen. Die für ihre aus Industriematerialen aufgebauten Arbeiten bekannte Amerikanerin schickte dafür ein Reliefbild aus Stahlblenden, das mit seinem tiefen schwarzen Öffnungen an ein technoides Gesicht erinnert, ins Rennen und kam mit 1,6 Millionen Dollar wieder heraus (Taxe 1,5 bis 2 Millionen USD). Fast die doppelte Schätzung erreichte die japanische Tupfenprinzessin Yayoi Kusama mit ihrer kieselsteinartigen Verweißung „No. G.A. White“ von 1960 bei 2,9 Millionen Dollar. Piero Manzonis aus Quadraten aufgebautes „Achrome“ von 1958 spielte die anvisierten 3,8 Millionen Dollar ein.

Der Abstrakte Expressionismus hatte in Hans Hofmanns 1962 gemalten Farbflächenverknüpfungen „Sun at the Wall“ und in Mark Rothkos von Blau dominierte, lastender Papierarbeit aus dem Jahr 1959 exemplarische Vertreter, die sich gut bei 2,4 Millionen Dollar (Taxe 1,5 bis 2 Millionen USD) und 4,2 Millionen Dollar behaupteten (Taxe 3,5 bis 4,5 Millionen USD). Kunst aus Deutschland trat bei Christie’s dreimal in Erscheinung, zuerst mit dem nur um 90 Grad gedrehten „Franz im Bett“ von Georg Baselitz aus dem Jahr 1982 für gute 1,45 Millionen Dollar (Taxe 800.000 bis 1.200.000 USD), dann mit dem verschwommen fotorealistischen weiblichen „Kopf (Skizze)“ von Gerhard Richter aus dem Jahr 1997 für 2 Millionen Dollar (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen USD) und schließlich mit Neo Rauch. Dessen kryptische „Suche“ von 2004 mit einem dominierenden tierischen Hybridwesen kam auf 900.000 Dollar und verfehlte damit den Spitzenpreis im Auktionsranking des Leipzigers. Ihn hält immer noch sein „Stellwerk“ von 1999, das im vergangenen Oktober bei Christie’s in London 760.000 Pfund einspielte.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s Rockefeller Center

20 Rockefeller Plaza

US-10020 New York

Telefon:+1 (212) 6362000

Telefax:+1 (212) 6362399

E-Mail: info@christies.com



21.05.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


11.05.2010, Post-War Contemporary Art Evening Sale

Veranstaltung vom:


11.05.2010, Works from the Collection of Michael Crichton

Bei:


Christie's

Bericht:


Liebe zur Klarheit










Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce