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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Sammlung Fishman triumphiert bei Karl & Faber in München und mit ihr deutsche Kunst der „verschollenen Generation“

Tödliche Szenen einer Ehe



Schwere Kost – große Preise: Mit der Sammlung des US-amerikanischen Ehepaares Marvin und Janet Fishman, die sich auf deutsche Kunst der Zwischenkriegszeit konzentrierte und dementsprechend Bilder exzessiver Orgien, wilder Straßenschlachten, von Lust und Leid, Liebe und Mord aufwies, hat das Münchner Auktionshaus Karl & Faber einen einträglichen Fang gemacht. Die knapp zweihundert Arbeiten dieses zweiten Teils der Sammlung – der erste kam schon vor zehn Jahren bei Sotheby’s unter den Hammer – wurden am 28. Oktober zu 92 Prozent versteigert. Noch besser ist das Verhältnis zwischen Schätzpreisen und Ergebnissen: Bei rund 1,1 bis 1,35 Millionen Euro hatte die Gesamttaxe gelegen, im Ergebnis kamen 1,57 Millionen Euro heraus – inklusive Aufgelder knapp 2 Millionen Euro – und somit 142 Prozent des Schätzpreissumme. Und das, obwohl es einen großen Wehmutstropfen gab: die Losnummer 127, Felix Nussbaums „Tanz an der Mauer (Sargträger)“ aus dem Jahr 1930. Die Fishmans hatten das furchterregende Gemälde noch im Jahr 2000 bei Grisebach in Berlin für 690.000 Mark erworben. Dennoch erwiesen sich die jetzt veranschlagten 350.000 bis 400.000 Euro als zu hoch für ein Publikum, das sein Interesse vor allem auf das mittlere Preissegment konzentrierte und darin edelste Großzügigkeit walten ließ.


Allen voran ist hier Ludwig Meidner zu nennen, der von allen Künstlern den größten Anteil dieser ungewöhnlichen Privatsammlung stellte. Karl & Faber hatte das Konvolut von rund fünfzig Papierarbeiten thematisch in fünf Blöcke geteilt. Erwartungsgemäß setzte sich sein „Schrei vor Tag“ als einzige buntfarbige, in Aquarell und Gouache geschaffene Arbeit aus dem Jahr 1920 bei 66.000 Euro an die Spitze (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Aus dem Block „Straßen und Cafés“ nahm eine von Passanten und Polizisten dicht bevölkerte Szene in einer engen Straße, 1913 als Tuschezeichnung entstanden, bei 48.000 Euro den ersten Platz ein (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR), die grausigen Apokalypsen fanden in einer aus den Fugen geratenen Vision mit Blick in ein Flusstal aus dem Jahr 1914 für 40.000 Euro einen eindrücklichen Repräsentanten (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Schließlich gab es eine Reihe von Selbst- und Fremdportraits, aus denen ein geziertes Selbstbildnis von 1916, entstanden für Meidners belletristischen Erstling „Im Nacken das Sternemeer“, für ebenfalls 40.000 Euro herausragte (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR).

Käufer der Arbeiten waren neben deutschen und amerikanischen Sammlern auch solche aus dem gesamten europäischen Ausland, aber auch aus Abu Dhabi oder Australien. Das Interesse an deutscher Kunst zwischen 1910 und 1930 – nicht nur der Künstlergruppen „Brücke“ oder „Blauer Reiter“, die auf dieser Auktion auch nicht vertreten waren – ist in den vergangenen Jahren gewaltig gestiegen. Die Künstler der sogenannten verschollenen Generation, deren oft vielversprechende Karrieren durch den Nationalsozialismus beendet wurden oder, was seltener vorkam, im Ausland erfolgreich weitergeführt werden konnten, können inzwischen auf eine rege Schar von Interessenten blicken, die gern einen Blick in das künstlerisch-kulturelle, aber auch gesellschaftlich-politische Leben dieser spannenden Jahrzehnte jenseits der Geschichtsbücher werfen.

Da hatten die Fishmans eine ganze Menge zu bieten. Gleich die ersten beiden Offerten beschäftigten sich mit dem hochbrisanten und nicht zuletzt auch in der expressionistischen Literatur vielfachst thematisierten Eingriff der modernen, für den Einzelnen unkontrollierbar gewordenen Technik in das täglich Leben: Hans Baluscheks „Arbeiterstadt“ von 1920, durch deren Steinwüste mit in der Ferne rauchenden Hochofenschlöten sich ein Schienenwurm windet, brachte es mit 80.000 Euro auf das Doppelte der Schätzung, seine Dampflokomotive „Über Dächern“ in brillanter Aquarelltechnik 1934 zog bei 24.000 Euro nach (Taxe 12.000 bis 24.000 EUR). Auch Eduard Braun schilderte um 1930 in seiner „Großstadtbrücke“ die Verdrängung des Menschen durch die Technik. Die Tuschpinselzeichnung wurde auf 2.200 Euro gehoben (Taxe 800 EUR). Albert Birkle zeigte die Folgen dieser Entwicklungen: In seiner nächtlich erleuchteten „Straße mit Schlachterwagen“ von 1922/23 fahren die Menschen wie Autisten aneinander vorbei, ohne dass sich ihre Blicke begegnen – ein erschütterndes Bildzeugnis, das mit 60.000 Euro honoriert wurde (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR). 29.000 Euro schaffte Birkles ebenso trostlose Temperaarbeit „Am Kronprinzenufer, Berlin“ aus dem Jahr 1924 (Taxe 6.500 bis 8.000 EUR).

Ein besonders brisantes Stück war Otto Dix’ Tuschpinselaquarell „Lustmord“ aus dem Jahr 1922, das in ganzer Wucht die Entartung menschlicher Beziehungen und ihre Kulmination in der Vernichtung verdeutlicht. Arbeiten des Künstlers dieser Art sind, trotz ihrer immensen Hässlichkeit in Inhalt und Form, sehr begehrt, so dass die Höhe des letzten Gebots von 87.000 Euro nicht wirklich überraschend war (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Auch die von Dix’ „kosmischer“ Phase beeinflusste Tuschezeichnung „Geburt“ von 1918 erzielte mit 26.000 Euro einen stolzen Preis (Taxe 16.000 bis 20.000 EUR), seine um 1923 entstandene Kreidezeichnung eines schauderhaften „Blinden“ mit 15.000 Euro das Dreifache der Schätzung. Eng an einen Holzschnitt Ernst Ludwig Kirchners angelehnt ist Will Grohmanns Ölgemälde „Frauen am Potsdamer Platz“ um 1915. Trotz dieser fast plagiathaften Nähe des Kunsthistorikers konnten Karl & Faber auch für diese Arbeit noch 19.500 Euro verbuchen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Kein Künstler auf dieser Auktion aber traf den Nerv der Zeit wohl so genau und zugleich so witzig und verzweifelt wie Jeanne Mammen. Ihre beiden Aquarelle erzielten, da Nussbaums Gruselbild versagte, auch die Höchstpreise und die einzigen jenseits der 100.000 Euro-Marke. „An der Schießbude“ von circa 1929 konzentriert sich ganz auf einen einzigen Blick zwischen zwei Menschen und legt soviel an Unbekanntem und Unvorhersehbaren in diesen Augenblick, in dem die junge Frau dem alten Mann das Gewehr in die Hand drückt. 40.000 bis 50.000 Euro mussten zu wenig sein: 116.000 Euro wurden es. Und 121.000 Euro schaffte das Aquarell „Brüderstraße (Zimmer frei)“ aus wenig späterer Zeit, mit drei Freudendamen, die einen so scheel anblicken, dass man ihnen nicht widerstehen kann (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) – beide nun zurecht die neuen Auktionsrekorde für die Berliner Malerin. Hier wird etwas noch ein wenig humorvoll angepackt, was bei Josef Scharl nur noch tragisch ist: Seine „Misshandelte Dirne“, die er unmittelbar und fast achsensymmetrisch im Bild aufragen lässt, ist geschunden von ihrem Beruf und ihm doch auf immer ausgeliefert. Das 1931 datierte Ölbild, das symbolisch für die Sammlung Fishman gelten konnte, erzielte 84.000 Euro weit über den von Karl & Faber in lediglich 12.500 bis 15.000 Euro formulierten Erwartungen, da das Bild vor zehn Jahren bei Sotheby’s durchfiel.

Hochgeboten wurde auch eine Reihe weniger hoch gehandelter Werke, meist Arbeiten auf Papier. So Otto Griebels Aquarell „Fabrikarbeiter auf dem Heimweg“ um 1922 für 7.500 Euro (Taxe 2.600 bis 3.000 EUR), Hein Heckroths konstruktiv-surrealistische „Ada“ um 1923/24 für 5.000 Euro (Taxe 1.500 EUR), John Höxters Profilbildnis eines unwirklichen Clowns um 1925 für 7.000 Euro (Taxe 1.000 EUR) und Grethe Jürgens’ gemäldehafte „Zuschauer im Vorstadtzirkus“ von 1931 für 8.500 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Selbst der so traurig dreinblickende, anämische „Knabe in Matrosenjacke“, von Wilhelm Lachnit 1923 in Bleistift gezeichnet, brachte es noch auf 6.000 Euro (Taxe 1.200 EUR). Honoriert wurden zudem Bobette van Gelders tragischkomische Eheszene „Das gestörte Rendezvous“ mit 3.800 Euro (Taxe 800 EUR), Fritzi Löws ebenfalls amouröses Kabarett mit Nackttänzerinnen „Nur für den Herren!“ mit 3.300 Euro und ihre kühle nächtliche Straßenszene mit Frau und Laterne von 1935 mit 3.800 Euro (Taxen je 900 EUR) oder der „Arbeitslose Kohlekumpel“ der Dresdner Kommunistin Lea Grundig zum elffachen Schätzpreis mit 4.400 Euro.

Zwischen Satire und expressivem Aufruhr pendelt auch das Schaffen von Richard Ziegler, beispielhaft niedergelegt in der Ölkreidezeichnung dreier karikierter Damen „Im Café“ von 1927 für 6.000 Euro und in der rund ein Jahr jüngeren, dämonischen „Heftigen Umarmung“ in einer dunklen Häuserecke für 6.400 Euro (Taxen je 2.000 EUR). Rudolf Führmann schloss sich diesen Tendenzen um 1936 mit einem unvermeidlichen „Selbstmord“ für 3.400 Euro (Taxe 1.500 EUR) und Bruno Voigt mit Groszschen Szenen an, etwa dem „Straßenkampf“ in Aquarell und Tuschfeder von 1932 bei 5.400 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder dem gleichaltrigen „Schlotbaron“ für 4.200 Euro (Taxe 2.600 bis 3.000 EUR), während Käthe Loewenthal mit ihrem nun 2.800 Euro teueren Pastell „Kinder am Dorfrand“ eines der beschaulichsten Werke der Auktion beisteuerte (Taxe 800 EUR).

Unter den Ölgemälden sind Martel Schwichtenbergs „Schneelandschaft II“ von circa 1922 für 7.500 Euro (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) und Walter Meyer-Vax’ plumper „Redakteur“ von 1929 für 12.000 Euro zu nennen, mit dem der 1942 vor Stalingrad gefallene Maler 1930 den großen Staatspreis der Preußischen Akademie der Künste erhielt (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Große Preissprünge legten auch die beiden wichtigsten Bronzeplastiken der Auktion hin: Chana Orloffs „Der jüdische Maler“ von 1920 von 10.000 bis 12.000 Euro auf 31.000 Euro sowie William Wauers Bildnis des Schauspielers Albert Bassermann aus dem Jahr 1918 von 16.000 bis 20.000 Euro auf 45.000 Euro.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



11.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 12.000 - 14.000 EURO

Zuschlag: 24.000,- EURO

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Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 80.000,- EURO

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Taxe: 1.000,- EURO

Zuschlag: 7.000,- EURO

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