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Abkehr von Mitte: Die 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst beendet den Mitte-Hype und entdeckt Kreuzberg als Experimentierfeld für die Erkundung der Wirklichkeit. Im Versuch, um jeden Preis politisch korrekt zu sein, kommt sie jedoch spröde und belehrend daher

Zaungäste des Lebens



Berlin. Oranienplatz 17. Ein ehemaliges Kaufhaus, wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele gab in Berlin. Ecklage mitten im multikulturellen Stadtteil Kreuzberg. Seit Jahren sind die Fenster im Untergeschoss von dicken Plakatschichten überzogen. Die einst prächtige Gewerbeimmobilie stand leer. Mit der 6. Berlin Biennale ist hier jetzt für zwei Monate neues Leben eingekehrt. Kuratorin Kathrin Rhomberg nutzt das weitgehend unrenovierte Gebäude als Hauptaustragungsort einer Berlin Biennale, die erstmals seit ihrer Gründung 1998 den Nachwendehype um den Stadtteil Mitte hinter sich lässt und sich neue Quartiere im ehemaligen Westen der Stadt erobert.


Dass dieser Ausflug ins bunte Multikultiviertel nicht zum Spaßtrip geraten soll, macht Rhomberg allerdings gleich im Entree der Ausstellung deutlich. Der 28jährige niederländische Künstler Vincent Vulsma präsentiert hier auf Leichtbauwänden, wie sie in Galerien üblich sind, in schwarze Folie verpackte Leinwände aus chinesischer Massenproduktion im Einheitsformat 100 auf 80 Zentimeter. Die 13 Bilder verweigern sich dem Betrachter. Allenfalls der Faltenwurf der schwarzen Plastikfolie verleiht ihnen einen Hauch von Haptik und Individualität. Worum es in dieser Ausstellung gehen soll, verriet Kathrin Rhomberg schon auf der Pressekonferenz: nämlich darum, „den genießenden westlichen Blick des Betrachters zu stören“. Und das gelingt ihr aufs Vortrefflichste. Unverpackte Gemälde nämlich, die die Schaulust des Betrachters befriedigen könnten, sucht man auf dieser Biennale vergeblich. Malerei scheint Teufelszeug zu sein, eignet sie sich doch nur bedingt, soziale Wirklichkeit im Spätkapitalismus einzufangen.

Dominiert wird diese 6. Berlin Biennale daher von den Medien Fotografie, Film, Video und Installation. Die Mexikanerin Minerva Cuevas zeigt in ihrem Video Menschen, die am Rande einer Müllkippe leben, der Franzose Bernard Bazile filmt Protestmärsche in Paris, und sein Landsmann Mohamed Bourouissa inszeniert mit der Kamera jugendliche Gangmitglieder in der aufgepeitschten Stimmung der Banlieu. Im Fokus dieser mit nur 43 Künstlern relativ schmal besetzten Großausstellung steht die Wirklichkeit unserer täglichen Erfahrungswelt. „Nicht nur die Finanzwelt, auch der Kunstbetrieb hat sich zuletzt in eine wirklichkeitsferne Sphäre hochgeschraubt, in der Fantasien regieren und man nach wie vor davon überzeugt ist, dass sich selbst der offensichtlichste Schein als bedeutungsvoll erweisen werde“, konstatiert Kathrin Rhomberg in ihrem Katalogessay.

Um das Unternehmen Berlin Biennale auch kunsthistorisch zu unterfüttern, hat sie als Paten aus dem 19. Jahrhundert den großen Berliner Realisten Adolph von Menzel ausgewählt. In der Alten Nationalgalerie sind Menzels Zeichnungen von ungemachten Betten, ausgezehrten Arbeitern im Eisenwalzwerk und gefallenen preußischen Soldaten im Rahmen der Biennale eine umfassende Ausstellung gewidmet. Mit dem Aufgreifen banaler und profaner Alltagswirklichkeiten hat Menzel der Kunst ganz neue Türen aufgestoßen. Der jüngste Künstler der Schau, der 1986 geborene Kosovo-Albaner Petrit Halilaj, hat gleichzeitig den größten Auftritt. Halilaj hat in den Kunst-Werken in Mitte eine riesige Skulptur aus den Holzverschalungen eines Rohbaus errichtet. Eine Arbeit mit biografischem Bezug: Diese Bretter wurden verwendet, um das vom Krieg zerstörte Haus seiner Familie in Pristina neu aufzubauen. Ein weiteres Stück Lebenswirklichkeit aus dem Kosovo stellen frei herumlaufende Hühner dar, die in Halilajs Bretterkonstruktion bereits ihre ersten Eier abgelegt haben.

Doch zurück nach Kreuzberg: Ganz oben auf dem Dachboden des alten Kaufhauses am Oranienplatz angekommen, wird der Betrachter dann mit der kuratorischen Zwangsverzahnung von Kunst und Wirklichkeit ein wenig versöhnt. Die hintergründige Videoarbeit „I can sing“ des türkischen Künstlers Ferhat Özgür zeigt anatolische Frauen mit Kopftuch, die voller Inbrunst Jeff Buckleys Coverversion von Leonard Cohens Klassiker „Hallelujah“ schmettern. Etwas weniger „Entkunstung“ der Kunst und dafür etwas mehr „Verkunstung“ der Wirklichkeit hätte dieser streckenweise spröden und verkrampft politisch korrekt wirkenden Biennale sicherlich gut getan.

Die 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst unter dem Titel „was draußen wartet“ läuft vom 11. Juni bis zum 8. August. Sie findet im KW Institute for Contemporary Art, im ehemaligen Kaufhaus am Oranienplatz 17, in der Alten Nationalgalerie und an diversen Orten in Kreuzberg statt. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 22 Uhr, die Alte Nationalgalerie an selben Wochentagen von 10 bis 18 Uhr, donnerstags ebenfalls bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 7 Euro. Der Katalog aus dem DuMont Buchverlag kostet in der Ausstellung 12,95 Euro, de Reader 25 Euro.

Kontakt:

Kunst-Werke Berlin e.V. - Institute for Contemporary Art

Auguststraße 69

DE-10117 Berlin

Telefax:+49 (030) 24 34 59 99

Telefon:+49 (030) 24 34 590

E-Mail: office@kw-berlin.de

www.berlinbiennale.de



11.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


11.06.2010, 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

Bei:


Kunst-Werke Berlin e.V.










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