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Doppelschau in Berlin und Nürnberg unter dem Zeichen der Burg

Jakob Götzenberger, Burg Windeck, Mitte 19. Jahrhundert

Wer neigt während der Sommerferien nicht dazu, im Rahmen von Burgenbesichtigungen kindliche Vorlieben zu befriedigen? Heuer ergibt sich begünstigt durch perfektes Timing zudem die Chance, neben realen Objekten auch die bislang größte Ausstellung zum Thema Burgen zu besuchen. Das Ausstellungsduo in Nürnberg und Berlin widmet sich mit neuesten Forschungsergebnissen unterschiedlichsten Aspekten dieser faszinierenden architektonischen Erscheinung. In Blickweite der Nürnberger Kaiserburg führt das Germanische Nationalmuseum am Beispiel von rund 650 Exponaten die Kulturgeschichte der Burg von ihren Anfängen im beginnenden Mittelalter bis zur Gegenwart vor Augen. Modelle und originale Bauteile verdeutlichen einzelne Typen des befestigten Aufenthaltsortes als Symbiose von Ästhetik, Technik und Landmarke.

In acht Segmenten wird die mythologische Rezeption des Schutz-, Herrschafts- sowie historisch-dynastischen Identifikationsortes in Kunst und Literatur am Beispiel von Handschriften oder kunstgewerblichen Objekten betont. Der Besucher begegnet dem Götzen von Berlichingen, der Gralsburg im „Parzival“ oder der sagenhaften Tafelrunde von König Artus. Erlesene Kunstschätze wie das um 1350 datierte Ritteraquamanile aus dem New Yorker Metropolitan Museum, die Weltchronik des Rudolf von Ems aus der Zeit um 1300 aus der Kantonsbibliothek von St. Gallen bis hin zum längsten Rheinpanorama der Welt mit zahlreichen Burgen aus dem Jahr 1833 sind hier versammelt. Die bereits im Mittelalter begonnene sinnbildliche Verklärung der Burg lässt den Bautyp auch nach Aufkommen schwerer Feuerwaffen um 1500 in der Form teils grandioser Fantasie- und Wiederaufbauten weiterleben. Die Löwenburg in Kassel-Wilhelmshöhe, Schloss Stolzenfels am Rhein oder Schloss Neuschwanstein von Ludwig II. samt seiner Nachbildungen bei Walt Disney sind hierfür herausragende Beispiele wie negativ besetzt die „Ordensburgen“ als Tarnung für Schulungszentren des Dritten Reichs.

Die Burg als Zentrum politischer und wirtschaftlicher Macht steht naheliegender Weise im Deutschen Historischen Museum in Berlin im Mittelpunkt. Die Funktionen der Burg als stark von Gegensätzen geprägter Ort höfischen Lebens zwischen Verteidigung, Kapelle und Stube, ihre Bewohner, ihre militärischen Aufgaben sowie Verwaltungsaufgaben kommen hier auf über 1.000 Quadratmetern zur Sprache.

Die Ausstellung „Mythos Burg“ im Germanischen Nationalmuseum ist noch bis zum 7. November, der unter dem Titel „Burg und Herrschaft“ ausgerichtete Teil im Deutschen Historischen Museum noch bis zum 24. Oktober zu besichtigen. In Nürnberg ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet, in Berlin täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt in Nürnberg 8 Euro, ermäßigt 5 Euro, in Berlin 5 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben hier freien Zugang. Zu beiden Ausstellungsteilen sind Kataloge erschienen. Der Nürnberger kostet 25 Euro, der Berliner 20 Euro. Zusätzlich ist noch ein Tagungsband für 25 Euro erhältlich.

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
D-90402 Nürnberg

Telefon: +49 (0)911 – 13 31 0
Telefax: +49 (0)911 – 13 31 200

Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
D-10117 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 20 30 40
Telefax: +49 (0)30 – 20 30 45 43

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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