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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Alte Meister im Wiener Dorotheum

Horror vacui und zu früher Impressionismus



Jan Sanders van Hemessen Werkstatt, Der verlorene Sohn im Wirtshaus bei den Dirnen

Jan Sanders van Hemessen Werkstatt, Der verlorene Sohn im Wirtshaus bei den Dirnen

Über hundert Gemälde hat das Wiener Auktionshaus Dorotheum für seine große Abendversteigerung Alter Meister am 13. Oktober zusammengestellt. Hier dürften weit höhere Zuschläge zu erwarten sein als bei den Neueren Meistern, die bereits einen Tag zuvor über die Bühne gehen. Nicht weniger als ein Dutzend sechsstellige Schätzpreise listet der Katalog, und bei kaum einem der Gemälde dürften trotz wählerischer Haltung der Altmeisterkundschaft Zweifel gerechtfertigt sein, dass sie auch erreicht werden. Von großer Prägnanz ist beispielsweise eine Holztafel mit der Darstellung des Verlorenen Sohnes bei den Dirnen aus der Werkstatt des Altniederländers Jan Sanders van Hemessen. Der Mann wird gerade von zwei Damen bezirzt, einer hässlichen Alten mit Weinkrug und einer schönen Jungen, doch scheint er bereits den reuevollen Kampf der inneren Wandlung durchzumachen, der ihn schließlich zu seinem vergebenden Vater zurückführen wird. 120.000 bis 150.000 Euro soll die mit einem ähnlichen Exemplar in der Kunsthalle Karlsruhe vergleichbare Szene kosten.


Das Hauptlos aber ist Giovanni Francesco Barbieris Bildpaar „David und Abigail“ und „König David übergibt einen Brief an Uriah“. Freilich hat der hohe Schätzpreis von 300.000 bis 400.000 Euro mindestens zwei Haken: Zum einen sind die Werke, die die handelnden Personen vor kleinen Landschaftsausschnitte deutlich ins Zentrum rücken, nicht mehr im besten Originalzustand, zum anderen ist die Zuschreibung als eigenhändige Werke des 1666 gestorbenen Bolognesen, der auch Il Guercino gerufen wird, durchaus nicht gesichert. Zuletzt hat sie der Renaissance- und Barockexperte Nicholas Turner in einem Gutachten verfochten. Bei zwei galanten Schäferszenen, die „en camaieu“, das heißt monochrom mit mehreren Tönungen einer einzigen, hier rötlichen Farbe, in den Goldrahmen prangen, ist man derzeit noch vorsichtiger. Sie werden fraglos lediglich als Werkstattkopien nach Originalen des großen französischen Rokokomalers François Boucher klassifiziert, sollen aber trotzdem 120.000 bis 160.000 Euro kosten. In den neuen Werkkatalog des römischen Barockklassizisten Carlo Maratta wird Stella Rudolph eine „Venus und Cupido“ aufnehmen. Von dem Thema existieren noch zwei weitere Versionen, davon eine im Schloss Schleißheim (Taxe 170.000 bis 190.000 EUR).

Auch eines der ältesten Werke der Auktion trägt einen sechsstelligen Schätzpreis: 120.000 bis 140.000 Euro soll eine spätgotische Madonna mit Heiligen vielleicht aus der Hand des Florentiner Meisters Lippo d’Andrea kosten. Unter den Stillleben ist besonders eine Ansammlung von Gläsern samt einer Vase mit Blumenstrauß aus der Hand Georg Flegels zu nennen. Das Gemälde war 1993 auf der großen Flegel-Ausstellung in der Frankfurter Schirn zu bewundern und gehört zu den bedeutendsten Werken des Meisters (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Giovanni Andrea Sirani dürfte der Schöpfer einer lesenden Sybille sein, die ihr Haupt gedankenvoll auf ihren rechten Arm stützt. Eine ähnliche Fassung im Kunsthistorischen Museum Wien mit fast identischen Maßen galt ehedem als ein Werk Guido Renis (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Reni selbst ist auch zugegen mit einer seiner heiligen Jungfrauen, die die Augäpfel fast bis unter die Schädeldecke rollen lässt. Bei Sotheby’s in Mailand brachte eine vergleichbare Version im Juni netto 75.000 Euro ein, im Dorotheum liegt die Schätzung mit 100.000 bis 150.000 Euro etwas höher.

Vittore Ghislandi wird ein Gemälde zugeordnet, das ganz ohne abschweifendes Beiwerk einen jungen Mann ins Bild rückt, der den Betrachter aus aufgeweckten Augen anschaut. Das aus einer Privatsammlung stammende Gemälde, entstanden wohl in der Spätzeit des Meisters um 1730, liegt bei anspruchsvollen 150.000 bis 200.000 Euro. Die weitere Portraitkunst führt nach England. Aus dortigem Privatbesitz wird ein Portrait des Politikers Henry Jermyn eingeliefert, der zu den engsten Vertrauten König Charles’ I. zählte. Einer der Vorbesitzer des von Anthonis van Dyck gemalten Werkes war vermutlich der englische Schriftsteller und Politiker Horace Walpole, wie eine zeichnerische Wiedergabe der Gemäldegalerie seines neugotischen Riesenschlosses aus dem späten 18ten Jahrhundert nahelegt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Den gleichen Preis trägt ein Philosophenbildnis des venezianischen Malers Giovanni Contarini. Das Werk gilt als das erste dieses zeitweise für Kaiser Rudolf II. tätigen Meisters, das auf den Markt gelangt. Seit dem späten 19ten Jahrhundert befand es sich in der renommierten Sammlung der Baronin Auguste Stummer von Tavarnok in Wien.

Auch im niedrigeren Preisbereich gibt es einige beachtliche Werke. Unter den wenigen deutschen Künstlern des 17ten Jahrhunderts von Rang ist der gebürtige Frankfurter Johannes Lingelbach zu nennen. Während seines rund zehnjährigen Aufenthalts in Rom ab 1643 schuf er eine Ansicht des Parks wohl der Villa d’Este in Tivoli mit zahlreichen Besuchern. Charakteristisch ist das weiche römische Licht, das durch die hohen Pinien zum Teil tief verschattet wird (Taxe 20.000 bis 23.000 EUR). Als Begründer des künstlerischen Ruhms der niederländischen Familie Hondecoeter gilt der Landschaftsmaler Gillis Claesz de Hondecoeter, der in seiner Waldlandschaft mit Blick auf ein Dorf im Hintergrund sichtlich in Abhängigkeit zur Landschaftsmalerei der berühmteren Brueghel steht (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Unter den italienischen Werken finden sich einige ausdrucksstarke Portraitstudien, so Pietro Novellis heiliger Hieronymus, der sinnend einen Totenkopf umfasst (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), oder Pietro Bellottis Darstellung einer alten Philosophin, die sich über ein Buch beugt, für 45.000 bis 60.000 Euro.

Bei manchen Gemälden herrscht mitunter ein horror vacui. Interessanterweise gehören zwei Gemälde dazu, die sich ein ähnliches Thema wählen: eine Heilige Familie mit dem Johannesknaben und einem Engel mit Blumen, gemalt laut Datierung 1579 von dem Manieristen Denys Calvaert (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR), und eine Anbetung der Hirten, gemalt in Öl auf Kupfer von dem österreichischen Rokokokünstler Franz Christoph Janneck (Taxe 28.000 bis 34.000 EUR). Das gilt mitunter auch für die Stilllebenmalerei, so etwa Bartolomeo Arbotoris großes Küchenstillleben mit Fischen, Gänsen, Schnecken, einer Katze, einem Hahn und anderen Speiseutensilien (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR). Der Blumenstrauß, den der Antwerpener Meister Alexander Adriaenssen langsam verdorren lässt, wirkt dagegen fast übersichtlich (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Geradezu eine Kuriosität ist ein Pferdebildnis aus der Hand des von Brüssel nach Wien eingewanderten Hofmalers Philipp Ferdinand de Hamilton aus dem Jahr 1739. Es zeigt einen Apfelschimmelhengst aus dem kaiserlichen Gestüt in Lipizza vor einer gepflegten Parklandschaft, im Vordergrund mit einem Leibmohren und dem Boxerhund Kaiser Karls VI. Die malerische Qualität des Bildes tritt hier zugunsten des ungewöhnlichen Motivs etwas zurück (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Ebenfalls eine höfische Karriere machte der 1712 in Bologna zur Welt gekommene Stefano Torelli: Er brachte es unter Zarin Katharina der Großen zum Akademiedirektor in St. Petersburg. Zuvor war er in Dresden tätig, wo er 1755 den sächsischen Kammerherrn, Gardekapitän und Generalleutnant der Infanterie Joseph de Saint Etienne Borne Graf de Saint Sernin in einem repräsentativen Bildnis verewigte. Das Gemälde befand sich bislang im Besitz der Nachfahren des Dargestellten (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Unumgänglich auf Altmeisterauktionen des stark italienbezogenen Dorotheums sind schließlich venezianische Veduten. Zu haben sind für 70.000 bis 90.000 Euro ein Blick auf die Regatta bei San Pietro di Castello aus der Hand Gabriele Bellas, für 68.000 bis 72.000 Euro der Canal Grande mit der Kirche San Simeone Piccolo in einer Version des Apollonio Domenichini, des früheren Meisters der Langmatt-Stiftung, und für 30.000 bis 50.000 Euro eine Ansicht des Markusplatzes von der Piazetta aus in Richtung Markusdom und Campanile von dem aus Schweden eingewanderten Giovanni Richter. Auch Francesco Guardi ist vielfach mit Venedigimpressionen hervorgetreten, diesmal hat er außer der Ansicht eines palastartigen Innenhofes, der an die Gigantentreppe erinnert (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), aber auch eine für ihn eher seltene hagiografische Darstellung, nämlich die heilige Cäcilie, wie sie beseelt an der Orgel musiziert (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Schließlich verdient ein Schlachtengemälde Aufmerksamkeit. Der rasche, fast rasante Duktus, mit der das Getümmel der Männer und Pferde, der Ruinen, der Berge im Hintergrund und des Himmels aufgetragen sind, äußert unverkennbar die Sprache eines Venezianers des 18ten Jahrhunderts: Francesco Simonini. Dennoch ist das Werk wegen seiner impressionistischen Struktur von erstaunlicher Fortschrittlichkeit (Taxe 55.000 bis 65.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 13. Oktober um 17 Uhr. Die Vorbesichtigung findet bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr statt. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



11.10.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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