Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 20.09.2019 Auktion 1138: Gemälde des 15.-19. Jahrhundert

© Kunsthaus Lempertz

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Amazone, nach 1906 / Franz von  Stuck

Amazone, nach 1906 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei Van Ham gab es schöne Preissteigerungen und neue Auktionsrekorde. Doch das Kölner Auktionshaus hatte bei der modernen und zeitgenössischen Kunst auch mit Rückgängen zu kämpfen

Glücksritter Bauer



Mit Rudolf Bauer hat der Kölner Versteigerer Van Ham zum zweiten Mal einen großen Erfolg gefeiert. „Yellow Square“, ein annähernd quadratisches Ölbild aus den Jahren 1936/38, schloss sich seinem Bruder, dem „Pink Circle“, den Van Ham vor sechs Monaten für 440.000 Euro versteigert hatte, an und erzielte nun die immer noch höchst beachtliche Summe von 245.000 Euro. Schon dieser etwas krumme Betrag zeigt, dass hier seitens der Interessenten mit Vorsicht und Bedacht vorgegangen wurde. Dennoch wurde die Schätzung von 100.000 bis 120.000 Euro damit mehr als verdoppelt. Ein griechischer Sammler, vielleicht derselbe, der schon seit einiger Zeit die deutschen Auktionshäuser mit seiner Vorliebe für Malerei der Zwischenkriegszeit beglückt, behielt hier die Nase vorn. Eine weitere, in ihrer farbharmonischen Gestaltung fast noch überzeugendere, aber lediglich in Gouache und Tempera gemalte unbetitelte Komposition Bauers aus dem Jahr 1925 kletterte von 6.000 bis 8.000 Euro auf 50.000 Euro. Insgesamt blieb keine der sechs Bauer-Offerten unveräußert.


Moderne Kunst

Die moderne Kunst bei Van Ham war das Zentrum der Auktion am 2. Dezember: kürzer und an Spitzenwerken gedrängter als die Zeitgenossen, damit sicher anspruchsvoller, aber auch anfälliger für Niederlagen. In der Tat, einige der hochgehandelten Stücke mussten nach der Veranstaltung die Heimreise antreten wie Max Ernsts nicht zum ersten Mal aufgetretene Collage „La Vase de Lyon“ von 1972 (Taxe 130.000 bis 150.000 EUR), Georges Rouaults breitformatige Ölskizze „Paysage Animé“ von 1914 in Gouache auf Papier (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR) oder auch Pablo Picassos rasche Tuschezeichnung mit dem Profilbildnis eines Mannes von 1943 für geschätzte 160.000 bis 180.000 Euro. Anderes wie Lovis Corinths skizzenhafte Öllandschaft seiner Heimat „Tapiau“ aus der Kriegszeit um 1917 für 50.000 Euro oder Joseph Enselings überlebensgroßer Bronzeakt „Große Stehende“ aus dem Jahr 1932 für 30.000 Euro schaffte so eben die jeweils untere Schätzung, auch wenn dieser Wert für den Düsseldorfer Bildhauer einen neuen Auktionsrekord bedeutet. Und bereits an 140.000 Euro blieb Henri Rousseaus „Paysage avec château“ hängen, eine Gouache, mit der der französische „Maler-Zöllner“ charakteristisch seinen naiv-haptischen Stil zur Geltung brachte. Erwartet waren eigentlich 160.000 bis 180.000 Euro.

Auf der anderen Seite aber standen wohl ebenso viele starke Preissteigerungen, von denen der Bauer als das Toplos nur die Spitze darstellte. Weitaus aufgeregter gestaltete sich der Wettkampf um Heinrich Hoerles eindrückliches Bildnis einer abgehärmten „Fabrikarbeiterin“ Mitte der 1920er Jahre. Die an sich eher kleinformatige Mischtechnik war auf 55.000 bis 70.000 Euro angesetzt, letztlich aber musste der unbekannte Steigerer stolze 172.000 Euro berappen – der mit Abstand höchste Preis, der bisher für ein Hoerle-Bild auf einer Auktion gezahlt wurde. Als besonders erfreulich wird die Versteigerung von Hermann Max Pechsteins wiederentdeckter Reiseimpression „Chogeall‘s Palau“ aus dem Jahr 1917 gewertet: nicht nur, weil das Ölgemälde mit 195.000 Euro seine Schätzung fast verdoppeln konnte, sondern vor allem auch deswegen, weil es zukünftig wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Die Stadt Zwickau, in der Pechstein 1881 zur Welt kam, hat es sich für ihre Kunstsammlungen gesichert.

Mehr oder weniger zum Standard bei Van Ham zählen solide Preise für mittlere und späte Werke Karl Hofers. Entsprechend erbrachten auch die drei Figuren „Vor der Nacht“ aus dem Jahr 1950 und die „Frau, sich kämmend“ von 1949 jeweils 60.000 Euro, letztere sogar 10.000 Euro über der Schätzung. Zu niedrig hatte Van Ham zwei Ölgemälde Lesser Urys taxiert, wobei man für den gerade einmal 10 mal 16 Zentimeter kleinen Karton „Bellevuestraße“ in der Tat kaum mit 34.000 Euro rechnen konnte (Taxe 16.000 bis 24.000 EUR). Doch 23.000 Euro für das mehr als einen Meter breite Stillleben „Chrysanthemen in Vase“ aus den 1910er Jahren klingen für Ury durchaus realistisch (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Ähnliche Preise erzielten zwei Expressionen Arthur Segals: Die „Schiffe im Hafen“ aus dem Jahr 1912 kosteten 27.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), ein Blick über „Ascona im Herbst“ von 1915 legte auf 34.000 Euro zu (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Gabriele Münter schloss sich mit 28.000 Euro für ihren typischen Blumenstrauß aus Kapuzinerkresse und Dahlien von etwa 1946 auf diesem Preisniveau an (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Von 20.000 bis 30.000 Euro auf 55.000 Euro steigerte sich Arnold Topps wankende glühende Häuserlandschaft in „Rot und Gelb“ aus dem Jahr 1918.

Zu den wegen ihrer Seltenheit interessanten Offerten gehörte ein mit Personen und Motiven regelrecht vollgestopftes Ölbild Gert Heinrich Wollheims, das 1946 die Zustände einer moralisch desorientierten Gesellschaft anhand des Themas „Die Kartenspieler“ veranschaulicht. 33.000 Euro bewegten sich im Rahmen der Erwartungen. Taxgerecht kamen etwa Otto Modersohns spätimpressionistische Landschaft „Wertheim – Sommerabend am Main“ von 1924 bei 15.000 Euro, Curt Herrmanns pastellbuntes neoimpressionistisches „Schloss Belvedere bei Weimar mit Springbrunnen“ aus dem Jahr 1909 bei 16.000 Euro, Marc Chagalls Farblithografie „Le Bouquet de Peintre“ von 1967 bei 11.000 Euro, Ossip Zadkines Gouache „Deux femmes“ in einem aus dem Lot geratenen Zimmer von 1941 bei 26.000 Euro oder auch Ewald Matarés kleine abstrahierte Bronze „Stehende Kuh – Maulwurfskuh“ um 1936 bei 6.000 Euro an Ziel. Schmerzlichster Rückgang bei den Skulpturen war Paul Landowskis Dreierbronzegruppe „Die Söhne des Kain“ nach einem Entwurf aus dem Jahr 1903 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Bei den kleineren Preisen gab es eine Reihe deutlicher Zugewinne, wobei wiederum vor allem die avantgardistischsten Jahre um 1920 zum Zuge kamen. Ein konstruktivistischer Bühnenentwurf des Ungarn Lajos Kassák von 1926 in Collagetechnik erzielte 13.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), eine weitere Papiercollage, bei der Edmund Kesting einige gedruckte Relikte aus der Inflationszeit 1923 verwendete, brachte es auf 17.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und besonders erfolgreich war Bohuslav Kokoschka, der jüngere Bruder des berühmteren Oskar Kokoschka, mit seinem Bildnis des Lehrers Albert Paris Gütersloh in einem landschaftlichen Fluidum wohl um 1919 für 24.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Auch für Lyonel Feiningers lustige Tuschezeichnung dreier „Ghosties“ von 1953 wurde mit 17.000 Euro mehr gezahlt als die veranschlagten 10.000 bis 12.000 Euro, ebenso für Willy Boers’ ungegenständlichen Farbfleckenteppich „Herfst“ von 1953 mit 9.000 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Zeitgenössische Kunst

Die Zeitgenossen hatten eine Spitze, die allerdings recht einsam bei 500.000 bis 800.000 Euro da oben herumstand. Und mit einem Zuschlag zugunsten eines österreichischen Sammlers an der unteren Grenze dieser Schätzung war der Wettbewerb um Andy Warhols Ölbild „Holstentor“ von 1980 auch recht flott über die Bühne gebracht. Im Rahmen der Erwartungen hielten sich auch die anderen Spitzenlose, so dass die Zeitgenossen, wenngleich mit einer Zuschlagsquote von 61 Prozent insgesamt dichter verkauft als die Modernen, weniger aufregende Bietgefechte aufzuweisen hatten. So ging Gerhard Richters abstraktes Ölbild „641-1“ von 1987 für 230.000 Euro in die selbe österreichische Privatsammlung ein (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), und Günther Ueckers kinetische Nagelung ohne Titel von 1961 zur unteren Schätzung von 60.000 Euro sowie Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoffs „Große Ringer“ für 95.000 Euro recht geschäftsmäßig in neue Hände über. Für den neuen Auktionsrekord blieb die Riesenskulptur von 1987/88 in Deutschland.

Etwas heftiger wurde um einige Arbeiten im preislichen Mittelfeld gerungen. Otto Pienes großformatige Feuergouache „Venus Flytrap“ von 1976/77 wurde erst bei 38.000 Euro zugeschlagen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), Günther Ueckers und Adolf Luthers Gemeinschaftsarbeit aus Nägeln auf zinnbeschichtetem Holz mit linsenbesetztem Plexiglaskasten aus den Jahren 1968/72 bei 33.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Eine 1970 allein von Luther ausgeführte Wand mit 54 konkav gewölbten quadratischen Spiegeln spielte bei gleichem Schätzpreis sogar 43.000 Euro ein. Als besonders begehrt erwies sich ein vergoldeter Bronzeapfel, den Claude Lalanne in surrealer Manier mit einem menschlichen Mund versah. Obwohl insgesamt 250 Mal ausgeführt, wurde vorliegendes Exemplar von 2.500 bis 3.000 Euro auf 18.000 Euro gehoben. Der Engländer Peter Phillips war mit seiner Pop Art-Malerei „Eliminator“ von 1968 bei 19.000 Euro erfolgreich (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), sein Landsmann Ben Nicholson mit der architekturhaften Zeichnung „Still life with red“ von 1965 bei 9.000 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR), der Spanier Angel Duarte mit einem amorphen, filigranen Leuchtobjekt aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre bei 12.000 Euro (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR), und der Belgier Pierre Alechinsky mit seinem blattlosen Baum „Nog eens“ in breitem Rahmen von 1992 bei 19.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Oft lagen die Experten mit ihren Schätzungen genau richtig. Dies war etwa bei Stephan Balkenhols überlebensgroßem Männerkopf mit 40.000 Euro, bei Eduardo Chillidas lockerer Tuschpinselzeichnung „Gogoetak“ von 1958 mit 28.000 Euro, bei Asger Jorns freudiger Farbabstraktion „Isolation Gaie“ von 1961 mit 17.000 Euro oder auch bei Lucio Fontanas schrundig aufgerissenem Terrakottateller „Maschera“ von 1957 mit 26.000 Euro der Fall. Ihnen schlossen sich Maurice Estève mit einem späten wässrigen Farbbahnenaquarell von 1993 bei 10.000 Euro, Keith Haring mit fünf Serigrafien seiner charakteristischen Strichmännchen unter dem Titel „Icons“ von 1990 bei 15.000 Euro und Jörg Immendorff mit seinem „Maleraffen für Chris“ ebenfalls von 1990 bei 22.000 Euro jeweils zur unteren Taxe an. Die jüngere Künstlergeneration hatte mit Cornelius Völker und seiner unbetitelten zwölfteiligen Hasengemäldeserie von 1996 bei 7.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder Torben Giehler mit seiner schachbrettartigen Landschaft „Badmoonrise“ von 2001 bei 8.000 Euro ihre Vertreter (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Bei den hochgehandelten Rückgängen, von denen auch die Zeitgenossen nicht ganz freiblieben, war wohl die Lampe „Chandelier VorteXX“ von Zaha Hadid und Patrik Schumacher aus dem Jahr 2005 bei 120.000 bis 160.000 Euro der schmerzlichste.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



09.12.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bei:


Van Ham Kunstauktionen

Bericht:


Wiederholungstäter Bauer

Kunstwerk:

Lovis Corinth, Tapiau, kleine Landschaft, 1917
Lovis Corinth, Tapiau, kleine Landschaft, 1917

Kunstwerk:

Curt Herrmann, Schloss Belvedere bei Weimar mit Springbrunnen, 1909
Curt Herrmann, Schloss Belvedere bei Weimar mit Springbrunnen, 1909

Kunstwerk:

Heinrich Hoerle, Fabrikarbeiterin, um 1925
Heinrich Hoerle, Fabrikarbeiterin, um 1925

Kunstwerk:

Henri Rousseau, Paysage avec château
Henri Rousseau, Paysage avec château







Curt Herrmann, Schloss Belvedere bei Weimar mit Springbrunnen, 1909

Curt Herrmann, Schloss Belvedere bei Weimar mit Springbrunnen, 1909

Taxe: 10.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 16.000,- EURO

Losnummer: 74

Heinrich Hoerle, Fabrikarbeiterin, um 1925

Heinrich Hoerle, Fabrikarbeiterin, um 1925

Taxe: 55.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 172.000,- EURO

Losnummer: 75

Henri Rousseau, Paysage avec château

Henri Rousseau, Paysage avec château

Taxe: 160.000 - 180.000 EURO

Zuschlag: 140.000,- EURO

Losnummer: 181

Lovis Corinth, Tapiau, kleine Landschaft, 1917

Lovis Corinth, Tapiau, kleine Landschaft, 1917

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

Losnummer: 38




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce