Säen und jäten in Bietigheim-Bissingen  |  | Helmut Stallaerts, Es spukt, 2005 | |
Seit dem Wochenende nimmt die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen in der Ausstellung „Säen und Ernten“ die Volkskultur in der zeitgenössischen Kunst unter die Lupe. Dazu präsentiert sie Arbeiten von 23 Künstlern und deren Vorstellungen von einem Phänomen, das mal Höhen und mal Tiefen erlebt, auch unter dem Eindruck der Globalisierung nie ganz verschwindet, ja gerade jetzt sogar einen neuen Aufschwung zu erleben scheint: Ausgebuchte Jodelkurse, steigende Dirndlquoten, Fernsehshows wie „Bauer sucht Frau“ oder nicht zuletzt die stets zunehmende Frequenz von Volksfesten wie dem Münchner Oktoberfest lassen die vermehrte Nachfrage nach Mustern der Identifikation und des festen Halts in einer offenbar mehr und mehr egalisierten Welt vermuten. Größen der Gegenwartskunst wie Andreas Slominski, Anselm Reyle oder Gert und Uwe Tobias stehen neben eher unbekannten Künstler wie Monika Nuber, Britta Jonas, Michael Munding, Gabriela Oberkofler oder Kristof Georgen.
Reyles „Pflug“ von 2007 ist beispielsweise ein Kommentar auf die Veredelung historischer Arbeitsinstrumente durch die museologische Erschließung, zugleich jedoch auf ihre Unbrauchbarkeit, die unweigerlich damit einhergeht. Gelegentlich geht es witzig zu wie bei Helmut Stallaerts zotteligem Urviech mit Hirschgeweih „Es spukt“, das sich 2005 in den Aufzug einer modernen Hochhausarchitektur verirrt hat, gelegentlich wird auch ein Rückblick auf den Urzustand aller menschlichen Kultur gewagt, der darauf aufmerksam macht, dass sich alle künstlerische Tätigkeit einem innewohnenden menschlichen Bedürfnis verdankt und erst im zweiten Schritt einen individuellen Ausdruck annimmt. Entlehnt ist der Titel der Ausstellung dem bekannten Werk Joseph Beuys’, der die Volkskultur seinerseits als Träger einer „ursprünglichen Ausdruckskraft“ bezeichnete und unter seinem Credo der Allgegenwart von Kunst naturgemäß auch das Volkstümliche begreifen musste.
Die Ausstellung „Säen und Jäten. Volkskultur in der zeitgenössischen Kunst“ läuft bis zum 10. Oktober. Die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen hat dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und an den Wochenenden von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Der Katalog kostet 24 Euro.
Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen
Hauptstraße 60-64
D-74321 Bietigheim-Bissingen
Telefon: +49 (0)7142 – 74 483
Telefax: +49 (0)7142 – 74 446 |