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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Gabriel von Max gehörte Ende des 19ten Jahrhunderts zu den erfolgreichen Malerfürsten der Münchner Szene. Die Städtische Galerie im Lenbachhaus widmet dem Maler, Darwinisten und Spiritisten im Münchner Kunstbau derzeit die erste große Retrospektive

Affenmaler und Geisterbeschwörer



Am Ende seines Lebens befasste sich Gabriel von Max am liebsten mit Affen. Er studierte sie, zeichnete und malte sie, spielte mit ihnen und entdeckte wohl mehr unverstellt Menschliches in ihrem Verhalten als bei den Vertretern der höheren Gesellschaft, den „Culturaffen“, wie er sie nannte. Sein noch heute bekanntestes Gemälde ist denn auch nicht zufällig das Bild „Affen als Kunstrichter“ aus dem Jahr 1889, das – normalerweise in der Neuen Pinakothek in München ausgestellt – nicht nur wegen seines Formats unübersehbar ist. Das Gruppenbild einer Horde von Affen, die auf einer Holzkiste vor einem 100.000-Mark-Gemälde hockt und mit der wohl auch ein kleiner zeitkritischer Seitenhieb auf den damaligen Kunstbetrieb verteilt werden sollte, hat bis heute nichts an seiner Faszination eingebüßt, weil den Primaten hier in porträthafter Nahaufnahme und auf eine ganz neue Weise Verstand und Gefühl ins Gesicht gemalt wurde. Das Fabeltier als Gleichnis menschlicher Charaktere wie zu Goethes Zeiten hat Max nicht mehr interessiert, der Affe galt jetzt im Darwinschen Sinne als entfernter Vorfahre des Menschen. Der Blick auf die Kreatur war gesteuert von der Frage, wie nah uns diese fernen Wesen sind, wo die Schnittstelle des Gemeinsamen, wo das Trennende liegt.


Dass Gabriel von Max ein vergessener Maler ist, kann kaum einer behaupten. Seit Jahren finden sich Gemälde des in Prag geborenen Künstlers, der neben Franz von Lenbach und Franz von Defregger zu den erfolgreichsten Malern seiner Zeit zählte, in der Neuen Pinakothek in München. Dass aber auch das unmittelbar neben den „Affen als Kunstrichter“ hängende, ebenso brillant wie unheimlich gemalte Werk „Die ekstatische Jungfrau Katharina Emmerich“ die Signatur Max’ trägt, entgeht den meisten Pinakothek-Besuchern. Dabei machen gerade leidende, dämonische und verzweifelte Jungfrauen, wie die Retrospektive im Kunstbau verdeutlicht, einen noch größeren Teil seines Œuvres als die Affenbilder aus und haben wohl nicht zuletzt zu Lebezeiten seinen Ruhm begründet.

Fast literarisch fängt dieser virtuose Maler und Bildfinder, der auf dem schmalen Grad zwischen Historienmalerei und Symbolismus wandelt, in seinen Gemälden jene Seelenlage einer Gesellschaft ein, die nur kurz darauf Sigmund Freud die Psychoanalyse entdecken ließ. Das Leben ist Leid und Hingebung oder Melancholie. „Julia Capulet am Hochzeitsmorgen“ ist keine fröhlich Braut, sondern eine unberührt erscheinende Schlafende, die in ein Leben hinübergleitet, in dem sie ihre Unschuld verlieren soll. Keine Frage, dass Gabriel von Max mit diesen Bildern die Gemüter erregte. Er bediente Bedürfnisse nach dem Unaussprechbaren, nach Erotik, Mitleid und Tragik, ohne sich jedoch in die Untiefen des Trivialen zu begeben. Mit diesen Bildern gehörte er schnell zu den gefragtesten und bestbezahlten Münchner Malern.

Hunderte von Frauen waren zu Tränen gerührt, als 1867 seine „Märtyrerin am Kreuz“ im Münchner Kunstverein gezeigt wurde, ein Bild, mit dem Gabriel von Max der große Durchbruch gelang. Die Hysterie und das Sensationsgebaren, die das Gemälde auslöste, sind heute, wo das Pathos der Historienmalerei eher als übersteigert empfunden wird, schwer nachzuvollziehen. Aber eins machen die entrückten Mädchenporträts, die Heiligen und Verblichenen, die Max mit großer Theatralik auf die Leinwand brachte, deutlich: die Suche nach malerischen Ausdrucksformen für nie dagewesene Themen und Sujets. Denn während sich Carl Theodor von Piloty weiterhin mit den großen Ereignissen der Geschichte auseinandersetzte, interessierte sich sein Meisterschüler für das Jenseitige und Mystische, für die dunkle Seite des Daseins und für die gespenstische Schönheit von Leichen. Bis heute gibt das Bild „Der Anatom“, auf dem ein Gelehrter das Leichentuch einer vielleicht 20jährigen bis zur Brust herunterzieht, in seiner Ambivalenz von Tod und Erotik Rätsel auf.

Mit solch emotional aufgeladenen, stets auch etwas morbiden Bildern, aber auch mit seinen überhöhten Genregemälden, traf Gabriel von Max den Nerv einer Zeit, in der Wissenschaft und Okkultismus dicht nebeneinander lagen und deren Protagonist der Maler letztlich selbst war. Gabriel von Max zählte neben Carl du Prel und Albert von Schrenck-Notzing zu den führenden Köpfen der Münchner Spiritistenszene. In seinem Atelier organisierte er Sitzungen mit berühmten Medien wie Lina Matzinger und letztlich war er Mitbegründer der „Psychologischen Gesellschaft“, die man heute eher als parapsychologisch bezeichnen würde. Aus diesem Interesse heraus entstanden wohl Gemälde wie die „Seherin von Prevorst“ oder die oben erwähnte „Ekstatische Jungfrau Katharina Emmerich“, die er stets in weißen, gleißenden Gewändern darstellte, die den Eindruck einer von Mondschein erleuchteten Gruft heraufbeschworen.

Es gab damals keinen einen anderen Künstler, der mit dieser malerischen Virtuosität die Seelenzustände seiner Zeit spiegelte und gleichzeitig mit wissenschaftlichem Forscherdrang Affen zu Hauptakteuren seiner Malerei machte. Die Erklärung dafür ist einfach. Gabriel von Max hat zwischen dem Glauben am Übersinnlichen und an der Evolutionstheorie keinen Widerspruch gesehen, er hat wissenschaftliche Forschung und Seancen als zwei Seiten der großen Suche nach der Wahrheit gesehen. Wie ernst er jedoch beides genommen hat, spiegeln die im Kunstbau gezeigten Exponate seiner anthropologischen, ethnografischen Sammlung wider, die zu ihrer Zeit als größte naturwissenschaftliche Sammlung seit Goethe bezeichnet wurde. In Gabriel von Max, in seinen brillanten, mitunter verstörenden Bildern kulminiert der Geist des späten 19ten Jahrhunderts. Und wer diese Künstlerpersönlichkeit verstehen will, kann weder den Spiritisten noch den Darwinisten ausschließen.

Die Ausstellung „Gabriel von Max. Malerstar, Darwinist, Spiritist“ ist bis zum 30. Januar 2011 zu sehen. Der Kunstbau des Lenbachhauses hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein umfassender Katalog mit Aufsätzen zu Gabriel von Max’ malerischem Werk sowie zu seinen naturwissenschaftlichen Sammlungen und Forschungen erscheinen.

Kontakt:

Kunstbau Lenbachhaus

U-Bahnhof Königsplatz

DE-80333 München

Telefax:+49 (089) 23 33 20 03

Telefon:+49 (089) 23 32 00 00

E-Mail: lenbachhaus@muenchen.de



14.12.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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23.10.2010, Gabriel von Max (1840–1915)

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Lenbachhaus München

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Gabriel von Max mit dem jungen Pavianweibchen „Puk“, 1902
Gabriel von Max mit dem jungen Pavianweibchen „Puk“, 1902

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Gabriel von Max, Paviankopf, 1870
Gabriel von Max, Paviankopf, 1870

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Gabriel von Max, Abelard und Héloise, nach 1900
Gabriel von Max, Abelard und Héloise, nach 1900

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Gabriel von Max, Die Mußestunde, Geschwisterpaar (Szene aus
 Tannhäuser), 1875
Gabriel von Max, Die Mußestunde, Geschwisterpaar (Szene aus Tannhäuser), 1875

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Gabriel von Max, Der Vivisektor, 1883
Gabriel von Max, Der Vivisektor, 1883

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Gabriel von Max, Die Seherin von Prevorst im Hochschlaf, 1892
Gabriel von Max, Die Seherin von Prevorst im Hochschlaf, 1892

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Blick in die
 Zoologische und Anthropologische Abteilung der wissenschaftlichen Sammlung von Gabriel von Max, um 1892
Blick in die Zoologische und Anthropologische Abteilung der wissenschaftlichen Sammlung von Gabriel von Max, um 1892







Gabriel von Max mit dem jungen Pavianweibchen „Puk“, 1902

Gabriel von Max mit dem jungen Pavianweibchen „Puk“, 1902

Gabriel von Max, Paviankopf, 1870

Gabriel von Max, Paviankopf, 1870

Gabriel von Max, Abelard und Héloise, nach 1900

Gabriel von Max, Abelard und Héloise, nach 1900

Gabriel von Max, Die Mußestunde, Geschwisterpaar (Szene aus Tannhäuser), 1875

Gabriel von Max, Die Mußestunde, Geschwisterpaar (Szene aus Tannhäuser), 1875

Gabriel von Max, Der Vivisektor, 1883

Gabriel von Max, Der Vivisektor, 1883

Gabriel von Max, Die Seherin von Prevorst im Hochschlaf, 1892

Gabriel von Max, Die Seherin von Prevorst im Hochschlaf, 1892

Blick in die Zoologische und Anthropologische Abteilung der wissenschaftlichen Sammlung von Gabriel von Max, um 1892

Blick in die Zoologische und Anthropologische Abteilung der wissenschaftlichen Sammlung von Gabriel von Max, um 1892

Gabriel von Max mit Äffchen, 1902

Gabriel von Max mit Äffchen, 1902

Gabriel von Max, Märtyrerin am Kreuz (Hl. Julia), um 1867

Gabriel von Max, Märtyrerin am Kreuz (Hl. Julia), um 1867

Gabriel von Max, Affe vor Skelett, um 1900

Gabriel von Max, Affe vor Skelett, um 1900

Franz Hanfstaengl, Gabriel von Max, 1876

Franz Hanfstaengl, Gabriel von Max, 1876




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