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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Kunst des 20sten Jahrhunderts bei Irene Lehr in Berlin

Die Macht des Gegenstandes



Nach der erfolgreichen Versteigerung des zweiten Teils aus den Beständen der Stuttgarter Galerie Valentien im vergangenen September geht es bei Irene Lehr am 30. Oktober wieder regulär in Berlin weiter. Die 33ste Auktion versammelt mit über 560 Losnummern ein typisches Lehr-Programm: fast ausschließlich Kunst des 20sten Jahrhunderts mit vielen Künstlern der Zwischen- und Nachkriegszeit sowie einer Reihe zeitgenössischer Kunstwerke – hier konnte die Auktionatorin ihre Stellung erheblich ausbauen. Ein großes Hauptwerk ist diesmal nicht dabei. Die Schätzpreise bewegen sich überwiegend im drei- und vier-, gelegentlich auch im niedrigen fünfstelligen Bereich und lassen Höheres kaum erwarten. Zu wenig umfassend bekannt und geschätzt sind die Künstler der herausragenden Werke wie etwa Franz Heckendorfs nachimpressionistisch quirliges „Ausflugslokal am Großen Wannsee“ aus dem Jahr 1924 oder die „Ruhenden Masken II (Karneval)“ des diesmal zahlreich vertretenen Albert Eberts von 1959 für jeweils 15.000 Euro. Ein Weltstar ist natürlich Joseph Beuys, doch von seinem Multiple „Capri-Batterie“ aus dem Jahr 1985, einer gelben Glühlampe mit zu erneuernder Zitrone in einer unter anderem mit der Anweisung „nach 1000 Stunden Batterie auswechseln“ bedruckten Holzkiste, gibt es zweihundert Ausführungen, deren Nummer 120 bei Lehr 10.000 Euro kosten soll.


Die meisten Namen, deren Werke in die Jahre zwischen 1918 und 1945 datieren, zählen heute zu den weitgehend vergessenen. Gustav Wunderwald etwa, der in seinem nüchtern dargestellten „Dorf in der Mark“ um 1930 im Stil der Neuen Sachlichkeit den Blick fürs Detail bewahrt (Taxe 9.000 EUR), oder Curt Ehrhardt, der in „Lover“ und „Das Lied der Zigeunerin“ von 1921 eine Verschmelzung von expressionistischem Pinselstrich und Cézannescher Farbigkeit anstrebt (Taxen 6.000 und 4.000 EUR). Manches wirkt überdies recht verspätet wie Wilhelm Rudolphs 1924 errichteter und bereits drei Jahre später stillgelegter „Funkturm auf Sylt“ von 1926 (Taxe 8.000 EUR), Hans Hartigs „Winterabend in Stettin“ aus den Jahren 1920/21 (Taxe 3.500 EUR) oder Otto Illies’ kleiner blühender „Obstbaum“ aus den 1910er Jahren (Taxe 700 EUR), alle drei Gemälde in spätimpressionistisches Gestalt.

Anderes wieder hätte auf große Karrieren hoffen lassen, so Hubert Rüthers eindrückliches Selbstportrait von 1916, wo sich der junge energische Mann mit einem fahlgelbgrünen Gesicht ernst dem Betrachter zuwendet (Taxe 1.500 EUR). Ihm gesellt sich Helmut Obstfelder, ein Schüler Max Beckmanns, mit einem distanzierten, neusachlichen „Selbstportrait in Frankfurt“ von 1928 für 3.000 Euro zur Seite. Gelegentlich macht Hans Jüchser durch hohe Auktionsergebnisse auf sich aufmerksam, doch ist ein solcher Coup für seine Gelegenheitslandschaft „Bauernhof Mecklenburg“ von 1938 nicht zu erwarten (Taxe 9.000 EUR). Neben der Malerei trat Jüchser auch mit Grafik hervor. Ein schönes Beispiel dieser Gattung ist der spätexpressionistische Farbholzschnitt „Lesende mit blauem Buch“ von 1958/69 (Taxe 450 EUR). Mit einer typischen leeren Straßenflucht einer „Nordischen Stadt“ von 1930 ist der Berliner Maler Werner Heldt zugegen (Taxe 5.000 EUR).

Aus der Riege „echter“ Impressionisten ragen George Mossons opulenter Tulpenstrauß von 1912 (Taxe 12.000 EUR), Eugène Galien-Laloues winterlicher Abend an der Place Clichy in Paris um 1890 (Taxe 6.000 EUR) und Franz Skarbinas junge Frau im „Abend am Wasser“ für 9.000 Euro heraus. Eigentlich mehr Aufmerksamkeit als diese etwas betuliche Salonmalerei verdient allerdings Skarbinas alte „Wäscherin“, die bemerkenswert ungeschönte Aufnahme harten Alltagslebens in Gouache und Deckweiß aus dem Jahr 1878 (Taxe 1.500 EUR). Ein wenig an den klassizistischen Pablo Picasso erinnert Frans Masereels „Nu aux rochers“ von 1932: Auch er rückt den stattlichen nackten Frauenakt in monumentaler Isolation ins Bild (Taxe 3.500 EUR). Unter den Grafiken der Moderne ragt Carl Grossbergs Lithografie „Kesselhaus mit Montagegraben“ heraus, eine minutiöse und in ihrem kongenialen Technizismus beeindruckende Ansicht des im Bau befindlichen Bewag-Kraftwerkes in Berlin aus dem Jahr 1930 (Taxe 2.000 EUR).

Bei den deutschen Künstlern nach 1945 beiderseits des langsam aufziehenden Eisernen Vorhangs dominiert in Irene Lehrs Programm mehrheitlich die Gegenständlichkeit. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, wenn man etwa die Kataloge des Münchner Kollegen Robert Ketterer zur Hand nimmt; standen doch die Zeichen der ersten zwanzig bis dreißig Nachkriegsjahre allgemein eher auf Gegenstandslosigkeit in Malerei und Plastik. Ernst Schroeders braune „Winterlandschaft (Fischerdorf mit Kirche am Bodden)“ um 1953 oder sein Aquarell „Gemüsewagen vor Zigarrenladen“ um 1957 (Taxe 5.000 und 3.500 EUR), Josef Hegenbarths Alltagsszenen von „Ziegelputzerinnen“ oder einer „Eisverkäuferin“ um 1949/50 (Taxen 4.000 und 6.000 EUR), Rudolf Nehmers neusachliche Amaryllis mit hölzerner Vogelschale von 1948 (Taxe 3.500 EUR) oder Horst Strempels Schale mit Äpfeln von 1945 für 1.200 Euro nehmen daher von der offiziellen Kunstgeschichtsschreibung abseitige, zugleich oft verspätete oder vom DDR-Regime geforderte Positionen ein. Dass Strempel früher schon weitaus „progressiver“ war, macht eine abstrakte Landschaftskomposition von 1938 deutlich (Taxe 800 EUR). Auch Joachim Heuers „Stillleben mit blauer Violine“ aus den 1950er Jahren hält in seinem Aufgreifen kubistischer Formen nicht ganz Schritt mit der künstlerischen Entwicklung in der übrigen Welt (Taxe 5.000 EUR).

Seit den 1960er Jahren suchten die Künstler zunehmend nach Auswegen aus diesem stumpfen Wirklichkeitswiedergabeeinerlei. Ein recht unheimliches, fast surreales Ergebnis bietet 1979 Günter Richters Ansicht einer ruinösen „Alten Tanzschule in Leipzig“ (Taxe 3.000 EUR). Etwas ähnlich Unwirkliches haben die fast zur gleichen Zeit entstandenen Ölgemälde Dieter Kraemers, „Sanierung in Köln-Süd“ von 1979 (Taxe 1.000 EUR) und „Stillleben mit Ölsardine“ von 1978, welch letzteres die Erwartungshaltung des Beschauers in die Atmosphäre eines Ateliers durch eine absurde Spitzentischdecke konterkariert (Taxe 3.000 EUR). Ganz in die Farbfläche bannt Albert Wigand seine stilllebenhaften Gegenstände wie um 1965 eine Lampe und Kanne. Das Resultat ist eine Komposition, die zwischen den Welten oszilliert (Taxe 8.000 EUR).

Zur Riege von Künstlern der ehemaligen DDR, die auf keiner Lehr-Auktion fehlen dürfen, gehört an vorderer Stelle Gerhard Altenbourg. Als dessen Hauptwerk darf diesmal das große Künstlerbuch „Wund-Denkmale“ aus dem Jahr 1982 gelten. Neben dem Verlag Philipp Reclam junior in Leipzig brachte auch die renommierte Galerie Brusberg im westdeutschen Hannover eine Ausgabe der 28 Farbholzschnitte mit den begleitenden Texten heraus. Eines dieser fünfzig Exemplare bietet Lehr jetzt für 9.000 Euro an. Aus A.R. Pencks umfangreicher Werkgruppe „Menschen und Tiere nach der Öffnung“ kommt die Arbeit „Drei von Vielen“ von 1990 bei 10.000 Euro zum Aufruf. Und den vielseitigen Werner Tübke kann man in eineraltmeisterlichen „Adam und Eva“-Zeichnung von 1970/72 für 4.000 Euro ebenso bewundern wie in der noch eher expressionistischen Großstadtszene „Frauen auf der Straße“ von 1965 für 6.000 Euro. Einige Künstler blieben ihrem einmal gefundenen Ausdruck dagegen zeitlebens treu wie der unverwechselbare Willi Sitte mit seinem weiblichen Akt beim Abtrocknen „Nach dem Bade“ von 1996 (Taxe 6.000 EUR) oder Harald Metzkes in seinem „Stillleben mit Taschenuhr“ aus dem Jahr 1983 (Taxe 4.000 EUR).

Zu den abstrakten Ausnahmen bei Lehr gehören Karl Fred Dahmens gestische „Collage Ibiza 62“, Johannes Geccellis kaum wahrnehmbare serielle Farbreihung „Im Kaltlicht“ von 1977 (Taxen je 4.000 EUR) und eine unbetitelte Arbeit Wilhelm Müllers von 1992, bei der eine mit silbergrauem Auto-Metallic-Lack übermalte Spachtelmasse lediglich von zwei schmalen Strichen durchkreuzt wird (Taxe 5.000 EUR). Max Olderock gehört noch zu den Klassikern der Ungegenständlichkeit, der mit seiner farbdurchdrängten, wellenförmigen Gouache an Robert Delaunay erinnert (Taxe 400 EUR). In dieser Zeit fertigte Ulrich Knispel sein 1957 entstandenes „Steinbild I“ schon in freier gestischer Malweise (Taxe 1.200 EUR).

Die zweite Generation der Nachkriegsgegenständler wiederum vertritt der 1951 geborene Ralph Fleck mit seinem „Schlachthofbild“ aus dem Jahr 1983 (Taxe 500 EUR). Und zugleich wechseln sie sich mit Abstrakten wie Hartwig Ebersbachs wilder „Buschtrommel“ von 1995 (Taxe 3.500 EUR), Sigrid Kopfermanns „Schwarzem Engel“ von 1988 (Taxe 800 EUR) oder einer duftigen Komposition überwiegend grünlicher Flecken auf grauem Grund von Bernd Koberling 1994 für 8.000 Euro ab. Bei den Skulpturen dominieren gefällige Bronzen, insbesondere Tierdarstellungen wie Gerhard Marcks’ sich streckende Katze (Taxe 6.000 EUR), Klaus Schwabes „Budjonny“ (Taxe 3.000 EUR) oder Renée Sintenis’ jünger Bär von 1932 für 6.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 30. Oktober um 13 Uhr im Hotel Excelsior in Berlin. Die Vorbesichtigung ist bis zum 28. Oktober täglich von 12 bis 19 Uhr in den Räumen des Auktionshauses möglich. Der Online-Katalog unter www.lehr-kunstauktionen.de bildet alle Objekte ab.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



25.10.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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 (Montageanlage Bewag Berlin, Kraftwerk West), 1930
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Franz Skarbina, Wäscherin, 1878

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Losnummer: 135

George Mosson, Stillleben mit Tulpenstrauß, 1912

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Taxe: 12.000,- EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 323




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