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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Ketterer in München

Der Hölle entronnen



Ketterers „kleine“ Auktion, die am 22. Oktober eineinhalb Monate vor der großen Herbsthauptauktion Werke für meist nicht mehr als 20.000 Euro anbietet, ist eine Fundgrube für Sammler und Liebhaber moderner Kunst, die sich auch abseits der ausgetretenen Pfade ein wenig umsehen wollen. „Seitenwege der deutschen Avantgarde“ ist die entsprechende Schöpfung des Münchner Auktionshauses, die der eigentlichen Versteigerung von Werken des frühen 20. Jahrhunderts jetzt schon zum siebten Mal als eigenständiger Block vorangestellt ist. Die dort auftretenden Namen braucht man freilich keineswegs zu verstecken. Lea Grundig beispielsweise. Vielleicht haben ihre Tätigkeit und die ihres Ehemannes Hans Grundig in der DDR eine weitere Verbreitung in ganz Deutschland bisher verhindert. Vor 1945 gehörten sie zu den Opfern der nationalsozialistischen Kulturbarbarei. Die Tochter jüdischer Kaufleute Lea Grundig entging der Deportation und Ermordung nur knapp durch Flucht. Ihre Tuschfederzeichnung „Holocaust - In den Abgrund“, entstanden 1943 während im palästinensischen Exil, zeugt in ihrer Schonungslosigkeit vom Bewusstsein um die irdische Hölle, vor deren Eingang Grundig stand. Für 15.000 bis 25.000 wird dieses erschütternde Dokument jetzt angeboten.


Moderne Kunst

Einen „Seitenweg der deutschen Avantgarde“ ging sicher auch Albert Birkle – ebenfalls ein Halbvergessener unter den modernen Künstlern. Seiner weiteren Verbreitung mag die problematische, unentschiedene Haltung während des Dritten Reiches im Weg stehen, vielleicht aber auch die etwas wankelmütige künstlerische Haltung: Birkle changierte zwischen vielen Stilen. Als Vordenker der neuen Sachlichkeit erweist er sich in einem Bildnis seiner Ehefrau Elisabeth Starosta um 1923/24, das durch haptische Stofflichkeit überzeugt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Die Hölle, der Lea und Hans Grundig sich entziehen konnten, sollte Otto Freundlich nicht überleben: 1943 wurde er im Konzentrationslager Majdanek ermordet. Noch in den letzten Jahren vor seinem Tod schuf er wunderbar anmutige Farbkompositionen in den fröhlichsten Farben, so 1938 in Rot, Gelb und Grün, durchmischt mit einigen Schwarz-Weiß-Tönen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Noch der Epoche von Jugendstil und Symbolismus gehört Karl Caspars stilisierte Bibelszene „Mariens Gang über das Gebirge“ aus dem Jahr 1904 an (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Aus seiner Generation wäre auch der 1874 geborene Richard Müller zu nennen, der gelegentlich mit aufreizenden und technisch brillanten Frauenakten auf sich aufmerksam macht. Allerdings entwickelte er sich ab einem relativ frühen Zeitpunkt nicht mehr weiter, und so wirkt sein liegender Frauenakt in einer mediterran anmutenden Landschaft mit Lyra und Notenblatt 1950 eigentlich ein wenig antiquiert (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Beinahe eine Neuentdeckung stellt dagegen der 1893 in Nürnberg geborene, später in Dresden wirkende Bruno Paul Seener dar. In zwei dichten Frauenbildnissen der frühen 1930er Jahren gelingen ihm beeindruckende Charakterstudien von fast rembrandtscher Intimität, doch konnte er auch anders: „Die drei Grazien“ werden 1937 als kühle, fast abweisende Standbilder inszeniert. Dieses Gemälde in Öl auf Holz soll 14.000 bis 18.000 Euro kosten, die beiden übrigen Arbeiten liegen zwischen 1.500 und 12.000 Euro.

Auch einige bekannte Künstler haben sich zur Auktion eingefunden, allen voran Alexej von Jawlenskys „Große Meditation“ von 1937 für 38.000 bis 48.000 Euro. Hier wollte der Einlieferer offenbar nicht auf die Dezemberauktion warten. Für 18.000 bis 24.000 Euro wird eine kleine Häuserzeile am Wasser von Karl Hofer aus dem Jahr 1939 angeboten. Ein wenig erstaunt die schroffe Malweise dieses ansonsten typischen Hofer-Sujets. Ein schönes Frühwerk Walter Dexels aus dem Jahr 1913, betitelt als „Straße bei Florenz (Zur Porta Romana II)“, lässt an die Stadtlandschaften Alexander Kanoldts denken. Das Werk war in den 1960er bis 1980er Jahren auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Kanoldt selbst kommt mit einem Gehöft inmitten einer baumbestandenen Wiese zum Einsatz, gemalt 1921 in einer Art Retrostil des späten Impressionismus (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ein verspäteter Symbolist ist Franz Radziwill 1968 in seiner etwas gesuchten Bilderfindung „Eier, die nachts liegen bleiben“ (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), und auch die „Margueriten“ von 1952 kommen nicht ohne ein Ohr aus, das heimlich aus dem blutroten Hintergrund hervorlauscht (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Unter den günstigeren Arbeiten ist eine hübsche Figuration Werner Gilles’, „Fischer“, auf kleinem Format von 1954 für 3.000 bis 4.000 Euro zu nennen. Oskar Moll, der später als Breslauer Akademiedirektor eine wichtige Lehrfunktion ausübte, zeigt sich in der Wiedergabe eines Buchenhochwaldes um 1904 noch als Treiber auf spätimpressionistischen Bahnen (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Als Maler, Dichter und Schauspieler machte sich Otto Nebel vor allem während der Zwischenkriegszeit einen Namen. Ein beachtliches Beispiel seines Könnens und vor allem seiner Fortschrittlichkeit auf dem Gebiet der bildenden Kunst ist die abstrakte Komposition „Semiserio“ aus dem Jahr 1921. Viele dieser Frühwerke fielen 1943 einem Bombenangriff zum Opfer (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Unter den plastischen Arbeiten verdienen Otto Gutfreunds Bronzerelief „Kopf“ von 1919 für 3.000 bis 4.000 Euro und Gerhard Marcks’ strenges Standbild „Melusine I“ von 1947 für 14.000 bis 18.000 Euro eine Hervorhebung.

Zeitgenössische Kunst

Die zeitgenössische Kunst, die einen Tag später versteigert wird, fügt sich recht nahtlos an die Modernen an. Es sind auch überwiegend ältere Arbeiten der 1950er bis 1980er Jahre zu haben. In dieser Zeit wurde Abstraktion ganz groß geschrieben, ohnehin stets ein besonderer Schwerpunkt von Ketterer. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Formen und Farben: als kunterbunter Farbteppich in Francis Botts „Composition rouge, noire et jaune“ von 1962 (Taxe 5.500 bis 6.500 EUR), als blaue Fläche mit abgezirkelter Abrundung in der oberen linken Ecke und einem winkelförmigen Streifen in Rot und Weiß auf Georg Karl Pfahlers „K-69/II“ (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), als mikadoartige Anordnung zahlreicher mehrheitlich senkrechter Linien in Herbert Bayers „Tritex“ von 1957 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR) oder auch als vollkommen monochrome Fläche namens „Horizontalweiss (XVI)“ von Raimund Girke 1970 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Mit einem der 75 Exemplare von Lucio Fontanas „Concetto Spaziale – Teatrino (bianco)“ von 1968 (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und zwei Nummern aus Sam Francis’ Action Paintings des Jahres 1975 für jeweils 9.000 bis 12.000 Euro stehen zwei bedeutende Malerstars Pate.

Als Titellos hat sich Ketterer allerdings für eine erotische Darstellung entschieden: Luciano Castellis „Nude Standing“ von 1997, die dem Betrachter einladend ihren entblößten und durch Reizwäsche betonten Hintern entgegenstreckt (Taxe 4.500 bis 6.500 EUR). Ohnehin tendierte ja die jüngere Kunst wieder mehr zur Motivsuche aus der sichtbaren Wirklichkeit. Auch hier führen viele Wege zum fertigen Bild: Antonio de Felipe schließt sich in seiner großformatigen Darstellung eines rauchenden Cowboys „Vaquero (red)“ von 2001 der Pop Art an (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), Karl-Heinz Essig in seiner „Meerlandschaft“ von 2005 der atmosphärischen Landschaftskunst des späten Impressionismus (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und Dieter Krieg in seinem „Kotelett in Schlaufe“ von 1998 dem aggressiven Spätexpressionismus eines Lovis Corinth oder Chaïm Soutine (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Unter den Werken der jüngsten Künstler setzen Matthias Weischers „Autos“ von 1999 diese Linie fort (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Abstraktion und Gegenständlichkeit werden schließlich in Hans Fronius’ rasanter Straßenszene aus „Istanbul“ 1985 gleichsam miteinander verschränkt (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR). Dies ist auch Kennzeichen einiger Künstler der Gruppe „SPUR“. HP Zimmer beispielsweise band „Mensch und Tier“ 1960/62 zu einem fast beängstigend dichten Geflecht von Gesichtern und Körperteilen zusammen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Heimrad Prem tauchte sein Gemälde „Dandy“ 1966 in ein helles Rot, vor dem sich die in einem Fahrzeug sitzenden Personen wie Schemen abzeichnen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Forcierter in Richtung Gegenstandslosigkeit ging Helmut Sturm, indes stammt die bei Ketterer für 7.000 bis 9.000 Euro offerierte Farbkomposition ohne Titel bereits aus dem späten Jahr 1989. Bedeutendste Skulptur der Gegenwartskunstauktion ist Fritz Koenigs auf das Wesentliche reduzierte, ausdrucksstarke „Pietà“ von 1962 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Daneben trat Koenig als Schmuckdesigner hervor, etwa in Form eines Anhängers mit zwei aus dem Goldgrund heraustretenden Pferden „Biga“ 1971/77 (Taxe 3.800 bis 4.500 EUR). Wim Steins’ tänzerische Bronze „Annabel“ um 1990 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) und zwei stereometrische Eisenkörper Ernst Hermanns aus den mittleren 1960er Jahren für bis zu 9.000 Euro runden diese Rubrik ab.

Die Auktion „Moderne Kunst“ in München mit dem Sonderteil „Seitenwege der deutschen Avantgarde“ startet am 22. Oktober um 15 Uhr, die Auktion „Nach 1945/Zeitgenössische Kunst“ am darauffolgenden Samstag um die gleiche Uhrzeit. Eine Vorbesichtigung in München ist noch am Montag und Dienstag zwischen 10 und 18 Uhr, am Mittwoch bis 20 Uhr und am Donnerstag bis 15 Uhr möglich.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



17.10.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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