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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Zeitgenössische Kunst bei Christie’s in London

Verkehrtes Amerika



Wie einen Tag zuvor schon Sotheby’s, so hat auch Christie’s seine Londoner Gegenwartsauktion eher vorsichtig eingeschätzt. Rund 54 bis 77 Millionen Pfund erwartet man für die 63 Losnummern am 30. Juni und damit deutlich weniger als für die Impressionisten und Modernen, die in dieser Woche schon über 150 Millionen Pfund eingespielt haben. Auch das Hauptlos, Andy Warhols „Silver Liz“ von 1963 mit Ikonenstatus der Pop Art, liegt nur bei 6 bis 8 Millionen Pfund. Die ganz großen Filetstücke sucht man auch hier vergebens: Weder ein großer Rothko noch ein Bacon haben sich zur Auktion eingefunden, und von Lucian Freud gibt es nur das etwas ungefällige Damenbildnis „Ada“ aus dem frühen Jahr 1946 als Zeichnung für 60.000 bis 80.000 Pfund. Am ehesten wird man noch beim Deutschen Gerhard Richter fündig. Neben seinem fotorealistischen Triptychon „Porträt Schniewind“ aus dem Jahr 1964 für 1 bis 1,5 Millionen Pfund gibt es wie bei Sotheby’s zwei abstrakte Bilder, hier die Nummern 831-1 in fahlen Farben und unter dem Titel „Heu“ von 1995 für 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund und die fast gleichgroße, aber etwas farbintensivere und ungestümere Nummer 611-3 von 1986 für 1,5 bis 2,5 Millionen Pfund.


So bleibt recht viel Raum für weniger abendauktionserprobte, insbesondere junge Künstler. Hier ist Christie’s, durch die Einlieferungen vielleicht aus der Not heraus, wesentlich mutiger als Sotheby’s. Die Werke beschäftigen sich mit knalligen Effekten in bunten Farben und mitunter provokanten Themen: Beatriz Milhazes’ schillernder freudiger Farbenstrauß „Moreno“ von 2005 (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP), Matthew Day Jacksons mehr als lebensgroßer „Phoenix (Peace Eagle)“ vor einer dunklen Hochhaussilhouette einer untergegangenen Stadt ebenfalls von 2005 in luxuriöser Materialausstattung unter anderem mit Perlmutt (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP), die beiden hyperrealistischen Polizisten „Frank and Jamie“, die der Schalk Maurizio Cattelan 2002 auf den Kopf stellte (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP), und Chris Ofilis „Orgena“ aus dem Jahr 1998, mit der er bei 700.000 bis 1 Million Pfund der schwarzafrikanischen Frau und Mutter huldigt. Jeff Koons hat es vorgemacht unter anderem mit seinem reißerischen Stillleben „Loopy“ aus dem Jahr 1999, das die Methoden der Werbegrafik mit den künstlerischen Mitteln aufgreift und verfremdet (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP).

Wer es etwas ruhiger und beschaulicher mag, ist bei Alexander Calder an der richtigen Adresse. Die Mobiles des gebürtigen Iren gehören zu den unverwüstlichen Dauerbrennern der Londonern und New Yorker Abendauktionen, und auch die filigrane Anlagen „Two Fish Tails“ aus dem Jahr 1975 oder „Black and Yellow Dots in the Air“ von 1960 werden bei 1 bis 1,8 Millionen Pfund sicher wieder Freunde finden. Eher meditativen Charakter hat auch Cy Twomblys „Gaeta“, ein jüngeres Werk mit vertikalen Farbverläufen des mittlerweile über achtzigjährigen Künstlers aus dem Jahr 2004 (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP). Das gerade Gegenteil ist Jean-Michel Basquiats gereizt hingestrichener Kopf auf einer unbetitelten Leinwand von 1982: Gestische Malerei pur, aber kanalisiert in einen menschlichen Ausdruck (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP).

Mit Bezügen auf die Kunstgeschichte der klassischen Moderne arbeiten Roy Lichtensteins kubistisch inspirierte „Woman Reading“ von 1980 (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP) und Frank Auerbachs neoexpressive Malerei „In the Studio“ von 2000/02 (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP). Direkt auf Salvador Dalís berühmte Horrorvision „Premonition of Civil War“ aus dem Jahr 1936 bezog sich Glenn Brown, als der 1992 sein „Dalí-Christ“ schuf: Auf größerem Format, ist Dalís Werk wesentlich in der Höhe gestreckt, sonst aber so ähnlich, dass die Nachlassverwaltung des Spaniers das Gemälde aus der berühmten Ausstellung „Here and Now“ 1994 in London – einer der Initialausstellung der „New British Artists“ – entfernen ließ. Für die neue Generation britischer Kunst ist dieser fast unverschämte Rückgriff Browns wiederum zur Ikone geworden und zierte noch mehrere Gruppen- und Einzelausstellungen (Taxe 700.000 bis 1 Millionen GBP).

Neben Richter ist auch deutsche Kunst reichlich vorhanden, so beispielsweise der gerade in mehreren großen Ausstellungen gefeierte Neo Rauch, der sich nach längerer Abwesenheit mit dem Interieur „SUB“ samt Personen bei seltsamen Tätigkeiten aus dem Jahr 2000 auf den Abendauktionen zurückmeldet (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Auch Matthias Weischer steuert einen Blick in ein Zimmer bei, nur ist es menschenleer, könnte als Trainingsraum gedient haben und franst an einer Ecke in die Abstraktion aus (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP). Auf den Kopf hat Georg Baselitz 1983 seine pastelltönige Version der „Dornenkrönung“ gestellt. Wieder feiert die expressionistische Malerei, etwa die religiösen Bilder Emil Noldes, hier fröhliche Urständ (Taxe 500.00 bis 700.00 GBP). „Die Verbreitung der Mittelmäßigkeit“ nannte Martin Kippenberger 1994 eines seiner Eierbilder, die seine letzten Lebensjahre prägten. Auf dem Kopf stehend ist darauf ein Teil der Welt mit ihren Kontinenten dargestellt, eingesoßt in eine hässlich, unförmliche Farbmasse (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP).

Etwas freundlicher als diesen Kommentar gestaltete Alighiero Boetti 1989 seinen Wandteppich „Mappa“, auf dem die Länder in den Farben ihrer jeweiligen Flaggen erscheinen (Taxe 900.000 bis 1,2 Millionen GBP). Ihm schließt sich Jules de Balincourt 2005 mit seiner eigenwilligen, auf den Kopf gestellten Interpretation der Landkarte der USA an. Sein satirisches Gemälde „US World Studies II“ ist mit einer Schätzung von 40.000 bis 60.000 Pfund eines der günstigsten Werke der Auktion, unterschritten nur noch von Jake & Dinos Chapman böser Kinderskulptur „Fuck Face“ von 1994, die so aussieht, wie es heißt (Taxe 30.000 bis 40.000 GBP). Ein seltener Gast auf den großen Abendauktionen ist der niederländische Cobra-Künstler Karel Appel. Für sein Clownsgesicht „Le grand chef Cobra“ aus dem Jahr 1950 wird bei 400.000 bis 600.000 Pfund entsprechend ein neuer Auktionsrekord erwartet. Mit Andreas Gurskys zweiteiliger Arbeit uniformierter Menschenmassen „Pyongyang II“ von 2007 ist bei 900.000 bis 1,2 Millionen Pfund die einzige fotografische Offerte zugegen.

Positionen der klassischen Abstraktion wie Josef Albers’ „2 Grays between 2 Yellows“ von 1961 aus der berühmten Serie „Study for Homage to the Square“ (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP), Serge Poliakoffs „Composition en rouge, bleu et vert“ von 1967 (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP) oder Heinz Macks „Dynamische Struktur“ in Schwarz und Weiß aus dem Jahr 1962 für 100.000 bis 150.000 Pfund stehen auf der Tagesauktion junge Künstler gegenüber, die es in unserer Zeit, wie oben gesehen, eher mit der haptischen Gegenständlichkeiten halten: Steven Parrinos blau geraffte Leinwand „Blue Idiot“ von 1986 (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP) oder Miquel Barcelós virtuose Wiedergabe einer „Boîte de sardines“ ebenfalls von 1986 (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP). Auch die jungen deutschen Künstler schaffen erlebbare Räume wie Franz Ackermann mit seinem „Transall Delivering a Piece of My Hometown“ 2001 (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP) oder der „Neue Leipziger Schüler“ Christoph Ruckhäberle mit seinen beiden Damen als Interieur-„Arrangement“ 2004 (Taxe 10.000 bis 15.000 GBP). Eine Ausnahme bildet Mark Grotjahns an der konkreten Kunst geschultes, aber bewusst durchbrochenes „Black and Canary Yellow Butterfly 721“ von 2008 (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP).

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



24.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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