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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Impressionisten und Moderne bei Sotheby’s in etwas gedämpfter Hochform

Gedankenvoll und doch bezwingend



Edouard Manet, Portrait de Manet par lui-même, en buste (Manet à la palette), um 1878/79

Edouard Manet, Portrait de Manet par lui-même, en buste (Manet à la palette), um 1878/79

Das Erwartete ist eingetreten: Nachdem bereits der Februar die auch in und durch Krisen ungebrochene Leidenschaft der internationalen Sammler und Händler für erstklassige und unwiederholbare Werke der klassischen Kunstgeschichte offenbart hatte, bewiesen auch jetzt wieder die großen Londoner Auktionen von Impressionisten und Modernen ihre Zugkraft. Mit einem nicht reißerischen, sondern eher nachdenklichen Programm traf Sotheby’s am Dienstag den Geschmack des Publikums. Das schlug sich in einem guten Gesamtergebnis von über 112 Millionen Pfund nieder, obwohl von den 51 angebotenen Losen immerhin 16, überwiegend im niedrigeren Preissektor unveräußert blieben. Besonders stolz ist man im Auktionshaus auf die drei Zuschläge jenseits der 10-Millionen-Pfund-Grenze: Das war vorher nur auf der Sensationsauktion im Frühjahr vorgekommen, die mit dem „L’Homme qui marche“ von Alberto Giacometti ohnehin alle Rekorde gebrochen hatte.


Gedankenvoll und nachdenklich stimmte auch das Hauptlos der Auktion am 22. Juni, Edouard Manets Selbstportrait im Dreiviertelprofil, auch als „Manet à la palette“ bezeichnet, das in den letzten Lebensjahren des Künstler um 1878/79 entstanden war. Mit 20 Millionen Pfund gewährte ein anonymer Bieter die untere Schätzung und bescherte dem französischen Impressionisten einen neuen Auktionshöchstpreis. Auf unerwartete 6,8 Millionen Pfund brachte es zudem Manets „Bouquet de pivoines“ aus dem Jahr 1882, das vor allem durch die Lichteffekte der wassergefüllten Glasvase beeindrucken. 4 bis 6 Millionen Pfund hatten hier auf dem Etikett gestanden. Weniger Erfolg hatte dagegen sein impressionistischer Mitstreiter Claude Monet: Seine unkonventionelle Verknüpfung zwischen Gartenbild und Landschaftsausblick in „Fleurs à Vétheuil“ aus dem Jahr 1881 war bei 4 bis 6 Millionen Pfund einer der schmerzlichsten Rückgange.

Ein anderer Erfolgreicher der Versteigerung war André Derain. Seine farbintensiven, fauvistischen „Arbres à Collioure“ aus dem Jahr 1905, 1979 nach über 40 Jahren in einem Banksafe des berühmten Pariser Kunsthändlers Ambroise Vollard entdeckt, schossen mit 14,5 Millionen Pfund noch eine halbe Million über die obere Schätzung hinaus – neuer Auktionsrekord. Das gleiche gilt für Pierre Bonnards „Le petit déjeuner, radiateur“ aus der Zeit um 1930. Gerade das Eigenwillige, fast Ungefällige dieser aus verschiedenen Durchblicken und Schwerpunktsetzungen arrangierten Interieurkomposition, der man schwerlich sonderlich hohe Chancen zugebilligt hätte, reizte die Interessenten jedoch zu einem ungewöhnlich heftigen Gefecht. Mit einem Ergebnis von 5,5 Millionen Pfund konnte das mittelgroße Gemälde seine Schätzung etwa verdoppeln. Nicht ganz dazu reichte es bei Chaïm Soutines Hotelboy „Le valet de chambre“ aus den späten 1920er Jahren. Doch beim Zuschlag zur unteren Grenze von 7 bis 10 Millionen Pfund schaffte dieses ungeschönte, expressionistische Bildnis auch so einen beachtlichen Preis.

Sieht man von Manet einmal ab, so waren es vor allem Frauen, die dieser Auktion den nötigen Kick gaben. Begehrt waren vor allem die Kohlezeichnung „Étude pour ‚Nu Rose’“ von Henri Matisse aus dem Jahr 1935, die ihren Wert auf 5,2 Millionen Pfund mehr als verdoppelte und damit zur teuersten Papierarbeit des Meisters avancierte, sowie sein marktfrisches Ölgemälde „Odalisques jouant aux dames“ von 1928 für 10,5 Millionen Pfund (Taxe 10 bis 15 Millionen GBP). Etwas anders lag die Sache bei Pablo Picasso. Seine zu Auktionsbeginn angebotenen drei Bleistiftzeichnungen, die der Künstler von seiner damaligen Geliebten Dora Maar mal in schlafender Pose, mal fast herrisch im Profil in den späten 1930er Jahren aufnahm, gingen für bis zu 1 Million Pfund weit über den Schätzungen weg, doch später trat seine „Femme au chat assise dans un fauteuil“ von 1964 vergebens an. Das Werk aus seiner letzten Schnellmalphase lag mit 4 bis 6 Millionen Pfund doch etwas zu hoch. Picassos im September 1970 entstandene „Buste de matador“ blieb an 4,7 Millionen Pfund etwas unterhalb der Erwartungen hängen, ebenso das „Nature morte à la bougie“ von 1944 mit 2,3 Millionen Pfund, das seinen besonderen Reiz aus der farblich-gestalterischen Unentschiedenheit bezieht und damit Ausdruck seiner Zeit ist.

Weiter ging es zu Max Beckmanns querformatigem Halbakt „Frau im Bett“ mit überraschtem Gesichtsausdruck, 1932 in Frankfurt oder Paris entstanden und für 1,9 Millionen Pfund zugeschlagen (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Beckmanns merkwürdige „Begegnung in der Nacht“ aus dem Jahr 1928 verdoppelte mit 1,5 Millionen nicht nur ihren Wert, sondern wurde auch zur teuersten Zeichnung des Expressionisten auf einer Auktion. Das gleich gilt für Edvard Munch und sein nicht allzu großes Pastell „Vampir“, mit dem er die männerverschlingende Symbolgestalt der rothaarigen Frau um 1895 nicht nur in Gemäldeform niedergelegt hat. 800.000 Pfund waren dafür nötig (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP).

Überhaupt machte die Kunst aus Deutschland keine schlechte Figur auf dieser Auktion. August Mackes „Frauen im Park (mit weißem Schirm)“ und in Einklang mit der Natur aus des Künstlers vorletztem Lebensjahr 1913 landeten bei taxgerechten 1,7 Millionen Pfund, bei Lovis Corinths fulminantem Spätwerk „Walchensee, aufgehender Mond“ von 1922 reichte es bei 750.000 Pfund sogar zum Rekordpreis, obwohl noch 50.000 Pfund zur unteren Schätzung fehlten. Max Ernsts 1927 in Grattage aufgetragene schwarze Strukturen unter dem Titel „Forêt et Soleil – Coucher de Soleil“ verabschiedeten sich erst bei 950.000 Pfund (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP). Emil Noldes einsame „Sonnenblume“ aus dem Jahr 1928 scheiterte allerdings an 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund. Vielleicht war der Abstand zum letzten Auktionsauftritt vor vier Jahren einfach zu kurz.

Den Spitzenpreis der Tagesauktion am 23. Juni fing Egon Schieles aquarelliertes Bildnis der Künstlerin Silvia Koller ein. Es ist Zeugnis der beginnenden Reife des bisher so jugendlich stürmischen Schiele, indem nicht mehr die Sexualität der Dargestellten, sondern ihr geistiges Wesen im Mittelpunkt steht. 1918, als das Portrait entstand, wurde auch der Künstler dahingerafft. 580.000 Pfund waren der Preis für das Blatt (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP). Für den deutschen Markt interessant sind die soliden Ergebnisse expressionistischer Werke wie Erich Heckels „Haus des Holzschuhmachers“ von 1919 für 175.000 Pfund (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP), Hermann Max Pechsteins „Blitz in den Dünen“ ebenfalls von 1919 für 220.000 Pfund (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP) und auch die 45.000 Pfund für Jakob Steinhardts „Die Flut“ um 1912 (Taxe 50.000 bis 70.000 GBP). Auf die doppelte Schätzung schoss Georg Schrimpfs nachdenkliche Frau auf einem Sofa. Das neusachliche Aquarell um 1925 war mit 10.000 bis 15.000 Pfund ausgezeichnet und schloss mit 30.000 Pfund ab.

Überraschende 120.000 Pfund erreichte ein frühes, aus zahlreichen ovaloiden Formen komponiertes Kreideselbstportrait des Konstruktivisten László Moholy-Nagy aus der Zeit um 1919. Die Schätzung hatte nur bei 8.000 bis 12.000 Pfund gelegen. Etwas zu optimistisch waren nur die 300.000 bis 400.000 Pfund für Paula Modersohn-Beckers „Liegenden weiblichen Akt“ von 1905/06. Mit 260.000 Pfund reichte es dann doch nicht zu einem neuen Auktionsrekord für die früh verstorbene Menschenbildnerin. Max Liebermanns sommerlich heitere „Alle im Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern“ von 1923 erreichte den oberen Schätzwert von 200.000 Pfund, Paul Kleinschmidts dralle „Bardame“, die er 1932 in leckere Köstlichkeiten platzierte, taxgerechte 65.000 Pfund, ebenso Wilhelm Lehmbrucks „Kopf der Schreitenden“ von 1913/14, der als wahrscheinlicher Lebzeitenguss dennoch einen Abschlag von 80.000 bis 120.000 Pfund hinnehmen musste, und Gustav Klimts anrührende Zeichnung eines Mädchens im Profil nach links um 1915 verdoppelte ihren Wert auf 150.000 Pfund.

Der Schwerpunkt lag aber deutlich auf den Franzosen. Es gab viel Impressionistisches, etwa Pierre-Auguste Renoirs lichtvolle „Paysage à Cagnes“ um 1910 für 480.000 Pfund (Taxe 420.000 bis 480.000 GBP), oder Nachimpressionistisches wie Théo van Rysselberghes mit viel Rosé und Violett hingetupfte Ansicht von „La pointe du Rossignol (Cap Layet)“ aus dem Jahr 1905 für 520.000 Pfund (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP). Ein bemerkenswertes Stillleben des Puristen Amédée Ozenfant um 1920 spielte die untere Taxe von 250.000 Pfund ein, Paul Sérusiers ruhige Landschaft „Vallée, temps gris“ von 1907 die obere von 60.000 Pfund oder André Lhotes um 1912 fauvistisch eingefärbter Frauenakt unter dem Titel „La mélancolie“ 130.000 Pfund (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Eine gute Preissteigerung von 120.000 bis 180.000 Pfund auf 260.000 Pfund erlebte Auguste Herbins „Paysage fauve“ aus dem Jahr 1908. Das Gemälde zeigt die kraftvolle, zugleich aber ausgesprochen flächige und zur Abstraktion tendierende Farbigkeit des Künstlers auf exemplarische und eindrucksvolle Weise. Eher in Richtung Matisse geht Francis Picabias schnuckeliger Akt „Femme au bouquet“ von 1942 für 280.000 Pfund – als Vorbote kündigt er die amerikanische Pop Art bereits zwanzig Jahre vor ihrem Beginn an (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1A 2AA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84



27.06.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Gustav Klimt, Mädchenbrustbild nach links, um 1915
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Max Liebermann, Allee im Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern,
 1923
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Pierre-Auguste Renoir, Paysage à Cagnes, um 1910
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Théo van Rysselberghe, La Pointe du Rossignol (Cap Layet), 1905

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Taxe: 350.000 - 450.000 GBP

Zuschlag: 520.000,- GBP

Losnummer: 114

Gustav Klimt, Mädchenbrustbild nach links, um 1915

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Taxe: 60.000 - 80.000 GBP

Zuschlag: 150.000,- GBP

Losnummer: 120

Georg Schrimpf, Frau auf einem Sofa, um 1925

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Taxe: 10.000 - 15.000 GBP

Zuschlag: 30.000,- GBP

Losnummer: 340

Lovis Corinth, Walchensee – aufgehender Mond, 1922

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Taxe: 800.000 - 1.200.000 GBP

Zuschlag: 750.000,- GBP

Losnummer: 31

Edouard Manet, Bouquet de pivoines, 1882

Edouard Manet, Bouquet de pivoines, 1882

Taxe: 4.000.000 - 6.000.000 GBP

Zuschlag: 6.800.000,- GBP

Losnummer: 34

Paul Sérusier, Vallée – temps gris, 1907

Paul Sérusier, Vallée – temps gris, 1907

Taxe: 40.000 - 60.000 GBP

Zuschlag: 60.000,- GBP

Losnummer: 276

Egon Schiele, Bildnis der Künstlerin Silvia Koller, 1918

Egon Schiele, Bildnis der Künstlerin Silvia Koller, 1918

Taxe: 350.000 - 450.000 GBP

Zuschlag: 580.000,- GBP

Losnummer: 166

Pierre-Auguste Renoir, Paysage à Cagnes, um 1910

Pierre-Auguste Renoir, Paysage à Cagnes, um 1910

Taxe: 420.000 - 480.000 GBP

Zuschlag: 480.000,- GBP

Losnummer: 174

Max Liebermann, Allee im Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern, 1923

Max Liebermann, Allee im Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern, 1923

Taxe: 150.000 - 200.000 GBP

Zuschlag: 200.000,- GBP

Losnummer: 170

August Macke, Frauen im Park (mit weißem Schirm), 1913

August Macke, Frauen im Park (mit weißem Schirm), 1913

Taxe: 1.600.000 - 2.500.000 GBP

Zuschlag: 1.700.000,- GBP

Losnummer: 19




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