Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 13.10.2010 Alte Meister 131010

© Dorotheum

Anzeige

Baumallee im Winter / Friedel Anderson

Baumallee im Winter / Friedel Anderson
© Kunsthandel Hubertus Hoffschild


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Gegenwartskunst bei Lempertz in Köln mit der Sammlung Vogel als Höhepunkt

Launige Nägel



Wie sehr der mittlerweile achtzigjährige, nichtsdestominder noch immer agile ZERO-Künstler Günther Uecker während dieses Frühjahrs national wie international im Trend lag, ließ sich anhand vieler Auktionen feststellen. Mehrere Millionen Euro haben seine Werke zusammengerechnet in Berlin, London, Wien oder München eingestrichen. Auch Lempertz profitierte von diesem Boom einer unverwechselbaren künstlerischen Haltung. Zwei Nagelungen der mittleren Schaffensjahre brachte der Kölner Versteigerer auf seiner Gegenwartsauktion heraus. Nach den guten Erfahrungen waren die Ansprüche bei bis zu 150.000 Euro nicht gerade gering formuliert, doch fiel es weder einer regelgerechten „Spirale“ von 1969 noch einer etwas freier, fast launiger gestalteten „Weißen Spirale“ aus dem Jahr 1986 schwer, diese Erwartungen zu erfüllen: Letztere landete bei 130.000 Euro gut im Rahmen der Schätzung, erstere, mit 100.000 bis 120.000 Euro etwas bescheidener angesetzt, kletterte mit 145.000 Euro noch leicht über die ihrige hinaus. Gedankt war es einer großen Schar von Interessenten, die so international war wie die Orte, an denen sich die Werke des Künstlers heuer tummelten. Ein Schweizer Sammler setzte sich schließlich durch.


Zum Spitzenstück des 2. Juni avancierte indes ein Italiener: Alighiero Boettis aufwändige Kugelschreiberzeichnung „Le infinite possibilità di esistere“ konnte allein angesichts ihrer Monumentalität von fast drei Metern Breite auf eine große Anzahl Freunde rechnen. 100.000 bis 150.000 Euro waren veranschlagt, ein Italiener zahlte am Schluss 220.000 Euro. Auf Platz zwei landete, etwas unterhalb der Schätzung, Niki de Saint Phalles bunte Plastikfigur der indischen Gottheit „Ganesha“ mit ihrem Elefantenrüssel aus dem Jahr 1998 für 180.000 Euro. Unveräußert blieben dagegen ein unspektakulärer „Ski-Mountain“ Peter Doigs von 1995 für 100.000 bis 150.000 Euro sowie Gerhard Richters „Abstraktes Bild“ Nummer 825-3 von 1995, mit 250.000 bis 300.000 Euro der eigentliche Favorit der Auktion. Bei angemessenen und marktgerechten 76.000 Euro schloss Joseph Beuys’ frühe Bronze einer Pietà um 1952 ab. Ernst Wilhelm Nays nicht ganz charakteristisches „Räderbild“ von 1958 verabschiedete sich erst im Nachverkauf zur unteren Schätzung von 100.000 Euro.

Das Verhältnis von verkauften zu nichtverkauften Werken, das sich in einer losbezogenen Zuschlagsquote von rund 62 Prozent, mit dem Nachverkauf von rund 72 Prozent widerspiegelte, prägte auch das preisliche Mittelfeld. Gute Ergebnisse erzielten charakteristische Arbeiten klassischer Positionen wie Konrad Klaphecks „Rivalen“ von 1963 für 34.000 Euro (Taxe 28.000 EUR), Emil Schumachers breites aufgerissenes Tastobjekt „Melas“ von 1966 für 30.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), Ben Nicholsons zartes Gefäßstillleben „May 64 (Valle maggia)“ für 29.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), Heinz Macks serielle Aluminiumreihung „Licht-Regen-Relief“ von 1958 zur oberen Schätzung von 30.000 Euro, Ulrich Rückriems minimalistische Stele aus Anröchter Dolomit für 22.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) oder Rupprecht Geigers wunderbar leuchtendes Blau der Werknummer „399/63“ für 45.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und sein fünf Jahre jüngeres Rosa-Rot „511/68“ für 32.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Dem stand eine geringere Anzahl Rückläufer gegenüber, darunter Stephan Balkenhols schmale Holzplastik eines stehenden Otto Normalverbrauchers von 1993 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR), Bernhard Martins etwas gesuchte „Egalstation“ von 2008 (Taxe 60.000 EUR) und eine unbetitelte Abstraktion Albert Oehlens von 1982 für 90.000 bis 100.000 Euro.

Gelegentlich stiegen aus den preislichen Niederungen Einige herauf, so Peter Brünings quirlige Kartografie „Komposition Nr. 1/66 (Überlagerung einer Küstenlandschaft)“ von 25.000 Euro auf 44.000 Euro, am heftigsten aber eine Brandstelle Otto Pienes. Werke dieser Art des Meisters rangieren sonst bei einigen Tausend Euro. Für die jetzt angebotene, recht großformatige und dazu noch frühe Leinwand aus dem Jahr 1961, bei der der kreisrunde atmosphärische Rußfleck genau in der Mitte sitzt, bezahlte ein belgischer Händler jedoch stolze 104.000 Euro. Hier standen nur 7.000 bis 9.000 Euro auf dem Etikett. Erfreulich waren auch einige Zuschläge zugunsten der jüngeren Szene wie 23.000 Euro für André Butzers unbetiteltes groteskes Männchen im Jonathan Meese-Stil von 2006 (Taxe 15.000 EUR) oder 28.000 Euro für eine Gruppe junger phlegmatischer Menschen an einem Lagerfeuer im Vorstadtpark, das Duo Markus Muntean und Adi Rosenblum 2006 realistisch und mit klassischen Posen in Öl auf Leinwand gemalt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Bei Rosemarie Trockel fanden fünf der sechs Arbeiten einen Käufer, so ihre grüne Tapisserie „Made in Western Germany“ von 1991 bei 20.000 Euro oder ihre Malerei mit dem abgeschlagenen Kopf eines Mannes von 1982 für 12.000 Euro, jeweils zur oberen Schätzung. Taxgerecht kamen etwa auch Thaddeus Strodes Totenschädelanhäufung „Pop Song 9: Dead Man’s Curve“ bei 4.000 Euro, Michael van Ofens schemenhafte Kriegsschiffe auf monochromen blauviolettem Meer von 1985 bei 5.000 Euro, Christian Hahns behelmter Wachmann im Kampf gegen überdimensionierte „Schwärmer“ bei 5.500 Euro, Slawomir Elsners aus dem Weltall gesehene, blaue „Erde“ von 2004 bei 5.000 Euro, Marlene Dumas’ Aquarell affenartiger nackter Männer unter dem Titel „Wrong Theory“ von 1989 bei 6.500 Euro, Feng Zhengjies quadratische Leinwand mit dem Ausschnitt eines weiblichen Gesichts aus den „Chinese Portrait Series“ bei 20.000 Euro oder Franz Wests Kunststoff- und Metallskulptur „Hauszeichen“ um 1980/85 bei 19.000 Euro.

Die zeitgenössische Fotokunst, die Lempertz seit einigen Jahren aus der Auktion „Photographie“ herausgelöst hat und mit der „Zeitgenössischen Kunst“ versteigert, vertrat Axel Hütte mit seinem malerischen Waldlandschaftspanorama „Bussaco, Portugal“ im Morgennebel 1999 erfolgreich bei 18.000 Euro (Taxe 12.000 EUR). Griechischer Handel übernahm bei 26.000 Euro Hiroshi Sugimotos stillen Meeresblick „Mediterranean Sea, Crete“ von 1990 (Taxe 25.000 EUR). Diesen höheren Preisen schlossen sich im vierstelligen Bereich etwa Nobuyoshi Arakis Sadomasofantasie aus der Serie „Bondage“ für 5.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), William Egglestons Karikatur amerikanischer Vorstadtidyllen von 1973 für 3.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), Shirin Neshats eindrückliche Selbstdarstellung iranischer Frauenwelten in „Face to Face with God“ von 1995 für 6.500 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) oder Lucas Samaras’ eigenartig verzerrte Gestalten aus der Serie „Photo-Transformationen“ für jeweils 2.400 Euro an (Taxe je 3.000 bis 4.000 EUR).

Sammlung Carl Vogel

Regen Zulauf fand bereits am 1. Juni zuvor ein weiterer Erguss aus der schier unversieglichen Quelle der Sammlung des Hamburger Kunsthochschulpädagogen Carl Vogel. Die 201 Papierarbeiten, Grafiken, Multiples, Fotografien und kleinen Skulpturen wurden bis auf sieben Positionen ausnahmslos übernommen und bestätigten Vogels Kennerblick sowie seine ausgedehnte Sammeltätigkeit, die sich nicht nur an den Mainstream hielt, sondern ihn auch mitgestaltete. Zudem machte die Kollektion deutlich, dass auch vermeintlich zweitrangige grafische Arbeiten in Auflagen bei der zeitgenössischen Kunst ihre eigenen Qualitäten haben und hohe Preise erzielen können. Mit einem Umsatz von gut 4 Millionen Euro spielte nach Angaben von Lempertz die Sammlung Vogel fast das Dreifache der Schätzungen ein und trug einen Löwenanteil zur erfolgreichen Frühjahrsbilanz des Auktionshauses bei.

Heiß begehrt war schon eine Serie von Fotografien Bernd und Hilla Bechers. Die zur Vierergruppen zusammengestellten Industriearchitekturen gingen für bis zu 68.000 Euro weit über den Schätzungen weg. Joseph Beuys trat mit einer weiteren frühen Arbeit, diesmal als „Braunraum Maschinerie“ 1962 in Öl auf Papier fixiert, auf und räumte mit 150.000 Euro das Dreifache der unteren Schätzung ab. Ähnlich die Rendite für seine kleine abstrakte Zeichnung der gleichen Werkphase „Im Schlittenhaus“ von 1959 für 56.000 Euro, und durch die 220.000 Euro aus der Hand eines deutschen Sammlers für eines von immerhin fünfzig Exemplaren seines echten „Schlitten“ von 1969 wurde er sogar mit dem Hauptlos der Hauptauktion gleichgestellt (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Andy Warhol war mit seiner „Marilyn“ von 1967 in mittelgroßer Ausführung zugegen, die Londoner Handel auf 110.000 Euro trieb (Taxe 30.000 EUR). 23.000 Euro sprangen für seine frühen „Flowers“ von 1964 heraus (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und 17.000 Euro für den grauschwarzen Siebdruck „Jaqueline Kennedy III“ von 1966 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Mehr als erwartet spielten auch die feinen ironischen Arbeiten Dieter Roths ein. Sein in Schokolade eingegossener „Großer Gartenzwerg“ beispielsweise machte sich erst bei 40.000 Euro in die Schweiz davon (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Seine aus zerkleinerten Büchern in Wurstpelle gekochte „Literaturwurst“ von 1968/70 übernahm als eines von 50 Exemplaren ein New Yorker Sammler dann bei 30.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Ein in acht Exemplaren aufgelegter Siebdruck Gerhard Richters, „Hund“ von 1965 in fotorealistischem Schwarzweiß und mit Bezug auf Hilters „Blondi“, schoss von 20.000 bis 30.000 Euro auf 180.000 Euro. Ein deutscher Kunsthändler bewilligte den bisher höchsten Preis für eine grafische Arbeit des Malerfürsten. 42.000 Euro waren es für Richters manuelle Vorarbeit zur Seriegrafie „Farbfelder 1260 Farben in 6 Anordnungen“ nebst einem ausgeführtem Exemplar (Taxe 5.000 EUR).

Sigmar Polke, den wenige Tage später verstorbenen „Alchemisten der Malerei“, ehrten die Sammler und Händler ebenfalls mit einer Reihe hoher Zuschläge auch für die Zeichnungen und experimentellen Fotografien, aus denen eine unbetitelte Mischtechnik von 1988 in der charakteristischen Kombination aus Rasterbild, Farbabstraktion und bildhafter Landschaftsstudie für 95.000 Euro herausragt (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Gar nicht soweit entfernt positionierten sich bei 76.000 Euro die vier humorvollen Gelatinesilberabzüge aus der Serie „Meißenkanne“ im Wasserbad, die New Yorker Kunsthandel bewilligte (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Schöne Steigerungen gab es auch bei kleinen Preisen, so bei den Kartonskulpturen Erwin Heerichs auf bis zu 3.600 Euro (Taxen je 2.000 EUR), Gotthard Graubners kleinem Kissenbild in hellem Blau von 1963 auf 20.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) oder Franz Erhard Walthers mit Papier versiegeltem Karton von 1963 auf 11.000 Euro (Taxe 2.000 EUR).

Nochmals fast sechshundert weitere Arbeiten aus der Sammlung Vogel meist zu Schätzpreisen von einigen hundert Euros standen am 1. Juni bei Venator & Hanstein zum Kauf. Gingen die Kunden hier zwar selektiver an das Angebot heran, lag die Zuschlagsquote dennoch bei überaus guten 76,5 Prozent. Oft wurden die Taxen überboten, was hier einer Steigerung der Schätzpreissumme um 50 Prozent auf 822.000 Euro entsprach. Schon das erste Los, Josef Albers’ 1965 erschienene Mappe „Die Oberfläche“ mit seinen charakteristischen Quadraten, zog von 2.400 Euro auf 6.000 Euro an. Spitzenreiter wurden die künstlerischen Variationen Dieter Roths zum Piccadilly Circus in London von 1969/70. 31.000 Euro spielte die 150 Mal erschienene, vollständige Mappe „6 Piccadillies“ mit ihren sechs Drucken ein (Taxe 10.000 EUR).

Eine noch höhere Steigungsrate vollführte Richard Hamiltons ironisches Multiple „The critic laughs“ von 1968/71. Das Kunststoffgebiss auf einer elektrischen Zahnbürste schoss von 2.000 Euro auf 21.500 Euro. Sigmar Polkes Offsetdruck „Freundinnen“ aus Rasterpunkten von 1967 kam auf 12.000 Euro, Roy Lichtensteins Farbserigrafie „Brushstrokes“ aus eben diesem Jahr auf 10.000 Euro (Taxe je 5.000 EUR) und Marcel Duchamps’ sechs bunte „Rotoreliefs“ von 1935 auf 11.500 Euro (Taxe 3.000 EUR). Dass Carl Vogel darüber hinaus die moderne Grafik schätzte, machten etwa Max Klingers symbolistische Radiermappe „Ein Leben Opus VIII“ von 1884 für 3.100 Euro (Taxe 3.000 EUR), Moriz Jungs vom Jugendstil inspiriertes „Tieralphabet“ in acht Farbholzschnitten von 1906 für 3.200 Euro (Taxe 2.000 EUR) oder Carl Kreneks acht schwarzweiße Holzschnitte „Die vier Jahreszeiten“ von 1906 für 1.900 Euro deutlich (Taxe 1.800 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



27.07.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


01.06.2010, Sammlung Vogel - Zeitgenössische Graphik

Veranstaltung vom:


01.06.2010, Sammlung Vogel - Zeitgenössische Kunst

Veranstaltung vom:


02.06.2010, Zeitgenössische Kunst

Bei:


Kunsthaus Lempertz

Bericht:


Müßiggang ist aller Künste Anfang









Copyright © '99-'2010
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

Oelbilder vom FotoFreimaurer in Krefeld, Johannisloge EOS  Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce Art Cologne 2010 Katalog Weinhandel Falstaff Frankreich Italien Spectator The Wine Advocat