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Am 11.09.2014 Auktion Antiker Waffen & Militaria 420 September 2014

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Kunden haben bei Nagels Kunst- und Antiquitätenauktion in Stuttgart die Preise ganz schön durcheinander gewirbelt und sich nicht zuletzt am Historismus delektiert

Turbulenzen in allen Höhen



Streitwagen mit Athena, um 1900

Streitwagen mit Athena, um 1900

Es war eine typische Nagel-Auktion am 6. und 7. Oktober in Stuttgart. Symptomatischer konnte das eigentlich gar nicht mehr gezeigt werden als durch die beiden gleich als erstes aufgerufenen Lose. Nummer eins: ein „prunkvoller Streitwagen der Athena“, um 1900 von unbekannter Hand gefertigt, bestechend durch eine luxuriöse Kombination von teilvergoldetem Silber, Elfenbein und Halbedelsteinen wie Achat, Opal, Carneol und dergleichen. Schätzung: bescheidene 3.500 Euro. Damit wollte sich vor allem ein belgischer Kunde nicht begnügen, am Ende gab er mehr als das Zehnfache aus: 40.000 Euro. Nummer zwei: ein 1687 datierter, ungarischer, kunsthistorisch weitaus bedeutender Münzbecher, reich ausgestattet mit den Bildnissen und Wappen verschiedener Herrscher jener Zeit, im Boden zusätzlich Wappen und Inschrift mit Verweis auf den ungarischen General András von Semsey. Beste Voraussetzungen eigentlich, doch genützt hat es nichts: Mit der Schätzung auf 38.000 Euro lag Nagel hier eindeutig zu hoch.


Diese Entwicklungen prägte auch die Versteigerung der folgenden rund 950 Lose fast kontinuierlich. Die Preise purzelten nur so durcheinander, sie stiegen rasant bei den unscheinbarst veranschlagten Preziosen und fielen oder scheiterten ganz bei den von vornherein hochgehandelten Stücken. Das Gesamtergebnis stimmte am Ende: Rund 61,5 Prozent losbezogene Zuschlagsquote, ohne die Vorbehalte von gut 50 Prozent, eines kreuz und quer durch alle Kunstgattungen und Zeiten rauschenden, bunt gemischten Angebots dürften wenig Wünsche offengelassen haben. Insbesondere Nagels Strategie der kleinen Preise scheint sich wieder einmal gut bewährt zu haben.

Verramscht wurden die Kunstwerke und Antiquitäten freilich nicht. Am eindrucksvollsten zeigte dies ein im Durchmesser anderthalb Meter messender italienischer Pietra Dura-Tisch, der, wenngleich erst in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts entstanden, doch alle Blicke auf sich zog. Nagel wusste, was die 1.500 Euro Schätzpreis bedeuten mussten: Ein regelrechter Run, der nach heftigem Bietgefecht erst bei 50.000 Euro zugunsten eines deutschen Kunsthändlers sein Ende fand. Gleich darauf bewies das Auktionshaus aber auch, dass es mit sozusagen seriösen Schätzpreisen nicht weniger Erfolg hat: Ein auf 70.000 Euro taxiertes Paar Arte povera-Schränke des 18ten Jahrhunderts aus Venedig kletterte auf 130.000 Euro und generierte damit den Tageshöchstpreis. Steigerungen wie diese sind im schwierigen Möbelmarkt nicht gerade selbstverständlich. Bei den kleineren Preisen sind ein mit floraler Zier geschnitzter Aufsatzschrank der italienischen Renaissance für 11.000 Euro (Taxe 3.500 EUR) und ein süddeutscher Barockaufsatzsekretär für 7.500 Euro zu nennen (Taxe 6.000 EUR). Auf 16.000 Euro verdoppelte sich der Wert einer mit antiker Tischsszene gestalteten Tapisserie der Brüsseler Manufacture Royale um 1600.

Auch frühes Design konnte der Stuttgarter anbieten wie einen eisernen Schaukelstuhl englischer Herkunft, der verdächtig an die Produkte des deutschen Bauhauses um 1930 erinnert. Doch das Stück datiert bereits rund hundert Jahre früher. Das Leipziger Grassi Museum sicherte sich das frühe sachliche Möbel bei 13.000 Euro (Taxe 6.000 EUR). Interessant schien den Bietern auch eine ungarische Emailbrosche der 2ten Hälfte des 17ten Jahrhunderts in Schleifenform, ein Schmuckstück in doppeltem Sinne und als solches mit 20.000 Euro nicht zu knapp bezahlt (Taxe 12.000 EUR). Manches Andere wurde zunächst nur unter Vorbehalt zugeschlagen. 500 Euro beispielsweise fehlten für die Ludwigsburger Porzellanfigur einer Spinettspielerin aus der Serie der sechs großen Musiksoli von Johann Christian Wilhelm Beyer um 1763 zur Schätzung von 12.500 Euro. Bei der auf 18.000 Euro angesetzten Schweizer Goldemail-Tabakdose des ausgehenden 18ten Jahrhunderts mit abendlichen Landschaften waren es 2.000 Euro.

Mit besonderer Spannung wurde die Gemälde- und Skulpturenabteilung erwartet. Überraschungen waren vorprogrammiert und kamen doch unverhofft. Allen voran das Hauptlos: 124.000 Euro für eine Kreuzigungsszene in Öl auf Holz, qualitätvoll gemalt laut Katalogeintrag von einem unbekannten Meister aus der Nachfolge Simon Vouets. Da hatten nicht mehr 3.000 Euro auf dem Etikett gestanden. Kann bei dieser regen Nachfrage nun die Zuschreibung an den französischen Manieristen als gesichert gelten, und ein bisher als verschollen geglaubtes Tafelbild wieder zum Vorschein gekommen sein?

Fast schien es, als konnte die folgende Losnummer von diesem Ansturm noch unmittelbar profitieren: Eine Darstellung der mystischen Vermählung der heiligen Katharina von Alexandrien mit dem kleinen Christuskind, in der Nachfolge Giovanni Francesco Romanellis auf eine querovale Kupferplatte gemalt, brachte es trotz einiger Farbabplatzungen von 1.800 Euro auf 15.000 Euro. Als voraussehbar konnte die Wertsteigerung einer Nicolas Régnier zugeschriebenen Darstellung von Pomona und Vertumnus auf großformatiger Leinwand von 2.000 Euro aus gelten. In der Tat hatte sich der Preis am Ende verzehnfacht. Einen Sprung von 1.500 Euro auf 40.000 Euro machte der prunkvoll geschmückte Grauschimmel, den ein Nachfolger des Wiener Hofpferdemalers Philipp Ferdinand de Hamilton auf die Leinwand bannte.

Die von Nagel bereits höher angesetzten Stücke stießen dagegen mitunter auf Desinteresse. Zu hoch die Schätzungen von 15.000 Euro für eine Landschaft mit Abraham und den drei Engeln aus dem Kreis des Abraham Govaerts oder 40.000 Euro für Paulus van Hillegaerts Schlachtengetümmel in einer Hügellandschaft, bei der Mensch und Tier zu einem Knäuel verwirrt sind. Immerhin, es erging nicht jedem so: Die von Vicente Juan Masip 1578/79 begonnenen und nach seinem Tod von Sohnemann Vicente Joanes Masip vollendeten drei Altartafeln mit den beiden Evangelisten Markus und Matthäus sowie einem Engel in der Mitte bewährten sich bei den vorgesehenen 20.000 Euro. Auch das ungewöhnlich lebensnahe Bildnis eines jungen Landsknechts, das vielleicht der Augsburger Barockmaler Johann Ulrich Mayr auf mittelgroßer Leinwand präsentierte, traf die vorgesehenen 15.000 Euro genau und hängt nun im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. 26.000 Euro schaffte eine biblische Verbildlichung des kleinen Moses mit der Krone des Pharao aus dem Kreis Salomon Konincks (Taxe 22.000 EUR).

Das erste Toplos der neueren Meister, Giacinto Gigantes breitformaties Panorama der Bucht von Neapel, erfüllte die Erwartungen nicht ganz: Bei 30.000 Euro erfolgte der Zuschlag nur unter Vorbehalt (Taxe 35.000 EUR). Doch auch das zweite Toplos, Alexander Koesters „Enten am Seeufer“, schaffte es trotz der Steigerung auf 43.000 Euro nicht ganz an die Spitze der Abteilung (Taxe 35.000 EUR). Es wurde von Edward Theodore Comptons mächtig aufgebauter und zugleich impressionistisch sich auflösender Hochgebirgslandschaft aus dem Jahr 1916 überholt, die sich von 15.000 Euro auf der Kunst des Wahlbayern neuerdings gemäßere 47.000 Euro hangelte.

Das beschauliche Genre des mittleren 19ten Jahrhunderts vertrat Carl Johann Lasch mit seinem „Schwäbischen Hochzeitsmahl“ aus dem Jahr 1868. Die gute malerische Qualität des Bildes, das viel Raum für individuelle Charakterisierungen und humorvolle Einzelmotive lässt, wurde mit 20.000 Euro honoriert. Und am Ende stand die beginnende Moderne: zwei Symbolismen Hans Thomas – ein Bauernmädchen mit beladenem Esel, umringt von einem Puttenreigen, von 1876 für 12.000 Euro (Taxe 1.200 EUR) und „Alberich und die Rheintöchter“ von 1905 für 17.500 Euro (Taxe 5.000 EUR) – sowie Hermann Pleuers erdiger und dennoch impressionistischer Blick auf die Einfahrtshalle des Alten Stuttgarter Bahnhofs aus dem Jahr 1907 für 10.000 Euro (Taxe 2.800 EUR).

Die Skulpturen überzeugten insbesondere im älteren Segment. Eine Mondsichelmadonna aus der Kemptener Werkstatt des Lux Maurus legte mit 5.000 Euro auf 11.000 Euro noch eine recht moderate Steigerung hin. Kein Halten mehr gab es dagegen im Wettbewerb um eine Heilige Sippe um 1500 schwäbischer Herkunft, aber von unzweifelhafter Güte. Den Preis ließ hier vor allem ein süddeutscher Sammler von 7.000 Euro auf 40.000 Euro explodieren. Italien reüssierte mit dem Terrakottarelief einer Maria lactans um 1500 bei 21.000 Euro (Taxe 5.000 EUR). Alle diese drei Werke waren aus dem „alten Sammlungsbesitz einer süddeutschen Industriellenfamilie“ eingeliefert worden, aus der aus der neueren Abteilung auch Emil Kiemlens Marmorknabenakt für 10.500 Euro kam (Taxe 3.500 EUR).

Auf 50.000 Euro ließ ein italienischer Kunde Francesco Pozzis virtuose Marmorgruppe „Jupiter und Antiope“ aus dem Jahr 1828 schnellen, die sich von der Figurenauffassung eines Zeitgenossen wie Antonio Canova doch herzlich unbeeindruckt zeigt (Taxe 15.000 EUR). Die Losnummer eins als eine aus verschiedenen Materialien zusammengesetzte Skulptur hatte übrigens auch noch einen Nacheiferer in Form von Otto Poertzels „Tom der Reimer“ aus Elfenbein und kaltbemalter Bronze. Wenngleich nicht ganz so fulminant, kletterte sie doch von 5.000 Euro auf 12.000 Euro. Dass der Historismus auch sonst seine Sternstunde hatte, machten noch sechs deutsche Silberfiguren, darunter ein Bauernpaar, zwei Ritter und ein Winzerpaar, bei 10.500 Euro (Taxe 2.000 EUR) und in der Variaauktion „Nagel Collect“ eine Schatulle mit der Bezeichnung „Roma 1883“ für 10.000 Euro deutlich (Taxe 350 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90



12.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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06.10.2010, Kunst und Antiquitäten

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Nagel Auktionen

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Fundgrube

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Tapisserie, Manufacture Royale, Brüssel um 1600
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Aufsatzschrank, Italien, um 1600
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Tabernakelaufsatzsekretär, Süddeutschland, 18. Jahrhundert
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Pietra Dura-Tisch, Italien, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
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Heilige Sippe, Schwaben, um 1500
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Marica Lactans, Italien, 15. oder 16. Jahrhundert
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Alexander Koester, Enten am Seeufer

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Heilige Sippe, Schwaben, um 1500

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Taxe: 7.000,- EURO

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Taxe: 2.800,- EURO

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Tabernakelaufsatzsekretär, Süddeutschland, 18. Jahrhundert

Taxe: 6.000,- EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

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Pietra Dura-Tisch, Italien, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

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