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Lotte Laserstein für die Berliner Nationalgalerie

Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930

Immer noch tauchen Künstler der Klassischen Moderne auf, die durch Nazi-Herrschaft und Zweiten Weltkrieg aus dem allgemeinen Gedächtnis verschwunden sind. Zu dieser „verschollenen Generation“ gehört auch Lotte Laserstein, die 2003 in einer Retrospektive des Ephraim-Palais’ in Berlin ihre Wiederentdeckung feiern konnte. Geboren 1898 Preußisch Holland in Ostpreußen, trat die Jüdin in der Weimarer Republik eine weithin beachtete Karriere mit einem realistischen Werk an, das der Neuen Sachlichkeit nahe steht, aber weder deren unterkühlte Glätte noch die gesellschaftskritische Überzeichnung jener Jahre übernimmt. Doch der „glanzvolle Aufstieg“, mit dem das Berliner Tageblatt Ende der 1920er Jahre ihren Weg nachzeichnete, endete mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. 1937 zur Emigration gezwungen, lebte Lotte Laserstein fortan in Schweden und starb dort hochbetagt mit 94 Jahren im südschwedischen Kalmar. Wegen der schrecklichen Erinnerungen, die sie mit Deutschland verband, kehrte sie niemals mehr in ihre Heimat zurück.

Kein Wunder also, dass sich in deutschen Museen bisher nur drei Werke der jüdischen Künstlerin befanden. Das ändert sich nun. Die Neue Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin erhält nun Lasersteins Hauptwerk „Abend über Potsdam“ von 1930. Das monumentale Werk, das auf Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“ zurückgreift und es zu einer säkularen Tischgesellschaft auf einer Terrasse über den Dächern der Stadt umformuliert, konnte mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, die den Erwerb initiiert hat, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie des Kunsthändlers Wolfgang Wittrock für das Berliner Haus angekauft werden.

Der „Abend über Potsdam“ entstand nach zahlreichen Porträtdarstellungen, die Lotte Laserstein Ende der 1920er Jahre oft in spezifisch modernen Kontexten wie Motorradfahren oder Tennisspielen schuf. Auf einer Dachterrasse geht der Blick weit über die topographisch genaue Ansicht der Stadt Potsdam. An einem Tisch versammeln sich, in ahnungsvoller Melancholie versunken, fünf Personen, ein Schäferhund liegt ermattet unter dem Tisch. Visionär komponiert Laserstein mit Blick auf die zeitpolitische Situation ein Stimmungs- und Schlüsselbild der Weimarer Republik am Vorabend des Nationalsozialismus. Die bewegten 1920er Jahre sind vorüber, orientierungslos und desillusioniert warten die jungen Menschen auf die Dämmerung.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930
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