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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Jeschke & Van Vliet gehen mit Moderner Kunst, Künstlergrafik und einer spannenden Reihe von Werke des Fluxus an den Start

Wie aus einer anderen Zeit



Eigentlich wird moderne und zeitgenössische Kunst am 20. November bei Jeschke & Van Vliet in Berlin versteigert. Doch schaut man auf den Titel des Katalogs und sieht dort das „Selbstbildnis mit roter Baskenmütze“ von Werner Tübke, kann man auf den ersten Blick auch annehmen, man befände sich bei einer Renaissanceauktion. Im klassischen Dreiviertelportrait gemalt und in erdigen Farben gehalten, aus der einzig die rote Malerkappe hervorsticht, entdeckt man einen stillen, etwas fragenden Künstler, umwoben von einem Hauch Melancholie. Dass Tübke auf die Renaissancemalerei zurückgreift, kommt nicht von ungefähr. Sieht er doch darin sein großes Vorbild, dem er zeitlebens gegen alle Widerstände der formalen Abstraktionen treu geblieben ist. Das Temperabild von 1981 kommt für 35.000 Euro zum Aufruf und gehört mit dieser Bewertung zu den Spitzenpreisen im Auktionsranking des ostdeutschen Malers.


Auch der „Place du Maine“ an einem grauen Tag in Paris von Nicolas Tarkhoff aus dem Jahr 1905 ist einem bedeutenden künstlerischen Einfluss geschuldet. Wie einst die Impressionisten malte der gebürtige Russe in der französischen Hauptstadt den Blick aus seinem Fenster auf die Droschkenstation zu verschiedenen Tageszeiten und Lichtstimmungen. Zu einer eigenen Interpretation weg von den großen Idolen fand der Maler allerdings durch seinen leichten tonigen Farbauftrag und die schwungvollen Striche auf der Leinwand. Das vorliegende Gemälde ist eines von fünf aus dieser Perspektive und soll 45.000 Euro einfahren. Auch sein „Schlafendes Kind“ in rotem Kleide von 1905 steht in der Spannung von Tradition und eigener Stilentwicklung (Taxe 5.500 EUR).

In der Gruppe von Pont-Aven um Paul Gauguin tummelte sich Paul Sérusier, der zum größten Teil bretonische Motive bevorzugte, hier aber mit einem Rosenstillleben für 12.000 Euro vertreten ist. Emile Othon Friesz arrangiert ebenfalls Blumen in gedeckten Farben zu einem Stillleben, ergänzt dies aber noch durch effektvolle Glasflaschen und eine verzierte Dose (Taxe 18.000 EUR). Fritz Burmanns „Schlafende Bäuerin“ schlummert sanft, aber monumental in einer dämmrigen Landschaft (Taxe 9.000 EUR). Philipp Bauknecht dagegen lässt sein „Interieur mit Sonnenblume und Kerze“ in feurigem Rot, sonnigem Gelb und saftigem Grün förmlich übersprühen. Mit diesen Farben ist das Ölgemälde typisch für das Werk des Expressionisten und kann sich mit einem Schätzpreis von 25.000 Euro und der Herkunft aus der Galerie Noortman in Maastricht durchaus sehen lassen. Dass auch Albert Wigand seine Malerkarriere moderat expressionistisch begonnen hat, macht sein lyrischer „Steinbruch“ um 1922 deutlich (Taxe 4.000 EUR).

Zwar gegenständlich, aber stilisiert zeigt Johannes Sass uns „Drei Menschen am Waldsee“ und eine „Havellandschaft mit Seglern“. Mit einem Limit von 1.200 Euro besteht Hoffnung auf Preissteigerung, denn 2004 veräußerte die Villa Grisebach ein motivisch ähnliches Bild mit dem Titel „Am Strand“ für 2.000 Euro. Der Höhepunkt der künstlerischen Karriere von Richard Lindner, der eben in New York Auktionserfolge feiern konnte, sind seine Frauenbilder. Mit ihren hohen Lederstiefel, der Korsage und von einem Feuerkranz umfangen, wirkt die Frau bedrohlich. Dass der gebürtige Hamburger tatsächlich männerfressende Frauen darstellt, sieht man an dem kugelrunden Bauch der Figur, auf dem ein Medaillon mit einem Männerportrait zu sehen ist. Eine dieser 20 poppigen Stoffcollagen „Banner I (Venus)“ soll jetzt für 6.500 Euro verkauft werden.

Erst im August dieses Jahres konnte man Norbert Tadeusz in großem Umfang bei einer Werkpräsentation der Arbeiten auf Papier in der Pinakothek der Moderne in München bewundern, zurzeit hat er eine Ausstellung in der Kunsthalle Darmstadt. Bei Jeschke & Van Vliet präsentiert der Meisterschüler von Joseph Beuys das Gemälde „Schädel“ aus dem Jahr 1983 mit zwei frisch geschlachteten Pferdeköpfen samt heraushängender Zunge, die Messer liegen noch auf dem Tisch. Ein weiterer zeitgenössischer Künstler ist Jonathan Meese, der hier sein Lithografie-Diptychon „Krieg und Frieden“ von 2005 für 2.600 Euro beisteuert. Durch den tonig erdigen Farbklang sowie den verlassenen Tisch im Atelier wirkt das „Stillleben VII“ von Klaus Fußmann melancholisch mit einem Hauch von Dramatik (Taxe 9.000 EUR). Direkt beim Künstler Peter Graf hat der Einlieferer das ovale Ölbild „Stillleben mit Kerze und Lötlampe“ von 1979 erworben. Jetzt hofft er, dass sich ein Käufer für das thematisch ungewöhnliche Stück für 2.500 Euro findet.

Arbeiten auf Papier sind zahlreich vertreten. Dabei ist Salvador Dalís Sepiazeichnung „Mon premier fantastique souvenir de Paris“ von Topqualität. Mit vielen kleinen Szenen auf dem breiten Platz bestückt und fein gezeichnet, hat der Spanier lebendig seine Eindrücke festgehalten (Taxe 25.000 EUR). Papierarbeiten der anderen Art sind die von Sam Francis. Von dem Amerikaner kommen drei Blätter zwischen 8.000 Euro bis 12.000 Euro unter den Hammer. Vielfältig präsentiert er sich, denn mal malt er zweifarbig geometrisch vereinfachend, mal bunt klecksend. Wie der Titel „Composition aux rectangles“ schon sagt, beschäftigte sich auch Étienne Béöthy mit geometrischen Formen. Unter dem Einfluss des Konstruktivismus schuf er 1947 die Gouache auf Karton mit verschieden großen Rechtecken in fünf der sechs Grundfarben und schwarzen und grauen Streifen (Taxe 3.500 EUR). Toni Costa gründete 1959 den Gruppo N in Padua, der neue Tendenzen der kinetischen und optischen Kunst vertrat. Das erkennt man auch an seiner Skulptur-Installation „Dinamica Visuale“ von 1970. Aus vielen PVC-Lamellen zusammengesetzt, wird durch die Anordnung und die Lichteffekte von Weiß über Grau bis Schwarz eine Bewegung suggeriert.

Nicht zu vergessen sind bekannte Namen wie Roy Lichtenstein und Max Liebermann, die aber nur mit kleineren Werken vertreten sind. Liebermanns Kreidezeichnung „Flachlandschaft mit Getreidegraben“ von 1886 ist mit 2.800 Euro genauso erschwinglich wie Lichtensteins Skulptur-Multiple „Pyramid“ in Gelb mit schwarzen Rasterpunkten von 1968 für 4.000 Euro oder auch Christos Lichtdruck vom „Verpackten Leonardo-Denkmal“, ein Projekt für die Piazza della Scala in Mailand von 1971, für 1.200 Euro. Dazu treten etwa noch Stephan Balkenhol mit einem bunten Prägedruck, auf dem eine seiner typischen Männerfiguren diesmal als „Schwebender“ in Nachthimmel auftritt (Taxe 5.000 EUR), oder Pierre Soulages mit der Aquatintaradierung schwarzer Balken in Kreuzform von 1957 für 2.200 Euro.

In der Abteilung „Kunst und Künstlergrafik“ geht es mit den Preisen noch etwas moderater zu. So liegt die Gelegenheitszeichnung einer „Weiblichen Figur“ aus dem Jahr 1995 von Georg Baselitz mit 1.200 Euro schon zu den teueren Werken dieses Abschnitts. Das meiste rangiert unter der 1.000 Euro-Marke. Im Berliner Stadtmuseum oder der dortigen Nationalgalerie kann man Gemälde Hans Hartig finden und vielleicht auch bald für 1.600 Euro bei sich zu Hause. Im glänzenden Wasser lässt der Berliner Sezessionist die Schiffe an einem stimmungsvollen „Herbstabend am Hafen“ spiegeln, für 1.000 Euro den Kutter ausschnitthaft im Hafen anlegen. Mit vielen sich kreuzenden Strichen fängt Max Uhlig in seinen Zeichnungen das Wesentliche ein. Seine „Hockende Lesende“ ist etwa in ihr Buch versunken (Taxe 900 EUR), und auch die Häupter von John Lennon und Miles Davis hat er in zwei Aquatintaradierungen des Jahres 2008 so zum Leben erweckt (Taxe je 140 EUR).

Radierungen von Edouard Manet kann man für 450 bis 600 Euro ersteigern. Und auch mit Hugo Oehmichens Bleistiftzeichnung eines Mannes mit Zweispitz streift das Angebot kurz das 19te Jahrhundert (Taxe 200 EUR). Highlight in der Skulpturenabteilung ist „The Couple-Vase“ von Niki de Saint Phalle. Der schwarze Mann führt die bunte Frau wie beim Tanzen, in ihrer Mitte befindet sich der Behälter für die Blumen (Taxe 14.000 EUR). Als Vertreter der Arte Povera lässt Claudio Parmiggiani ein Notenblatt aus einer plastischen und teilweise vergoldeten Ohrmuschel quellen (Taxe 5.500 EUR). Sol LeWitt schließt sich mit einer schon etwas in die Jahre gekommenen, streng geometrischen, weiß lackierten Stahlskulptur von 1971 an (Taxe 3.300 EUR). Ähnlich konsequent hat Imi Knoebel 1992 sein Multiple „Pinguin“ gestaltet (Taxe 800 EUR).

Den letzten Teil der Auktion stellen Jeschke & Van Vliet unter die Überschrift „Fluxus“. Vierzig Werke der in den 1960er Jahren in New York, Tokio und einigen deutschen Städten entstandenen Künstlerbewegung warten auf ihre Freunde. Mit einer Taxe von 6.000 Euro ist „Chair Event“ mit Abstand das teuerste Los. Der Künstler George Brecht, der zu den wichtigsten Akteuren der Strömung gehörte, hat hier ein Objekt aus Gebrauchsgegenständen wie einem Stuhl, einer Birne aus Holz und zwei gerahmten Bedienungsanweisungen kreiert. Durch die Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk soll dieses für den Betrachter zum Ereignis, der Alltag zu einer neuen Erfahrung werden. Ein weiterer Gründer ist der 1925 im amerikanischen Greenville geborene Emmett Williams, der 1996 mit dem Hannah-Höch-Preis der Berlinischen Galerie für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Sein mit den Worten „Don’t go too far afield“ beschrifteter, weißer Paravent soll für 2.500 Euro über das Auktionspult gehen.

Christoph Rihs bemalte 1991 eine Holzröhre mit einer Weltkarte. So vereint er zwei Weltbilder in seinem 600 Euro teuren Kunstwerk, nämlich das kartografische und das philosophische. Mit seiner größten Weltkarte auf einem Kühlturm in Meppen-Hüntel schaffte er es 1994 gar in das Guinness-Buch der Rekorde. Auch Raimund Kummer ließ Kunst im öffentlichen Raum zu einem gesellschaftlichen Ereignis werden. Mit seiner Installation „Talk Softly Please“ von 1981 drückt er eines seiner wesentlichen Anliegen aus: Den Betrachter direkt anzusprechen, seine Perspektive in den Mittelpunkt zu stellen und Kunst nicht abgeschottet im Museum, sondern im Zusammenhang mit den Menschen zu gestalten (Taxe 600 EUR). Wie für sein Werk typisch, verwendet Bogomir Ecker auch bei „Sprechanlage und Rednerpult“ zeitgemäße Materialien wie PVC und Eisen. Die Beine des Pultes sind unterschiedlich hoch und schief, so dass der Eindruck von Leichtigkeit entsteht. Bei diesem Werk klingt auch die für die Fluxus-Bewegung signifikante Verquickung der Gattungen wie Skulptur, Installation und Tonkunst an (Taxe 800 EUR).

Die Auktion beginnt am 20. November um 14 Uhr. Die Objekte können noch bis zum 18. November täglich von 11 bis 19 Uhr besichtigt werden. Der Katalog ist unter www.jvv-berlin.de abrufbar.

Kontakt:

Jeschke van Vliet Auctions GmbH

Lehrter Straße 57

DE-10557 Berlin

Telefax:+49 (030) 22 66 77 01 99

Telefon:+49 (030) 22 66 77 00

E-Mail: info@jvv-berlin.de



17.11.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lisa Witte

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Taxe: 25.000,- EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 3




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