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Das Rheinland ehrt den bedeutenden Glasmaler Hubert Spierling zu seinem 85sten Geburtstag mit Ausstellungen und einer Publikation

Meister ästhetischer Balanceakte



Glasmalerei – das bedeutet wahrlich keine leichte, schnelle Kost. Handwerkliches Können, Beherrschung spezieller Techniken, sicherer Blick, Gespür für Farbe, Raumwirkung und Licht sind neben ausgeprägter Schöpferkraft unabdingbare Voraussetzungen. Berichte mittelalterlicher Kathedralbauten erwähnen den Zusammenbruch großer Fenster, weil das Gewicht der Bleistege falsch berechnet wurde. So nimmt es auch nicht Wunder, dass nur wenige dieses Metier virtuos beherrschen. Hubert Spierling ist einer von ihnen. In der Geschichte der deutschen Glasmalerei nach dem Zweiten Weltkrieg besitzt sein Œuvre Gewicht. Mit seinem Werkschaffen trat der seit Jahrzehnten am Niederrhein lebende Sauerländer in die Nachfolge des überragenden Georg Meistermann sowie des als Lehrer und Künstler ebenfalls in der Rhein-Ruhr-Region beheimateten großen Erneuerers der Glaskunst, Jan Thorn Prikker.


Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind Hubert Spierlings Glasfenster für sakrale Bauten im nördlichen Rheinland, im Ruhrgebiet sowie im östlichen Westfalen geschaffen. Unter den 182 Nennungen des Werkverzeichnisses verbergen sich rund 1500 einzelne Fensterkompositionen, darunter solche für berühmte Kirchen wie den Dom zu Limburg oder der Abteikirche Maria Laach. Spierling schuf Verglasungen für Bauten bedeutender Architekten wie Gottfried Böhm, Hans Schilling, Hans Schwippert, Emil Steffann.

Zur Welt kam Hubert Spierling 1925 im heute einen Stadtteil von Menden bildenden Ort Bösperde vor den Toren Dortmunds. Nach dem Schulabschluss 1941 studierte er zunächst angewandte Malerei an der Meisterschule des deutschen Hanswerks in Hamburg, von der er an die Meisterschule des gestaltenden Handwerks nach Dortmund wechselte. Nach Reichsarbeits- und Kriegsdienst setzte er 1946 seine Studien an der Werkkunstschule Düsseldorf bis zum Abschluss 1946 in „angewandter Malerei“ fort. Eine zweite staatliche Prüfung legte Spierling 1954 in der Fachrichtung Glasmalerei und Mosaik ab. Diese Zweige studierte er in einem weiteren Ausbildungsgang an der Krefelder Werkkunstschule, wo er als Meisterschüler von Professor Gustav Fünders ein eigenes Hochschulatelier besitzt. Seitdem abreitet der Künstler freischaffend vornehmlich auf dem Sektor der Glasmalerei. Weitere Schaffensgebiete stellen die freie Malerei, Wandmalerei, Mosaikkunst und die Paramentik dar.

Führt man sich das Spektrum seiner architekturgebundenen Arbeiten von kleinen Vorhängescheiben bis hin zu raumhohen Glaswänden, von ersten, noch als Student 1949 für die Kirche St. Elisabeth im sauerländischen Benolpe ausgeführten Rundfenster bis hin zu den Fenstern in St. Mariä Geburt in Mülheim an der Ruhr aus dem Jahr 2010 vor Augen, entdeckt man in Spierlings Werk stets den Geist der Zeit. Gleichzeitig aber geben sich eigene Varianten und Neigungen im schwierigen Spannungsfeld zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion zu erkennen. Sofort wird klar: Eine innere Verwandtschaft zur funktionalistischen Ideenwelt des Bauhauses hat Spierling nie gefunden. Leise, bestimmt, unbeirrt kämpft er über Jahrzehnte auf seine Weise gegen die „Härte“ der Architektur mit dem Konzept eines „symbolischen Fensters“, das sich in latenter Dinghaftigkeit einer ungegenständlichen Kunst als tragfähig erweisen sollte.

In den 1950er Jahren, einer Zeit gravierender Zwänge seitens der kirchlichen Auftraggeber, entwirft Hubert Spierling zahlreiche Figurenfenster. Sie stehen in der Tradition 1920er Jahre mit intensiver Farbigkeit und dramatischer, splittriger Linienführung. Organische, tütenförmige, netzartige Strukturen nehmen neben abgedunkelten Erdfarben schon bald die Charakteristik der 1950er Jahre auf. Es sind meist Ornamentfenster mit seriellem Flächendekor. Gegen deren Strenge versucht Spierling mit kreisenden Geometrien anzugehen; denn die Abneigung gegenüber jeglichen Schematismus durchzieht sein gesamtes Œuvre. Spierling neigt dann zu asymmetrischen, freien, abstrakten Kompositionen, über die er zu dynamischen Varianten mit partiell kleinteiligem wie dichtem Aufbau gelangt. Zugunsten von Farbflächen lockert er dann die linearen Strukturen der Bleirisse. So erkämpft er sich eine individuelle autonome Haltung zwischen Thema, Botschaft, Gegen- oder Ungegenständlichkeit.

Spierlings wird Handschrift mit der Zeit raumbeherrschender. Als bewussten Kontrast zur Architektur inszeniert er ein formales Eigenleben der Glasmalerei. Es ist immer ein Widerhall des Baus, ungefällig, geradlinig, spontan. Hinzu kommen Ende der 1950er Jahre moderne Kirchenbauten mit ungewöhnlichen Zuschnitten von Fenstern und Öffnungen. Diese neuen Rahmenbedingungen erfordern Reaktionen insbesondere hinsichtlich der Dosierung und Führung des Lichtes. Von 1958 bis 1970 wird auch Spierling mit der Ausführung von Glasmalereien in der Betonglastechnik betraut, die heute als historisches Phänomen keine Rolle mehr spielt. Seine 1966 geschaffenen Betonglaswände in der Paderborner Kirche St. Kilian mit ihren typischen Hell-Dunkel-Effekten werden zu den herausragenden künstlerischen Leistungen dieser Technik gezählt.

Beiläufig werden Spierlings Glasarbeiten kompositorisch immer zwangsloser, dynamischer, sind gerade noch lesbar. Halb abstrakt, halb gegenständlich berührt er die erzählerische Oberfläche biblischer Stoffe. Die vorspringende, bebende, brechende Linie, der teils bis zum Reißen gespannte, dennoch locker-spontan wirkende Bleistock wird zur Signatur von Spierlings Personalstil. Seine Figuren erscheinen reduziert in der Form skizzenhaft lockerer Strichzeichnungen vor dem Hintergrund farblicher Askese aus variierten Grisailletönen. Erst in den 1980er Jahren belebt sich die Farbigkeit, was mit einer Rückwendung zu Gegenstand im postmodernen Zeitalter einhergeht. In den letzten Jahren lichtet sich der Bleiriss wieder, der sich in der mittleren Schaffensphase zuweilen stark verdichtete. Dies geschieht zugunsten einer Monochromie, wie beispielsweise die neuen Fenster in der Krefeld-Hülser Pfarrkirche St. Cyriakus zu erkennen geben. Eindrucksvoll behaupten sich hier die Scheiben in ihrer schroffen Sprödigkeit gegenüber der farbigen neugotischen Architektur sowie anderen Fenstern aus unterschiedlichen Epochen.

Die Kraft- und Zeitbeanspruchung für die Glasmalerei drängen weitere Arbeitsgebiete bei Spierling in den Hintergrund. Im Schatten der überragenden Gruppe der Glasarbeiten stehen Spierlings Acrylgemälde, deren Verbindung von Strenge und Spielerischem, klaren Strukturen und freiem Fluss der Malerei des Informel nahe steht. Von Bedeutung sind neben einigen Wandbildern und Mosaiken vor allem noch Spierlings Entwürfe von Paramenten.

Die Glasbilder Hubert Spierlings stehen derzeit im Mittelpunkt zweier Ausstellungen. Im Ausstellungsraum des Vereins Kunst und Krefeld e.V. zeigt eine umfangreichere Schau noch bis zum 12. September Glasbilder und Gemälde. Vom 25. September bis zum 23. Januar 2011 präsentiert das Deutsche Glasmalerei-Museum in Linnich eine große Retrospektive Hubert Spierlings. Zu beiden Ausstellungen ist im Paderborner Schöningh Verlag ein umfangreiches Begleitbuch erschienen. Exzellent formulierte sowie instruktive Texte exquisiter Kenner der Glasmalerei samt Werkverzeichnis vermitteln neben glanzvollen Abbildungen ein umfassendes Bild zu allen Sparten und Aspekten von Spierlings Kunst. Doch um sich von der eindrucksvollen Aura der Glasfenster selbst gefangen nehmen zu lassen, bleibt nur der Besuch vor Ort.

Hubert Spierling. Malerei + Glasmalerei. Herausgegeben im Auftrag des Christlichen Bildungswerkes „Die Hegge“ von Holger Brülls, Dorothee Mann und Anna Ulrich. Schöningh Verlag Paderborn, Ladenpreis 39,90 Euro.

www.kunstundkrefeld.de
www.glasmalerei-museum.de



02.09.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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