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Das Kunsthaus Zürich leistet sich zum einhundertjährigen Bestehen eine Hommage an Pablo Picassos erste Museumsausstellung am selben Ort im Jahr 1932

Ein großes Wiedersehen



Gleich in mehrfacher Hinsicht war die Ausstellung etwas Besonderes. Das komplette oberste Geschoss des Kunsthauses Zürich wurde leer geräumt und die ständige Kollektion eingelagert. 240 extra weiß bespannte Wandmeter mussten her. Wilhelm Wartmann, dem ersten Direktor des Museums, schwebte im Jahr 1932 eigentlich eine Präsentation des Dreigestirns der Moderne vor, nämlich Georges Braque, Fernand Léger und Pablo Picasso. Doch da ergab sich die Chance auf eine Soloschau mit Picasso, dessen Werke in großer Auswahl gerade in den kommerziellen Pariser Galeries Georges Petit gezeigt wurden. Strippenzieher sicherten hinter den Kulissen Braque und Léger separate Ausstellungen zu, und Wartmann überließ Picasso jedwede Freiheiten, damals absolut beispiellos. Beide erkannten jedoch ihre Chancen: Wartmann auf eine Jahrhundertschau, Picasso auf die Gelegenheit, seinen Rivalen Henri Matisse, der 1931 in Paris mit einer großen Schau für Aufsehen sorgte, zu übertrumpfen.


181 Bilder konnten aus den Pariser Galeries Georges Petit von Zürich übernommen werden, aufgestockt um weitere Leihgaben auf 225 Gemälde insgesamt. Hinzu kamen vier Plastiken und im Erdgeschoss rund 100 Zeichnungen, ebenso viele Radierungen und 98 Aquarelle. Pablo Picasso traf die Auswahl selbst, ein bislang in der Museumsgeschichte einmaliger Vorgang, der dem persönlichen Blick und eigener Wertung freien Raum ließ. Lediglich die konventionell chronologisch erfolgte Gruppierung und Hängung durch den Präsidenten der Ausstellungskommission des Kunsthauses, dem Maler Sigismund Righini, interessierte Picasso weniger, wurde von ihm aber sehr gelobt.

Retrospektiven lebender Künstler waren damals in öffentlichen Museen alles andere als selbstverständlich. Für vier Wochen geplant, musste die am 11. September 1932 eröffnete Ausstellung um zwei Wochen, bis zum 13. November verlängert werden. 34.027 Besucher sahen sie, damals sensationell, aber trotzdem bei weitem nicht kostendeckend. Aufgrund der Struktur als privater Kunstverein war und ist es dem Kunsthaus Zürich möglich, aus Museumsausstellungen Werke zu verkaufen. 30 Exponate wurden damals von Privatleuten erworben; wegen der Weltwirtschaftskrise sollen die Ankäufe allerdings spärlich ausgefallen sein. Immerhin konnte sich das Kunsthaus selbst ein Gemälde leisten: die kubistische „Guitare sur un guéridon“ aus dem Jahr 1915.

Der seinerzeit umfassendste Überblick über Œuvre und Entwicklung Pablo Picassos inspirierte das Kunsthausteam jetzt zu jener Geburtstagsschau, die keine reine Wiederholung sein will, was ausstellungstechnisch heute kaum mehr zu bewerkstelligen wäre, sondern eine Schau über die Ausstellung, deren Geschichte und Wirkungsgeschichte. Eine wissenschaftliche Detektivarbeit bestand zunächst darin, herauszufinden, welche Exponate 1932 gezeigt wurden. Denn lediglich schwarzweiße Abbildungen und wenig aussagekräftige Angaben zu Titeln und Eigentümern ließen manche Fragen offen. Der kunsthistorische Beitrag der erneuten Ausstellung besteht vor allem in der Dokumentation, die in den lesenwerten Katalog einfloss. 74 Gemälde der Auswahl von 1932 sind nun nach Zürich zurückgekehrt. Hinzu kommen drei Plastiken und dreißig grafische Blätter, die allesamt nicht in den historischen Räumlichkeiten, sondern im 1958 errichteten Ausstellungsflügel dargeboten werden. Die Kuratoren Tobia Bezzola und Simonetta Fraquelli waren bestrebt, bei ihrer erneuten Zusammenstellung die von Picasso vorgenommene Gewichtung nicht zu verschieben. Damals wie heute werden Sprünge, Brüche und Widersprüche aufgezeigt.

Im Foyer führen zunächst historische Fotografien in die Schau von 1932 ein. Dann geht es wie damals chronologisch voran. Ab 1899 datieren die Jugendwerke. Sie sind augenfällig inspiriert von alten Meistern sowie Paul Gauguin, Vincent van Gogh und Henri de Toulouse-Lautrec. Die farbenfrohen Porträts, aber auch Stillleben oder Stadtansichten lassen noch keine eigene stilistische Ausprägung Picassos erkennen. Ab Herbst 1901 signalisieren blaugrüne und blauviolette Farbschattierungen schwermütige, melancholische Stimmungslagen des Malers. Thematisiert werden Opfer der Gesellschaft: Kriminelle, Bettler, Prostituierte. Nach der Blauen schließt sich ab 1905 die Rosa Periode an.

Diese heute hoch geschätzten Phasen interessierte Picasso 1932 jedoch wenig. Viele kubistische Arbeiten lassen klar seine Präferenzen hervortreten. Die gemeinsam mit Georges Braque entwickelte Bildsprache sah Picasso als Beginn seines eigentlichen Schaffens, was eine Reihe von Gemälden und Collagen aus den Jahren zwischen 1907 bis 1920 hervorheben. Konträr dazu gibt sich die teils zeitgleich einsetzende mondäne und klassizistische Phase. Neben dem Kubismus setzte Picasso einen stattlichen Schwerpunkt auf zeitnah entstandene und ganz aktuelle Werke. Bedingt durch seine Freundschaft mit surrealistischen Dichtern zeichnet sich in den Jahren vor 1932 eine deutliche Annäherung an den Surrealismus ab, mit dessen Protagonisten er kooperierte und an deren Ausstellungen er teilnahm, ohne jedoch Mitglied in ihrer Künstlergruppe zu sein. Diese Phase dauerte bis weit über die Züricher Ausstellung 1932 hinaus. Aber auch dynamisch geschwungene, organische Formationen oder Linienbündel mit großflächigen Farbfüllungen deuten weit in die Zukunft, so etwa beim 1932 direkt von der Staffelei in die Ausstellung transferierten Porträt seiner damaligen geliebten Marie-Thérèse Walter, betitelt mit „Der gelbe Gürtel“.

Viele der jetzt ausgestellten Bilder gehören zum kollektiven Bildgedächtnis, wobei die Schau die Chance eröffnet, von weither angereisten Spitzenstücken erneut zu begegnen. Exemplarisch sei das größte und wohl auch imposanteste Gemälde angeführt. Über zwei Meter im Quadrat misst das 1927 entstandene Werk „Der Maler und sein Modell“, das ebenfalls mit abgedunkelter Palette, organischen Strukturen sowie filigranen Liniengerüsten in die Zukunft blickt. Ausgeliehen vom Tehran Museum of Contemporary Art ist es nur selten in Europa zu bewundern. An prominenter Stelle vor Kopf der lang gestreckten, mit ziehharmonikaartig gestaffelten Wänden ausstaffierten Ausstellungshalle platziert, drückt es zugleich symptomatisch das Fehlen einer einspurigen Entwicklung zugunsten vieler paralleler Stränge und Sprachvarianten aus. Dieser Picasso prägende Charakterzug wurde erneut überzeugend herausgestellt, und darin liegt der methodische Ertrag der Ausstellung, auch wenn die Rekonstruktion des ehemaligen Ausstellungsprofils heutigen gängigen kuratorischen Vorstellungen widerspricht.

Pablo Picasso hatte sich Berlin als zweite Station der Ausstellung gewünscht, aber allseits bekannte historische Umstände standen Ende 1932 diesem Ansinnen im Wege. Auch jetzt wird diese Schau nur in Zürich zu genießen sein. Die Überschreitung der Marke von 100.000 Besuchern nach wenigen Wochen legt offen, wie sehr der Name Picasso immer noch zieht.

Die Ausstellung „Picasso“ ist noch bis zum 30. Januar zu besichtigen. Das Kunsthaus Zürich hat täglich außer montags von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 22 Franken, ermäßigt 14,50 Franken. Zur Ausstellung ist ein lesenswerter Katalog erschienen, der an der Museumskasse 55 Franken kostet.

Kontakt:

Kunsthaus Zürich

Heimplatz 1

CH-8024 Zürich

Telefax:+41 (044) 253 84 33

Telefon:+41 (044) 253 84 84



07.01.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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