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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Münchner Auktionshaus Quittenbaum stellt am 26. Oktober ein anspruchsvolles Programm aus Jugendstil und Art Déco zur Verfügung

Tierisch



Gengoult Prouvé, Monsieur el Comte und Monsieur le Baron, um 1874

Gengoult Prouvé, Monsieur el Comte und Monsieur le Baron, um 1874

Begonnen hatte es eigentlich einmal mit Fayencen und Kristall. Weltberühmt geworden ist Emile Gallé zwar mit seinen unvergleichlich variantenreichen, technisch perfekten Glasvasen, doch als der junge Mann 1874 den väterlichen Betrieb in Nancy übernahm, führte er zunächst die Produktion vor allem von plastischen Arbeiten aus Fayence fort. Gleichsam zum lebenden Inventar des Betriebs gehörte auch der Entwerfer Gengoult Prouvé, der selbst einer Künstlerfamilie entstammte. Sein Sohn war der später erfolgreiche Maler und Bildhauer Victor Prouvé, dessen Sohn wiederum der berühmte Architekt und Designer Jean Prouvé. Gengoult Prouvé arbeitete über einige Jahre hinweg auch noch für Emile Gallé, und die Früchte dieses Zusammenwirkens von Ideengeber und Ausführenden bietet das Münchner Auktionshaus Quittenbaum in seiner kommenden Jugendstil- und Art Déco-Auktion am 26. Oktober an: Tierskulpturen.


Vorstellen möchten sich da zunächst die beiden Freunde Monsieur le Comte de Polignac und Monsieur le Baron de Rothschild: zwei Möpse in Sitzstellung, mit rot-gelben Bändern um den Hals, auf denen ihre Namen prangen. Letztgenannter ist unverkennbar durch ein beschädigtes linkes Auge als Folge des deutsch-französischen Krieges 1870/71. Rothschild war es auch, der die beiden Skulpturen um 1874 bei Gallé in Auftrag gab. Rund 32 Zentimeter messen die beiden lustigen, an barocke Porzellane erinnernden Darstellungen jeweils in der Höhe. 11.500 bis 15.000 Euro sollen sie laut Preisauszeichnung kosten. Dann treten einige zum Teil sehr prächtig geschmückte Katzen auf. Eine von ihnen trägt eine rankenverzierte spanische Tracht mit Puffärmeln, Halskrause und gekröntem Wappen (Taxe 10.500 bis 13.000 EUR). Eine andere ist mit einem hellblauen, blumengeschmückten Kleid sowie Spitzenmütze auf dem Kopf angezogen (Taxe 9.500 bis 12.000 EUR), eine dritte wiederum fast ganz in Schwarz gehüllt: Offenbar hat sie sich in einer etwas zu hohen Glasurtemperatur das Fell verbrannt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Bis in die späten 1880er Jahre stellte Gallé solche Stücke her, den zeitlichen Beschluss bei Quittenbaum macht ein weißer Hase, dessen Fell mit Gräsern und Kornblumen gleich die Umgebung andeutet, in der er sich aufmerksam umschaut (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Auch als Möbelhersteller war Gallé später tätig. Um 1900 datiert beispielsweise eine Vitrine, deren zarte Naturimpressionen auf der Rückseite sichtlich die Malerei seiner Zeit mit fernöstlichen Motiven zu verbinden versucht (Taxe 9.000 bis 14.000 EUR). Und natürlich könnte man ganze Armeen solcher Vitrinen mit dem bei Quittenbaum angebotenen Glas Gallés und seiner Zeitgenossen füllen. Aus der Zeit um 1889 stammt noch die Vase „Bambou, Cigale“, deren ungewöhnliche Form und Farbe ebenfalls auf den asiatischen, speziell den japanischen Kulturraum verweist (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Ein klassisches Werk des Jugendstil ist dann ein Exemplar seiner fast vierzig Zentimeter hohen Vase „Paysage de Verre“, die Gallé 1900 auf der Pariser Weltausstellung dem Publikum präsentierte (Taxe 9.400 bis 12.000 EUR).

Nicht weniger beeindruckend ist die Offerte von Daum Frères, der großen zweiten Firma in Nancy, wenn auch hier fast ausschließlich Glasarbeiten zu haben sind. Höhepunkt ist die Vase „Neige, corbeaux“ von 1905, passend zum anstehenden Winter, an deren wunderbar irisierender Landschaft, aus deren Weißblau nur die Krähen wie schwarze Punkte hervorleuchten, man sich vor dem heimischen Ofen den ganzen Tag über ergehen könnte (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Ein anderes Stück ist die Henkelvase „Prunelles“ von 1909, ganz in schweres Grün getaucht mit einigen blauen Auflagen, die die Schlehenbeeren vorstellen sollen (Taxe 9.500 bis 12.000 EUR). Von den kristallartigen, sehr ursprünglich wirkenden Glasskulpturen Amalric Walters, die schon deutlich ins Art Déco spielen, ist ein Tintenfass mit Ablage aus den 1920er Jahren für 8.000 bis 9.000 Euro hervorzuheben.

Nach der umfangreichen, insgesamt rund ein Drittel des Gesamtkatalogs einnehmenden Glasabteilung wird das Angebot, was die Materialien betrifft, vielseitiger. Das Porzellan, das in den Jahrzehnten um 1900 ja vornehmlich dekorativen Ansprüchen genügte, ohne in der künstlerischen Entwicklung des Kunsthandwerks selbst führend zu sein, wartet mit einer eleganten „Dame au manchon“ auf, die Georges de Feure um 1903 für den berühmten Salon de l’Art nouveau von Siegfried Bing in Paris erstellte (Taxe 3.800 bis 4.200 EUR). Bald darauf müht sich ein athletischer junger Mann – fast unbekleidet, versteht sich – damit, einen ungeschlachten weißen Serpentin hinwegzurollen, in den eine Uhr eingebaut ist. Vielleicht ist mit der Szene dieser Kaminuhr ja die vergebliche Beschäftigung des armen Sisyphos gemeint. Max Le Verrier scheint auf den unbekannten Hersteller dieser Uhr um 1930 einigen Einfluss ausgeübt zu haben (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Dazwischen kommen noch einmal ein paar französische Möbel zum Aufruf – bemerkenswerterweise nicht nur eine große Vitrine namens „Sagittaire“ um 1912 von dem berühmten Louis Majorelle (Taxe 19.000 bis 20.000 EUR), sondern auch ein hochrechteckiger Spiegelrahmen mit der Datierung 1913, den sein 1886 geborener Sohn Jacques Majorelle mit einer stimmungsvollen nordafrikanischen Landschaft in Temperamalerei versehen hat (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Die Bronzeskulpturen bei Quittenbaum haben diesmal einen stark bildendkünstlerischen Einschlag: Ein Werk wie Käthe Kollwitz’ Pietà oder – wie die Künstlerin selber lieber neutral sagte – „Frau mit totem Sohn“ von 1937/38 in einem posthumen Guss zwischen 1973 und 1985 ist auch in anderen Kunstauktionshäusern nicht alle Tage zu haben (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Häufiger schon sind die sogenannten Chryselephantine-Skulpturen aus Elfenbein und Bronze: Neben einer Fledermaustänzerin, einer Golferin und einer sinnenden Proserpina von Ferdinand Preiss ist aus dieser um 1920/25 außerordentlich beliebten Luxusgutbranche auch eine Reifentänzerin des polnischen Bildhauers Samuel Lipchitz zu nennen. Die Schätzpreise für alle diese Stücke bewegen sich marktüblich um die 8.000 bis 18.000 Euro.

Über die zwei Antikenbronzen des Münchner Symbolisten Franz von Stuck „Verwundeter Kentaur“ und „Athlet“ aus den frühen 1890er Jahren (Taxen zwischen 9.000 und 14.000 EUR) geht es zur kleinen Grafik- und Gemäldeabteilung. Hier ist es für Quittenbaum nach wie vor schwierig, gute Einlieferungen zu akquirieren, und über Arbeiten eher unbekannter Künstler wie eine spätestimpressionistische Ansicht der Saarbrücker Ludwigskirche von Fritz Grewenig von 1935 für 2.000 bis 2.200 Euro, Géza Paps „Ruhende Spaziergänger im Park“ aus den mittleren 1920er Jahren für 6.000 bis 7.000 Euro oder Herbert Rolf Schlegels weibliche Halbfigur vor weiter Landschaft unter dem Titel „Sommer“ von 1918 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR) kommt man hier nicht hinaus.

Also doch lieber wieder das Kunsthandwerk, jetzt aber, nach dem französischen Übergewicht, aus österreichischen Landen. Lötz Witwe, die Glasfirma im böhmischen Klostermühle, ist hier das mitteleuropäische Pendant zu Gallé & Co. Bis zu 12.000 Euro sollen ihre bekannten Phänomenvasen kosten, deren Dekor meist abstrakt, aus schimmernden Farbschlieren bestehend, gestaltet ist. Expressionistische Formen nimmt Vally Wieselthier auf, wenn auch nicht zu stark: Ihre elegante Damen im gelben Kreis mit Strauß im Dekolleté um 1923 will ja schließlich auch für ein breiteres Publikum noch verkäuflich bleiben (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Formen des frühen Mittelalters, etwa aus dem angelsächsischen Raum, lässt Gustav Gurschner um 1908 in die Gestaltung seiner massigen Bronzeziervase einfließen (Taxe 3.200 bis 3.500 EUR). Den reduktionistischen Bestrebungen der zeitgenössischen Kunst öffnet sich dagegen eine Generation später die Werkstätte Hagenauer. Die Ergebnisse sind mitunter recht drollig wie bei einem ganz stilisierten großen weiblichen Kopf, der einen aus einem strengen Oval mit kleinen Augen anblickt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), oder bei einem etwas jüngeren, ganz unsymmetrischen Leuchter. Auch hier ein Tier: Gazellenartige Vierbeiner verbinden die beiden Flammen miteinander und wirken an ihrem vertikalen Aufbau mit (Taxe 3.000 bis 3.300 EUR).

Bleiben einige Produkte aus Deutschland. Fast etwas bedrückt wirkt das wuschlige Paar Bologneser Hündchen aus der Meißner Porzellanmanufaktur um 1900. Dabei hat sie kein Geringerer als der berühmte Barockmodelleur Johann Joachim Kändler rund 150 Jahre zuvor ins Leben gerufen (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Ganz streng wiederum wie Gurschners Vase kommt Peter Behrens’ Cachepot daher, entworfen 1903/04 für die Gartenbauausstellung in Düsseldorf. Eine Art Zinnenkranz zieht sich um die leicht konische Wandung (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Aus den Niederlanden kommen einige Produkte der Haagschen Plateelbakkerij Rozenburg. Die Schätzpreise von bis 3.000 Euro für eine Henkel- oder eine Enghalsvase mit Blumendekor sind jedoch diesmal vergleichsweise günstig. Zum Abschluss der Auktion winken ein paar angloamerikanische und skandinavische Stücke herüber: die Tischlampe „Dogwood“ von 1905/10 aus den New Yorker Tiffany Studios für 12.000 bis 15.000 Euro sowie eine Wohnzimmergarnitur des dänischen Designers Frits Henningsen in angenehm schlichten Formen, bestehend aus zwei Stühlen, Armlehnstuhl, Sofa und Beistelltisch der 1920er Jahre (Taxen zwischen 1.500 und 4.000 EUR).

Die Auktion findet am 26. Oktober ab 12 Uhr statt. Die Besichtigung der Objekte ist am 21. und 22. Oktober von 10 bis 18 Uhr, am 23. und 24. Oktober von 13 bis 17 Uhr und am 25. Oktober von 10 bis 15 Uhr möglich. Der Katalog lässt sich auch online unter www.quittenbaum.de einsehen.

Kontakt:

Quittenbaum Kunstauktionen

Theresienstraße 60

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 273 702 125

Telefax:+49 (089) 273 702 122

E-Mail: info@quittenbaum.de



20.10.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Daum Frères, Vase „Neige, corbeaux“, 1905
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Gengoult
 Prouvé, Katze, um 1880
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Lötz Witwe, Phänomen-Vase, Klostermühle um 1901
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Emile Gallé, Hase, um 1889

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Max Le Verrier Umkreis, Figürliche Kaminuhr, um 1930

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Georges de Feure, Dame au manchon, um 1903

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Zuschlag: 6.500,- EURO

Losnummer: 277

Gengoult Prouvé, Katze, um 1880

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Taxe: 9.500 - 12.000 EURO

Zuschlag: 9.500,- EURO

Losnummer: 51

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Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Losnummer: 800

Lötz Witwe, Phänomen-Vase, Klostermühle um 1901

Lötz Witwe, Phänomen-Vase, Klostermühle um 1901

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 544

Peter Behrens, Cachepot, 1903/04

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Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 7.700,- EURO

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Gustav Gurschner, Ziervase, um 1908

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Zuschlag: 3.500,- EURO

Losnummer: 594

Tiffany Studios, Tischlampe „Dogwood“, New York 1905/10

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Daum Frères, Vase „Neige, corbeaux“, 1905

Daum Frères, Vase „Neige, corbeaux“, 1905

Taxe: 12.000 - 14.000 EURO

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Gengoult Prouvé, Katze, um 1874

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Louis Majorelle, Vitrine „Sagittaire“, um 1912

Louis Majorelle, Vitrine „Sagittaire“, um 1912

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